Kategorie-Archiv: Funtastischer Fortsetzungsroman

Eines Nachts wird die Voodoo-Zwergin Zitara aus dem Bett geworfen – wegen einem hustenden Hamster! Doch steckt dahinter weit mehr als ein panischer Tierbesitzer, und der Nager ist auch nicht einfach nur ein gewöhnlicher Hamster.
Mit Witz, Charme und einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung stürzen sich Zitara und Maljosh in die Grotte der tausend Wunder, um Hamster Ambros von seinem Geisterhusten zu heilen und seine Seele zurückzugewinnen.
Hier entsteht ein Fortsetzungsroman aus einzelnen Kurzgeschichten.

Bei genug Interesse würde ich überlegen, ihn nach Abschluss als gebundenen Ausgabe herauszubringen. Doch vorerst könnt ihr mein neues Trio einfach genießen.

Herr der sieben Königreiche – Band 1 zum Vorbestellen

Kann ein Hamster wirklich Herr der sieben Königreiche sein?

Oder ist es am Ende doch eher der schrecklich schaudrig schnöselige Rangun Roxxor?

Diese Frage wird vielleicht noch beantwortet werden im Laufe der Reihe. Doch beginnt die Geschichte meines wohl ungeplantesten Projektes ganz anders.

Zitara Zaylandra, Voodoodienstleistungen aller Art, -Verzaubern, Verbannen, Entfluchen; oder das jeweilige Gegenteil davon -, lebt abgeschieden und getrennt von ihrem Zwergenclan in der Einöde Dramuriens nahe der Berge der Verdammnis. Die Hütte, in der schon ihre Großmutter dem Zaubergeschäft nachging, ist nur einen Steinwurf entfernt von der berüchtigten Grotte der Tausend Wunder. Der Alltag hier ist eher dröge, bis eines Nachts der gnomische Möchtegern-Meisterdieb Maljosh mit einem plüschigen Problem vor ihrer Tür steht.
Sie soll seinen Hamstergefährten Ambros von einem dunklen Fluch heilen, bevor das bemitleidenswerte Wesen sich den letzten Rest seiner Seele aus dem Leib hustet. – Im wahrsten Sinne des Wortes!
Um dafür die sieben Zutaten der Macht zu beschaffen, müssen sie wohl oder übel hinab in die tiefsten Teile der Grotte, aus denen noch kein Abenteurer lebend zurückgekehrt ist. Doch mit Zitaras grenzenloser Selbstüberschätzung und Maljoshs linken Händen kann eigentlich gar nichts schiefgehen …

Wer von euch ist mutig genug, dem Ruf der Grotte zu folgen? Wer kommt hinter das Geheimnis der peregreinschen Ebene oder der letzten Gruft?

Vorbestellen kann man das Ebook hier.

Die gedruckte Version soll ebenfalls ab dem 23.05. erhältlich sein. 🙂

 

Ambros, Zitara, Maljosh, Lyrion und ich freuen sich auf euch und wünschen euch vor allem VIEL GLÜCK IN DER GROTTE DER TAUSEND WUNDER.

😉

Weihnachtsgrüße Teil 1 – Ambros

Hallo meine Lieben.

 

Auf meiner Seite war es viel zu lange viel zu still. allerdings lag es einfach an viel zu vielen Projekten, die mich so das Jahr über beschäftigt haben. Zu den meisten findet ihr ja hier die entsprechenden Infos. Statt euch nun aber mit einem drögen Jahresrückblick zu langweilen, wie ich es ursprünglichvorhatte, kommt miir schon wieder etwas dazwischen. Darum schiebe ich mal meine Charaktere vor. Sollen die euch doch einfach mal Weihnachtsgrüße übermitteln.

Der erste davon kommt (nicht so ganz freiwillig) von meinem Hamsterhelden Ambros, der im kommenden Jahr in “Herr der sieben Königreiche” sein Debüt geben darf. Na auf, … Ambros. Nicht so schüchtern.

 

An alle jene, deren Augen sich nicht abwenden können von diesem Gruße,

man trug mir zu, dass ihr euch sehr über weihnachtliche Grüße aus meiner Pfote freuen würdet. Eiderdaus!

Da stellen sich mir ja gleich zwei Fragen völlig parallel auf einmal. Da unsere Gehirne sehr wohl in der Lage sind, dies gleichzeitig zu verarbeiten, die Augen von euch Echtweltlern allerdings kaum, erläutere ich euch das aber mal eine nach der anderen. Zum besseren interdimensionalen Verständnis und so.

Denn erstens: Wie kommt es, dass ihr von mir erfahren habt?

Ich bin, mal ganz unbescheiden zugegeben, zwar kein unwichtiges Subjekt, nur gerade eben – aber das bleibt unter uns! – zufällig in einem etwas ungünstig gestalteten Körper zwischengelagert, aber dennoch stelle ich es mir sehr unwahrscheinlich vor, dass mein Ruhm sich über die Grenzen der sieben Königreiche hinweg so ausgebreitet haben soll.

Nun, sei es wie es sei. Kommen wir zu meiner zweiten Frage: weihnachtlich?!

Ja mal ganz alle Krallen am Drachen gelassen; – wie kommt man dennn auf die Idee, dass ICH oder irgendwer sonst aus den Königreichen so etwas wie weihnachtlich Geist verbeiten könnte?

Wisst ihr Echtwelt-Menschen denn überhaupt, woher das Wort WEIHnachten wirklich kommt?

Also wirklich wirklich. Nicht eure Version davon. Ich meine, immerhin seid ihr vor zwölftausend Jahren auch aus dem interdimensionalen Bund ausgeschieden, weil ihr beschlossen habt, eure bis dahin weitest entwickelte Zivilisation im Meer zu versenken und sämtliche Abkommen mit anderen Parallelexistenzen zu der euren Welt zu leugnen. Ja, seitdem nennen wir euch ‚Echtweltler‘. Euer unbedingter Glaube daran, dass eure Realität die einzig wahre ist, ist schon irgendwie … putzig.

Aber andererseits seid ihr auch gleichzeitig legendär. Überall in den sieben Königreichen wird nämlich die Geschichten von den Menschen aus Echtwelt erzählt, die aus den einstigen Klagenächten ein Fest voller Glanz und Gemeinschhaft haben werden lassen. WEIHnachten kam nämlich ursprünglich von WEHKlagen, nicht von geweiht. (Da können euch die Priester eure Welt noch so viel dagegenhalten!)

Die Welten, entsprungen aus der kaleidoskopischen Unordnung des absoluten Chaos, wurden nämlich in dieser dunklen Zeit einst von interdimensionnellen Verschlingern heimgesucht.

Rauhnächte, hat man es bei euch noch in den heidnischeren Kulturen genannt. Das kam immerhin näher dran als der Klamauk, den ihr nun veranstaltet.

Denn ja, eigentlich solltet ihr in dieser Zeit zitternd und wehklagend in euren Häusern harren, hoffend, dass die Weltenverschlinger vor eurer Dimension Halt machen werden und lieber … naja, eben wen anders verschlingen.

Stattdessen sitzt ihr um einen bunt geschmückten Baum, der extra fünf bis zwölf Jahre wachsen darf, um in vier Wochen in einer beheizten Stube mit Glitzertand behängt für familiären Unfrieden zu sorgen. Dazu beschenkt ihr euch im Überfluss mit Dingen, die eure Existenzebene an den Rand der Selbstzerstörung bringen, und esst so viel ungesunde Dinge, das ihr alle drei Wochen danach überlegt, wie ihr euch am effektivsten wieder aushungern könnt.

ABER, und das erzählt man hier bei uns all den kleinen Gnomen- und Zwergen-. Halbling- und Elfenkindern, und bestimmt auch den Draugen und Trollen und Koppern und Ghasten und wie sie nicht alle heißen, ihr habt es geschafft, aus einer Zeit der Hoffnungslosigkeit und der Dunkelheit ein Fest des Überflusses, der Verschwendung und manchmal auch des Lichtes und der Liebe werden zu lassen. Und das ihr Lieben, ist eine Leistung, für die sämtlich Wesen aus allen Dimensionen die Menschen von Echtwelt stets beneidet haben.

Darum wünsche ich euchh, ganz gleich wie und wo und mit wem ihr dieses Fest begeht, dass der Glanz euch durch die dunklen Tage des Jahres trägt und der Glanz dieser menschlichen Fähigkeit zu lieben und Schönes überall zu finden, euch euer ganzes Leben lang begleiten möge.

Mit hochachtungsvollen Hamstergrüßen,

Ambros Astorion.

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Der Herr der Sieben Königreiche – Eine funtastische Buchreihe in 7 Bänden

Kleine Projekt? – Kann ich nicht!

Es war einmal … eine Ausschreibung für einen Kurzgeschichten- Wettbewerb. Das Thema war Dungeons. Alles, was mit dem üblichen Abenteurern im klassischsten Sinne zu tun hat: Eine Bande an coolen Helden zusammenstellen und auf ein lebensgefährliches Abenteuer schicken, mit Drachen und Schätzen, verborgenen Türen, Labyrinthen, die von Minotauren bewacht werden, Rätseln und Gefahren an jeder Ecke – und einer guten Geschichte, warum die Helden sich in Gefahr begeben müssen.

Zu dem hatte ich einen anstregenden Nachtdienst hinter mir mit einem bedauernswerten, pelzigen, knopfäugigen Kunden. Der Hamster wurde geboren und lief lange unter dem Arbeitstitel “Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke”. Doch nach den ersten zehn Seiten merkte ich schnell, dass die pampige Voodoozwergin mit der schwierigen Kindheit, der tollpatschige gnomische Erfinder und der magische, wenn auch hustende Hamster sich nicht einfach mit einer kurzen Episode zufrieden geben würden.

Meine Teilnahme am Wettbewerb wurde hinfällig und das Projekt wuchs seitdem. Irgendwann im letzten Jahr bekam die Reihe dann den Titel “Der Herr der sieben Königreiche”. Dies sollte ursprüngliche eine Homage an “Der Herr der Ringe” sein und ich habe tatsächlich gestern das erste Mal herausgefunden, dass dies ja auch der Königstitel ist, um den im “Lied von Eis und Feuer” gewetteifert wird. ^^ (Ja, Asche über mein Haupt, ich habe den Zugang zu Game of Thrones bis heute nicht gefunden.)

 

Die magische Sieben

Lange Rede kurzer Sinn, in den Sieben Königreichen wird seit jeher alles in Sieben geteilt. Es ist eine magische, mystische, fast schon heilige Zahl. Darum werden es nun am Ende auch sieben Bände.

Band 1 „Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke“ (kommt am 23.05.2018)

Band 2 „Limericks“  (die Vorableser ahnen jetzt schreckliches, gell? 😉 )

Band 3 „Erzfeind“

Band 4 „Welt in Flammen“

Band 5Zukunftsmusik“

Band 6Zone 7“

Band 7Peregreins Gesetz der Berechenbarkeit“

Und weil die sieben Königreich auch sieben Siegel brauchen, hier mein erster Versuch dazu. Alle sieben Wappen übereinanddergelegt, ergeben im übrigen am Schluss den Lotus der Vollkommenheit. Dass der natürlich eine spezielle Bedeutung hat, ist auch klar. aber welche … das kann ich an dieser Stelle leider noch nicht verraten. 😉

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EDIT APRIL 2018:

Da mittlerweile das Cover steht und eben genau der Lotus der Vollkommenheit selbiges (und alle weiteren) ziert, hier einmal die Umsetzung der Symbole von Cover-Künstlers Joerg Schlonies. Als ich seine Bilder 2016 auf der BuCon sah, war mir klar: Er MUSS den Hamster machen. 🙂 Tausend Dank, Joerg. 😀

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Für alle, die es nicht haben hab ich hier noch eine kleine Leseprobe:

A001 Verlagsprogramm einzeln 09

Lord of the Seven Kingdoms – a funtastic adventure (including a hamster!)

For my English speaking friends, I’d like to pitch this pearl from my mind. The first of all novels with a magical hamster!

Lord of the Seven Kingdoms started as the idea for a short story. Originally I wanted to take part in a competition. But as it often goes, the story grew just to big. Thus a new funtastic bookseries was born. And this is, what it is all about:

 

Zitara Zaylandra is a big one in voodoo business. Enchanting, banishing, decoursing – or the opposite, just as the customer demands. She left her dwarven clan setteling in the secluded cabin her grandmother passed on to her, only a rock throw away from the infamous cave of thousand wonders.

Her life is pretty normal, curing dragonpox and gargoyleblisters, but only till the night the gnomish masterthieve and jack of all trades Maljosh kicks in her door, confronting her with a very plushy problem. To save his hamster companion Ambros, they need to enter the cave and get to its deepest dungeons, where ghouls, vampirequeens and dragons only wait for wannabe heroes to cross their paths.

Maljoshs clumsyness and Zitaras overestimation of her own capabilities eventually make things worse. They hardly survive the dungeon, leaving it behind in ruins and while they are both now faced with their personal archenemy on the lose, hamster Ambros is limericking his way back to sanity.

Lord of the seven kingdoms is a funtastic bookseries who appeals to readers, that like fantsy with that certain touch of crazy madmans humour. Like in Pratchetts diskworld it combines the critical and the hilarious to concieve something intriguingly endearing.

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke #3

Heute geht es endlich weiter mit meinen drei Möchtegern-Helden. Mal sehen, was so am Eingang der Grotte auf Zitara und Maljosh wartet. 🙂

Anfang verpasst? Ganz einfach: Hier geht es zu Episode 1. 🙂

 

Bevor seine Gedanken nun allerdings wieder zu jenem schrecklichen Abend wandern konnten, der mit ihm als zitterndem Bündel im Schlamm am Fuß der Klippe von Roxxor-Manor geendet hatte, den keuchenden, blau angelaufenen Ambros in den Händen, zog Zitara ihn energisch vom letzten Brett der Brücke runter und stieß ihn in den weit geöffneten Schlund der Grotte.

Für Sekunden war es um Maljosh herum nun so stockfinster, dass er die Hände vor Augen nicht sehen konnte. Unbeholfen wie ein Kind tastete er um sich und traf Zitara im Gesicht.

„He, pass doch auf!“, rief sie. Er gab ein polterndes Geräusch.

„Na toll, das waren die Fackel und der Feuerstein. Prima!“

Maljosh zuckte entschuldigend mit den Schultern, was Zitara natürlich nicht sehen konnte. Er bückte sich nach vorn, um nach den Sachen zu suchen. Sie hatte leider genau die gleiche Intension verfolgt. Ihre Köpfe stießen laut rappelnd an einander.

„Au!“, schrien sie gleichzeitig auf und das Echo ihrer Stimmen halte den Gang hinab.

„Hast du zwei linke Körperhälften oder wie?“, begann Zitara zänkisch. Maljosh wollte etwas sagen, bewegte sich in ihre Richtung doch sie zischte ihn augenblicklich böse an. „Halt! Was auch immer du gerade zu tun, zu sagen, zu denken vorhast. Lass es einfach. Augenblicklich. Beweg dich nicht. Rede nicht. Am besten hältst du die Luft an, bis ich die Fackel gefunden und angemacht habe.“

Der Gnom tat wie geheißen und Zitara kroch auf Knien über den felsigen Boden, bis sie endlich ihre Lichtquelle in die Finger bekam. Mit geübten Griffen ließ sie den Stein Funken schlagen und der warme, rötliche Schein ergoss sich in den dunklen Tunnel vor ihnen.

Maljosh holte einmal tief Luft. Zitara sah ihn ungläubig an. „Du hast nicht wirklich …“

„Du hast doch gesagt, ich soll nicht atmen.“

Sie rollte mit den Augen. „Folge mir. Und tu nichts. Fass nichts an. Sei mein Schatten. Nein, sei unauffälliger als mein Schatten. Das solltest du doch können.“

Maljosh nickte und sie stiegen über den unebenen, grob gehauenen Gang hinab in die Dunkelheit.

Für eine ganze Weile führte der Gang in sanften Windungen und Kurve stetig abwärts. Maljosh trottete gemächlich hinter Zitara her, die ihn gar nicht erst auffordern musste, einen gewissen Abstand einzuhalten. Er verkniff sich dabei auch jedwede Bemerkung über die auffälligen Kratzmarken in den Granitwänden, die auf den einen oder anderen Bewohner der Grotte schließen ließen. Nur bei einer sehr langen, sehr tiefen Narbe im Fels konnte der Gnom nicht an sich halten und musste Zitara einfach darauf hinweisen.

„Risse im Felsen kommen öfter vor“, gab sie entnervt zurück und wollte fragen, ob er denn noch nie in einem Berg gewesen war, doch Maljosh unterbrach sie neunmalklug: „Ein Riss, meine liebe Zitara mag ja angehen. Ein so tiefer Riss auch. Doch erstens ist er nicht in Bewegungsrichtung der Platten auf denen wir uns befinden. Und zweitens, leuchte mal da hin.“

Als sie ihn mit offenem Mund nur anstarrte und seiner Aufforderung nicht nachkam, drückte er gegen die Hand, mit der sie die Fackel trug, und der helle Schein fiel auf die Stelle unterhalb des Risses. Parallel dazu war ein zweiter, genau gleicher solcher Riss. Maljosh zog an ihrem Arm. Wütend stieß sie ihn fort, doch folgte ihre Bewegung der angedeuteten Richtung. Und ja, auch oberhalb zog sich eine tiefe Furche durch das Gestein.

Zitara schluckte. Maljosh brauchte es fast nicht mehr in Worte fassen.

„Ein Drache“, platzte es aus dem Gnom heraus.

Zitara nickte, wollte etwas erwidern, dann aber fasste sie sich wieder. Sie schüttete den Kopf und setzte eine versteinerte Miene auf. Sie war schließlich nicht zum ersten Mal hier, und sie wusste von den Gerüchten.

„Ja, das ist mir bekannt“, gab sie scharf zurück und Maljoshs Mund klappte augenblicklich wieder zu. „Ich bin durchaus schon öfter hier gewesen, und was glaubst du wohl, werden wir als letzte und mächtigste Zutat für den Wundertrank für deinen Ambros brauchen?“

Maljosh schüttelte den Kopf und trottete ihr folgsam wieder hinterher.

„Drachenschuppen, Dummerchen. Die machtvollste Zutat der Welt sind Drachenschuppen. Aber lass uns beten, dass es reicht, wenn wir auf Ebene vier ein paar Dagonkins ihre giftgrünen Brustschüppchen ausreißen, denn dem, der diese Krater in die Wand geschlagen hat, sollten wir tunlichst nicht begegnen.“

„Es muss auch schon eine Weile her sein. Die Spuren sind sehr verwittert. Ich wollte dich ja nur darauf hinweisen…“

„Danke, spar dir in Zukunft deine Spucke für.“

Sie bogen um eine Ecke und der Gang vor ihnen teilte sich und verlor sich in einem Labyrinth aus weiteren Gängen, die durch bläulich schimmernde Flämmchen an den Wänden gespenstisch erhellt waren. Die Zwergin legte den Finger an die Lippen und bedeutete Maljosh vorsichtig zu sein. Sie selbst tastete sich mit Zehen und Fingerspitzen weiter vor.

Maljosh dachte wieder an Zitaras Vortrag über Peregreins Gesetzt der Vorhersehbarkeit und kam zu dem Schluss, dass er sie ruhig noch eine Weile vorauslaufen lassen konnte, wenn das hier wirklich nur das erste Level war.

„Was genau brauchen wir eigentlich“, frage er, nachdem sie hinter drei weiteren Abzweigungen nichts als weitere endlose Gänge und noch mehr blaue Flämmchen gefunden hatten. Zitara wollte einmal mehr genervt herumfahren, schien es sich im letzten Moment allerdings anders zu überlegen, denn es machte durchaus Sinn, wenn sie ihn einweihte.

„Da ich davon ausgehen muss“, begann sie im Flüsterton, “dass ihr einen der mächtigst möglichen Bannzauber in allen sieben Königreichen abbekommen habt, brauchen wir die sieben Zutaten der Macht.“

“Zutaten der Macht?“

Zitaras Hand zuckte in Richtung ihrer Stirn, doch sie unterließ es, sich dagegen zu schlagen. Stattdessen erklärte sie betont geduldig: „Sieben Städte, sieben Königreiche, sieben Götter, sieben Türme am Palast der Ewigkeit. Jeder davon steht für einen Ring der Macht. Auch die Monster, das habe ich dir ja schon erklärt, lassen sich in diese Kategorien oder Machtkreise einteilen. Und für jeden dieser Machtkeise gibt es einen Vertreter, der quasi das Urbild dieses Kreises ist.

Lächerlich schwächlich aber in der Masse und gegen unbedarfte Freizeithelden absolut tödlich und darum unerlässlich für den ersten Ring: Die Ghule. Ein Tropfen ihrer Spucke wird genügen. Sie treiben sich hier oben in den Labyrinthe herum.“

Maljosh nestelte eifrig an seiner Tasche herum und zog einen kleinen Notizblock hervor.

„Ernsthaft jetzt?“, frage Zitara und ihre grünen Zöpfe, die im blauen Licht eher kränklich als giftig wirkten, begannen ungehalten zu wippen.

Maljosh ließ sich von ihrer brüsken Art jedoch immer weniger einschüchtern und schrieb mit filigraner Handschrift auf den Zettel: ein Tropfen Ghulspucke.

„Was noch?“

 

to be continued.

Tausend Wunder … für die Ohren!!

Ich bin schon öfter angesprochen worden, warum es meine Werke denn nicht auch zum Anhören gibt. Das hier ist ein Testlauf, noch mit ein wenig amateurhafter Technik, darum das viele Rauschen im Hintergrund. Aber ich wollte euch nicht länger hinhalten. (Mein neues Mic ist auf dem Weg 🙂 )

Vorhang auf für meine grüngelockte Zwergin und ihre Freunde, den Dieb – oh pardon- den Wertumverteiler Maljosh und Hamster Ambros.

 

Episode 1:

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke #2

Hier geht das Abenteuer von Maljosh, Ambros und Zitara also weiter. Wir sind auf dem Weg zum gefährlichsten Dungeon in den sieben Königreichen und ihr erfahrt heute alles über Peregreins Gesetz der Berechenbarkeit. Wer übrigens den Anfang verpasst hat, kann hier den Einstieg in dieses völlig verrückte Abenteuer finden. 

 

Mit dem immer rascher zunehmenden Licht der Morgensonne stapften Zitara und Maljosh also los. Letzterer hatte darauf bestanden, die erbärmlich kränkliche Gestalt des Hamsters in einem Tragetuch unter der ledernen Rüstung mitzunehmen. Gegen das Argument, dass sie im anderen Fall niemals alle Teile seiner Seele erwischen würden, wenn er noch weitere aushustete, hatte nicht einmal Zitara etwas zu erwidern gewusst.

Sie selbst hatte sich mit dem Nötigsten ausgestattet, was für eine solche Expedition gebraucht wurde. Ein langes Seil, ein paar feste Schnürstiefel, die mit ihrem bunten Gewand zusammen sehr martialisch wirkten, ein paar simple aber wirkungsvolle Runen für allerlei Zwecke und natürlich ihre Tranktasche. Maljosh schielte dabei immer wieder neugierig auf den Beutel in den sie alles wildwütig hineingeworfen hatte. Zitara behielt ihn und vor allem seine Finger dabei genau im Auge.

Der Weg von ihrem Haus führte sie eine gute halbe Stunde noch durch das normale raue Ödland der Vorgebirge. Dann erreichten sie die Schlucht, durch die sie zum Eingang der Grotte gelangen konnten. Ein großer hölzerner Wegweiser stand an der Stelle, wo es auf dem steinigen Geröllhang abwärts ginng. Ein Totenkopf prangte mitten darauf. In elfischen Runen stand ‘Fremder, der du unglücklichen Fußes diesen Weg gefunden, kehre um!’ darauf. Mit roter Farbe, – oder vielleicht auch Blut- , hatte jemand in Gemeinschrift ‘!!!Todesgefahr, ab diesem Punkt ist mit Geistern, Wyvern, Weltumschlinger, Drachen und anderem Gesocks zu rechnen!!!’, geschrieben.

Maljoshs Gesicht verzog sich. Er starrte Zitara einen Augenblick lang an, doch die schien gar nicht auf den Wegweiser zu achten und hatte schon den Abstieg auf dem Geröllfeld begonnen.

„Kommst du, oder willt du da Wurzeln schlagen?“, fragte sie von unten herauf.

„Hast du nicht gelesen, was da steht?“, fragte der Gnom entsetzt und rührte sich keinen Meter.

„Ich weiß, was da steht. Ich habs geschrieben. Diesen Elfenquatsch versteht doch sonst keiner.“

So langsam war sie außer Hörweite und weil Maljosh nicht schreien wollte, kletterte er ihr nun doch hastig hinterher.

„Wie jetzt, du hast das geschrieben? Sag bloß du warst schon mal dort?“

„Ständig“, entgegnete Zitara, ohne sich dabei umzublicken. Das Schweigen, das auf diese Aussage folgte, sprach allerdings für sich, und so setzte sie erklärend hinzu: „ Was glaubst du eigentlich, warum ich mich hier niedergelassen habe? Weil’s so ne nette Gegend ist? Weil man hier so viel unternehmen kann? Wohl kaum. Dramurien ist so ungefähr der toteste Winkel in den sieben Königreichen. Das ist allgemein bekannt. Das einzige was es hier gibt, ist die Grotte.“

„Ja aber das ist doch eigentlich nur was für Verrückte und lebensmüde Möchtegern-Helden, die glauben, sie könnten zu Ruhm und Reichtum gelangen.“

„Nicht, wenn man weiß, wie die Grotte der tausend Wunder funktioniert.“

Jetzt blieb sie kurz stehen, sah ihn an, – wieder stellte sie dabei fest, dass sie und er in etwa gleichgroß waren, was sie ungeheuer wurmte -, und tat mit unverkennbarem Stolz in der Stimme kund: „Es ist ganz einfach, wenn man Peregreins Gesetzt der Berechenbarkeit nicht nur auf Tränke anwendet, sondern auf prinzipiell alles um uns herum. Die These besagt, dass Tränke konzentrisch und in der Macht ihrer Wirksamkeit gebraut werden sollten. Sprich, hast du einen Stufe eins Liebeshex, einen Blindwurmbann und einen Klasse sieben Fluchbann an einem Tag zu vollbringen, dann fang mit dem geringsten an und nicht einfach in beliebiger Reihenfolge.“

Maljosh klappte der Mund auf, doch Zitara war nun ganz in ihrem Element und holte zwischen den einzelnen Sätzen kaum Luft.

„Wenn du nun von diesem Gesetz ausgehend dir einmal unsere Welt betrachtest, dann wirst du feststellen, dass in der Mitte der sieben Königreiche die großen Städte liegen. Das Leben da ist sicher und einfach. Je weiter man sich zu den Rändern wagt, um so unwirtlicher und beschwerlicher und damit auch gefährlicher wird es. Ich habe mal auf einer Karte versucht, Zonen einzuteilen. Demnach befinden wir uns in Zone sechs. Also maximale Gefahr.“

„Aha“, kommentierte Maljosh und trottete ergeben hinter Zitara her, „Und was ist dann Zone sieben?“ – Er ging einfach mal davon aus, dass es eine siebte geben musste, denn einfach alles in den Königreichen wurde immer in sieben Teile geteilt. –

„Die beginnt jenseits der bekannten Grenzen. Ich habe sie sicherer Tod genannt.“

Maljosh schluckte. Zitara plapperte fröhlich weiter: „So und nun nimm dieses Wissen und dann überleg dir, was es für die Grotte bedeuten könnte.“

Maljosh dachte angestrengt nach, doch irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, worauf Zitara hinauswollte. „Kein Plan“, gab er schließlich zu.

Zitara grinst selbstzufrieden. „Na, nach dieser Annahme könnte es fast mit neunnundneunzigprozentiger Sicherheit bedeuten, dass du auch sieben Teile, Systeme oder Ebenen oder was auch immer in der Grotte finden wirst. Ein paar Lurker und Schlammolche, Ratten und anderes Kroppzeugs in der ersten davon. Naja, Gefahren eben, mit denen man fertig wird, wenn man sich nicht ganz ungeschickt anstellt. Doch je tiefer man kommt, umso schlimmer wird es. Also muss man im Prinzip nur wissen, in welche Stufe man sich selbst einteilen sollte, und schwuppdiwupp kann man sich gefahrlos in der Grotte bewegen“

„Und warum sollte man das wollen?“

Sie hatten nun den Grund der Schlucht erreicht und konnten den gewundenen Pfad entlangblicken, der in einer Hängebrücke mündete. Dahinter klaffte eine große, schwarze Finsterniss auf, wie das Maul einer Bestie, die nur auf neue Opfer wartete.

„Ach Dummerchen!“, schüttelte Zitara ungläubig den Kopf und stapfte weiterhin ungebremst auf die Hängebrücke und ihren unausweichlich scheinenden Tod zu. „Man kann nirgends so billig an Zutaten kommen, wie da unten. Weißt du, was ich auf dem Markt für ein paar Wandleraugen oder eine Draugenzunge bezahle?“

Da Maljosh nicht einmal wusste, was genau ein Drauge überhaupt sein sollte, verkniff er sich jede Erwiderung und beeilte sich mit Zitara Schritt zu halten.

Als sie gemeinsam nun die Hängebrücke erreichten kam ein heftiger Wind auf und ließ die Bretter unheilvoll über dem Abgrund hin und her schaukeln. „Pass auf“, warnte Zitara Maljoh vor, „einige der Planken sind schon recht alt und morsch. Ich habe sie mit roter Erde markiert, doch der Regen wäscht sie immer wieder ab. Also halt dich am besten einfach gut am Seil fest. Ach ja, und nicht nach unten schauen.“

Maljosh wollte nickte. Doch wie man eben sofort an einen rosagepunkteten Wasserspeier denken musste, wenn jemand sagte ‘denk nicht dran’, konnte er der Versuchung nicht widerstehen und blickte in die Tiefe.

Benommen taumelte er zwei Schritte zurück. Leere, war dort auszumachen. Nichts als gähnende Leere, die sich in der Dunkelheit verlor. Genau wie das schwarze Loch da vor ihnen auf der anderen Seite der Brücke. Sein Magen drehte sich einmal um sich selbst. Sterne tanzten vor seinen Augen.

Warum, dachte er sich. Warum hatte er sich darauf nur eingelassen?

Aus dem Beutel vor seiner Brust erklang nun aber ein dünnes Keuchen und erinnerte ihn daran, was Ambros für ihn riskiert hatte. Nein, er konnte ihn nicht einfach so im Stich lassen. Wenn er gesund würde und seine Fähigkeiten zurück erlangte vielleicht hatten sie dann ja doch noch die Chance sich noch einmal an Roxxors Tresor zu versuchen.

„He!“, drang es da an sein Ohr. „Nicht träumen. Weitergehen. Und zwar flott. Wenn du zu lange stehen bleibst oder zu laut trampelst, dann werden die Felsenbeißer auf dich aufmerksam.“

„Felsenbeißer?“

Zitara schlug sich die Hand vor den Kopf. Wo hatte diese Gnom eigentlich bisher sein Leben verbracht? In einer Werkstatt? Konnte eigentlich nicht sein; – nicht wenn er den neuen Märkten angehörte. „Das sind lästige Viecher“, erklärte sie neunmalklug. „Nicht gefährlich. Aber es tut weh, wenn sie sich dir an die Wade hängen. Die Blutergüsse wirste tagelang nicht los. Nicht mal mit Omas Trauma-Spezial.“

Maljosh nickte wieder. Mit jedem Wort, das sie sagte, kam er sich dümmer vor. Doch für Ambros würde er alles wagen. Für Ambros, und die winzige, kaum vorhandene Wahrscheinlichkeit, doch noch seine Familienehre wiederherstellen zu können.

 

… to be continued.

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke Teil 1

Hier ist er also der Anfang meiner neuen Kurzgeschichtenreihe über Zitara, Maljosh und den Hamster Ambros. Es gibt Dungeons zu erkunden, böse Vamipir-Hexen zu bezwingen und jede Menge zu lachen.

Ach ja, ich weiß zwar nicht, ob die drei Mitglieder meines Autorenforums, die sich für das hier verantwortlich zeichnen dürfen, namentlich genannt werden wollen, dennoch gebührt euch ein dickes, fettes DANKE denn ihr habt da echt was bei mir getriggert. 😉 ( –> nach positiver Rückmeldung kommt ihr dann unten hin 🙂 )

 

 

Aber jetzt wünsche ich euch einfach viel Spaß!!

 

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke

ein Kurzgeschichten Fortsetzungs-Roman

von Sylvia Rieß

mit Dank an Zitkalasa, Amberle und Malinche

in Gedenken an einen Hamster.

Ein dröhnendes Hämmern an der Haustür und aufgeregte Schreie ließen Zitara aufschrecken. Schlaftrunken drehte sie den Kopf in Richtung Tür und fragte sich, ob sie in einem ihrer üblichen Träume gefangen war. Geübt sondierte sie die Umgebung. Finger fünf, Ecken annähernd rechte Winkel, – so gut das bei einem Zwergenbau eben möglich war -, alle Gegenstände ihres Laboratoriums an ihrem Platz, der alte Kupferkessel, die Destillierkolben, die Reagenzien im Regal daneben, alles schön geordnet.

Nein, kam Zitara zu dem Schluss, sie war nicht in einem Traum. Sie würde heute keine prophetischen Erkenntnisse über ihre oder irgendjemand anderes Zukunft erlangen und auch keinen Auftrag ausführen. Wenn sie es sich recht überlegte, hatte sie ja derzeit nicht einmal einen Auftrag. Kundschaft zu bekommen war schwer. Dennoch. Mitten in der Nacht?!

Gähnend schlurfte sie zur Tür, zog sie auf, starrte in zwei Knopfaugen und ein pelziges, aufgedunsenes Gesicht. Winzige Pfötchen hingen schlaff in einer Hand, die in schwarzes Leder gehüllt war. Der Hamster keuchte. Sie schob den Arm beiseite, der ihr das Tierchen unter die Nase hielt, und blickte dahinter in die stahlgrauen Augen eines Gnoms.

„Atemnot. Schon seit Tagen“, brachte er hervor. Die Stimme war dabei panisch, überschlug sich fast.

Zitara sah noch einmal auf ihre Hände. Fünf Finger. Eindeutig. Sie sah auf die Hand des Gnoms. Sechs Finger, wie es sich gehörte. – Alle Gnome hatten einen Finger mehr. War praktisch, wenn man mit feinen Mechaniken arbeitete. – Darauf fuhr sie sich mit der Hand durchs Gesicht. „Ernsthaft jetzt?“, fragte sie, noch nicht ganz entschieden, ob sie lachen, weinen oder einfach die Tür zumachen sollte. „Es ist zwei Uhr in der Früh.“

„Ich weiß, ich weiß“, überging der aufgelöste Gnom diesen Einwand und schob sich durch den geöffneten Türspalt „Aber Ambros hustet sich die Seele aus dem Leib.“

„Und da kommt Ihr zu mir? Gibt es nicht irgendwelche mildtätigen Elfen in der Nähe, die sich zu sowas berufen fühlen?“ Zitara musste stark an sich halten, nicht völlig unfreundlich zu werden.

Sie war Hexe. Vodoo-Dienstleistung aller Art. Entzaubern, entfluchen, verbannen. Oder auch das jeweilige Gegenteil davon. Ganz wie gewünscht. Mit Haustierseuchen oder Humunculus-Leiden hatte sie herzlich wenig am Hut.

Sie holte tief Luft, wollte ihrem Gegenüber das in aller Deutlichkeit klarmachen und ihn dann mit einem ‘Gute Nacht’ vor die Tür schieben, da ertönte aus der Hand des Gnoms ein erbärmlicher, schrill krächzender Laut. „Ähü, Ähü“, gab der Hamster ein Husten von sich, das mitleiderregend und schwach klang. Seine schwarzen Knopfaugen verdrehten sich zur wurzelüberzogenen Decke. Rotzfähnchen blubberte aus beiden Nasenlöcher und aus dem kleinen Mund kroch mit einem Mal ein silbriger Dunst hervor.

„Oh nein! Nicht noch ein Stück!“, schrie der Gnom, drückte Zitara den Hamster in die Hand, fummelte sich umständlich eine Tasche vom Gürtel, ebenfalls aus schwarzem Leder, und wühlte mit zittrigen Finger darin herum. Das Klappern von Metall auf Glas war zu hören. Dann zog er einen Kristallflacon heraus, entkorkte den Deckel und konnte ihn gerade noch rechtzeitig unter die feucht glänzende Schnauze halten, bevor der silbrige Nebel sich im Raum verteilte. In dem Fläschchen gerann der Dunst zu dem Bild einer schummrigen Höhle in der ein ganzer Haufen kleiner Hamster sich eng aneinander kuschelte.

„Bei allen Drachen, Geistern und Göttern! Ambros Kindheitserinnerungen! Die braucht er doch noch!“

Akribisch verkorkte der Gnom das Fläschchen und schob es zurück in die Tasche. Dann nahm er Zitara behutsam den Hamster aus der Hand und ließ sich mit theatralischer Geste auf einem Stuhl zusammensinken.

Die Zwergin verschränkte die Arme vor der Brust. „Geisterhusten also“, schlussfolgerte sie.

Der Gnom schielte auf seine Stiefelspitzen, wagte nicht aufzublicken. Zitara war nun klar, dass er das mit dem Seele aus dem Leib husten eben wörtlich gemeint hatte. Eine der wirklich unangenehmsten Folgen eines Geisterhusten. Einzelne Fragmente seiner Persönlichkeit auszuspucken war genau so unangenehm wie es klang, und mit dem Fortschreiten der Krankheit wurden es immer mehr. Es war somit auch keine Frage mehr, warum er ausgerechnet zu ihr kam, und sie wusste auch, dass ihm klar sein musste, wie schwierig die Umkehrung einer solchen, durch Fluch verursachten Krankheit war.

„Wie viele Stückchen hat er schon ausgespuckt?“, wollte sie wissen. In ihre rostbraunen Augen legte sich ein Funkeln. Trotz aller Widerigkeiten und der frühen Morgenstunde war jetzt ihre Neugier geweckt.

Der Gnom begann kommentarlos erneut in seiner Tasche zu wühlen und förderte einen Flacon nach dem anderen zutage. „Nur drei insgesamt in der ersten Wochen. Darum hab ich es auch so spät erst begriffen. Als erstes muss ihm seine Wasserphobie abhanden gekommen sein. Aber wir hatten nichts mit Wasser zu tun. Gstern hab ich nur noch die Reste davon am Boden seiner Schlafhütte aufkratzen können.“

Er deutete auf ein Fläschchen, in dem ein einzelner Wassertropfen klebte. Sah man hinein schien er von unendlicher Tiefe, dennoch rief das Seelenfragment kein wirkliches Schaudern in Zitara hervor. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie auch mit dem richtigen Gegenmittel diesen Teil von Hamster Ambros Seele nicht wieder herstellen konnten.

„Das zweite war dann seine Langschläfernatur. Die kam mir entgegengeflogen, als ich morgens von der Kundenaquise zurückkam und er quietschvernügt noch vor dem ersten Hahnenschrei eine Runde nach der anderen im Generator-Rädchen drehte. Ich konnte sie grade noch fangen, bevor sie aus dem Fenster zog. Als er dann sein sonniges Gemüt ausspuckte, wurde es schlimmer. Da habe ich auch verstanden, was er sich da gefangen hat.“

Zitara hatte aufmerksam zugehört und sah mit an, wie er nun noch weitere vier Fläschchen neben die drei besagten stellte. Eins davon war das Bild der Hamsterhöhle.

„Die sind alle von heute Nacht!“, erklärte der Gnom. Seine Stimme nahm dabei schon wieder diesen unangenehm schrillen Tonfall an.

Zitara musterte ihn nun zum ersten Mal genauer. Wie Handschuhe und Tache war auch die restliche Kleidung aus schwarzem Leder. Typisch für seine Branche.

„Neue Märkte?“, fragte sie, während sie zu ihrem Reagenzienregal ging und in den Kisten, Beuteln und Flaschen nach den richtigen Zutaten Ausschau hielt.

Der Gnom gab ein Geräusch von sich, das sowohl Zustimmung wie Verneinung der Frage sein konnte. Auch typisch.

„Ich müsste auf jeden Fall wissen, wo er sich das gehollt hat. Die Macht desjenigen, der den Fluch ausgesprochen hat, bestimmt die Stärke des Gegenmittels.“

Weiterhin Schweigen. Zitara drehte sich um, nagelte ihn mit Blicken fest.

„Spucks aus! Wen habt ihr beklaut?“

Auf diese Frage reckte er gekränkt das spitze Kinn.

„Ich darf doch sehr bitten!“, entrüstete er sich. „Wenn ihr so fragt, klingt das, als wäre ich ein gewöhnlicher Dieb. Die neuen Märkte verstehen sich eher als Dienstleistungsbranche. Umverteilung von Werten, Beschaffung, Entsorgung und Neuorientierung von Mobilien aller Art. Wenn es uns nicht gäbe, würde die gesamte Sicherheitsbranche den Bach runtergehen. Ohne uns wären Meteoritenstahltresore völlig unnötig und Dragonsecurity würde ihre Wachwyvern auch an keinen mehr loswerden …“

„Jajajaja“, unterbrach Zitara ihn. Neue Märkte-Entrepreneure waren dafür bekannt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit gleich eine Grundsatzdiskussion zur Umorietierung der Weltmärkte zum besten geben zu müssen. Ein Blick auf den Hamster sagte ihr, dass sie dafür die Zeit gerade nicht hatten.

Der Gnom schwieg allerdings eisern, was Zitara dazu veranlasste, sich ganz ihren Reagenzien zu widmen und geschäftig an ihrem Labortisch zu werkeln. Sie begann Fläschchen aufzubauen, schüttete dieses und jenes zusammen, worauf das Gemisch im Kolben zu blubbern begann und mit jeder neuen Zutat die Farbe wechselte. Die Antwort auf ihre Frage blieb der Gnom ihr dabei weiterhin schuldig. Er schaute nur fasziniert mit vor der Brust verschränkten Armen zu.

„Ihr wollt also nicht, dass ich eurem Freund helfe“, stellte Zitara nüchtern fest, nachdem sie eine giftgrüne Flüssigkeit abfiltriert hatte und wieder zu ihm aufsah.

Trotzig blickten die grauen Augen unter dem blaumelierten Haar zurück. Eigentlich, stellte sie fest, sah er für einen Gnom fast schon zu gut aus, und eigentlich war er für einen Gnom auch etwas zu groß. Beides half ihr aber nicht bei der Lösung des Problems.

Ambros gab derweil einmal mehr ein keuchendes Pfeifen von sich. Der Gnom zuckte zusammen. Seine Finger schoben sich in Richtung Tasche. Es kam jedoch kein weiteres Seelefragment aus dem kleinen Mund hervor.

Zitara nahm derweil in aller Seelenruhe eine Pipette, zog etwas von der giftgrünen Flüssigkeit auf und flößte ihm drei Tropfen davon ein. Schon nach Sekunden meinte man, eine gewisse Erleichterung auf den pelzigen Gesichtszügen ausmachen zu können.

„Ihr habt ihn geheilt!“

Der Gnom sprang auf und machte Anstalten, Zitara um den Hals zu fallen. Sie streckte allerdings abwehrend die Hand aus, bevor er sich ihr auch nur auf drei Schritte nähern konnte. Dann schüttelte sie energisch den Kopf.

„So einfach ist das nicht. Und ich habe eben nicht aus Neugier gefragt, sondern weil es wirklich relevant für den Trank ist. Das hier ist lediglich die Elementarmischung. Es verzögert das Fortschreiten und mildert fürs Erste die Symptome. Doch kurrieren wird ihn nur die richtige Zugabe weiterer, sehr mächtiger Substanzen.“

Sie zog vielsagend die grünen Augenbrauen hoch. Der Gnom starrte zurück, als würde er nicht verstehen können, was sie ihm mitzuteilen versuchte. Minuten vergingen. Die Stille war angespannt und irgendwie albern. Die Zeiger der Uhr wanderten in Richtung drei.

„Sehr mächtige, sehr schwer zu beschaffende, sehr kostspielige Substanzen“, versuchte Zitara ihrem Gegenüber auf die Sprünge zu helfen.

„Ja also?! Worauf wartet ihr noch? Geld spielt keine Rolle. Ihr habt jeden Gefallen bei mir gut, den ihr wollt, aber mixt den Kram schon zusammen und rettet Ambros!“

Ein wenig tat er ihr schon leid. So naiv. So überaus naiv. Wie hatte er sich bisher in seiner Branche halten können?

„Hör mal“, sagte sie und ließ jede Förmlichkeit und damit auch jede Höflichkeit aus ihrer Stimme weichen, „Ich kenne mich mit dem Ehrenkodex deiner Branche nicht aus, gehe dennoch einfach mal davon aus, dass ihr ebenfalls unter einem Kundengeheimnisgelübde steht wie wir praktizierenden Schwarzmagier auch. Doch in diesem Fall hilft diese Einstellung nicht. Ihr könnt entweder eurem Kunden gegenüber loyal sein, oder ihr rettet das Tier da. Beides geht nicht.“

„Aber wieso nicht? Wenn ihr die Substanzen da habt, dann tut sie in den Trank. Die stärksten die nötig sind. Geht doch einfach davon aus, es ist der mächtigste mögliche Zauber gewesen.“

Jetzt musste Zitara lachen.

„Du hast keine Ahnung, oder? Aber auch echt gar keine. Weißt du eigentlich, was passiert, wenn ich Drachenschuppen und Phasenspringertentakeln hineinmische, der Fluch aber bloß vom stümperhaften Hummunculus eines mittelgradig magiebegabten neureichen Elfensöhnchens stammt?“

Die grauen Augen blinzelten sie nun fast schon treudoof an.

„Nein“, erwiderte er wahrheitsgemäß.

„Nein!“, platzte Zitara hervor. Sie musste tief Luft holen. „Nein“, japste sie, mehr zu sich als zu ihm. „Arbeitet in den neuen Märkten, und hat keine Ahnung von simpelster Wirkungs-Gegenwirkungs-Chemiolystik.“ Ihre Stimme bebte dabei ein wenig und ihre gift-grünen Zöpfe wackelten hin und her.

„Bei der Umkehrung von Flüchen, der Kategorie drei, ist darauf zu achten, dass das Gegenmittel, sei es oraler, mentaler oder metaphysischer Natur stets dem Grad der Wirkung angepasst ist“, zittierte sie das einschlägige Standardwerk zu diesem Thema, „Bei zu schwacher Wirkung passiert besten Falls gar nichts. Meist erreicht man jedoch eine kurzzeitige Aufhebung, -Erstverbesserung-, die von einem massiven Rückfall gefolgt ist, der schneller als der ursprünglich ausgesprochene Fluch seine maximale Wirkung erreicht. Kommt man in die Versuchung, einen zu starken Gegenfluch zu wählen, implodiert die betroffene Kreatur.“

„Wie bitte!“, dem Gnom standen die blau-grauen Haare noch mehr zu Berge als ohnehin schon.

„Implodieren, das ist …“

„Ich weiß was Implodieren heißt. Ich bin ja nicht blöd!“, entrüstete er sich. Zitara hätte gerne widersprochen, doch ließ er sie nicht zu Wort kommen. „Wer denkt sich denn einen solchen Schwachsinn aus. Viel hilft viel! Das weiß doch jedes Kind.“

„Nur bei Flüchen der Kategorie eins, zwei und sieben. Doch Geisterhusten ist leider ein Kategorie drei Fluch. Also einer, der nicht spezifisch personengebunden ist, sondern objekt- und handlungsabhängig. Somit ist er also nicht gerichtet, und die Umkerung ist ein difiziler Prozess, bei dem alle Komponenten sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Nachzulesen bei Servatius von Hohensteins grundlegenden Technik der chemophysikalischen, objektgebundenen Schwarzmagie. Außerdem habe ich gar keine Drachenschuppen da. Wenn es also ein mächtigerer Fluchwirker war, dann …“

„Dann was?“

Zitara zögerte. Ein Blick auf das kleine Fellbündel in seiner Hand ließ ihr Herz allerdings mitleidig zusammenzucken.

„Es gibt nicht viele Orte, wo man auf die Schnelle all die Zutaten bekommt, die wir brauchen werden. Sobald du mir allerdings endlich gesagt hast, wo er verflucht wurde und von wem, ist vielleicht etwas möglich.“

Der Gnom biss sich auf die Lippen, nestelte nervös an den bronzefarbenen Schnallen seiner Weste herum und schaute immer wieder zwischen der Höhlendecke, Zitaras starrem rotbraunen Blick und seinem keuchenden Gefährten hin und her.

„Roxor“, murmelte er schließlich, als wolle er nicht, dass Zitara den Namen verstand.

Wie alle Zwerge hatte sie aber ein unglaublich gutes Gehör und bei der Nennung des Namens fiel ihr die Kinnlade herunter. Ihre goldbraune Haut nahm einen ungesunden aschfahlen Farbton an und sie schluckte.

„Hast du Roxor gesagt?“

„Hm hm.“

„Rangun Roxor der Dritte, Präsident der Kings-Lair-Trust-and-Wealth-Foundation (KLTWF), Multitrilliardär und finanzieller Berater aller sieben Königreiche, Inhaber von Rox-Defenses und nebenbei mächtigster Schwarzmagier unserer Zeit?“

So kurz das Zucken seines Kopfes auf diese Frage auch war, es konnte leider nicht anders als als Nicken interpretiert werden. Zitara wurde schlecht.

„Das ist nicht dein Ernst“, flüsterte sie, stellte den Kolben mit der Flüssigkeit ab und sank auf ihrem Laborstuhl zusammen.

„Heißt das“, fragte der Gnom mit unschuldigem Blick, „heißt das, es wird sehr teuer?“

Zitara starrte ihn auf diese Frage minutenlang einfach nur an. Er starrte mit seinen tiefgrauen Augen zurück. Die Hände fuhren dabei unablässig beruhigend über den Rücken der kleinen Kreatur, die endlich ein wenig Schlaf gefunden zu haben schien. Vor dem Fenster begann es bereits zu dämmern und in der Ferne kam die Silhouette eines risiegen kegelförmigen Berges in Sicht. Zitara seufzte. Doch eigentlich hatte sie sich schon entschieden.

„Sag mir wenigstens wie du heißt, bevor wir aufbrechen. Ich will wissen, mit wem ich heute sterbe.“

Der Gnom war zu perplex, um zu fragen, was genau sie damit sagen wollte, und stotterte: „Maljosh. Man nennt mich Maljosh.“

„Schön“, nickte Zitara, „Sehr schön. Dann lass uns gehen. Ich hoffe, du hast genug Fläschchen dabei, falls Ambros wieder zu husten anfängt.“

„Hab ich, aber sag, wo gehen wir denn hin?“

Zitara deutete aus dem Fenster. „Dahin. Zum Berg der brennenden Vorsehung, in die Grotte der tausend Wunder.“

 

… to be continued.