Schlagwort-Archiv: Schreibtagebuch

NaNoWriMo 2018 – No Win

Den NaNo 2018 nicht gewonnen zu haben, war der größte Gewinn

 

Wie ihr im Screenshot meines NaNo-Counters sehen könnt, darf ich mir dieses Jahr kein “Winner-T-Shirt und keine Badge abholen.

Dennoch habe ich das Gefühl, dieses Jahr mehr gewonnen zu haben, als in den Jahren davor.

 

November – Ausnahmemonat der Kreativen

 

Als ich 2015 in meinem Autorenforum das erste Mal von NaNo erfuhr, da war das eine einzige Party. Es war so enthusiastisch und alle haben sich gegenseitig hochgehyped, ihre Projekt gepitched, ellenlange Threads anglegt mit Charakteren und Plotpunkten.

Es wurde über Erzähltheorien gefachsimpelt und man hat in lustigen Challenges seine Protagonisten und Antagonisten gegeneinander ins Rennen geworfen.

Auch mich hat das total angesteckt und ich möchte diese Zeit, diese Erfahrungen nicht missen. Es hat mir gezeigt, wie sehr man sich in seine Geschichten hineinsteigern kann und darf. Dieser ‘NaNo-Sog’ entfaltet eine unglaubliche, schöpferische Kreativität, die auch mich zu Höchstleistungen getrieben hat, die ich nie für möglich gehalten hätte.

 

Doppel-Nano schien Pflicht

 

Wer etwas auf sich hielt, der hat sich sogar zu irrwitzigen Doppel-Nanos hinreißen lassen. Und nein, da wurden nicht nur einmal oder zweimal 50 000 Worte geschrieben. Da wurden teilweise 3-4 mal weit über 100 000 geschrieben. Von einer Person!

Einfach Wahnsinn, dachte ich und ließ mich mittragen.

Natürlich musste ein Soundtrack her – also die Musik, die man eh in Dauerschleife laufen ließ, um in die richtige Schreibstimmung zu kommen. Man nahm am Wichteln teil und man engagierte sich in Gruppen. Der eigene Thread wurde jeden Tag gepflegt und mit Schnipsel gespickt. Im Gegenzug hatte man natürlich aber selbst auch 5-20 Threads von Autorenfreunden, denne man folgte, die man fleißig kommentierte.

 

Der Alltag blieb ziemlich auf der Strecke

 

Und am Ende des Nano war man einfach nur ausgelutscht. Dennoch war man oft nicht fertig mit dem Manuskript.

Gerade, wenn man wie ich in seinen großen epischen Projekten schrieb, hatte man den Nano vielleicht gewonne, aber das Buch lag dann erstmal brach, weil die Kraft zum Weitermachen fehlte und man zunächst einmal wieder ‘ins normale Leben’ wollte.

 

Dieses Jahr geht es einfach entspannt weiter

 

Ich hbae jeden Tag nur soviel geschrieben, wie ich konnte und wollte. Ich habe viel zu tun gehabt wie immer, andere Projekte und vor allem meine Arbeit durften nicht zu kurz kommen und sind es auch nicht.

Ich hatte einen wundervollen, kreativen November und 43 000 neue Worte sind im “Herz des blauen Drachen” zusammengekommen.

Daneben habe ich meine Familie oft gesehen, viel Zeit mit meinem Mann verbracht und ich habe nicht das Gefühl, etwas sei auf der Strecke geblieben.

Ich kann also heute einfach weitermachen, wo ich das Manuskript verließ und wenn ich nun jeden Monat annähernd so viel zusammentippe, dann ist es gar kein Problem, meine Projekte ohne viel Stress dennoch zu beenden.

 

Dieser Nano hat mir also beigebracht, das Schreiben endlich im richtigen Maß in meinen Alltag zu integrieren.

 

Größer kann ein Gewinn für mich gar nicht sein.

 

Die allerliebsten Grüße,

 

eure Sylvi

 

 

Autorentgebuch – Lebenszeichen

In der Tat, mich gibt es noch!

 

Kein Hai hat mich erwischt, kein Tornado nach OZ getragen und das Schleierportal nach Erui habe ich auch noch nicht gefunden. Dafür hatte mich das Reallife dermaßen fest im Griff, dass ich kaum dazu kam, kurz mal was auf meiner FB-Seite zu posten. Alles andere lag quasi brach.

Was ich stattdessen seit dem Sommer gemacht habe? Ein Haus renoviert, in das wir auch schon zur Hälfte umgezogen sind. An meinen Romanen weitergeschrieben. Der Hamster hat zum Beispiel ein Cover bekommen. – Auch das muss ich zu meiner Schande gestehen, hat es bisher nur auf Facebook geschafft. – Messen vorbereitet, wie die BuCon und die jetzt anstehende BuchBerlin.

Dazu finden gerade übrigens auf der Seite der Märchenspinnerei, die ich mitbetreue, Themenbeiträge für die Berliner Märchentage statt.

Ihr seht also, ich war nicht untätig. Nur fürs Bloggen hier hat es einfach nicht gereicht.

 

Neuer Monat, neue Aktionen

Das wird sich aber nun wieder ändern. Der November bringt zwar nicht unbedingt mehr Zeit mit sich, aber dennoch einfach ein paar Aktionen, die ich nicht unerwähnt lassen will.

Übermorgen, am 12.11. startet her bei mir die Awareness-Kampagne – Blogger gegen Cybermobbing- .

Den Tag habe ich zu Ehren meiner Romanheldin Leonie gewählt, denn ihr Tagebuch im “Axolotlkönig” beginnt mit den Worten: ” 12. November im schrecklichsten Jahr meines Lebens …”

Eine handvoll Blogger und ich finden das Thema, das ja wesentliche Inspiration für meinen Jugendroman aus der Märchenspinnerei war, einfach zu wichtig und wollen mit euch darüber reden. Dabei werdet ihr auch sehr viel Persönliches hören. Auch mich hat es überrascht, wie vielfältig Mobbing sein kann. Und oft dauert es Jahre, bis man alle Folgen davon begreift und auch darüber reden kann. – So wie bei mir.

Und dann ist da noch der NaNo

 

Ach ja. Was wäre der November ohne den Schreibwahnsinn, der sich NaNoWriMo (national novel writing month) nennt?

Das dritte Jahr in Folge versuche ich mich an der Herausforderung, an einem Buch in einem Monat 50.000 neue Worte zu schreiben.

Mine Wahl fiel dabei dieses Jahr auf den ersten Band der nächsten Erui-Trilogie. “Das Herz des blauen Drachen – Ein uralter Schwur -“. Für alle, die somit sehnsüchtig darauf warten, nach Erui zurückkehren zu können, kann ich versprechen: Ewig wird es nicht mehr dauern. 🙂

Im Unterschied zu den Vorjahren verzichte ich übrigens auf den irrsinnigen Versuch eines Doppel-Nanos. 2015 hat es ja geklappt, als ich den Grundstein für das Drachenherz legte und Sternenstaub fertigschrieb. Dieses Jahr ist mit dem Umzug und der BuchBerlin allerdings schon ein Nano der völlige Wahnsinn.

Im Moment läuft es dennoch sehr gut und es ist einfach wundervoll wieder in vertrauten und doch unbekannten Gefilden zu wandeln. Im Drachenherz begebe ich mich immerhin in ein Erui 1000 Jahre vor der Handlung des Sterns. Damals, in der zweiten dunklen Zeit, war vieles anders. Dennoch ist die Magie und der Zauber meiner Welt mir so vertraut. 🙂

Ich freue mich schon, euch ganz bald noch viel mehr von diversen Projekten und Ideen zu berichten.

 

Also bis dann.

 

Eure Sylvia

 

 

Sommerloch – Liegen wir da alle faul am Strand?

Ihr habt bestimmt schon gemerkt, dass auch hier auf der Seite das berüchtigte SOMMERLOCH zugeschlagen hat.

 

Aber wie kommt denn das? Hängen wir da alle hitzebedingt einfach durch? Schreiben Autoren nur zu bestimmten Jahreszeiten? Liege ich die ganze Zeit faul am Strand/im Pool/im Garten?

Klar sind jetzt auch Ferien. Und Klar ist man mehr draußen. Dadurch, ja, ich schreibe grade eher weniger. Dafür habe ich aber tausend andere Sachen zu tun. Und doch. Die drehen sich ganz oft rund um die Bücher. 😀 Allerdings nicht nur.

Wer mir auf Facebook folgt, der weiß, dass da seit ein paar Wochen so ominösen Ankündigungen stehen, dass sich hier bei uns was ändert. Und ja, das ist das nächste große Paket, dass mich derzeit umtreibt. Und es gehört zu der Art von Ereignis, die nicht einfach mal in wenigen Tagen abgehandelt ist. (Nein, konkreter werde ich dazu nicht. In den Kommentaren raten bringt auch nix. Es wird keine Antwort geben. Manches ist einfach privat. 😛 )

 

Damit ihr aber wisst, dass ich euch nicht vergessen habe:

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Bücher signieren am frühen Morgen …
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… damit sie mit euch in den Urlaub fliegen können. 😀 

 

Eine große Kiste Buchbestellungen hat nur darauf gewartet, dass ich die Feder zücke. Jetzt kann ich zur Post tingeln und dann dürfen die Sterne und Lurche erst zu euch und dann dahin reisen, wohin auch immer es euch verschlägt.

Die Bilder sehe ich dann ja vielleicht auf Facebook oder Twitter. 😀

 

Genießt den Sommer!!

 

Liebste Grüße,

 

eure Sylvia

 

 

Schreibtagebuch – Webinar, Übersetzung und neue Ideen für das Drachenherz

Mitte Juni. Das Jahr ist mehr als halb rum.

Das schreit nach einem neuen Eintrag in meinem Schreibtagebuch.

Einerseits ist da irgendwie dieses Gefühl, auf der Stelle zu treten, da ich nicht schon wieder schreien kann “Leute, bald kommt mein neues Buch!”. Aber andererseits tut sich auch hinter den Kulissen gewaltig viel.

In der Märchenspinnerei wird es nun mit 5 veröffentlichten Titeln und noch 8 Büchern im Werden richtig quirlig und belebt, und ich muss versuchen, da nicht den Überblick zu verlieren. Es ist anstrengend, macht aber riesig Spaß.

 

Dann habe ich ja endlich den Übersetzer für mich und den Stern gefunden.

Sprich, der erste Teil von Heimkehr liegt bereits auf dessen virtuellem Schreibtisch und ich warte gespannt auf allererste Schnipsel. Nach den ausführlichen sehr netten Emails, die wir schon ausgetauscht haben, bin ich von seiner sprachlichen Kopetenz und seinem Feingefühl sowohl fürs Deutsche als auch fürs Englische total überzeugt. Ich refreshe quasi stündlich meinen Posteingang, um zu schauen, ob es da schon was Neues gibt. 😉

 

Mein Webinar bei den Book Doctors ist morgen

Und das ist damit gleich der nächste ganz spannende Punkt auf meinem Juni-Termikalender. Ich habe ja am Pitchapalooza teilgenommen und es gab die Möglichkeit, ein Webinar kostenfrei mitzumachen, welches noch mal auf Einzelheiten des eingesandten Pitches eingeht.

Was der Pitchapalooza genau war, könnt ihr hier nochmal nachlesen, wenn ihr mögt. Im Prinzip haben Schreiber aus aller Welt einen Pitch zu ihrem letzjährigen Nano-Roman verfassen und einsenden können. Es ging darum zu sehen, ob man mit seiner Kurzfassung der Romanidee (Pitch) denn das richtige Publikum anspricht und den Leser neugierig genug macht, ohne zu viel zu erzählen.

Ich habe ja im letzten Nano an “Das Blut der alten Zeit” geschrieben; einem Erui-Prequel zum Stern und zum Drachenherz, das den Beginn der zweiten dunklen Zeit mit Prinzessin Laurins Entführung durch den Schatten einläutet.

Die Kuzbeschreibung ist nun im Englischen wie folgt:

The Chronicles of Erui

‘Ancient Blood’

Gar’Erui, the world made of human dreams and desires, seems to be an endless fairytale of golden summerdays, glistening snowrides and lush ballnights. The alldevouring Shadow has not been seen for over a millenium. And the mists between the worlds have become so thick and deep, that human thoughts no longer influence the fragile magic world.

But within all this peaceful quietude the Highkings as well as the Heavens Gaurdians became dull and unobservant. None of them recognizes, that Erui’s new hope, the blossoming princess Laurin of Edin, abandons the path of the Highkings and falls under the spell of a young admirer.

Inveigled by Fionlaghs courtship, Laurin sees for the first time, that life could hold more to her than just the crowns’ duties. He also offers her a completely unexpected view on the life she thought she has lived. Her world crushes in pieces, when she discovers, that the tragic death of her loving mother was coldblooded murder. And the abominable truth about the father, turns her away from ever claiming the throne and thus sustain the spell, that safeguards Erui.

Laurin believes she chooses freedom, but instead the oldest of all prophecies comes true, and the Shadow rises once again.

This novel is a dark prequel for the German fantasy series „Der Stern von Erui“ (Planed English Title: „Song of a falling Star“), comparible to Anne Bishop‘s ‚Black Jewels‘, opening the door to a world magnificient and prestine and pitchblack, just as the human soul.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was die Profis dazu sagen. Wenn ich merke, dass mich deren Coaching weiterbringt, dann habe ich auch auf jeden Fall vor, den Kontakt auszubauen, eventuelle weitere Coachings mitzumachen, denn zugegeben, vor dem englischen Buchmarkt habe ich Respekt.

Die Philosophie der Book Doctors ist zwar, dass jedes Buch seine Nische findet. Aber ausländische Autoren haben es dort garantiert nicht leicht. Ich bin gespannt, wie sich mein Stern dort machen wird.

Aber neben diesen ganzen neuen Entwicklungen musste ich natürlich auch mal ausspannen.

Und dazu habe ich mir das Wochenende mal freigenommen von allen heimischen Verpflichtungen und eine Freundin besucht, die ich gefühlt schon ewig kenne, die ich ohne den Stern aber nie getroffen hätte.

Reden wir sonst immer nur über Bücher, das Schreiben, Lesungen, Messen, Conventions und Ideen für neue Projekte, war es einfach wundervoll, mal nur privat zusammenzuhocken. Beim Trivial Pursuit haben wir herausgefunden, dass für uns beide das Gegenteil von Rasen ‘zu langsam’ ist. 😉

Aber sicher, wenn zwei Bücherwürmer sich treffen, dann geht es nicht ganz ohne. Also habe ich ihr schnell noch ein paar Autogrammkarten signiert, bevor ich wieder heimgebraust bin. (Immerhin haben wir ja etabliert, dass ich nicht über Autobahnen schleiche 😉 )

 

Und dann kommt ganz unerwartet die Muse vorbeigeschlichen.

Zum Beispiel während ich nach der Hälfte der Strecke auf dem Beifahrersitz vor mich hinlümmelte und meine Gedanken in diesem lieblichen Strudel aus Entspannung dahin dümpeln ließ.

‘Was hatte sie im Gepäck?’, fragt ihr euch nun sicherlich. – ‘Neue Ideen für das Drachenherz!’, lautet die Antwort.

Am Anfang hat eine Stelle noch nicht viel Sinn ergeben. Ich zerstöre ein Schloss und vernichte eine Familiendynastie (mal wieder), bei der sich die Frage stellte, wieso das alles nicht schon lange vorher so gekommen war. Aber Eruis Schleier sind für mich nie so undurchdringlich, dass ich die Antworten auf solche Fragen nicht finden würde. Somit muss ich nun also nochmal an ein paar Anfangssequenzen aus dem Drachenlied.

Ich freu mich schon drauf. 😀

 

Positives und Negatives Feedback -weil nicht alles jedem gefallen kann.

Zu guter Letzt ist diese Woche auch etwas passiert, was schon lange überfällig war. Eigentlich rechne ich seit dem ersten Tag damit, den mein Stern sich so auf Amazon herumtreibt, denn eins ist sicher: Da nicht alles jedem gefallen kann, gibt es irgendwann auch für jedes Buch mal eine schlechte Kritik.

Das war ja, zugegeben, immer meine persönliche Angst, gerade weil der Stern mir ja sehr viel bedeutet und eben einfach wahnsinnig wichtig ist. Wenn man so viel Zeit in etwas investiert, dann kann es einen ganz schön runterziehen, wenn einer daherkommt und es in zwei drei Sätzen zerlegt oder abfertigt. Somit wusste ich nie, wie ich mit sowas mal umgehen würde.

Nach der letzten Woche, in der ich ja sagenhaft wundervolles Feedback sowohl für den Stern als auch für den Lurchi aus allen Richtungen bekommen habe, war das dann also mein Wochenabschluss. Aber was soll ich sagen. Es hat mich irgendwie kaum berührt.

Ich weiß einfach mittlerweile, welche Art von Leser der Stern erreichen kann … und welche eben nicht. Dass ich das weiß, liegt vor allem an euch, meinen wundervollen Lesern. All den tapferen weißen Rittern, die sich nach Erui wagen und sich dem Schatten stellen. All den Kriegern von Arvindûras, die durch das Grasland reiten und versuchen, die Welt vor dem Bösen zu bewahren und den Stern zum Leuchten zu bringen.

 

Das Forum kommt nun bald.

Um diesen Austausch noch zu vertiefen, der bisher meist nur per Email stattfindet, wird nun auch das Forum wieder freigeschaltet werden. Manche Punkte, Ideen, kritischen Anmerkungen, die einzelne mir senden, würde ich so gern mit euch anderen teilen und drüber diskutieren. Auch meine ganzen Ideen zum Drachenherz und zum alten Blut wollen raus und mit euch besprochen werden.

Darum mag ich gerne meiner Stammleserschaft diese Möglichkeit geben, sich noch interaktiver an Erui und meinem Schreibprozess zu beteiligen. Ihr seht also, auch wenn es Tage gibt, an denen es still ist auf meiner Seite, in meinem Leben bleibt es turbulent.

Ich freue mich, dass ihr und der Stern in diesem Trubel ein beständiger Teil seid, eine Konstante, die es immer wieder schafft, mich zum Lachen zu bringen und die den Traumgespinsten in meinem Kopf neue Nahrung liefert.

 

Wir lesen uns hier oder auf meinen anderen Kanälen.

 

Liebe Grüße,

Eure Sylvia

 

Von Enttäuschungen, falschen Entscheidungen, Tod und Ewigkeit – Das Herz des blauen Drachen

Heute mag ich was über mein “Herz des blauen Drachen” erzählen

Im allgemeinen wisst ihr ja, dass ich in meinen Büchern gern immer etwas mehr tue, als ‘nur’ eine Geschichte zu erzählen. Geschichten, Märchen, Fabeln, Fantasy – das alles verbinde ich selbst immer mit dem gewissen Etwas. Dieser bewusst oder unbewusst versteckten Botschaft, wie eigentlich alle klassischen Märchen sie haben, wie auch Der Herr der Ringe oder aber Die Nebel von Avalon sie haben. Ich mag einfach Bücher, die man nicht nur einmal lesen kann, sondern die einem immer wieder etwas Neues bieten.

Darum versuche ich das auch bei meinen.

Aber glaubt jetzt nicht, dass ich da sitze und mir überlege: Boah, über welches Thema kann man denn schön in einer Fantsy-Geschichte philosophieren?

Nein. Es ist eigentlich viel simpler. Die Geschichten finden mich und je mehr ich von ihnen sehe, umso mehr sehe ich die Verbindung zu uns, zu unserem Leben im Hier und Jetzt. Und was ich dann tue, das ist noch einfacher:

 

Ich höre der Geschichte in mir einfach zu.

 

Beim Stern wusste ich von Anfang an, was er mir sagen will. Beim Drachenherz war das nicht gleich klar. Da waren erstmal nur Gwen und ihr Weg zur Hohepriesterin, und Mendric, der in jungen Jahren so ganz anders war. Und Ariman und Luani und ich wollte eigentlich nur, dass die Leser begreifen können, dass sie nicht die Bösen der Geschichte sind.

Vielmehr sind sie die, die seit Ewigkeiten schon damit geschlagen sind, ihrer Welt beim Sterben zuzusehen, unfähig, etwas dagegen zu tun. Die Legenden, mit denen Erui gerettet werden kann, sie sind nicht für sie geschrieben worden und die Rollen, die sie spielen, sind vielleicht die Härtesten von allen.

 

Dann irgendwann kam der blaue Drache mit ins Spiel.

 

Er war zunächst gar nicht so übermäßig präsent in meinen Gedanken. Er schob sich erst später rein. so ein bisschen zornig und wütend, dass ich ihm keine Beachtung schenkte. Und Zorn und Wut war seitdem überall. Ich habe versucht, zu verstehen, woher das kommen mag und mit der Antwort auf diese Frage, habe ich auch mehr oder weniger den Grundtenor der Geschichte gefunden.

Thoran versprach, für die Ewigkeit, die ihm geschenkt wurde, in Eruis dunkelster Stunde einen neuen Weg zu schaffen. Wie genau das alles vonstatten geht, und was am Ende passiert, das verrate ich hier natürlich nicht, obwohl jeder, der den Stern kennt, natürlich eine grobe Ahnung davon hat.

Aber vor allem wurde mir klar, mit was dieses Geschöpf sich auseinandersetzen muss: mit seiner plötzlichen Sterblichkeit. Der Endlichkeit eines jeden Dinges.

 

Werden und Vergehen sind also die Triebkräfte, die das Drachenherz prägen.

 

Ihr werdet also ein Erui kennenlernen, wie ihr es euch vielleicht schwer vorstellen könnt und wie ich es mir anfangs auch nicht ganz vorstellen konnte. Doch mit jedem Gedanken und jedem Wort wird das Bild in meinem Kopf klarer. Und ich hoffe, dass ich euch mit Worten malen kann.

Was nun noch bleibt ist die Frage: Woher mag dieser Gedanke kommen? denn natürlich ist mir klar, dass die Geschichten schon irgendwo in mir entstehen. Und nach einer Woche wie der letzten, kann ich das auch ganz gut nachvollziehen.

 

Leben und Tod sind das, womit ich tagtäglich konfrontiert bin.

 

Nehmen wir die letzte Woche. Es ist Frühjahr. Was steht also in so einer Tierarztpraxis an? Ultraschall. Bei Stuten, bei Hunden bei Katzen. Gratuliere! Sie bekommen Nachwuchs. Wohl die häufigsten Worte in dieser Woche. Ein Korb mit mutterlosen Katzenwelpen. Mauzendes Glück auf winzigen Samtpfoten, das sich dankbar in eine liebende Hand kuschelt, nachdem es Fläschchen gab.

Aber dann sind da auch die anderen Fälle. Die treuen Freunde, die geliebten Gefährten, die einen durch die Kindheit oder ein stückweit durch das Erwachsenenleben begleitet haben. Am Ende bleibt manchmal nicht mehr, als dass ich diesen treuen Seelen endlich Erleichterung und Frieden schenken darf. Schenken muss. Die Entscheidung mit dem Besitzer zu treffen, ist dabei oft nicht leicht. Und dennoch. Meist, in unausweichlichen Fällen, mache ich sogar das gern. Denn ich weiß, ich kann Schmerzen nehmen. Schmerzen, die Menschen in der gleichen Situation oft ertragen müssen.

Dennoch ist es traurig.

Neues Leben und vergehendes begleiten mich also immer und überall. Eigentlich nur logisch, dass es irgendwann auch einen Weg in meine Geschichten fand.

 

 

Liebe Grüße,

 

Eure Sylvia

Selbstreflektion – Ein paar ‘Schwächen’ meines Sterns im Rückblick

Heute Abend ist mir einfach mal danach ein bisschen über meinen Stern von Erui zu plaudern.

 

Der Grund ist reichlich simpel: Ich habe in den letzten Wochen ein paar ganz tolle Rezensionen bekommen. Und manche eurer Worte beschäftigen mich einen ganzen Tag und länger. Na gut, nicht alle. Aber viele. Also ist mir danach, darüber zu reden. 🙂

 

Zuerst will ich mal mit einem Gerücht aufräumen, bzw. erklären, warum es existiert.

 

Oft fragen mich die Leute: Der Stern soll dein Erstling sein? Ernsthaft? So komplex, so allumfassend so … groß?

Die richtige Antwort ist: Jein.

Erstling. Was heißt das überhaupt? Das erste Buch, das ich je schrieb. Nein. Definitiv nicht. Der allererste hieß ‘Pucki, das kleine Eichhörnchen’ und ich habe es in der 3ten Klasse geschrieben. Davor hatte ich was mit einem Einhorn und einer Trauerweide angefangen, aber nie beendet. ( Ich glaube, da hat Erui schon insgeheim angeklopft 😉 ), danach habe ich noch mehr Bücher geschrieben. Ponybücher. Und ja, eines davon wurde sogar publiziert.

Aha, also ist das wohl mein Erstling.

Daran scheiden sich die Geister. Es gibt teile der Buchwelt, die selbst einen selbstverlegten Autor noch als ‘unveröffentlicht’ betrachten. Also Wettbewerbe, die ausgeschrieben sind für ‘unveröffentlichte Autoren’ mit dem Zusatz, dass Selfpublishing nicht zählt. Demnach wäre also nicht einmal der Stern mein Erstling, oder der Lurch, sondern die Bücher, die nächstes Jahr im Verlag erscheinen werden (Überraschung!!!)

Mein Ponybuch zählt allerdings wirklich nur so halb, denn es war bei weitem kein seriöser Verlag und ich glaube letzten Endes wurden von der Auflage, die 1000 Stück umfassen sollte nicht mehr als 50 gedruckt. Ja, über diese Episode meiner Autorenkarriere kann ich ein eigenes Buch schreiben. Will ich aber nicht.

Sagen wir einfach: Der Stern ist mein erstes richtiges Buch, was irgendwie seinen Weg in die Öffentlichkeit fand. Ob wir das nun als Erstling bezeichnen oder nicht, ist mir egal. Die Geschichte war so ziemlich immer da und das erste Mal wirklich drüber nachgedacht habe ich mit 14.(Nachdem das Ponybuch grandios gescheitert war) Aber Teile dieser Geschichten kann ich bis sehr viel früher in meinem Kopf verfolgen. Gefühlt ist es auf jeden Fall mein Erstling und eigentlich auch die einzige Geschichte von der ich immer wusste, dass ich sie erzählen MUSS. Dass nur ich sie erzählen kann …

 

Aber zurück zum Thema: Es gab viele Sterne für den Stern! 🙂

 

Viel Lob für mich und ein paar sehr schöne Komplimente, die mich den ganzen Tag schon selig lächeln lassen. aber es gibt ja nicht immer nur Lob. Klar, es gibt Leute, die einfach nur total überwältigt sind … und was soll ich sagen? War ich auch, je mehr von der Geschichte sich mir offenbarte. Ich habe wirklich oft genug Rotz und Wasser geheult und manche Szenen niederzuschreiben fiel mir extrem schwer.

Kommen wir damit auch zu einer Sache, die ich ab und zu mal lese: Nämlich, dass Buch zwei ein paar Längen hat.

Ja. Da gibt es nichts dran zu rütteln. So ziemlich bis kurz vor der Veröffentlichung habe ich extrem mit den Schattenkriegen gehadert. Aus verschiedenen Gründen.

Zum einen ging es um … ? Richtig! Krieg. Also viele Kampfszenen. In denen habe ich mich nicht wirklich so zuhause gefühlt. Ich habe mindestens doppelt so viele davon wieder gelöscht, wie ich nachher im eigentlichen Buch einbaute und war dennoch in der vorläufigen Endversion nicht glücklich mit Teil zwei.

Es fühlte sich nicht wie ein gutes Buch an, sondern wie eine Notwendigkeit, um von meinem spannenden Auftakt Heimkehr zu meinem fulminanten Finale Sternenstaub zu kommen. So die Geschichte, die halt erzählt werden muss, damit man es versteht, während der eigentliche Zeitstrang nichts Nennenswertes zu bieten hat.

 

Dabei war ich ziemlich blind und habe lange, das Wesentliche nicht gesehen.

 

Ich habe dann 5 Monate vor der Veröffentlichung die ersten Rückmeldungen zu teil eins bekommen und war ein wenig überwältigt, dass die Leute es wirklich mochten. Dann kamen die ersten Leserunden und Rezensionen und auch Fragen per PN zu diesem oder jenem Charakter. Zu allem zu Lew. Und da fiel es mir dann wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen.

Denn ja, ich habe keine andere als seine und Fenias Geschichte erzählen wollen. Eingebettet in diesen ganzen weltumfassenden Epos. Ich wollte in Buch zwei in die Vergangenheit und dort von den eigentlichen Helden von Erui berichten. Während Fenia einem in Band eins ja noch nicht wirklich nah kommt, weil man sie nicht versteht (und nicht verstehen soll) soll man in Band zwei verstehen, warum sie, die strahlende Heldin, der alles in den Schoß fällt, zerrüttet und kaputt und völlig ohne Hoffnung nachhause kommt.

 

Ich habe dann das getan, wovor ich mich die ganze Zeit gedrückt habe.

Ich habe die Geschichte von Fenias Erlebnissen im Norden ausgeschrieben. Buch zwei setzte ursprünglich da ein, wo Joe sie heim nach Talveymar bringt und man bekam vieles nur in der Rückblende mit. Dadurch blieb sie dieses kalte, unnahbare Geschöpft. Und auch Llewellyn war nur in meinem Kopf der Junge, der für sie zum König und zum Helden wurde, denn man sah nichts von seiner Entwicklung.

Ich weiß noch, dass ich in wenigen Wochen schrieb und schrieb und schrieb, soviel und so gut, wie glaube ich noch nie zuvor. Ich habe bei weitem nicht so viel gelöscht wie üblich und alles fügte sich irgendwie zusammen und fühlte sich richtig an.

Und dann habe ich noch ein paar Längen eingebaut.

 

Es gibt ein Buch, das mir beibrachte, dass Längen nichts Schlechtes sein müssen. Das war der fünfte Band von Harry Potter. diese furchtbare Ungewissheit, in welcher die Erwachsenen Harry hinhalten, ihn nicht einweihen und ihn mit Belanglosigkeiten bei der Stange halten. Dadurch habe ich seinen Frust gespürt und selbst erlebt.

Das wollte ich auch für Erui. Und was sollte Buch zwei ihnen am eindrücklichsten vermitteln?  Fenias Schmerz. Nach allem, was sie erreicht hatte, nach allem, was sie war, den Prüfungen, die sie bestanden hatte, den Schlachten, die sie geschlagen hatte, war sie letztlich heimgekehrt.  Heimgekehrt und doch niemals mehr wirklich in der Lage, irgendwo zuhause zu sein, weil der Schatten ihr alles genommen hatte, was Erui ihr einst vor die Füße legte.

Es vergehen viele Monde, in denen die Menschen versuchen, nach Talveymar zu gelangen und sie eben partout NICHT dorthin will. Weil es für sie dort nichts gibt, als bittere Erinnerungen.

Ja, für manche mag das ein bisschen langatmig geworden sein. Doch ich erinnere mich immer wieder gern an den Brief von Fenia, den meine Kollegin Eva-Maria auf ihrem Blog verfasst hat, der mich spüren ließ, dass sie in Schattenkriege genau das gefunden hatte, was ich versucht hatte, hineinzulegen. Das hat mich schrecklich glücklich gemacht. Und gleichzeitig musste ich heulen, weil der Brief wirklich sehr ergreifend ist und ich mich echt schuldig fühlte. (Dabei wusste ich ja, wie letztlich alles enden würde)

Alles in allem wurde mit diesem letzten Überarbeitungsschritt aus den Schattenkriegen ein Buch, das auch für mich nicht mehr länger nur so der Teil zwischen eins und drei war, sondern eine in sich geschlossene Episode in diesem sehr düsteren, traurigen Märchen. Und ja, ich mag Schattenkriege mittlerweile sehr. 🙂

 

In der Reihe gibt es außerdem noch diese ‘vergessenen’ Nebencharaktere

 

Charaktere, die man nicht braucht, hat eine kritische Stimme sie genannt. Sie haben keine Relevanz und hätten gar nicht erst mit nach Erui kommen müssen.

Stimmt!

Lena und Nina sind furchtbar. Ich hasse sie und ich hasse die Stellen mit ihnen. Aber sie waren notwendig.

Der Stern gibt ja viele seiner Geheimnisse nur zwischen den Zeilen preis. Zu diesen beiden sei folgendes gesagt: Ich glaube, – nein, ich weiß -,  dass es tatsächlich so oberflächliche Menschen gibt, dass sie durch ein magisches Portal in eine phantastische Welt gelangen könnten, sie könnten sehen, wie diese durch Hass, Bosheit und Niedertracht, Oberflächlichkeit, Kälte und Gleichgültigkeit fast zerstört und von wahrer, reiner Liebe gerettet wird, und dennoch würde es für sie und ihre Art zu leben nicht, aber rein gar nichts ändern.

Es gibt sie. Leider. Darum gibt es auch immer noch den Schatten. Aber im Stern steht es ja:

 

Gib die Menschen nicht auf. Die Träume in ihren Herzen können so mächtig sein. Sie müssen es nur erst begreifen.

 

Soweit erstmal von mir.

 

Habt einen schönen Abend. 🙂

 

Eure Sylvia

Lasst uns doch über Literatur reden! – Von Sinn und Unsinn gängiger Bewertungssysteme

Da stellt sich doch erstmal die Frage, was ist Literatur denn überhaupt?

Ich bin ja nur Phantastikautor (Vorsicht Ironie), darum musste ich das erstmal in Wikipedia nachschlagen. Hier aber mal zitiert für alle, die jetzt nicht mühsam auf den Link klicken wollen:

 

Literatur ist seit dem 19. Jahrhundert der Bereich aller mündlich (etwa durch Vers­formen und Rhythmus) oder schriftlich fixierten sprachlichen Zeugnisse. Man spricht in diesem „weiten“ Begriffsverständnis im Hinblick auf die hier gegebene schriftliche Fixierung etwa von „Fachliteratur“ oder, im Bereich der Musik, von „Notenliteratur“ (Partituren) bzw. ganz allgemein von „Literatur“ im Sinne der Gesamtheit oder von Teilen schriftlich notierter Musik.

Die öffentliche Literaturdiskussion und -analyse ist demgegenüber seit dem 19. Jahrhundert auf Werke ausgerichtet, denen besondere Bedeutung als Kunst zugesprochen werden kann, und die man im selben Moment von Trivialliteratur und ähnlichen Werken ohne vergleichbare „literarische“, sprich künstlerische Qualität, abgrenzt. Die Literatur zählt zu den Gattungen der Kunst.

Wie ihr schon seht, ist diese Definition noch gar nicht so alt. Wenn man mal bedenkt, dass die Menschen schon geschrieben und auch aufgeschrieben haben, seit die alten Sumerer die Keilschrift erfanden. Was aber auf jeden Fall aus der obigen Definition anklingt, ist die Unterscheidung von Schrifttum in Triviales (Trivialliteratur) und eben die Hochliteratur. Und ja, auch hier würden jetzt einige ‘echte’ Literaturkritiker sagen, dass ich als ‘Fantasy-Schreiber’ aufhören müsste mitzureden. Punkt.

 

Aber ihr kennt mich ja mittlerweile und ich kann mein Klappe eben doch nicht halten.

Darum dürft ihr auch den Rest dieses Traktates noch ertragen. Und warum? Na, weil ich heute in der Mittagspause eine wundervolle, von meiner Seite aus nicht sehr heftige, aber umso anregendere Auseinandersetzung mit einer Kollegin hatte. Es ging schlicht um ein paar Rezensionen, die mir sauer aufstießen und ihr nicht.

Aber eben nicht, wegen den Sternen, die vergeben, oder nicht vergeben wurden. (Sterne habe ich doch zur Genüge und produziere ständig nach 😉 ) Nein. Gerade, dass es bei heutige Bewertungen eben nur um dieses starre 5-Sterne-Modell geht, und nicht über die Auseinandersetzung mit Texten, das stört mich. Das stört mich gewaltig. Wenn einer einfach sagt: Boah, die Story ist nix für mich. Dann ist mir das doch egal. Ich schreibe doch für alle die, die sich in meinen Texten wiederfinden. Und manchmal überrascht es mich dann sogar, wer das alles so ist.

 

Doch noch einmal zurück zu den 5 Sternen.

Die vergibt jeder ja nach einem anderen Schema. Manche vergeben fast nie 5 Sterne. (Außer für Harry Potter, Herr der Ringe und Fifty Shades of Grey, versteht sich.) Und manche vergeben nur fünf Sterne, denn alle anderen Bücher sind es gar nicht wert, dass man ihnen eine Rezension widmen, oder aber, sie wollen nicht dran schuld sein, dass sich aufgrund der Kritik irgendwo ein sensibler Autor erhängt, oder aber, weil sie wenig anspruch an Bücher haben, oder weil sie grad nur die lesen, die eh gut sind.

Ihr seht, es gibt eine Millionen Gründe und Möglichkeiten, wie in dem gängigen fünf-Punkte-System bewertet werden kann. Ich selbst habe mit dem Ende meines Elfenbeinturm-Daseins (Damit meine ich die Veröffentlichung von Heimkehr) in den letzten zwei Jahren eine ganz schöne Wandlung meines Lese- und Rezensionsverhaltens durchgemacht. Und ich bin mittlerweile der Meinung: Autoren sind die schlechtesten Kritiker. In jeder Hinsicht.

Aber warum denn das?

Na, ganz einfach. Ein Autor ist NIEMALS neutral. NIEMALS. Erstens sind die meisten immer mit dem Kopf in den eigenen Werken. Was es unendlich schwer macht, sich überhaupt auf fremde Gedankenwelten einzulassen. Dann hat man anfangs wohl immer das Bedürfnis, in den Krümeln zu wühlen. Also sprich: man will etwas finden, das einem selbst an einem guten und emotional aufwühlenden Buch nicht gepasst hat, denn es gibt einem innerlich  das befriedigende Gefühl, dass selbst ganz große Nummern unter den Autoren Fehler machen und dann fühlt man sich nicht mehr ganz so klein und unbedeutend. Dann gibt es noch den Schlag Autoren, die Kollegen prinzipiell nie schlecht bewerten. Angst vor ‘Rache-Rezis’, Kollegialität, man will niemandem auf die Füße treten, man fühlt sich verpflichtet – es gibt Millionen (schlechte) Gründe dafür.

Manchmal macht man auch all das als Phasen eines Entwicklungsprozesses durch und gehört bald zu der einen, bald zu der anderen Gruppen, bis man irgendwann aufhört, Rezis für Kollegen zu schreiben …

… denn egal, was man macht, es ist immer falsch.

Ich bin mittlerweile für mich an einem Punkt angekommen, an dem ich dieses völlig unzureichende 5-Sternesystem nehme und damit nicht die Qualität eines Buches bewerte (denn das lässt sich weiß Gott nicht in 5 lächerliche Sterne packen). Nein. Wenn ich bewerte, dann bin ich mir dessen bewusst, dass andere das vielleicht sehen. Es ist also erstens eine Empfehlung von mir an vielleicht künftige Leser eines Buches. Somit schreibe ich im Hinblick auf das, was wichtig wäre, über das Buch zu wissen.

Gleichzeitig ist es aber auch (oft das einzige) Feedback, das ein Autor für seine Mühen, seinen Schweiß, seine kreativen Zusammenbrüche, sein Künstlerblut und seine Tränen bekommt. Also sollte ich beim Schreiben schon auch an denjenigen denken, der es ‘abkriegt’. Dazwischen nun die Balance zu finden und dennoch ehrlich zu bleiben, ist das Schwerste an der ganzen Sache.

Und dann kriege ich nur 5 verdammte Sterne!!!

Also zum Vergeben und differenzieren meine ich jetzt.

Was bei mir immer raus fliegt, ist die Coverbewertung. COVER! Darüber schreibe ich mal nen eigenen Beitrag. Aber eigentlich ist ein Buchcover nur ein Werbeschild und kein Qualitätsmerkmal eines Buches. (In der Trivialliteratur mag es vielleicht kaufentscheidend sein, aber darum geht es nicht.) Meinetwegen kann ein Autor seine Werke in Alditüten wickeln. Ich will ja was lesen, das mich begeistert und nicht ein schönes Bild in der Hand halten, das dazwischen 400 Seiten Müll enthält, weswegen ich es mir schlecht im Querformat an die Wand hängen will.

Sicher gehört zu einem guten Buch ein schönes Cover, das neugierig macht und eine Geschichte erzählt. Aber das Wertvolle befindet sich zwischen den Klappendeckeln.

Darum mache ich es mir seit geraumer Weile einfach.

Der innere Autor bleibt beim Lesen daheim. Und wenn ich das nicht kann, dann wird nicht gelesen. Was mich dann berührt, was mich fesselt, was mich aus irgendeinem Grund bei der Stange hält und mir ein Schmunzeln entlockt, mich zum Nachdenken oder zum Staunen bringt und ganz selten auch mal zum Lachen oder weinen, das hat es verdient, eine gute Bewertung zu kriegen. Allgemein gängig sind 4-5 Sterne.

Sogar 3 sind ja schon ‘kritisch’. Wobei 3/5 noch mehr als die Hälfte sind. Aber kann man sich drüber streiten. Bei vielen heißen 3 Sterne schon: “Ich fands total doof, aber wenn ich weniger gebe, wird mir nachgesagt, böse Verrisse zu schreiben.”

Und genau das ist der Punkt, der an ‘Rezensionen’ nervt.

Die meisten beginnen mit der Beschreibung des Covers und ziehen dann bei nicht Gefallen gleich einen Punkt ab. Scheißegal, wie gut das Buch gewesen ist. Wenn wir uns allein nur in Trivialliteratur bewegen, mag das vielleicht angeht, denn es geht ja allgemeinhin um den Unterhaltungswert und da spielt die Optik dann vielleicht doch eine Rolle. Aber ist die Haptik dann nicht ein ebenso großer Punkt? Und wenn ich dann als Print-Liebhaber gezwungen bin ein geiles Buch auf dem E-Reader zu lesen, weil es als Print nicht existiert, ziehe ich dann gleich mal nen Stern ab, weil ich es nicht anfassen kann? (Ja, ich höre euch schon ‘Schwachsinn!’ rufen 😉 )

Was bei all dem aber auf der Strecke bleibt, ist die wirklich echte literarische Diskussion.

Vereinfachen wir uns mal die Definition vom Anfang und sagen: Trivia will nur eine Geschichte erzählen. ‘Echte’ Literatur will darüber hinaus noch mehr.

Dann kommen wir doch in beiden Fällen erstmal zur Geschichte, dem sprichwörtlichen Kern des Pudels. Denn die für mich wirklich wichtigen Fragen bleiben nur allzu oft offen. Wie wird den erzählt? Wer erzählt? Erzählperspektive – die oft genug nicht richtig zugeordnet wird – und wenn, dann stellt niemand die Frage, warum der Autor diese Perspektive gewählt hätte und nicht eine andere. Geht es denn wirklich nur um die Geschichte? Oder gibt es am Ende doch noch etwas zwischen den Zeilen zu finden?

Und dann der Schreibstil. “Lässt sich gut und flüssig lesen.” Das ist das höchste der Gefühle, was ich auf Buchblogs finde. Aber verdammt!!!

Da ist doch noch so viel mehr.

Manche Autoren verzaubern mit Bildhaftigkeit, ohne blumig zu werden. Manche sind blumig und es ist dennoch toll. Manche benutzen wenig Worte und erzählen doch ganz viel. Jeder schreibt anders. Oder zumindest sollte jeder anders schreiben. Denn wenn ich einen Autor vom anderen nicht an der Sprache unterscheiden kann, dann ist es wohl wirklich nur eine Geschichte um der Geschichte willen und ich kann bei den ausführlichen Coverdiskussionen in Pastell bleiben.

Ja. Ihr seht schon. Ich frage mich oft genug, ob da denn nicht noch mehr ist.

Buchbloger gibt es so viele, und zu lesen, um unterhalten zu werden, ist keine Schande. Aber fast jeder hat im Profil stehen, er liebe Literatur.

Dann ihr Lieben, lasst uns doch anfangen, über Literatur zu reden. Differenziert. Stellt die Fragen, die sonst keiner stellt. Taucht zwischen die Zeilen. Lernt, den Klang der Wortmelodien zu hören, die mancher Autor mit der Partitur der Worte zu spielen in der Lage ist.

Und dann brechen wir aus aus diesem Schema von 1-5 Sterne. Denn seien wir ehrlich: Manches Buch hätte 6 verdient und manches in unseren Augen nicht mal einen. Oder?

 

Einen schönen Abend.

 

Liebste Grüße,

 

Eure Sylvi

 

.P.S. Wer sich fragt, warum eine Katze das bild dieses Artikels geworden ist: Cat-Content! 😉 Vielleicht habe ich ja damit eure Aufmerksamkeit. 😉

 

Schreibtagebuch – wenn die Muse heimkehrt

Huhu ihr Lieben!

 

Es ist Freitag und eigentlich ist derzeit viel los. Mittwoch war ich sehr niedergeschlagen aus unendlich vielen Gründen. Aber der Donnerstag hat alles wieder wett gemacht. Eine Menge Unklarheiten sind aus dem Weg geräumt und was passiert immer, wenn mein Kopf entspannen kann?

Genau!

 

Die Muse ist wieder bei mir eingezogen.

Heute früh weckte sie mich mit einem wundervoll feurigen Dialog zwischen Gwendolyn und Thoran. Also bin ich direkt vor der Arbeit noch an den PC und habe eine Runde geschrieben. Auch jetzt arbeitet es fleißig und so langsam fügen sich die ganzen kleinen Steinchen in meinem Kopf zu dem großen und – hoffentlich – wundervollen Gesamtbild der neuen Erui-Trilogie “Das Herz des blauen Drachen” zusammen.

 

400 Seiten schon geschrieben – vermutlich noch 1000 vor mir!

Wie das mit Erui ja immer so ist, wird auch das hier diesmal keine kleine Geschichte. Wer meine Seite schon ein wenig länger verfolgt, der weiß ja, dass es sich um die zeit drehen wird, als die zweite dunkle Zeit in Erui endete, als Gomar die Macht im Norden übernommen hatte, Thoran Blaudrache seinen Schwur einlösen musste und die Ewigen Wächter aus der Sternenlied-Saga noch jung und teilweise sehr unbedarft waren.

 

Ein ganz neues Licht für altbekannte Protagonisten.

es ist damit unglaublich spannend, herauszufinden, wo Gwendolyn, Mendric, Luani und Ariman eigentlich herkamen. Was ihre Wünsche und träume waren und wieso sie irgendwann Wächter wurden. Gerade Gwen mochten ja die wenigsten am Ende der Sternenlied-Saga, und haben das Ende sogar begrüßt, dass ich ihr schrieb.

Für mich war das damals ein schwerer Schritt, denn ich hatte ja schon immer im Kopf, woher sie einmal kam und welcher Weg hinter ihr lag. Ein Mädchen voll Träume und Wünsche, das ähnlich meiner Heldin Fenia eine einzige große und wahre Liebe gekannt hat. Aber keine Sorge, um Liebe wird es nicht gehen.

 

Ein neuer Epos entsteht

Ich will euch Erui von einer ganz anderen Seite zeigen. Denn nein, früher war nicht alles besser. Und es gibt so viele Geschichten, die ihr sehen müsst! Ich selbst stehe immer wieder staunend, wenn ich neue Bruchstück von meiner Muse ins Ohr geraunt bekomme und es fühlt sich wieder an wie damals, als ich den Stern schrieb.

Erui lebt! Wirklich. Ich habe das Gefühl, dass ich mir das nicht alles ausdenke, denn es ist so groß und gewaltig und oft genug überraschend und ich würde euch so gern schon mitnehmen. Aber es wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Ihr kennt mich ja. auf die Frage “Dürfen es auch 200 Seiten mehr sein?” würde ich nie mit Nein antworten.

Der erste teil “Ein uralter Schwur” ist ja im Nano 2015 schon ganz gut gewachsen. Da muss ich jetzt aber viel polieren und die Lücken auffüllen. Das Ende für die ganze Reihe kenne ich dabei schon und habe auch den Epilog bereits geschrieben. Der ist tatsächlich eher ein Schmankerl für jene, die den Stern gelesen haben. Denn ja, so ein klein bisschen nehme ich euch mit zurück zu den Helden, die ihr kennen und hoffentlich auch lieben gelernt habt.

 

Also dann. Jetzt muss ich aber wieder Schreiben. Habt einen schönen Freitag und ein tolles Wochenende.

Schatz auf der Festplatte – Ur-Version des neuen Erui Romans

Guten Morgen ihr Lieben,

 

Der Einstieg ins Schreiben beginnt bei mir immer mit der Ur-Verseion

Während der Axolotlkönig sich so langsam in die Herzen von immer mehr Lesern schleicht, ruft nach meinem Herz derzeit Erui wieder ganz laut. Die Muse, die mich nach dem letzten NaNoWriMo total im Stich gelassen hatte, klopft seit einigen Tagen wieder an. Erst recht zaghaft, doch mittlerweile zieht sie meine Aufmerksamkeit mit voller Macht zurück in meine geliebte Gedankenwelt.

Ein wenig schwankt das wankelmütige ding dabei zwischen “Das Blut der alten Zeit” und “Das Herz des blauen Drachen”. Da allerdings auch Kreativität ein bisschen Disziplin braucht, und der Termin für das Cover-Making vom Drachenherz schon feststeht, will ich zuerst die Geschichte der vier Heiligen Wächter weiterschreiben.

 

100.000 wirre Worte, die nun geordnet werde müssen.

Im NaNo 2015 habe ich dieses Projekt ja begonnen. Es hat sich damals einfach richtig angefühlt, obwohl “Sternenstaub” noch gar nicht fertig war und somit die Sternenlied-Saga noch ihren Abschluss brauchte.

Das war aber gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Beide Projekte gleichzeitig zu schreiben gab mir die Möglichkeit, mich mit dem Werdegang der Figuren zu befassen, die am Ende so essentiell am Schicksal meines Sterns mittragen. Die Wächter bleiben dabei im Hintergrund. Gerade Gwendolyn verliert im letzten Band deutlich an Sympathie. Nicht allerdings bei meiner Protagonistin.

 

Als Fenia erkennt, was Gwendolyns Handeln antreibt, konnte auch ich ihr nicht mehr böse sein.

 

Die Herrin von Nualschadan war von Anfang an als ambivalente Figur geplant, die mehr oder weniger ihrer eigenen Agenda folgt. Auch wenn sie große Macht hat, fehlt ihr doch letzten Endes das völlige Vertrauen in den Himmel, in ihre Welt und auch in Fenia. Das macht sie zu Fenias größter Bedrohung, denn ohne Gwens Handeln hätte der Schatten nicht erneut Einfluss über den Stern gewonnen.

Dabei hat Gwen ein gutes und mildes Herz. Sie ist liebevoll und sorgend. Ihre Familie stand einst bei ihr an erster Stelle.

 

Wichtig war für mich, dass ich selbst begriff, was Ewigkeit bedeutet.

Ewige Herrin. Ewige Wächter.

Gefangen im Fluch des Himmels, den sie sich selbst aufluden.

Zunächst einmal klang das alles fern. Aber je mehr der Sternenstaub damals seiner Vollendung entgegenstrebte, umso mehr führte es mich auch in jene Tage, als Mendric ein junger Mann gewesen ist. Mächtig, kraftstrotzend. Erwählt und sorgfältig vorbereitet für die Aufgabe, die ihm zuteil wurde.

Gwen, das junge Mädchen. Unsicher und verloren. Schon mit so viel Leid und so viel Schuld beladen trifft ihn, den Mentor. Doch es kommt alles ganz anders. Es ist der blauen Drache, der das Feuer in Gwens Seele weckt und ihr hilft, ihre Stärke zu finden.

Es hat sich eine ganz eigene Dynamik zwischen diesen Figuren entwickelt, die sich kaum in zwei Sätzen zusammenfassen lässt.

 

Die Essenz der Geschichte lag allerdings schon in der ersten Version, die ich vor 6 Jahren begann.

 

Vor  rund 6 Jahren hatte ich allerdings schon einmal eine Version begonnen. Da war mir gerade klargeworden, welchen Weg Gwen hinter sich hatte. Warum ihre Macht und ihr Streben sie stets in die falsche Richtung führten. Von dieser Version ist nicht mehr übrig geblieben, als das Gefühl, das mir Gwen damals vermittelt hat. Dennoch möchte ich sie euch nicht vorenthalten.

 

1.

Ich weiß noch, es war kurz nach meinem sechzehnten Geburtstag, als sie mich einweihten. Ich hatte meinen nunmehr zwanzigsten Sommer in Nualschadan verbracht und ich wusste, der Tag meiner Weihe lag nicht mehr fern.

Dennoch wollte Ada mich wissen lassen, welcher Weg mir bevorstand, ehe ich mich endgültig für die Gemeinschaft entschied. Nach diesem Scheideweg, würde es kein Zurück mehr für mich geben. Dessen war ich mir bewusst. Ich war mir allerdings auch ganz sicher, dass es kein Geheimnis der Welt gab, welches mich davon abgehalten hätte, Priesterin in der Gemeinschaft des Mondes zu werden.

Ich war als drittälteste von sieben Schwestern in einer kleinen Siedlung in den westlichen Bergen zur Welt gekommen. Als ich zehn war starb meine Mutter bei der Geburt der jüngsten, Ilani. Vater hatte es schwer, uns alle durch diesen ersten Winter zu bringen. Wir wurden alle schlimm krank. Solja und Niska, meine älteren Schwestern starben an dem Fieber, Liri im Frühjahr darauf an der Unterernährung.

Ich tat mein Möglichstes, doch ich konnte ihnen nicht helfen. Als Vater im Jahr darauf in den Bergen verunglückte, während er die Ziegen zu ihren Weiden auftrieb, und wir in die größere Siedlung am Rand der Berge zogen, hörte ich das erste Mal von den heiligen Schwestern.

Die Gabe zu heilen faszinierte mich so sehr, wie die Aussicht darauf, die Elemente zu kontrollieren.

Wie viel einfacher würde es für mich werden, meine drei kleinen Schwestern zu versorgen. Einmal als Schwester der Gemeinschaft zurückgekehrt, würde ich großes Ansehen genießen und gutes Geld verdienen können mit meinen Fähigkeiten.

Das zumindest war mein Plan. Die altruistische Einstellung der meisten Ordensmitglieder hatte in all den Jahren nicht auf mich abgefärbt und ich sah den Weg einer Priesterin mehr als Beruf, nicht als Berufung.

Somit schockierte mich umso mehr, was die ältere Schwester mir zu sagen hatte:

Du bist ein kluges und fleißiges Mädchen, Gwendolyn, das brauche ich dir ja sicher nicht sagen.“

Ich nickte stumm. Ich ahnte es schon seit einem halben Mond und nun, da sie es mir tatsächlich verkünden würden, saß ich einfach nur still und hörte, ohne sie zu unterbrechen.

Du weißt sicher auch, warum ich heute mit dir spreche.“

Wieder nickte ich bloß. Sag es, dachte ich ungeduldig. Sag es doch endlich.

Du hast bei uns alles gelernt, was wir dich lehren konnten. Du hast Demut und Genügsamkeit bewiesen und der Lohn soll nun nicht ausbleiben. Wenn der Mond sich das nächste Mal rundet, wirst du in den Kreis der heiligen Schwestern aufgenommen werden.“

Nur kurz flog ein Lächeln über mein Gesicht, denn auch das hatte man mich gelehrt: Man musste sich immer in der Kontrolle haben. Gefühle durften einen nicht regieren.

Ja, die alte Ada hatte mit mir eine der gewissenhaftesten Schülerinnen gehabt. Ich ließ, die Pause, die Bergund mir gab, um etwas zu sagen, also ungenutzt verstreichen und atmete nur innerlich erleichtert auf. Ich hatte mich so sehr auf zu Hause gefreut. All die Sommer. Kein anderer Wunsch in mir war so glühend gewesen.

Die Priesterin vor mir, die uns allen nur als rechte Hand Adas und Stimme der Mondmaid bekannt war, sah mich lange prüfend an.

Willst du denn gar nichts weiter dazu sagen, Kind?“, fragte sie und ich sah irritiert in die faltigen grauen Augen. So fürsorglich kannte ich sie gar nicht.

Was gibt es da zu sagen? Das ist es, wofür ich her kam. Ich hatte nie einen Grund daran zu zweifeln, dass ich meinen Weg gehen würde.“

Nein, Gwen, das hattest du gewiss nicht.“

Nachdenklich wanderten ihre Augen zum Tempel, hinter dem eine flammende Sonne sich gerade zur Nachtruhe neigte.

Ich habe mich in all den Sommern, die du bei uns bist nur manches Mal gefragt, warum du zu uns kamst.“

Ich verstand ihre Frage nicht. Hatte ich ihr das nicht gerade gesagt?

Du wolltest Priesterin werden, gewiss. Doch wieso?“

Ich schwieg. Ada hatte das damals nicht wissen wollen und ich hatte nur allzu gern darauf verzichtet, es zu erläutern.

Gwen, auch wenn die Herrin nie fragte, so weiß sie wohl, wie es um dein Herz bestellt ist.“

Komisch, dass sie stets genau meine Gedanke aufgriff. Ich begann zu ahnen, dass Bergund die Kräfte nutzte, die sie innerhalb der Gemeinschaft so besonders machten, und ich wurde wütend. Man hatte mich nie gelehrt, meinen Geist gegen den Zugriff von außen zu verschließen. Doch ich entsann mich auch meiner Ausbildung. Vielleicht, so dachte ich, war dies ein Test, ob ich mich tatsächlich unter Kontrolle hatte.

Ja, so musste es sein.

Mein Zorn ebbte also ab und ich fragte, ohne eine Miene zu verziehen: „Warum sprecht ihr nicht offen, wenn ihr auf etwas bestimmtes hinaus wollt?“

Wieder musterte sie mich mit diesem langen durchdringenden Blick. Fast kam es mir vor, als wäre ich ihr unheimlich.

Nun, ich verstehe dich zwar nicht immer, Kind, doch ich verstehe die Wahl meiner Herrin nun immer mehr. Du bist für dein Alter unglaublich diszipliniert. Dein Geist ist stark. Dennoch scheinst du nicht den Ehrgeiz zu besitzen, den ich bei anderen unserer Novizinnen beobachten konnte. Ada hat Recht. Du bist schon fast zu perfekt.“

Ich nahm ihre Worte als Lob und wartete gespannt, was weiter kommen würde, denn offensichtlich war da noch mehr, als nur meine Weihe, die sie mir verkünden wollte.

Ich sehe das wohl anders, als die Herrin, denn ich sehe in dir zwar Fleiß und Strebsamkeit, doch keine Hingabe. Du magst alles können, was eine Priesterin kann. Du hast alle Fähigkeiten, die wir fordern. Doch sehe ich dich nicht im Dienst der Allmacht des Himmels.“

Diese harsche Kritik kam unerwartet und ich wollte protestieren, doch sie ließ mich nicht zu Wort kommen.

Lass gut sein, Gwen. Du brauchst nicht fürchten, ich stünde deinem Wunsch im Wege. Im Gegenteil. Auch wenn ich in dir das Licht unseres Glaubens nicht brennen spüre, so muss ich mich doch dem Willen der Herrin beugen. Viel mehr noch als das, muss ich mich auch dem Willen der Mondmaid beugen. Deine Weihe Gwen, wird keine normale Weihe werden. Denn gestern Nacht offenbarte sich mir dein Weg.“

Ich schluckte. Bergund sah nicht den Weg jeder Priesterin voraus. Denn nicht jede von uns war wichtig. Mir schwante nichts Gutes.

Gwendolyn, was Ada schon lange ahnt, das habe ich im Willen der Mondmaid bestätigt gefunden. Zum nächsten Vollmond soll mit deiner Weihe der Weg der nächsten Hohepriesterin für dich beginnen. So will es die Herrin des Mondtempels, so will es der Himmel höchstselbst. Ich hoffe du weißt, welche Ehre das für dich bedeutet, und welch große Aufgabe dir damit anvertraut wird.“

Damit stand Bergund auf und ließ mich allein auf der Bank vor dem Haus der Schülerinnen zurück.

Im ersten Moment waren meine Gedanken viel zu überrumpelt, um fassen zu können, was sie mir da gerade eröffnet hatte. Ich saß einfach da und starrte auf meine Fußspitzen. Dann mit einem Mal kam die Erkenntnis bei mir an. Mein Herz tat einen Sprung.

Ich, die nächste Hohepriesterin? Herrin von Nualschadan?

Aber das ging doch nicht!

Ich wollte aufspringen und ihr hinterherlaufen. Meine jungen, flinken Beine hätten die ältere Frau im Nu einholen können. Ich tat es aber nicht. Die eiserne Disziplin, die man mir beigebracht hatte, hieß mich stillhalten.

Wenn es Adas Wille war, musste ich mich dem fügen. Ich hatte diesen Weg schließlich eingeschlagen, somit gab es auch kein Zurück.

Außerdem, beruhigte ich mich selbst, konnte ich meinen Schwestern nicht noch besser helfen, wenn ich nicht bloß Priesterin, sondern Hohepriesterin werden würde?

Mit diesen Gedanken zog ich das blaue Tuch um meine nackten Schultern. Der Abendwind war kühl geworden und die dünnen Roben, die wir Schülerinnen trugen wärmten nicht mehr zu dieser Jahreszeit.

Es war wirklich Zeit für mich, sie zu wechseln.

Erste Versuch “Das Herz des blauen Drachen” von 2011

Es macht wirklich Spaß und hilft einem, den Fokus zu finden, wenn man sich selbst mit der Entwicklung der Geschichte im eigenen Kopf beschäftigt.

Ich hoffe, dieser Auszug hat euch gefallen.

Einen schönen Tag,

Sylvia

LuB – Die Liste ungeschriebener Bücher

Nach längerem Aufenthalt im Ausland war gestern Abend meine Schwägerin und Illustratorin für den Stern hier bei uns. Es war ein total schöner Abend. Aber sie hat etwas gesagt, das mich zum Nachdenken gebracht hat:

“Ich bin gespannt, was du so als nächstes schreibst, jetzt, wo der Stern dich nicht mehr völlig absorbiert. Da muss so viel in deinem Kopf sein. So viel ungenutztes Potential für Geschichten.”

Äh ja. Klar. Es gibt sooooooooooooo viele Geschichten in mir. Mittlerweile. Das war ja nicht immer so. Den Stern schreiben. Diese eine große Geschichte, die mich wahrlich gefesselt und fasziniert hat. Das war der Plan. Und dann mal sehen.

Hat aber nicht funktioniert. Also das mit dem ‘und dann mal sehen’.

Der Stern ist und bleibt mein geliebtes Meisterwerk. Doch schon im letzten Schreibjahr, als ich den Plot in und auswendig kannte, verlief mein Kopf sich immer wieder auf neuen Wegen und zu neuen Ideen. Und obwohl ich nun einen ganzen Stapel an Büchern habe, die ich dringend schreiben muss, gerade weil der Stern mich endlich freigelassen hat, läuft es nicht so, wie ich es mir wünschen würde.

Der Grund dafür ist simpel: Der Stern hat mich gefesselt und meine ganze Aufmerksamkeit verlangt. Details, die ich im ersten Buch irgendwann einmal nannte, sie wollte nicht vergessen werden. Denn alles hatte seinen Sinn. Kein Wort darin, dass nicht mindestens ein dutzendmal überdacht worden war.

Nun aber ist alles frei und alles möglich und obwohl der kreative Teil meines Kopfes das genießt, fehlt doch dieses gefesselt Sein an ein Projekt, um es anderen vorzuziehen und voranzutreiben.

Darum habe ich jetzt mal eine Liste gemacht in der ich sortiert habe, was ich derzeit alles als echte Projekte auf dem Schirm habe (Lose Ideen und Konzepte sind nicht berücksichtigt)

Hier für euch also meine LuB.

 

Chroniken von Erui

Das Blut der alten Zeit (fertig geplotet, Anfang geschrieben)

Das Herz des blauen Drachen I -Ein uraltes Versprechen- ( fertig geplottet, 12 Kapitel, weitere 50k unsortiertes Rohmaterial)

Das Herz des Blauen Drachen II -Der dreizehnte Prinz- (fertig geplotet, ca. 40k Rohmaterial)

Das Herz des blauen Drachen III -Zeit und Ewigkeit- (fertig geplotet, ca 20k Rohmaterial)

Der Stern von Erui -vergessene Tage eines Königs- (7 Kurzgeschichten fertig)

Der Stern von Erui -Dunkelste Zeit- (geplottet, Anfang geschrieben)

andere phantastische Welten

Das Lachen der Windhexe (Silberfell und Daunenweich #1), Kinderbuch (fertig geschrieben, noch nicht illustriert)

Tolja und die Nebelfee (Siberfell und Daunenweich #2) (geplotet)

Der Axolotlkönig, Jugendfantasy, GeheimprojektM (fertig geplotet, fast fertig)

Die Seele meines fremden Bruder, Reiseroman mit phantastischen Elementen (fertig geplotet, 10k geschrieben)

Die Stadt, dystopische Fantasy (grober Plot, noch viele Lücken, erste Testszenen geschrieben)

Die Feuertänzerin, ostasiatische Fantasy (grober Plot, noch nicht angefangen)

Versunkenes Feuer (Atlantis-Dilogie #1) (geplotet mit Lücken, 2 Kapitel geschrieben)

Brennende Gischt (Atlantis-Dilogie #2) (geplotet, mit Lücken)

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke, Funtasy, Fortsetzungsroman (6k geschrieben, jede Menge Plot im Kopf keine Zeit, weil siehe oben)

Das Licht des Leben (GeheimprojektM #2) (Ein Plotbunny)

 

 

Beitragsbild von Dorothee Rund