Kategorie-Archiv: Allgemein

Aus dem Leben eines Welsh Ponys – Tagebuch des Bösen #1

Eintrag #1 am 10.696 Tag meines irdischen Daseins.

Vermutlich sollte ich aber besser Gefangenschaft sagen. Seit ich nämlich die Augen in dieser Welt öffnete und das erste mal die Sonne erblickte, habe ich nach dem Blick auf den Himmel und seine fantastisch unvorstellbare grenzenlose Offenheit als nächste meinen Blick gesenkt … und nur noch Zäune gesehen.

Zweibeinige Wesen, die sich selbst ‘Menschen’ nennen, stellen sie auf, um unser eins den freien Zugang zu den wirklich interessanten Orten dieser Welt zu verwehren.  Meine Mutter hat mir allerdings schnell gezeigt, dass jede Art von Zaun – oh ja, diese perfiden Abartigekeiten kennen in ihrer Variabilität keine Grenzen – dennoch irgendwo eine Schwachstelle hat.

Auch der Zaun, hinter dem ich derweil darben muss, hat eine solche. Ich habe es genau berechnet. Es gibt einen vorgegebenen Ablauf, wie und was die Menschen, die sich erdreisten, mich als ihren Besitz zu sehen, jeden Abend machen, wenn sie kommen um uns von unserem langweiligen Stück Gras wieder in den Bunker zu bringen.

Ich bin ja mal gespannt, wer kommt. Wenn es der große Ältere ist, dann wird es heute ganz einfach. Der ist einfach zu gutmütig.

Da ertönt ein schriller Pfiff. Verdammt. Die hat mir grade gefehlt. sie war auch mal so ein kleines Naives Blondchen mit Zöpfen, das auf ein Klimpern meiner großen braunen Augen dahin geschmolzen ist. Aber mittlerweile.

Doch oh … was tut sie denn da. OHA, ein bisschen langsam heute, junge Frau, was?

Haha das schaff ich bevor sie den Zaun wieder zu hat. Nur einmal kurz Anlauf. Dreißig ist doch kein Alter für eine wie mich. Freiwihihihihihihieit!

Kom, Zihetochter, nimm deine dusselige schwarze Tochter mit, jetzt zeig ich dir endlich die Welt. PAH, Mensch, da guckste dumm aus der Wäsche wie?

Etwas später an diesem Abend:

 

Ich hänge an einem Strick. Natürlich hänge ich wieder an einem Strick. Und ich kann ruckeln und zuckeln so viel ich will. Ach Mensch Leute, warum seid ihr denn so Weicheier? Ich hätte euch gar nicht mitnehmen sollen.

Wenn der Schimmel nicht so fett gefressen und selbstgefällig angehalten hätte, wäre mein Ziehkind mir weiter gefolgt. Die vertraut mir blind. Ganz egal was ihr ‘Frauchen’ für Töne von sich gibt. Pfeifen rufen, Schreien, Bitten. Hilft nicht. Ich bin die Chefin hier im Ring. Kapier es endlich.

Allerdings muss man den Menschen lassen, dass sie gar nicht so dumm sind. Mich mit den großen dröhnenden Radmaschinen ein zu kreisen und dann von hinten angelaufen kommen. Wenn die anderen sich dann noch ergeben, hab ich einfach keine Chance. Dabei bin ich nicht weit gekommen. Grade so zum Nachbarort. Und ich habe es wieder nicht gefunden.

Dreißig Jahre suche ich jetzt und suche und suche. Aber ich gebe nicht auf. Zumal ich mich dieses Jahr wieder richtig fit fühle. Muss an dem seltsamen Pamps liegen, den ich aus dem Schweinetrog zu fressen kriege. Unverschämtheit eigentlich. Dabei gibt es Hafer im Überfluss. Dass hat meine Ziehtochter mir erzählt. Eine ganze Tonne voll. Steht genau vor ihrem Kerker.

Diese Menschen sollen sich mal in acht nehmen. Säuseln immer von, armes altes Mädchen. Pah! Wenn die wüssten. Ich fange doch gerade erst richtig an.

 

French Sikanda, Tochter des King

Herr der sieben Königreiche – Band 1 zum Vorbestellen

Kann ein Hamster wirklich Herr der sieben Königreiche sein?

Oder ist es am Ende doch eher der schrecklich schaudrig schnöselige Rangun Roxxor?

Diese Frage wird vielleicht noch beantwortet werden im Laufe der Reihe. Doch beginnt die Geschichte meines wohl ungeplantesten Projektes ganz anders.

Zitara Zaylandra, Voodoodienstleistungen aller Art, -Verzaubern, Verbannen, Entfluchen; oder das jeweilige Gegenteil davon -, lebt abgeschieden und getrennt von ihrem Zwergenclan in der Einöde Dramuriens nahe der Berge der Verdammnis. Die Hütte, in der schon ihre Großmutter dem Zaubergeschäft nachging, ist nur einen Steinwurf entfernt von der berüchtigten Grotte der Tausend Wunder. Der Alltag hier ist eher dröge, bis eines Nachts der gnomische Möchtegern-Meisterdieb Maljosh mit einem plüschigen Problem vor ihrer Tür steht.
Sie soll seinen Hamstergefährten Ambros von einem dunklen Fluch heilen, bevor das bemitleidenswerte Wesen sich den letzten Rest seiner Seele aus dem Leib hustet. – Im wahrsten Sinne des Wortes!
Um dafür die sieben Zutaten der Macht zu beschaffen, müssen sie wohl oder übel hinab in die tiefsten Teile der Grotte, aus denen noch kein Abenteurer lebend zurückgekehrt ist. Doch mit Zitaras grenzenloser Selbstüberschätzung und Maljoshs linken Händen kann eigentlich gar nichts schiefgehen …

Wer von euch ist mutig genug, dem Ruf der Grotte zu folgen? Wer kommt hinter das Geheimnis der peregreinschen Ebene oder der letzten Gruft?

Vorbestellen kann man das Ebook hier.

Die gedruckte Version soll ebenfalls ab dem 23.05. erhältlich sein. 🙂

 

Ambros, Zitara, Maljosh, Lyrion und ich freuen sich auf euch und wünschen euch vor allem VIEL GLÜCK IN DER GROTTE DER TAUSEND WUNDER.

😉

Der Deutsche Phantastik Preis 2018 – Eine Überraschung der Extraklasse

banner DPP

Es gibt Tage, da verliert man. Und es gibt Tage, da gewinnen die anderen.

 

So oder so ähnlich fühlt sich Autorendasein an gefühlt 300 von 365 Tagen an. Man hat sein Wortsoll nicht geschafft. Oder man hat schon wieder viel zu viel Zeit mit Marketing verbringen müssen. Oder irgendwer hat die neue Idee zerrissen, in die man grade ganz verliebt war, und jetzt kommt einem alles ALLES ALLES, was man macht nur noch oberflächlich und leer und unnütz vor und man fragt sich: Warum eigentlich?

Dafür, dass nur jeder 1000ste Leser eventuell und vielleicht mal ne Rezi schreibt? Dafür, dass man sich immer und immer wieder fragen lassen muss, ob man denn wirklich ein echter Autor ist? Sei es von Zeitungen, von Buchläden von Verlegern. Sprich, man fühlt sich oft einfach nur unendlich unzureichend in dieser Branche.

 

Und dann gibt es Tage wie diese

axolotl-Plakat 2018 Antho-Plakat 2018

Holler-Plakat 2018 Schuhe-Plakat 2018 Sohn-Plakat 2018

 

Tage, an denen man erst über die sozialen Netzwerke erfährt, die eigene Antho hat es auf die Longlist des DPP geschafft. Wow! Freude. Stolz. die Märchenspinnerei hat eine Wertschätzung erfahren, die in dieser Branche echt was bedeutet. Man arbeitet also weiter vor sich hin und denkt an nichts Böses, bis man dann abends endlich selbst einen Blick auf die Liste der Nominierten wirft.

… und fast mit Schnappatmung vom Stuhl fällt.

Nicht ein Titel der Spinnerei oder zwei stehen auf der Liste. Nein. 5. In Worten F Ü N F!

Fünf Büchern an denen ich selbst im vergangenen Jahr mit gemacht habe. Sei es als Autor, im Lektorat, als Mutmacher auf den letzten Metern vor der VÖ, als Coach eines ganz unverhofften Debüts oder als Herausgeberin einer Anthologie.

 

Die Märchenspinnerei – ein Herzensprojekt

 

Ich habe die Tage im letzten Jahr nicht gezählt, an denen ich mich fragte, warum und wofür, und ob es den Stress denn wert sei. Aber jetzt, jetzt, wo für mich Ruhe einkehrt und ich mit den letzten Vorbereitungen für Leipzig ganz entspannt wieder Zeit zum Durchatmen finde, ist diese Liste wie ein kleines Geschenk.

Ein Geschenk an die verrückte und wagemutige Gruppe, die sich zuzwinkert in einem Forum vor zwei Jahren beschloss: Lasst uns doch mal den Buchmarkt revolutionieren.

Dass es ne spinnerte Idee war, war uns allen klar. Die Arbeit viel zu viel, die Ziele zu ambitioniert und der Erfolg unwahrscheinlich. Und jetzt DAS.

 

Es ist zu schön, um wahr zu sein

 

… und doch ist es war.

Aber anders als jemals erwartet oder gedacht. … Ganz anders. 😉

 

Vielen Dank, dass ich das hier erleben darf.

 

Und klar, noch der Link, für alle die für eins unserer Bücher, oder auch jedes andere tolle Fantasy-Buch abstimmen wollen.

Abstimmung DPP-Longlist.

 

Eure Sylvi

 

Blogger gegen Cybermobbing – Ein Märchen als Vermittler

Awarenessdays 1

Cybermobbing – eines von vielen Problemen der gläsernen Gesellschaft

 

Mit diesem Beitrag möchte ich heute die Kampagne starten, die ich mit einigen tollen engagierten Bloggern geplant haben. Ausgehend von ihren Rezensionen zu meinem Jugendbuch “Der Axolotlkönig” kamen wir ins Gespräch und stellten fest, dass uns alle das Thema in irgendeiner Weise berührt und am Herzen liegt.

“12. November im schrecklichsten Jahr meines Lebens …”

Damit beginnt in der Geschichte, die erst locker und fröhlich-frech daher kommt, das Tagebuch meiner Protagonistin Leonie. Sehr bald wird klar, dass sie selbst nur bedingt Anteil daran hat, dass dieses Jahr an der neuen Schule für sie zum Spießrutenlauf durch die Hölle wird.

 

Ein Spießrutenlauf, der mir selbst nur allzu bekannt ist

 

Seit der Veröffentlichung im Februar bin ich in zahlreichen Interviews gefragt worden, ob ich mich denn selbst mit der Figur der Leonie identifizieren kann. Ein Mädchen, das schlicht aufgrund seines Andersartigkeit – anderer Musikgeschmack, andere Klamotten, anderer Look – von seinen Mitschülern gehänselt und bloßgestellt wird.

Bisher habe ich immer gesagt: Nein. Denn es stimmt. So verzweifelt wie Leonie bin ich nie gewesen.

Dennoch kann ich mich, so rückblickend, nicht daran erinnern, dass ich in der Schulzeit jemals ‘dazu’ gehört hätte. Klar hat man Freunde, doch wie meist bei Teenagern halten solche Freundschaften selten lang und wechseln oft.

In der Oberstufe auf der Abschlussfahrt gab es schließlich ein Ereignis, dessen Details ich heute, so oft ich sie rekapituliere, noch immer nicht ganz fassen kann, weil es unwirklich und abstrus wirkt, was damals wie zum nächsten führte. Danach, das ist mir noch sehr präsent, war ich im Jahrgang jemand, der auf den Gängen gemieden und geschnitten wurde. Für etwas, an dem ich nicht die schuld trug, weil es überhhaupt keine Situation war, in der ein Schuldiger zu finden gewesen wäre. Dennoch war es die bequemste Lösung für alle anderen mich rauszupicken und zu sagen: Du hast diesen Abend ruiniert.

Heute weiß ich: Ich würde genauso wieder handeln.

 

Ein Märchen als Vermittler

 

Ohne es bewusst zu merken, hat mich die Situation damals krank gemacht. So krank, dass ich während meiner Abiturprüfungen ins Krankenhaus musste. Es hat nicht nur meine körperliche Gesundheit beeinträchtigt sondern damit auch alle meine Lebensträume in Gefahr gebracht. Tiermedizin konnte ich nur mit einem Nummerus Clausus studieren, und den zu erreichen wurde in dieser Situation extrem schwer.

Am Ende wandte sich dennoch alles zum Guten. Mein Freundeskreis, der mit der Schule kaum Überschneidungen kennt, half mir, Abstand zu gewinnen. Und als Jahre später eine ehemalige Freundin zu mir kam und sich für all das entschuldigte, was damals geschehen war, platzte schließlich der Knoten in meiner Brust, von dem ich nicht wirklich wusste, dass er da war.

Mit meinen Veröffentlichungen des Stern von Erui trieb ich mich auch mehr in den sozialen Netzwerken herum und mir wurde irgendwann bewusst, was da teilweise sehr subtil, teilweise ganz offen, so vor sich ging. Ich unterhielt mich mit Teenagern, die betroffen waren und ich verspürte immer mehr den Drang, mit einer Geschichte auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Doch eine Autobiografie der damaligen Ereignisse schien mir nicht an die richtigen Leute gewandt zu sein. So etwas lasen nur jene, die sich ohnehin schon mit dem Thema befassten.

Die Gründung der Märchenspinnerei hat somit den Auslöser dafür gegeben, dass ich mein verrückte moderne Froschkönig-Adaption diesem Ziel widmete: Ein Märchen als Ausgangspunkt. Eine vertraute Geschichte. Ein altbekanntes Muster, dass Leser jeden Alters ansprechen konnte, ohne mit der moralischen Keule zu schwingen. Und dennoch eine Plattform an all jene zu appellieren, die in dieser Maschinerie aus Likes und Dislikes gefangen sind, es vielleicht selbst nicht immer merken.

 

Worte haben Macht

 

Worte können verletzen. Sie können tiefer schneiden als Messer und Glasscherben und sie können aus einem lebensfrohen, lustigen Menschen ein zurückgezogenes Häufchen Elend machen, das manchmal keinen anderen Ausweg sieht, als sich selbst für etwas zu bestrafen, für dass er nichts kann.

Jugendliche sind dafür besonders gefährdet, denn sie haben ihren Platz im Leben noch nicht gefunden, orientieren sich viel an anderen, suchen Idole und Ideale, denen sie nacheifern können.

Ich bin heute froh, dass Facebook zu meiner Schulzeit noch kein Thema war, denn ich möchte mir nicht vorstellen, was dann passiert wäre.

So kann ich heute sagen: Das Mobbing hat mich geprägt, aber nie zerstört. Und darum danke ich all den Bloggern, die sich mit mir dazu berufen fühlen, in den nächsten zehn Tagen ihre Gedanken und ihre Erfahrungen zum Thema Mobbing zu teilen.

Es fällt nicht immer leicht, und doch ist es so wichtig.

Für jene, die Opfer davon sind will ich sagen: Ihr seid nicht allein. Ihr könnt Hilfe finden und Verständnis und es ist nichts schlimmes und Peinliches daran.

Für jene, die vielleicht auch unbewusst, Täter sind, möchte ich mit auf den Weg geben: Wägt jedes Wort, dass ihr über die sozialen Medien schickt, weise ab. Manchmal haltet ihr mit einem einzigen Kommentar ein Menschenleben in der Hand – oft ohne es zu wissen.

 

Eure Sylvia

 

Weiter zu Tag 2 bei Leseengel Steffi.

Tag 3 macht Station in der Märchenspinnerei.

Tag 4 findet ihr bei der Lesemaus Rebecca.

 

 

 

 

Der Stern von Erui auf der BuchCon 2017

Zum 32. Mal wird es in Dreieich im Oktober phantastisch!

 

Und ich bin wieder mit dabei. Die BuCon, die kleine, verträumte Schwester der FBM, findet im wundervoll aufgeteilten Gemeindezentrum der Stadt Dreieich statt und ich nehme zum 3ten Male daran teil.

2015 war ich neugieriger Besucher. Doch schon dort habe ich Menschen getroffen, die mich in der Fantasy-Szene ein neues Zuhause finden ließen. Die wundervolle Anja Bagus und ich landeten gleich spontan auf einem gemeinsamen Bild, weil wir so auffällig unterschiedlich gekleidet waren. Es ging durch diverse Zeitungen und schon da war mein Gedanke: Mensch, mal so einen Stand wie diese Anja haben, das wärs!

Anja half mir seitdem aus der einen oder anderen literarischen Sinnkrise und ist mit Schuld daran, dass es ein Jahr später hieß: Der Stern von Erui als fester Programmpunkt in den Lesungen. Und dieses Jahr bin ich dann mit meinen ‘phantastischen Welten’, Erui und der Märchenspinnerei, wirklich als Stand mit vertreten.

 

Never change a running Sytem

Weil das so ist, und die LBM mit unserem Standteam an Unterschiedlickeiten schon so toll funktioniert hat, ist Cara deWinter mit ihrer Sci-Fi-Romance auch mit dabei. Ich freu mich also auf einen phantastischen Tag auf der Con, auf tolle Lesungen meiner Kollegen (Ja, hier muss man keine 5 Stunden warten, um mit den Größen der Fantastik mal ins Gespräch zu kommen 😉 ) und auch auf tolle Gespräche mit euch.

 

Eine kleine Challenge für Erui-Fans

 

Außerdem gibt es von mir an euch auch noch eine Herausforderung:

Wenn ihr einer meiner mittlerweile 5000 Leser seid, oder schon lange mit den Büchern sympathisiert, kommt gewandet als ein Charakter aus Erui! Eine große Überraschung erwartet euch dann.

Für alle, die lieber als Leonie, Fynn oder Axolotlkönig kommen wollen, wird es Kekse geben: Lurchikekse. 😉

Ich bin gespannt, ob wir eine Handvoll gewandete Fans schaffen. *g*

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Hab euch lieb und freu mich wahnsinnig.

 

Bis zum 14.10. in Dreieich! (Wer nicht kommt, den holen die Schatten :P)

Marketing für Selfpublisher Teil 3

Noch mehr soziale Netzwerke?

 

In meinem vorigen Beitrag bin ich ja auf die Onlinepräsenz allgemein, eure Homepage und Facebook näher eingegangen.Heute will ich mich den social Medias (SoMe) Twitter und Instagram widmen. Warum überhaupt mehr soziale Medien? Reicht Facebook nicht? Sollten die Leute von da dann nicht auf der Website landen und alle Newsletter-Abonenten werden und überhaupt?

Schön wärs! Und ist leider heutzutage auch utopisch. Die Zeit in denen Internetblogs und Websites die Hauptanlaufstelle für Informations- und Dialogsuchende waren, sind rum. Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen über alles und überall werben, auf sich aufmerksam machen. Da geht man schnell unter. Facebook filtert und erstmal wollen alle nur kurze, komprimierte Informationen, aus denen sie selbst entscheiden können, lohnt es sich, sich durch die langen Artikel komplett durchzuwühlen.

Dafür sind Twitter und Instagram prädestiniert.

 

Fange ich mal an mit Twitter

 

Schlicht und einfach, weil ich das selbst schon länger als weiteres SoMe-Instrument für mich gewählt habe. Im übrigen nicht freiwillig. Denn ich meine: Echt jetzt? Noch mehr soziale Medien und Kram? Reichen nicht FB und die Homepage (ich habe ne tolle Homepage mit wundervollen Beiträgen, Extraszenen, Bildern …) Aber mein Marketing Demon from Hell sagte mir: Auf Dauer reicht das nicht. Man muss Netzwerken.

Und das ist das, was Twitter gut kann.

Bitte verwechselt die Möglichkeit 140 Zeichen und ein Bild posten zu können, nicht mit einer Spamfunktion für eure Verkauflslinks. Twitter ist KEIN Werbeportal in dem Sinn. Sicherlich sieht man auch da immer wieder mal (und ich mach es auch) Buchcover, Direktlinks oder sowas durchfliegen. Zu Neuerscheinungen, zu Preisaktion, besonderen Anlässen.

Vor allem aber gibt es die Möglichkeit, sich zu vernetzen, selbst interresante Links und Infos der Branche abzugreifen. Dazu gehört aber auch nicht darauf warten, dass man Follower findet, sondern aktiv anderen folgen. Bei Themen mitreden.

Leser hat mir das sicherlich wenige gebracht. Dafür aber Infos, an die ich anders nicht gekommen wäre, weil man nicht immer jedem Blog folgen kann. Dem schnelle Tweet dazu aber eben doch.

Man muss für sich aber auch wissen, wo Schluss ist. Nicht bei jeder Initiative mitmachen, nicht in jedes Netzwerk eintreten, das sich einem dadurch öffnet, sonst verzettelt man sich. Ich selbst nutze Twitter nicht auf dem Handy, nur wenn ich daheim bin und dann auch Zeit habe, mir die Meldungen genauer anzusehen. Twitter lohnt sich einfach deswegen, weil einem die tagesaktuellen Themen nicht entgehen (und die haben nicht immer mit Büchern zu tun 😉 )

Sprich, wenn ihr regelmäßig eure Homepage aktualisiert und euch bei Facebook eingefunden habt, eure Seite dort ebenfalls regelmäßig mit Neuigkeiten versorgt wird und euch das nicht mehr so sehr stresst, dann könnt ihr euch an ein weiteres soziales Medium wagen.

 

Instagram

 

Lange Zeit mein Feind, weil ich dachte: Bilder posten? Von mir? Soll ich da zur Selfie-Queen mutieren? – Ätzend! Nö!

Jetzt habe ich seit 4 Wochen ein Smartphone (Ja, ihr lest richtig, ich bin so technophob, dass ich nicht mal das besaß) und habe mich auch bei Instagram angemeldet. Und … ich habe sogar Spaß dran. Jeder kann ja selbst wählen, was er mag und dann die Themen für seinen Kanal wählen. Ich liebe Natur, Tiere, Bücher, gutes Essen. Also warum denn nicht?

Instagram ist eine so riesige Plattform, dass mittlerweile MILLIARDEN an Werbebudgets von großen Firmen ausgegeben werden, um ihre Produkte durch erfolgreiche Instagrammer abbilden zu lassen. Und jetzt mal rein kaufmännisch gesprochen: Wäre man nicht blöd, wenn man dieses Medium meidet, wenn es sich für viele GlobalPlayer bewährt hat?

Warum ich allerdings wirklich Instagram schätze: Ich muss gar nicht so persönlich werden, wie ich dachte. Sicher, ich kann den genauen Ort angeben wo ich wann Eis gegessen habe und die Uhrzeit und mit wem … aber ich kann das auch lassen. Ein schönes Foto schießen, es teilen und andere wundervolle Fotos genießen.

Menschen sind und bleiben Augentierchen.

Dazu, ob und wie viel das bringt, kann ich noch nicht sagen, ich bin erst seit 9 Tagen dabei und habe noch kein großes Netzwerk. Bei Kollegen weiß ich, dass es super klappt. Auch viele Bloger haben mittlerweile Instagram- Accounts und es lohnt sich, ihnen zu folgen.

 

Mein Fazit:

 

Twitter ist toll, um sich mit Kollegen und Infoseiten rund um den Buchmarkt zu verbinden. Instagram kann sogar Spaß machen und man ist bei beidem frei, zu wählen, was und wie viel man erzählt und zeigt.

 

Und nächstes Mal erzähle ich was über die WICHTIGSTEN VERBÜNDETEN des Autors: DIE BLOGGER!!!

 

Liebe Grüße,

und sorry, dass ihr solange auf die Fortsetzung warten musstet, es war ziemlich stressig bei mir.

 

Eure Sylvia

Der Herr der Sieben Königreiche – Eine funtastische Buchreihe in 7 Bänden

Kleine Projekt? – Kann ich nicht!

Es war einmal … eine Ausschreibung für einen Kurzgeschichten- Wettbewerb. Das Thema war Dungeons. Alles, was mit dem üblichen Abenteurern im klassischsten Sinne zu tun hat: Eine Bande an coolen Helden zusammenstellen und auf ein lebensgefährliches Abenteuer schicken, mit Drachen und Schätzen, verborgenen Türen, Labyrinthen, die von Minotauren bewacht werden, Rätseln und Gefahren an jeder Ecke – und einer guten Geschichte, warum die Helden sich in Gefahr begeben müssen.

Zu dem hatte ich einen anstregenden Nachtdienst hinter mir mit einem bedauernswerten, pelzigen, knopfäugigen Kunden. Der Hamster wurde geboren und lief lange unter dem Arbeitstitel “Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke”. Doch nach den ersten zehn Seiten merkte ich schnell, dass die pampige Voodoozwergin mit der schwierigen Kindheit, der tollpatschige gnomische Erfinder und der magische, wenn auch hustende Hamster sich nicht einfach mit einer kurzen Episode zufrieden geben würden.

Meine Teilnahme am Wettbewerb wurde hinfällig und das Projekt wuchs seitdem. Irgendwann im letzten Jahr bekam die Reihe dann den Titel “Der Herr der sieben Königreiche”. Dies sollte ursprüngliche eine Homage an “Der Herr der Ringe” sein und ich habe tatsächlich gestern das erste Mal herausgefunden, dass dies ja auch der Königstitel ist, um den im “Lied von Eis und Feuer” gewetteifert wird. ^^ (Ja, Asche über mein Haupt, ich habe den Zugang zu Game of Thrones bis heute nicht gefunden.)

 

Die magische Sieben

Lange Rede kurzer Sinn, in den Sieben Königreichen wird seit jeher alles in Sieben geteilt. Es ist eine magische, mystische, fast schon heilige Zahl. Darum werden es nun am Ende auch sieben Bände.

Band 1 „Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke“ (kommt am 23.05.2018)

Band 2 „Limericks“  (die Vorableser ahnen jetzt schreckliches, gell? 😉 )

Band 3 „Erzfeind“

Band 4 „Welt in Flammen“

Band 5Zukunftsmusik“

Band 6Zone 7“

Band 7Peregreins Gesetz der Berechenbarkeit“

Und weil die sieben Königreich auch sieben Siegel brauchen, hier mein erster Versuch dazu. Alle sieben Wappen übereinanddergelegt, ergeben im übrigen am Schluss den Lotus der Vollkommenheit. Dass der natürlich eine spezielle Bedeutung hat, ist auch klar. aber welche … das kann ich an dieser Stelle leider noch nicht verraten. 😉

Hamster Skizzen0001

EDIT APRIL 2018:

Da mittlerweile das Cover steht und eben genau der Lotus der Vollkommenheit selbiges (und alle weiteren) ziert, hier einmal die Umsetzung der Symbole von Cover-Künstlers Joerg Schlonies. Als ich seine Bilder 2016 auf der BuCon sah, war mir klar: Er MUSS den Hamster machen. 🙂 Tausend Dank, Joerg. 😀

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Für alle, die es nicht haben hab ich hier noch eine kleine Leseprobe:

A001 Verlagsprogramm einzeln 09

Marketing für Selfpublisher – Teil 2

Aller Anfang ist schwer.

doch immerhin sind wir ja nun schon mal soweit, dass wir wissen und eingesehen haben, wir können das beste Buch aller Zeiten geschrieben haben, aber ohne Marketing wird es nichts.

Doch wie fange ich nun an? Oder mal noch grundlegender wann?

Wieder möchte ich mich anhand meiner Erfahrungen entlang hangeln und damit auch anhand der Fehler, die ich gemacht habe. Denn meine Schlussfolgerung 2015 war, ich kann ja erst etwas bewerben, wenn ich ein Produkt habe. Damals war ich wirklich über enthusiastisch und voll kreativer Ideen und auch der Meinung: Viel hilft viel.

Also ging ich am Tag des Release hin und schrieb 150 Buchblogs gezielt an, von denen ich vorher recherchiert hatte, dass sie Fantasy mögen, und damit potentiell mein Buch lesen wollen könnten. Ich habe eine kreative Mail verfasst mit diesem Artikel (den Text dazu hab ich mal ausgeblendet), der auf mein Buch neugierig machen sollte:

BILD_Artikel Schlagzeile

Warum es dennoch nicht wirklich zündete, hab ich später erst verstanden, aber das hat mir für die Zukunft sehr weitergeholfen. Prinzipiell war es perfekt, dass ich was Kreatives geschaffen hatte, was mehr war, als nur das Cover zu posten und den Klappentext. Und auch die Menge an Rezensenten (150, da man gut mit 60-75 % Absagen rechnen kann) war angemessen gewählt. Die Fehlannahme aber war, dass ich erst mit dem Tag der Veröffentlichung begann und nicht bedacht habe, das Blogger ganze Gebirge an SuBs (Stapel ungelesener Bücher) bei sich daheim und auf ihren E-Readern haben.

Darum:

Nein, man muss nicht auf den Tag des Release warten, bis man anfängt seine Marke aufzubauen.

Man kann tatsächlich schon weit vorher aktiv werden. Eine Website und eine Präsenz auf Facebook (möglichst außerhalb des privaten Profils) sollte man sich vorher schon anlegen. Wer gleich richtig durchstarten will, legt sich dazu noch ein Twitter- und ein Instagrammprofil an. Über diese Kanäle werden heute Millionen von Menschen erreicht mit den verschiedensten Interessen.

Das alles scheint zunächst einmal sehr viel, weswegen ich auch sagen würde: Wer in den sozialen Medien (SoMe) nicht zuhause ist, der sollte klein anfangen und erst mal bei Faceblook und Homepage bleiben.

 

Und was können und sollen die einzelnen Medien nun (und ganz wichtig – was nicht?) ?

 

Homepage

Das ist euer virtuelles Zuhause. Hier gibt es alle relevanten Informationen und die möglichst auf einen Blick. Klar strukturiert und nicht überladen sollte sie daherkommen.

Ein Sektion für News sollte es geben, eine über euch mit Infos zum Autor. Eine für eure Projekte. (Ja, ich habe drei, weil das mittlerweile mein Markenzeichen ich: episch = High Fantasy, magisch =urban Fantasy, funtastisch – selbsterklärend)

Diese Unterkategorien sind wirklich für zielgerichtete Infos zu Projekten. Alles, worüber ihr sonst so schreibt, kann in euren Blog, den ihr bei Bedarf nochmal unterteilen könnt.

Sobald ihr Veröffentlichungen habt, gehören die natürlich auch auf die Seite. Durch Adons wie ‘My book table‘ lassen die sich auch sehr schön darstellen. Hier in der Märchenspinnerei haben wir das für unser Gemeinschaftsprojekt gemacht.

Eure Social Media Kanäle sollten alle direkt au eurer Homepage verlinkt sein, damit interessierte Leser euch überall folgen können.

Wichtig ist nun, Traffic auf eure Seite zu bekommen. Auch da gibt es diverse Tools, die euch helfen, eure Beiträge auf eine Art und Weise zu gestalten, dass sie optimal über die Suchmaschinen gefunden werden. Zum Beispiel dieses SEO-Tool.

Es geht allerdings auch ohne. Für die Märchenspinnerei habe ich mit meiner Kollegin alles optimiert. Für meine Seite habe ich keinerlei Addons und dennoch ist es der erste Hit, wenn ich meinen eigenen Namen google.

Was ihr tun solltet, ist auf jeden Fall die allerwichtigsten Neuigkeiten immer auf eurer Seite als Beitrag anzulegen und in die sozialen Kanäle dann den Link zu streuen. Wenn ihr es in FB, Twitter und Konsorten erzählt und auch auf eurer Seite stehen habt, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Hauptmeldung auf der Seite wahrgenommen wird. (Wichtige Meldungen sind Preisaktionen, Veröffentlichungen, Neuauflagen, etc. )

Zur Homepage gibt es noch gefühlt 1000 weitere Dinge anzumerken, und ja, ich weiß, ich bin selbst nicht immer konsequent mit meinen eigenen Tipps. Allerdings sollte man sich auch immer vor Augen führen, dass alles sind Optimierungsvorschläge. Niemand wird die alle sklavisch zu 120% einhalten können. Doch ein wenig mehr von allem in dem einen oder anderen Bereich kann euch schon die gewünschte Sichtbarkeit bringen.

Ihr müsst immer bedenken: Ihr seid als SPler ein EIN-MANN/FRAU-Unternehmen. Ihr seid euer eigener Lektor, Korrektor, Verleger und Marketeer und ihr müsst alles so ein bisschen können. Dass ihr in manchem besser seid, als in anderem, ist natürlich. 

 

Kommen wir nun allgemein zu den Sozialen Medien (oft SoMe abgekürzt)

Als erstes und wichtigstes: Keines davon ist eine Dauerwerbeplattform für eure Verkauflinks und eure Buchcover. Ich treffe immer wieder Autoren, die bevorzugt ihre Links in immer wiederkehrenden Zyklen auf FB und Twitter spamen. Ist wie Ebbe und flut und kann ganz schön nerven.

DAS WILL KEINER SEHEN!

Sicher dürfen eure Links zu den Büchern und Preisaktionen auch auftauchen, doch es darf nicht der einzige Inhalt eurer SoMe-Präsenz bleiben.

Aber dröseln wir mal auf, was ich über die Kanäle aus eigener Erfahrung gelernt habe:

 

Facebook

Ist ein sehr aktives und geselliges Medium, kann einen aber auch schnell überfordern. Es gibt Hundertausende von Buchgruppen, denen man beitreten kann und ja, mein Rat ist, man sollte das auch tun. Doch wie immer gilt: Gezielt und nicht wahllos. Zu Anfang vielleicht erst mal zwei drei, um den Umgangston und die Spielregeln der Gruppe kennenzulernen. Geht es nur um Buchiges? Dürfen Verkaufslinks gepostet werden? Was ist mit OTs (Off-Topics = alles, was nicht mit dem Primärinhalt der Gruppe zu tun hat)

Und noch einmal: Weg mit dem Finger von der Copy-Paste-Taste eures Verkaufslinks. 

Ich selbst habe es zu Beginn nicht besser gewusst, in vielen Gruppen so gesehen und gedacht, das wäre so Usus. Aber das stimmt nicht. Nichts kann eine Gruppe so schnell gegen einen aufbringen, wie das unnötige Spammen von aggressiver Werbung.

Was könnt ihr also tun?

Im Grunde geht es um Konversation und den Aufbau eines Netzwerkes an Leuten, die euch interessant finden, eure Ideen mögen und damit eurer Seite folgen und wieder andere Leser mitziehen. Das ist oft schwer und mühselig und erfordert wirklich, dass man sich auch mal ein zwei Stunden Zeit dafür nimmt, auf Gespräche und Diskussionen einlässt. Manchmal beginnen die nicht mal mit dem eigenen Buch, sondern ganz woanders. Eins führt zum nächsten, man traut sich zu erwähnen, dass man auch schreibt und es kommt zurück: “Ja, wow cool, hab dich grade gegoogelt und es direkt bestellt.”

Klingt mühselige? Ist es auch. Niemand hat behauptet, dass Social Marketing leicht wäre.  Ich für meinen Teil kann sagen: Ich habe Facebook anfänglich gehasst. Auch, weil ich das Gefühl hatte, ich müsse viel zu viel Persönliches von mir preisgeben, um Aktivitäten auf meiner Seite zu bekommen. Dabei wollte ich das nicht. Ich wollte nichts Privates erzählen, keine Katzenbilder teilen und kein dummes Zeug posten müssen. Es fühlte sich an, als müsse ich eine überdurchschnittlich gutgelaunte Pseudovariante von mir fürs Internet erstellen, bei der immer nur alles eitel Sonnenschein ist.

Dann gab mir mein Marketing Demon from Hell aber den allerbesten Rat, den ich auch an euch weitergeben will: Man muss sich nicht verstellen und verkrampfen.

Werdet euch vorab klar darüber, was und wie viel dürfen eure Leser von euch erfahren. Wo zieht ihr die Grenze?

Das kann schon mit dem Künstlernamen anfangen und bis hin zu einer völlig geheimen Identität (geschlossenes Pseudonym) gehen. Aber das ist egal. Solange das, was ihr von euch preisgebt, ehrlich und authentisch ist. Jeder Autor hat da seinen ureigenen Stil und manche finden ihn auch erst mit Ausprobieren.

So. Das zunächst vorab. Jetzt kommen wir zu den technischen Hilfmitteln auf Facebook:

Beiträge liken : Ist toll und Likes fühlen sich gut an, bringen euch aber keine Reichweite, nur Interaktion. Es ist das Minimum an Kommunikation, die stattfinden kann. Wenn euch also bei anderen etwas wichtig ist, dann liked nicht nur, kommentiert und teilt auch.

Beiträge kommentieren: Kommentare, gerade auch auf eure Beiträge in Gruppen, sorgen dafür, dass sie wieder nach oben rutschen und mehr gesehen werden. Rein informative Beiträge sind somit toll, aber generiert lieber solche, wo Leute sich auch persönlich einklinken können. Es geht ja um den Austausch. Meinungen geben, Meinungen bekommen. Werdet interaktiv!

Beiträge teilen (Extra für Tina 😉 ) : “Meinen Beitrag teil ich nicht. Nein, meinen eigenen Beitrag teile ich einfach nicht!” *seufz*

Ja, hab ich auch früher gedacht. Aber anders, als sich selbst zu liken, ist sich selbst teilen gar nicht verwerflich. Ihr habt was geschrieben und glaubt, das könnte andere interessieren? Fein! Sucht die Gruppen, in denen es relevant ist. Nicht einfach wahlos überall. Am besten Morgens um acht Copy-Paste zack alle 45 Buchgruppen einmal durch. Mittags um 12 wieder (war ja jetzt genug Abstand oder?) und abends nochmal für die arbeitende Bevölkerung, die auch so langsam vor den Rechnern eintrudelt. Das wäre das andere Extrem zum ‘Nicht-Teiler’. Beides ist schlecht und nicht zielführend.

Und, achja, ihr müsst nicht jeden eurer Beiträge auf eurer privaten Chronik teilen. Stellt euch vor, das ist euer Wohnzimmer mit euren Freunden und Verwandten drin. Also Leuten, die euch (in den meisten Fällen) sehr viel näher stehen, als die Follower eurer Autoren-Seite. Die wollen nicht ständig das große Reklameschild ins Gesicht gedrückt kriegen. Die lesen eh schon, was ihr so alles teilt. 😉

Also teilt eure Beiträge, macht euch Gedanken darum, was und wann mit wem. Und teilt verschiedenes. Mal die Idee zu eurem neusten Plot, mal das halbfertige Buchcover, dass euch schon Schreie der Entzückung entlockt, mal ganz persönlich einfach nur, wie euer Tag gewesen ist. Seid menschlich und greifbar für eure Leser und nicht dieser abgehobene und elitäre Bewohner eines Elfenbeintürmchens, der sich weit über dem nicht schreibenden Teil der Gesellschaft erachtet.

 

Verkaufslinks auf der FB-Seite: Ein nettes Gimmick, werden aber nicht so häufig genutzt. Allerdings sollte man nicht drauf verzichten. Wenn einer schnell zu eurem Produkt gelangen will gilt: Mit so wenig Klicks wie möglich!

Beiträge bewerben lassen : Habe ich bis heute noch nie gemacht, denn viele klicken bezahlte Werbung einfach weg. Von anderen weiß ich, dass es sich nicht immer unbedingt lohnt.

 

Puh … Das war jetzt ganz schön viel Input auf einmal.

Für mich war am Anfang Homepage plus Facebook auch absolut ausreichend, um mich hoffnungslos zu überfordern. Bei Annika Bühnemann könnt ihr allerdings noch ein paar tolle Tips finden, wie man seine Zeit allgemein besser einteilen könnt, um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen, denn sicher, ihr seid Autor und schreiben muss auch irgendwann noch drin sein.

 

Wer den ersten Post verpasst hat, der kann hier nochmal zu Teil 1 

und weiter geht es dann hoffentlich bald mit Teil 3 (Noch mehr soziale Medien)

 

Liebe Grüße,

 

Eure Sylvia

 

P.S. Ich weiß, dass ich in diesem Artikel nie und nimmer alle aufkommenden Fragen abdecken kann. Wer also spezifisch etwas wissen möchte, der darf seine Fragen gerne in die Komments posten. Mal sehen, ob ich ne schlaue Antwort habe.

 

 

Marketing für Selfpublisher – Teil 1

Hilfe, ich habe ein Buch geschrieben!

     – Ein Ratgeber für Betroffene.

 

Hallo ihr Lieben und willkommen bei meinem kleinen Exkurs in die Welt des Marketing.

Eigentlich, dachte ich, gibt es genug Infos über Selfpublishing und Marketing und all das bereits online zu finden. Sehr schön strukturiert und informativ ist zum Beispiel die Selfpublisher-Bibel, die mir auf den ersten Schritten auch eine wesentliche Stütze war. In allen Belangen was dann die Finanzen, Steuern und Anmeldung anging, hat mir Kia Kahawas Blog das Leben gerettet. Und das sind nur zwei Blogs in der Unendlichkeit des Internets, die einem angehenden Selfpublisher weiterhelfen.

Warum ich nun dennoch auf die Idee kam, eine weitere Blogreihe mit kleinen Hilfestellungen zu schreiben?

Ganz einfach: Ich werde immer wieder drauf angesprochen. Ja, ich. Der Inbegriff des schüchternen, eigenbrödlerischen und schwierigen Autors (TM) in persona. Doch vermutlich ist mir das deswegen so ein Anliegen. Denn wenn ich nach zwei Jahren, vier Büchern und einem viel zu großen Gemeinschaftsprojekt eins weiß, dann das:

 

Man wächst mit seinen Fehlern!

Und ich habe eine Menge davon gemacht am Anfang – und mache sie heute noch!

Manche kamen, weil ich es nicht besser wusste, andere, weil ich sturer bin als ein Esel. Doch wesentlich und essentiell, und darum will ich heute damit anfangen, ist vor allem die EINSTELLUNG!

OMG! Kommt jetzt sowas wie Karma-Scheiße? Positives Denken? Visualisieren von Zielen?

Das mag sich jetzt vielleicht manch einer denken. Und ja, ein bisschen geht es darum. Aber ohne diese innere Einstellung geht es eben nicht.

 

Das Wesentliche dazu habe ich bisher allerdings nur von der negativen Seite aufgerollt gefunden.

Es gibt gefühlt 1001 Blogartikel von frustrierten Buchcoaches und Marketing-Agenten, die aufgeben. Nicht, weil sie nur schlechtes Zeug vermarkten sollen, sondern weil sie durch diese Mauer an Unwillen bei ihren Kunden nicht durchkommen. Der Stolperstein, mit dem alles steht und fällt ist:

DIE EINSTELLUNG, MIT DER WIR AUTOREN AN DIE SACHE RANGEHEN.

Und jetzt bitte, lest und verinnerlicht den oben stehenden Satz bitte erst 256x, bevor wir hier weitermachen.

… *wart* …

Alles klar, dann können wir ja. Warum das nämlich so wesentlich ist, das versuche ich euch jetzt mal anhand meines eigenen Try-and-Error Werdeganges aufzudröseln.

 

Tief in uns sind wir alle Künstler.

… und ja, Künstler sind schwierig. Wir sind diese sonderbaren Mischwesen irgendwo zwischen abgrundtiefen Löchern der Selbstzweifel und des Schams und den Höhen der gottgleichen Perfektion. Und nein. Ihr könnt mir nicht erzählen, dass dem nicht so ist. Es gibt Tage, da lieben wir, was wir schreiben, nur, um es am nächsten Tag wieder in die Tonne zu kloppen. Und doch, auch wenn ich immer wieder von Kollegen höre, dass meine First Drafsts supergut sind, so bin ich doch in 95% der Fälle nicht zufrieden mit mir. – Bei den anderen 5% bin ich dann überzeugt, dass noch kein lebendes Wesen auf dieser Welt etwas literarisch Volkommeneres zustande gebracht hat ;P.

Also ja. Ich kenne das Leben als Künstler im Allgemeinen und als Autor im Speziellen. Das Warten und Bangen und Hoffen und Zittern, wenn man irgendein Schriftstück irgendwo eingereicht hat, sei es Verlag, Wettbewerb, oder simpel ein Reziexemplar.

Nur:

 

Der Künstler in uns ist beim Marketing unser größter Feind.

Denn er ist es, der uns unterbewusst Fragen stellen lässt wie: Und wenn sie es nicht mögen? Vielleicht sollten wir nicht gleich so groß denken. Erstmal kleine Brötchen backen und dann … möglicherweise …

In einem Verlag hättet ihr einen Lektor, der euch sagen würde, was ihr tut ist gut. Als Selfpublisher braucht ihr EHRLICHE TESTLESER, die das tun. Testleser, die nicht genetisch mit euch verwandt sind oder euch schon die Hälfte eures Lebens kennen. Erst dann erfahrt ihr, ob das, was ihr macht taugt.

Wenn ihr dann zu diesem Schluss gekommen seid, dann müsst ihr euch darüber klar werden, dass der Autor, der Künstler, in euch, der Einzige ist, der das Buch zu Ende bringen kann.  Aber die Arbeit die mit dem Abschluss und mit der Veröffentlichung (und im besten Fall davor) anfängt, die nimmt er euch nicht ab.

Er wird mosern und meckern, dass er weiterschreiben will. Dass er jetzt hier nicht schon wieder wie ein Marktschreier über die Social Media Kanäle flackern will. Dass er findet, dass es reicht, was ihr tut. Und überhaupt, wenn das Buch gut genug ist, dann werden die Leser es schon ‘entdecken’.

 

Und der Pilot dreht um und fliegt zurück.

(- Zitat Michael Mittermeier)

Ja ne, is schon klar. Weil ihr ja auch so total unbekannt seid und es ja nur jährlich gefühlt 85.000 Neuerscheinungen auf dem SP-Markt gibt, kann der Leser gar nicht anders, als über euch zu fallen. (Wer keinen Sensor dafür hat: Ja, das war jetzt Ironie.)

Was euch bewusst sein muss, ist: Niemand kennt euch. Niemand, außer den 300 Menschen, denen ihr in Kinergarten, Schule, weiterführende Bildungseinrichtung und später auf der Arbeit begegnet seid, weiß, wer ihr seid. – Und wenn diese 300 hören, dass ihr schreibt, dann glauben die alle, sie hätten ein Freiexemplar verdient.

Das heißt, wenn ihr wirklich gesehen und gelesen werden wollt, dann müsst ihr das selbst auf euch nehmen. Und das ist harte Arbeit.

Im übrigen ist es ein weiterer Irrglaube, dass dieser Part euch abgenommen wird, wenn ihr das Glück hattet, euer Buch in einem Verlag unterzubringen. Eine befreundete Autorin und ich streiten sehr oft darüber, wenn sie im Chat dann mal wieder proklamiert, wie anstrengend sie das findet, was ich tue und dass sie nie SP machen würde, weil “Ich mir lieber einen Verlag suche, dann muss ich nur Schreiben und der macht das dann alles.”

 

Wer gesehen und gelesen werden will, der muss die bittere Pille des Marketings schlucken.

Ende der Durchsage.

Manche von euch, die das schon kapiert haben und die hier vielleicht konkrete Tipps erwartet haben, werden wohl nun enttäuscht sein. Doch ihr glaubt einfach nicht, wie oft mir das begegnet: Ein Kollege oder eine Kollegin, die begnadet gut und witzig schreiben, sich dann mal für ein, zwei Monate zum Bewerben ihrer Neuerscheinung aufraffen und wenn es dann nicht läuft und die Verkäufe in die Tausende schießen, geben sie auf. Bestenfalls schreiben sie ein neues Buch, um es damit erneut zu versuchen. Denn der Irrglaube sitzt in den Gehirnwindungen: Vielleicht war ich diesmal einfach wirklich nicht gut genug. 

Die gute Nachricht aber ist:

 

Marketing kann auch Spaß machen.

Das habe ich von meinem personal Marketing Demon from Hell (TM) gelernt. Denn die (deren Name nicht genannt werden soll 😛 ) hat vor etwas mehr als zwei Jahren nämlich genau das angetroffen, als ich die ersten wackeligen Schritte in der Welt des Selfpublishings machte: Einen völlig verkopften Autor mit einer Wagenladung Issues und Selbstzweifel, Angst vor dem Versagen und gleichzeitig dem absoluten Unwillen, ein Interview zu geben oder auch nur irgendwie im Entferntesten persönlich in das Ganze einbezogen zu werden.

Mein liebster Satz war: Die Leute sollen doch mein Buch lieben und nicht mich. Das beides irgendwie zusammengehört, das habe ich in abendfüllenden Chatgespräche langsam Stück für Stück kapiert.

Anfangs war es dann eine Qual, aber mit der Zeit wurde es besser.

Der Trick ist, es zu einem Teil seiner Identität als Autor zu machen. Und wie das geht, das will ich versuchen mit euch in den nächsten Beiträgen zu erörtern. 🙂

 

Ich hoffe, ihr bleibt dran. Wir lesen uns.

 

Mit den besten Grüßen,

 

Eure Sylvia

Bonusszene – Der schwerste Schritt

Sternschnuppen für euch

Immer wieder gibt es kleine Blitzlichter aus und rund um den Stern von Erui, die ich einfach festhalten muss. Es sind ikonische Szenen, die ich so schon taussendmal vor Augen hatte, die aber selbst in der Geschichte keinen Platz haben. Nur die Fakten dazu wurde irgendwo mal genannt. Dennoch sind manche davon so schön, dass ich sie nicht für mich behalten will.

Ich habe mir auch fest vorgenommen, diese Szenen eines Tage in einem Buch zusammenzufassen und für euch auf Amazon zu stellen. Also für alle wirklichen Fans, die einfach nicht genug bekommen können.

Diese Szene hier ist ein winziger Einblick in Llewellyns Leben, bevor es ihn durch die Nebel getragen hat. Ich hoffe, euch damit einen Einblick in seine Seele zu schenken, die vielleicht verstehen lässt, warum er manches mal so handelt, wie er es tut. Geschrieben habe ich sie schon lange, doch veröffentlicht wird sie nun erst im Rahmen der Fantasyzeit auf Zebrabooks. 🙂

 

Der schwerste Schritt

„Wenn du so weitermachst, Gaya, dann wird der Junge bis zum Ende seines Lebens an deinem Rockzipfel hängen.“

Cormac runzelte missbilligend die Augenbrauen. Seine Frau hob gerade ihren Sohn wieder auf die Füße, klopfte ihm Staub und Schmutz von seinem weiß-goldenen Hemdchen und streichelte zart über die aufgeschürften Handflächen. Unter der sanften Berührung heilten die kleinen Kratzer in Sekunden zu. Dennoch liefen weiterhin Tränen über die blassen Wangen und man sah, wie der Junge die kleinen Fäuste ballte.

Traurig und wütend starrte Llewellyn auf den Abhang hinter dem die anderen Kinder verschwunden waren. Cormacs Blick folgte seinem und er konnte nur den Kopf schütteln, als seine Frau ihren Sohn vom Abhang fort und hinter sich her wieder in Richtung Schloss zog.

„Es ist ohnehin viel zu gefährlich da unten. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dich gar nicht erst zu ihnen gelassen.“

Llewellyns Blick flog sehnsüchtig über die Schulter. Von unten auf dem schmalen Felsenpfad drangen das Lachen und die Rufe der anderen Kinder hinauf. Es war das erste Mal, dass er mit ihnen hatte spielen dürfen. Tagelang hatte er gebeten und gebettelt, bis seine Mutter es ihm schließlich erlaubt hatte. Eigentlich wollte sie von solchen Unternehmungen nichts hören. Oben im Schlossgarten war genug Platz, wie sie befand, und alle mal gab es ausreichend Zerstreuung für den kleinen Prinzen. Wenn er unten in die Höfe wollte, konnte er zu den Ställen gehen und den Stallmeister bitten, ihn auf einer der alten Stuten reiten zu lassen. Außerdem beschäftigte die Königin sich ja selbst oft Stunden und Stunden mit ihrem Sohn.

Bevor man ihn aber diesmal mit seiner Kinderfrau hoch in den Turm zu seinen Gemächern schickte, nahm sein Vater ihn auf die Seite und blinzelte ihm verschwörerisch zu.

„Morgen reiten wir hinaus zu den Weilern hinter den Brücken, was meinst du?“

„Cormac!“, hörte man im Hintergrund die Feenkönigin sich entrüsten, doch ihr Mann ließ keinen Protest zu.

„Llewellyn ist unser Sohn. Er ist der Kronprinz von Fenlar. Und du versteckst ihn schon viel zu lange hinter diesen Mauern. Kein Wunder, dass sie ihn in den Dreck schubsen und nicht dabei haben wollen.“

„Sie haben ihn nicht geschubst. Der Schmied sagte, er sei gefallen. Für einen Fünfjährigen ist es entschieden zu gefährlich unten im Bruch zu spielen.“

Jetzt drehte sich Cormac um und funkelte sie an. Früher wäre er wütend geworden. Doch Gayas aufbrausendes Temperament hatte ihn gelehrt nicht noch Öl ins Feuer zu gießen.

„Liebes, alle Kinder des Schlosses haben immer schon da unten gespielt. Die Älteren haben den Kleinen die Pfade hinab gezeigt und die Größeren fliegen sowieso hinunter.“

„Es mag sein, dass alle Kinder des Schlosspersonals schon immer da gespielt haben. Ich selbst kann mich nicht erinnern, jemals dort hinabgeklettert zu sein. Der Weg ist steil und gefährlich. Und unser Sohn ist fünf!“

„Ich bin schon zwölfmal mit euch beim Eisfest unten in den Fjorden gewesen“, warf der kleine Prinz ein, „und Papa hat mir erzählt, dass er auch immer in den Bruch runter geklettert ist.“

Das Funkeln in den grauen Augen der Feenkönigin nahm zu. Cormac wusste, dass jetzt der Zeitpunkt war, an dem man nicht weiter mit ihr diskutieren sollte. Dabei konnte er Llewellyn so gut verstehen.

„Lew, deine Mutter und ich besprechen das. Aber wir beide reiten auf jeden Fall morgen raus. Darauf hast du mein königliches Wort.“

Er strich ihm über den Kopf, der im Licht der untergehenden Sonne so gleißend golden funkelte wie seiner. Dann schickten sie nach der Kinderfrau, dass sie den Prinzen für das Abendessen umziehen möge. Bis sie gekommen war, um Llewellyn mitzunehmen, sprachen König und Königin weiter nur über Belanglosigkeiten. Kaum aber war die Tür hinter ihnen zugefallen, fauchte Gaya ihren Mann an.

„Wie kannst du ihm solche Versprechungen machen? Du weißt, was ausgemacht war.“

„Dass er das Schloss nicht verlässt, bis er zwölf ist. Gaya, das ist lächerlich! Lew ist ein kluger Junge. Er ist aufgeweckt und neugierig, und du kannst ihn nicht von der Welt fernhalten.“

„Ach nein? Ich soll ihn also dieser Welt lieber zum Fraß vorwerfen? Und das nächste Mal, wenn die Dörfer im Osten an der Küste brennen, dann müssen wir darum bangen, dass er dort sein könnte, weil er mit seinen Freunden jenseits der Brücken gespielt hat?“

Cormacs Miene verfinsterte sich nun.

„Unser Sohn hat jenseits der Brücken keine Freunde. Er hat ja nicht einmal welche innerhalb dieser Mauern. Die anderen Kinder meiden ihn, weil sie wissen, dass du mit den Augen eines Greifen jedem seiner Schritte folgst.“

„Ja, richtig! Aber weißt du auch warum? Weißt du, wie sie ihn nennen?“ Sie machte eine theatralische Pause. „Prinz der Pferdeställe. König der Heuhaufen!“

Cormac schluckte. Ihm lag eine Entgegnung auf der Zunge, doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen.

„Ich weiß, du beharrst darauf, dass du auch immer mit den anderen frei und wild unten an den Kampfarenen und im Bruch umher gestreift bist. Aber du warst auch kein Prinz. Du willst, dass sie lernen, ihn ernst zu nehmen? Dann mach ihn nicht zum Spielkameraden und Prügelknaben des gemeinen Volkes. Er kann sein Land und sein Reich kennenlernen, wenn er alt genug dafür ist; als der Königssohn, als der er geboren wurde.“

Cormac schüttelte den Kopf. Bitterkeit mischte sich in seinen Blick und eine lange Stille senkte sich zwischen sie. Es brannte ihm dabei auf der Zunge, auszusprechen, was ihm als erstes in den Sinn kam, doch er scheute sich davor. Er drehte die Worte im Kopf hin und her, wusste, dass sie wahr waren und dass sie genügen würden, Gaya über all das Gesagte nachdenken zu lassen. Dennoch brachte es nicht fertig.

Als sie nach einer Weile von hinten an ihn herantrat, ihm ihre weichen Finger auf die Schultern und in den Nacken legte, sich leise flüsternd vorbeugte und sagte: „Lass uns aufhören zu streiten, mein Lieber“, da konnte er ihr fast verzeihen, dass sie so verstockt auf ihrer Meinung beharrte, so überängstlich ihr Kind zu schützen versuchte, vor einer Gefahr, die mehr eingebildet als real war.

„Ihr könnt doch morgen genauso gut ein wenig auf dem Übungsplatz reiten. Llewellyn sitzt doch erst seit ein paar Wochen sicher im Sattel. Gib ihm Zeit“, fügte sie schließlich mit versöhnlicher Stimme hinzu.

Doch es reichte, damit dem Feenkönig nun endgültig der Kragen platzte.

„Hör auf damit, mich manipulieren zu wollen! Früher mag das mal funktioniert haben, als ich noch blind war vor Liebe. Blind, weil ich dachte, ich sei für dich der Einzige, wie du es für mich stets gewesen bist. Aber die Zeit hat mich eines besseren belehrt. Und sie wird dich lehren, dass du irgendwann loslassen musst, Gaya. Niemand fordert von dir, diesen Sohn fortzugeben. Du sollst ihm lediglich ein paar Freiheiten gewähren, damit er kein weinerliches Muttersöhnchen werden muss. Wenn ich richtig höre, dann reitet der Sohn von König Melias bereits mit dem Pferd seines Vaters Wettrennen auf den Straßen Caer‘Arions.“

Diese letzten Worte setzte er leise aber mit sehr viel Nachdruck hinzu und konnte beobachten, wie seiner Frau alle Gesichtszüge entglitten. Im gleichen Moment, wie er sie ausgesprochen hatte, hätte er darum auch am liebsten alles wieder ungesagt gemacht. Doch jetzt war es geschehen.

„Wie der König von Arvindûras seinen Spross erzieht, das ist ganz und gar seine Sache. Ich wüsste nicht, was uns das angeht“, presste sie zwischen den Lippen hervor und verließ anschließend mit eiligen Schritten den Raum.

Den Streit der Eltern konnte Llewellyn noch die ganze Nacht hindurch hören. Nicht das, was sie genau sagten. Aber ihre Stimmen drangen unentwegt vom Balkon unten durch seine Fenster herein. Dabei waren Mutter und Vater normalerweise ein Musterbeispiel an Selbstbeherrschung. Immer ein Vorbild sein. Immer Haltung bewahren. Nie die Kontrolle verlieren. Das predigten sie ihm tagtäglich. Ein Fürst von Erui musste besonnen und beherrscht sein. Dennoch stritten sie. Immer häufiger in den letzten Wochen. Und immer wegen ihm.

Es hatte begonnen, als er das erste Mal nach den Nebeln gefragt hatte. An und für sich waren die Schleier nichts Ungewöhnliches hier in der Nähe des Meeres. Küstennebel, Moornebel, Nebel, bevor heftige Regengüsse einsetzten; morgens, abends, oft den ganzen Tag hindurch, dass man die Hand vor Augen bloß erahnen konnte.

Llewellyn mochte ihn nicht, den Nebel, denn er verhinderte, dass er von seinem Zimmer hier oben im Turm bis weit hinaus über die für ihn bekannten Grenzen schauen konnte.

Er saß manchmal stundenlang hier und träumte von der Welt jenseits dieser Mauern. Und hier war es auch, wo er ihn das erste Mal gesehen hatte: jenen silbrigen Schleier, der so ganz anders war, als der übliche salzgeschwängerte Dunst. Er war plötzlich erschienen, hatte die Welt um sich her verzerrt und irgendwie völlig surreal gewirkt.

Es hatte ihn an die Lieder der Barden erinnert, die er manchmal unten an den Feuern bei der Schmiede gehört hatte, wenn die Bediensteten und Handwerker des Schlosses abends zusammenkamen. Lieder von den Schleiern, die dünner wurden zwischen Erui und dem, was sie Gar‘Elahad nannten; – das Menschenreich.

Llewellyn wusste dabei nicht, was Menschen waren. Doch dem Gesang entnahm er, dass es sich mit ihnen anders verhielt, als mit den Nymphen, die im Nachbarreich Norimar lebten, oder den Trollen oben in den Bergen im Süden. Seine Eltern waren allerdings alles andere als erfreut gewesen, als er sie danach gefragt hatte. Abgewimmelt hatten sie ihn. Sprachen davon, dass er mit fünf Jahren noch zu klein war, es zu begreifen, dabei wusste er nicht wie sie diese Jahre zählten. Er konnte sich an dreizehn Sommer erinnern. Und davor lagen vermutlich noch ein oder zwei, an die er sich nicht erinnerte, weil er wirklich zu klein gewesen war.

Fünf Jahre, – Menschenjahre -, hatte seine Kinderfrau ihm verraten. Menschenjahre. Darin rechnete man hier. Aber doch sprach man nicht über diese Menschen, als ginge von ihnen ein böser, dunkler Zauber aus.

Einen Moment ging ihm durch den Kopf, dass er die Menschen gerne kennenlernen würde. Mindestens so gern, wie die Welt jenseits der sieben geschwungenen Brücke, die sich über den Bruch spannten, der ganz Peleneth umgab. So wie die silbernen Nebelschwaden Tore in eine andere Welt zu sein schienen, waren diese Brücken für ihn Tore in ein Land, das unbekannt und magisch jenseits all seiner Vorstellungskraft lag.

Er lächelte bei dem Gedanken. Da quietschte die Tür hinter ihm und seine Kinderfrau kam herein.

„Ihr schlaft ja immer noch nicht, mein Prinz“, tadelte sie und deutete auf das Himmelbett mit den Brokatvorhängen.

Während er mit einem tiefen Seufzer der Aufforderung hinter dem strengen Blick folgte, flog sein Blick noch einmal hinab auf die Brücken, hinter denen die Sonne langsam unterging.

„Glaubst du, Vater hält sein Versprechen? Glaubst du, ich darf morgen mit ihm hinaus?“

„Er hat sein Wort gegeben, oder?“ Llewellyn nickte. „Und was ist oberstes Gebot für einen König?“

Jetzt strahlte er über das ganze Gesicht. „Ein König steht immer zu seinem Wort.“

Damit ließ er sich bereitwillig zudecken und schlief zur leise summenden Stimme seiner Amme ein.

Es war in der Tat noch ganz früh am nächsten Tag. Tau überzog das Heidekraut, während ihre Pferde fröhlich schnaubend über den weichen Sandboden trabten. Llewellyn konnte sein Glück kaum fassen und seine Augen saugten gierig jedes noch so winzige Detail der Umgebung in sich auf.

Jenseits der Brücken lagen flache Hügel, durchzogen von kleinen Mooren. Lichter tanzten zwischen den Nebelfetzen, von denen Llewellyn wusste, dass manche davon recht harmlose Irrwische waren. – Winzig kleine Fey-Kreaturen, die nur in den flacheren Sümpfe zu Hause waren, die es aber schätzten, wenn sie von den Feen in ihre Häuser und Höfe eingeladen wurden. Im Winter hatte schon oft die ganze mittlere Halle des Schlosses in ihrem Schein geleuchtet, wenn das kalte Wetter die kleinen Wesen nach drinnen zog.

Bevor er allerdings auf die Idee kommen konnte, anzuhalten und den Lichtern hinterher zu laufen, war in der Ferne ein langezogenes Jaulen zu hören und weitere Lichter, grünlicher als die in der Nähe, tauchten auf.

„Das war ein Feyschakal“, erklärte Cormac, noch bevor Llewellyn fragen konnte. „Vor denen muss man sich in Acht nehmen. Sie stammen noch aus den ersten Zeitaltern und sind nicht ganz ungefährlich. Sie sind harmlos, wenn sie nicht hungrig sind und sie brauchen nicht oft zu Fressen. Doch wenn, dann machen sie keinen Unterschied, ob es die Haut einer Kuh, eines Kaninchens oder eines Sterblichen ist, die sie zwischen die Fänge bekommen.“

Llewellyn lauschte andächtig und Cormac erklärte weiter: „Und diese Lichter dahinten“, er deutete auf die Nebelbänke mit ihrem geisterhaften Strahlen, „denen darfst du niemals folgen.“

„Warum nicht?“, wollte Llewellyn wissen.

Sein Vater zog allerdings die Augenbrauen kraus, als wolle er lieber nicht darüber berichten müssen.

„Sie sind gefährlich wie die Schakale. Es ist einer von vielen Gründen, warum Mama nicht will, dass du diesseits der Brücken spielst. Du kennst diese Welt nicht genug. Und sie ist nicht immer nur gut.“

„Aber du kannst es mir doch erklären, und dann passe ich auf.“

Cormac konnte das fiebrige Glühen hinter den blauen Augen bei dieser Worten erkennen. Gefahr schreckte seinen Sohn nicht. Im Gegenteil. Sie machte ihn nur umso neugieriger.

Das war gut, wie er befand, denn einen feigen König konnte sein Volk nicht gebrauchen. Aber solcher Mut und solche Abenteuerlust mussten schon früh gelenkt werden. Sonst liefen sie aus dem Ruder. So wie damals bei ihm.

Er seufzte bitter, als er an seine Kindheit dachte. Sein Vater hatte auch stets versucht, ihn aus den Sümpfen und Mooren und von der Küste fern zu halten. Sein Platz sei in den Ställen, im Schloss. Doch hätte er sich daran gehalten, wäre er damals nicht der Prinzessin zu Hilfe gekommen.

Daran erinnerte er sich noch sehr gut. Gaya war vielleicht nicht in schmutzigen Hosen durch die Schlucht geturnt. Doch die brave Königstochter war auch sie nicht gewesen, und es hatte sie fast das Leben gekostet.

Eigentlich, dachte Cormac, machte es nur umso verständlicher, dass sie nicht wollte, dass ihr Sohn diesem Drang in sich nachgab. Er aber fürchtete, was Lew tun würde, wenn sie ihn noch länger von allem fernhielten. Er war zu klug, zu neugierig, um es noch ewig im Schloss auszuhalten. Er fragte jetzt schon nach den Nebeln und den Menschen. Dinge, die die meisten erûischen Kinder kaum vor ihrem zwanzigsten Sommer interessierten. Manche interessierten sie ein Leben lag nicht.

Er blickte zu der erfahrenen Stute vor sich auf dem Pfad, die die Unaufmerksamkeit seines Jungen ausglich, in dem sie von ganz allein auf den Weg achtete, während Lews Augen immer neue Wunder neben dem Pfad und in der Weite der Heiden fanden.

Zwei Stunden ritten sie und Llewellyn war die ganze Zeit sehr still. Er fragte manches Mal, was dies oder jenes sein mochte. So viele Pflanzen, die er noch nie gesehen hatte. So viele Wesen, die ihnen auf dem abgelegenen Pfad begegneten, den der Vater ihn führte. Pixies und Leprechauns, Feld-, Wald- und Wiesengeister, pelzige kleine Nermen, die wie winzig Drachen über die Steine krochen und Glutklümpchen nach Käfern spien. Als sie allerdings über die letzte sandige Hügelkuppe ritten, war all das mit einem Augenblick vergessen. Das gewaltige Rauschen und der unstete Wellentanz nahmen den Blick des kleinen Prinzen sofort gefangen.

„Das Meer“, hörte Cormac den Sohn ehrfürchtig flüstern.

Bisher hatten sie ihn nie mit hierher genommen. Bloß im Winter in eine der sicheren Buchten, wenn das Wasser von einem dicken Eispanzer bedeckt wurde. Diese Wellen allerdings, die konnte kein noch so harter Winter zähmen. Wie überall an der Küste war das Wasser hier rau und schäumend. Seine Wucht wurde lediglich gemildert durch die breite Sandzunge, auf der es anlandete. Rechts und links von ihnen erhoben sich die hohen Klippen, die überall in Fenlar die Küstenlinie bildeten.

Von Llewellyns Turmfenster aus konnte man sie sehen und an ganz klaren Tagen auch die weite blaue Fläche dahinter erahnen.

Nun aber stand er davor. Der Wind trieb Sand und Salz in seine Augen. Die Sonne brannte trocken vom Himmel herab, obwohl es noch immer nicht spät am Tag war. Doch ihre Strahlen wurden von den Kronen der Wellen reflektiert und stachen damit doppelt grell.

Eine halbe Stunde standen der Feenkönig und sein Sohn einfach nur nebeneinander und sahen dem Spiel des Lichtes zu, wie es über das Wasser tanzte. Danach schlug Llewellyns Erstaunen allerdings schlagartig in unbezwingbare Neugier um.

„Was ist hinter dem Meer, Papa?“

König Cormac schluckte. Er hatte mit vielem gerechnet. Dass sein Sohn vielleicht in den Wellen spielen wollte, oder dass er den Strand entlang zu den Klippen reiten und diese erkunden wollte. Als er selbst mit seinen älteren Brüdern das ersten Mal hier gestanden hatte, da war das Meer für ihn das Ende der Welt gewesen. Dass es dahinter weitergehen könnte, war ihm nie in den Sinn gekommen.

Er blieb die Antwort schuldig und Llewellyn löste seine Hand nach einer Weile aus der des Vaters und ging den Wellen entgegen. Er war dabei vorsichtig, wartete, bis das Wasser das erste Mal ganz nah zu ihm kam, seine Füße seicht umspülte, sich dann zurückzog, um erneut Anlauf zu nehmen und diesmal vielleicht noch weiter an den Strand zu gelangen.

So ging es eine Weile hin und her. Quietschend vor Vergnügen lief der blonde Junge mit dem Wasser hinaus und vor ihm davon, sobald es zurückkam. Solange, bis er ins Straucheln kam. Cormac hielt die Luft an. Seine Gestalt spannte sich sofort und seine Flügel waren drauf und dran, ihn in die Luft zu heben, als die Welle über Llewelyns Körper hinwegrollte.

Nass und von ein paar Algen bedeckt rappelte der Junge sich allerdings schnell wieder auf. Er schüttelte sich wie ein nasser Hund, was dem Vater Lachtränen in die Augen trieb, und zog sich dann ein bisschen weiter an den Strand zurück, missmutig und gleichzeitig sehnsüchtig auf die urgewaltigen Wassermassen starrend.

Aber auch diese Lektion hielt nicht ewig. Schon bald widmete er sich einer neuen Beschäftigung und fischte in sicherer Entfernung zu den hohen Wellen in der Brandung nach Treibgut. Ein Bernstein fiel ihm dabei als erstes in die Finger, den er der Mutter für eine Haarspange mitbringen wollte. Das nächste war ein Seeigel, den er behutsam ins tiefere Wasser zurücktrug. Schneller, als die Wellen das Tierchen dem Meer wieder zurückbringen konnten, lief er allerdings vor den sich nähernden Wassern wieder davon.

Sein Vater hatte sich derweil weiter hinten am Strand auf einem großen Felsen niedergelassen, hielt die Zügel ihrer Pferde und winkte ihm nur hin und wieder einmal zu. Die Vorsicht, mit der sein Sohn Erfahrungen sammelte, gefiel ihm, und er hatte keinerlei Bedenken, dass er etwas Dummes anstellen würde. Gaya unterschätzte ihren Jungen maßlos.

Llewellyn hätte bestimmt noch Stunden an diesem Strand verbringen können, das blonde Haar mittlerweile ganz verklebt von der überall aufspritzenden Gischt. Da spülte das Meer allerdings als nächstes etwas vor seine Füße, dass erneut Fragen in ihm aufwarf. Seine Finger tasteten vorsichtig nach dem metallenen Gegenstand. Er musste schon eine Weile im Wasser gelegen haben, denn er war angerostet. Dennoch konnte man gut erkennen, dass es einmal die Klinge eines krummen Dolches gewesen war. An ihrem Ende befanden sich zwei Zacken im Stahl.

Llewellyn hatte eine solche Waffe noch nie gesehen. Er begriff, dass man die Klinge nicht aus einer Wunde ziehen konnte, ohne mit den Zacken das Fleisch weiter aufzureißen, und er fragte sich, wer sich so etwas Grausames ausdenken mochte.

Er trug den Fund zu seinem Vater und die Frage lag bereits in seinem Blick. Doch auch diesmal sollte er keine Antwort bekommen. Cormac nahm ihm das Fundstück nur stillschweigend ab, drehte es eine Weile versonnen und mit schwermütigem Blick hin und her, bevor er weit ausholte und es mit einem kräftigen Wurf zurück ins Meer schleuderte.

Llewellyn wollte protestieren. Er hatte es gefunden. Er empfand es als sein Recht, es auch behalten zu dürfen. Er hatte die anderen Kinder im Schloss schon oft von ihren Schatzsuchen am Strand berichten hören. Er wusste, dass das Gesetz galt, das alles, was das Meer hergab, dem gehörte, der es fand. Er hatte den Dolch mitnehmen und den anderen zeigen wollen. Dann hätten sie ihn bestimmt auch endlich ernst genommen und er hätte mit ihnen hinab in die Schlucht gekonnt. Ganz gleich, was seine Mutter davon hielt. So aber brachte er nun nichts mit von diesem Ausflug.

Auch auf dem Rückweg war er sehr still. Es war allerdings eine andere Stille, als sein bewunderndes Schweigen vom Vormittag.

Als sie schließlich wieder ins Schloss zurückkamen, hatte Llewellyn die Füße schneller wieder aus den Steigbügeln draußen, als einer der Burschen die Zügel seiner Stute ergriffen hatte. Gottlob war das Pferd brav genug, nicht einfach davonzulaufen, als sein Reiter es achtlos stehen ließ.

Königin Gaya hatte voll Sorge den ganzen Tag darauf gewartet, dass ihr Mann und ihr Sohn von ihrem Ausflug zurückkamen. Jetzt sah sie ihren kleinen Prinzen mit zerzaustem Haar und roten Wangen die Treppen hinaufstürmen. Allerdings nicht, um ihr wie erhofft stürmisch um den Hals zu fallen. Mit starrem Blick ließ er sie links liegen, konnte gar nicht eilig genug die Treppen hinauf in seine Gemächer gelangen und die Tür hinter sich zuwerfen.

Seine Amme klopfte zaghaft und trat ein, musste sich aber schnell wegduckten, da eines der vielen Kissen vom Bett nach ihr geflogen kam.

„Lasst mich alle in Ruhe!“, rief der Prinz aufgebracht.

Drei Stockwerke weiter unten waren auch seine Eltern mittlerweile in einen bitterbösen Streit geraten. Gaya machte Cormac natürlich Vorwürfe, dass sie so etwas ja hatte kommen sehen. Dabei verstand sie nicht einmal, was ihren Sohn so aufgebracht hatte. Auch Cormac begriff es nicht, doch die Schimpftiraden seiner Frau gaben ihm nicht die Möglichkeit, sich mit Lew auseinanderzusetzen.

Der schrie derweil zornig in sein Kissen. Er hielt es nicht aus. Er hielt es einfach nicht mehr aus!

Dieser Tag heute am Meer, die Weite des Himmels darüber, das war für ihn wie eine Offenbarung gewesen. Endlich draußen aus der Enge des Schlosses hatte er sich zum ersten Mal wirklich frei gefühlt. Er hatte sein Herz schlagen hören, so laut wie nie zuvor. Er hatte das Gefühl gehabt, eine völlig neue Welt zu sehen. Eine Welt, außerhalb von goldenen Säle und prunkvollen Hallen. Und vermutlich war ihm wirklich das erste Mal klargeworden, dass die Welt auch gefährlich sein konnte. So richtig gefährlich.

Was sonst hatte diese fremde Waffe vor Fenlars Küste zu bedeuten?

Aber war das nicht immer das, wovon der Vater sprach? Dass ein König die seinen beschützen musste? War das nicht die Aufgabe, die irgendwann auf ihn warten würde?

„Er ist erst fünf, Cormac“, hörte er von unten in den Sälen heraufschallen und wieder machte ihn dieser Satz nur endlos wütend.

Ein kleines Kind! Mehr sah sie nicht in ihm, seine Mutter. Ein Kind, dem man nichts erklären musste und das man besser von der Welt fernhielt.

Sie haben ja keine Ahnung‘, dachte eine Stimme in ihm und eine lodernde Glut zuckte durch seine Eingeweide, dass er selbst im nächsten Moment erschrak.

Er wusste nicht, wo dieser Gedanke herkam, er spürte nur den Zorn, den die Worte mit sich brachten. Und die unbezähmbare Macht, mit der es ihn überkam, ängstigte ihn mehr, als die Unendlichkeit und die Stärke der unbarmherzigen See. Ein Schaudern durchfuhr ihn. Noch einmal war da dieses seltsam urtümliche Dröhnen ganz tief in ihm. Llewellyn spürte, dass sie schon früher dagewesen sein musste, doch war es ihm nie wirklich bewusst gewesen. Die Angst wurde größer. Überwog die Neugier und es half ihm, wieder zu sich zu kommen.

Er setzte sich auf, sah auf seine Fäuste, mit denen er wütend auf seine Kissen eingetrommelt hatte. Er fühlte sich hilflos und nicht ernst genommen und begriff doch, dass er nichts tun konnte, dies zu ändern. Hier in Peleneth würden noch endlos viele Sommer verstreichen, bis man ihn für groß genug halten würde, um ihm seine Fragen zu beantworten.

Dabei hatte er so viele.

Was ging vor sich in der Welt? Wovor hatten der Vater und die Mutter solche Angst? Konnte man etwas dagegen tun? Warum waren diese Schleier so gefährlich? Wer genau waren die Menschen, und warum hieß es aller Orten nur, dass sie schlecht waren?

Als schließlich die untergehende Sonne sein westliches Fenster traf und alles in seinem Zimmer in ein feuriges Licht tauchte, beschloss Llewellyn für sich, dass er all das herausfinden wollte. Er wollte kein kleiner Junge sein, der nichts wusste. Er wollte von den anderen Kindern, die teils jünger waren als er, nicht länger gehänselt werden. Er wollte so stark und tapfer werden, wie sein Vater. Aber dazu musste er wissen, was sein Vater wusste. Vielleicht sogar mehr.

Das alles ging ihm auch noch durch den Kopf, als schließlich seine Mutter zu ihm kam, um ihn wie an jedem Abend ins Bett zu bringen. Auch sie brachte keine Erklärungen mit und keine Antworten auf seine Fragen. Er sei noch zu klein, er müsse das alles noch nicht wissen, sagte sie nur, bevor sie ihm wie jeden Abend sein Schlaflied vorsang.

Llewellyn sah dabei in ihre grauen Augen und lauschte ihrer wundervollen sanften Stimme. Er liebte sein Mutter, aber irgendwie fühlte er auch, dass sie ihn davon abhalten würde, das zu werden, was er sein musste.

„Schlaf schön, mein Liebling. Hörte er sie noch sanft flüstern, während ihre Lippen seine Stirn berührten. „Und morgen bleibst du wieder bei mir im Schloss. Die Welt da draußen ist noch viel zu aufregend für dich.“

Der nächste Tag begann mit Nebel. Bis vor die Fenster seiner Turmgemächer war er gekrochen und nahm Llewellyn die Sicht auf die Welt um sich. Enttäuscht trat er von den verglasten Spitzbögen zurück. Die Wut von gestern war verraucht. Nur die Sehnsucht war geblieben. Die Sehnsucht nach etwas, für das er keine Worte hatte, und sie wuchs mit dem Blick hinauf zum Himmel, der sich in dichte Wolken hüllte.

Beim Frühstück blieb er zunächst ganz still. Schließlich aber konnte er nicht mehr an sich halten und musste seinen Vater einfach noch einmal fragen: „Warum darf ich so viel noch nicht wissen, Papa? Wenn ich irgendwann ein König sein soll, dann muss ich es doch auch mal lernen.“

Cormac horchte bei diesen Worten auf. Er war schon lange überzeugt davon, dass sein Sohn für sein zartes Alter viel zu viel nachdachte.

Er konnte launisch und unbeherrscht sein, so wie gestern. Doch entstand das eigentlich immer nur aus der Frustration heraus, dass man ihm mal wieder etwas verboten hatte. Manche der Diener mochte Lew dafür nicht. Sie proklamierten, dass er mal sehr reizbar und herrschsüchtig werden würde. Doch Cormac fühlte sich dadurch nur an sein eigenes jüngeres Selbst erinnert.

Wie oft hatte er Fragen gehabt, wie oft hatte sein Vater ihm keine Antwort gegeben. Er verstand es heute, denn obwohl die tiefblauen Augen so intelligent blitzten, hatte Gaya recht. Er war ein Kind. Dreizehn Sommer hatte er gesehen. Fünf Menschenjahre waren seit seiner Geburt vergangen. Und doch, den Söhnen seiner Ritter, seiner Handwerker, seiner Bauern traute er in diesem Alter schon zu, den Beruf ihres Vaters verstanden zu haben und ihm nachzueifern. Und seinen eigenen Jungen sollte er wie ein dummes Kleinkind behandeln?

„Lew, hör mal, es gibt Mächte da draußen, von denen du noch nichts weißt und …“

„Untersteh dich Cormac!“, fuhr ihm seine Frau dazwischen.

Ihr Ton war so schrill und scharf, dass die Bediensteten verwirrt die Köpfe hoben. Sogleich fing die Feenkönigin sich wieder. Ihr Blick wurde milder, flehend fast.

„Fürs erste reicht es, wenn du weißt, dass das Land und die Küste gefährlich ist. Du wirst noch früh genug begreifen warum. Und Schuld daran sind die Menschen, Lew. Darum mögen wir sie nicht. Weil sie gefährlich sind und man sich vor ihnen in Acht nehmen muss.“

Llewellyn nickte darauf. Es war nicht die Antwort, die er hatte hören wollen, aber es war eine Antwort gewesen. Willig folgte er nach dem Essen seiner Mutter hinaus in den inneren Garten, der im dritten Stock des Schlosses direkt an den großen Saal grenzte. In sich gedrehte und gewundene blau-silberne Bäume mit bizarr geformten Blättern und dichtem Laub bis zum Boden standen hier.

Die alten Eskarbäume waren selbst in den Feenlanden selten zu finden. Doch sie waren Omen und man sagte ihnen nach, wer in ihrem Schatten ein Haus baue, den würde da Schicksal niemals falsch leiten.

Von diesen Dingen hatte der kleine Prinz genauso wenig Ahnung, wie von dem Wahrspruch, der wie eine drohende Klinge über seiner Mutter hing. Sie erinnerte sich fast täglich an die Worte der Priesterin, damals in Nualschadan. Würde sie sich für ihre wahre Liebe entscheiden, dann sollte sie keines ihrer Kinder groß werden sehen.

Die bitteren Worte ließen sie auch jetzt nicht los, während ihr Sohn immer wieder vor ihr davon lief und sich zwischen den niedrig hängenden Ästen versteckte. Diesmal hatten sie seine Fragen abspeisen können, ihn beruhigen können. Diesmal konnten sie wieder friedlich zusammen spielen und lachen. Doch die Fragen würden wiederkommen und sein Wunsch nach Wissen, sein Durst sich endlich beweisen zu dürfen wie ein wahrer Prinz, endlich lernen zu können, er würde nicht versiegen. Und diese Neugier würde ihn aus Peleneth fortführen. Das wusste Gaya, so sicher, wie sie wusste, warum jeder Vergleich ihres goldgelockten Sonnenscheins mit dem Sohn des Graslandkönigs ihr so wehtat. Der Tag würde kommen, an dem sie auch ihn gehen lassen musste. Und es würde sie so unvorbereitet treffen wie damals an den heiligen Feuern, obwohl sie genau wusste, warum sie diesen Schritt hatte tun müssen.

Ein kurzes Lachen riss sie aus ihren Gedanken. „Mama, such mich!“, hörte sie Lews Stimme.

Sie wischte die Tränen weg und folgte dem Ruf.

Sie konnte froh sein, dass ihr Sohn so ein wohlwollendes und verzeihendes Wesen hatte. Vielleicht war er einsichtig, wenn sie ihm sagte, dass sie all das nur tat, um ihn zu schützen. Weil sie ihn liebte. Vielleicht konnten sie dann noch ein paar unbeschwerte Sommer zusammen durch diesen Garten tollen.

„Lew, ich komme jetzt. Wo bist du!“, rief sie in die Stille des Morgens.

Es war selten, dass der Nebel so dicht war, dass er sich sogar hier im Garten antreffen ließ.

Lew hörte den Ruf unterdessen. Doch etwas anderes hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Zwischen den nassen Tropfen, die ihm durch die Kleider drangen, hatte er ein Streifchen Nebel erspäht, das anders war. Leuchtend, silbern wie der Schleier, den er manchmal über dem Sumpf sah.

Er hatte mit den Menschen zu tun. Mit dem, was so gefährlich und so verboten war. Er wollte zurückweichen, wie gestern vor den Wellen des Ozeans. Doch dann entschied es sich anders.

„Lew, wo bist du? Ruf einmal, dass ich dich finden kann!“

Er wollte so gern Antworten finden. Über seine Welt, über die Menschen. Über die Wut und die Sehnsucht, die er in sich hatte. Über so viel, was er nicht verstand. Er liebte seine Eltern und er wollte nicht, dass sie sich sorgen mussten. Aber vielleicht mussten sie genau darum sehen, dass er mit gefährlichen Dingen umgehen konnte.

Wenn er ihnen erzählen würde, dass der Nebel ihm gar nichts getan hatte …

„LEEEEEEEEEW!“

Er stand nun genau davor. Streckte die Hand danach aus und spürte ein Prickeln. Er musste lachen, und es nahm ihm jede Angst.

Menschen sind gefährlich!, klang es in ihm. Alles, was von ihnen kommt.

Wirklich?

„Llewellyn MacCormac, Schluss mit dem Versteckspiel!“

Die Stimme, die ihn rief, wurde nun fordernder. Doch der silberner Nebel faszinierte ihn zu sehr. Nur noch ein bisschen, dachte er.

„Llewellyn, Na meir, an daluieven!“

Die Worte hinter dem Nebel schienen an ihn gerichtet zu sein, doch sie waren so weit fort. Ein Schritt nur, war als einziges in ihm noch übrig. Ein Schritt und ich werde Antworten finden.

„Llewellyn!“, klang ein fremdes Wort durch die grauen Schleier um ihn.

Ein Schritt noch, und er würde sehen, wo er hier überhaupt war.

Ein Schritt und er würde überhaupt wieder irgendwas sehen.

Ein Schritt. Ein ferner Ruf. Ein Wort, ohne Bedeutung für ihn.

Der Nebel lichtete sich. Er stand mitten zwischen Bäumen. Für einen Moment hatte er das Gefühl, dass alles falsch war. Müssten die Bäume nicht krumm und in sich gedreht sein? Müssten ihre Ästen nicht dicht sein und bis zum Boden gehen?

Diese Stämme hier waren hoch und glatt. Ein weiterer Schritt. Ein trockener Ast barst unter seinen Füßen. In der Nähe ein panisches Rascheln im Gebüsch. Wilde Schritte, die sich entfernten. Doch er konnte das Tier nicht erkennen. Dann wieder Stille in diesem seltsam fahlen Wald mit dem fernen blassen Licht.

Stumm wanderte er durch die hüfthohen Sträucher. Ein wenig fühlte er sich wie in einem Traum, aus dem man aufwachte und der einem entglitt, je mehr man sich zu erinnern versuchte.

Er war auf der Suche nach etwas gewesen. Ein Schritt noch, dann hätte er es finden müssen.

Aber was? Wo war er überhaupt? Wie kam er hierher?

Ein ferner Gedanke streifte die wild aufwogende Oberfläche eines weiten Ozeans.

Dann waren da Stimmen.

Gefahr!

Sie sind gefährlich!

Der Junge duckte sich tief ins Gebüsch, doch es war zu spät. Die beiden Leute hatten ihn in seinem weißen Hemdchen inmitten all des fahlen Grün und Braun und Grau schon gesehen. Mit lauten, fremden Stimmen redeten sie auf ihn ein. Er verstand zunächst kein Wort. Sein Mund stand ein wenig offen. Er spürte den Rest einer Warnung in sich.

Gefahr! Von diesen beiden ging Gefahr aus. So wie von jedem, den er treffen würde.

„Wir sollten ihn zur Polizei bringen“, hörte er schließlich die Stimme der Frau. „Er ist ja total traumatisiert.“

Nein‘, dachte er daraufhin, ‚nein, ich war doch nur auf der Suche nach der Wahrheit.‘

Doch selbst an diesen Gedanken konnte er sich schon nicht mehr erinnern, als er den Wald an der Hand der fremden Frau verließ und mit ihr und dem Mann in das blaue Gefährt stieg.