Kategorie-Archiv: Erui

Alles, was es über die Welt von Erui zu wissen gibt, findest du hier.

Song of a Falling Star

Translation on the first novel completed!

 

Finally it’s done! And thus a new chapter on my homepage starts.

 

When a child dreamed the first of all human dreams, Gar’Erui the world beyond the veils came to life.

Human hopes and desires filled the newborn realm with all kinds of magnificent and cruel entities, resembling the best and the worst of mortal souls.

No one knows that better than Fenia. Raped and tortured she reappears in the human realm four years after she was supposedly killed by the boy she loved.
Where she has been, what has happened to her remains a mystery to family, friends and the police, for not a single word slips her tongue.

Only Dave, father of one of her classmates, can draw a connection between her disappearance and his own story. He realises what must have happened beyond the veils since he left:

The magic world is doomed to fall to the all-devouring Shadow, unless the ancient spell is woven again and the redeeming Star of Erui is revealed.

The journey starts with the return.

 

A year from today I made my decision.

 

My epic fantasy novel “Der Stern von Erui” had been on the German bookmarket for just two years yet already had ignited thousands of minds and souls.

Feedback from my readers was overwhelmingly positiv and thus encouraged me to dare the unthinkable: Investing the money I had earned so far to get my Star out into the world available for so many more people who longed for strong and meaningful fantasy stories.

 

Today I’m just celebrating having received the complete translation on the first book: “Homecoming”

 

What next, when you can get it and how and who was involved I will tell you in some later posts and articles for it was quite a journey for me as well. For now I hope you will enyoy the synopsis and the new coverdesing as much as I do, and if so: Spread the news!

“Der Stern von Erui” becomes a “Song of a Falling Star”

Cover - Homecoming_front

 

 

 

 

 

 

 

Das Herz des blauen Drachen – Coverreveal

 

Es ist Zeit, Thor Allion an Deterim ad Adran – die Schwingen, die die Mitternacht gebar – endlich fliegen zu lassen.

Ich hoffe natürlich, dass vielen von euch der Drache bereits ein Begriff ist, und doch dürfte es ebenso viele erstaunte Gesichter geben, wenn ihr seinen wahren Drachennamen lest. Für mich kam diese Geschichte ebenso unerwartet wie vor langer Zeit die ersten Bilder zu dem düsteren Märchen um Aljana und Llewellyn, welches ich im Stern von Erui schließlich niedergeschrieben habe.

Doch eins nach dem anderen

Eine Geschichte in Erui zu schreiben, ist, als würde ich sie selbst erzählt bekommen.

Das wissen zumindest einige, die Interviews mit mir folgen, oder die mich bei den seltenen Lesungen schon einmal live erlebt haben. Was vielleicht etwas seltsam klingt, ist für mich tatsächlich wahr. Erui ist kein ‘Plot’ den ich erfinde. Die Geschichte hat schon immer mich gefunden. In meinem Kopf hat sie sich in jeder nur denkbaren möglichen Wendung erzählt. Es hat mich lachen und hoffen und weinen lassen; und irgendwann war der Drang, es zu teilen so groß, dass ich begann, es aufzuschreiben.

Der Stern von Erui sollte meine einzige Geschichte bleiben

Wie ihr aber wisst, wenn ihr euch auf dieser Seite umseht, dann ist das schon lang nicht mehr der Fall. Noch bevor der Stern beendet war, ließen die Figuren mir Platz für neue Charaktere. Neue Geschichten, ganz anders als das epische Schicksal ihrer Welt.

Zwischen all diesen neuen Helden und Antihelden regte sich dann auch jene mächtige Stimme, die im Stern in Buch eins und zwei zu Wort kommt und doch nicht mehr ist als ein Schatten ihres alten Selbst.

Ich heiße nicht Thoran.

Doch meinen wahren Namen können die Sterblichen kaum aussprechen.

Wie er erschaffen wurde, wie wir Menschen ihn erträumten, als die Urgewalt in unseren eigenen Seelen, durfte ich in Band zwei -Schattenkriege- erzählen. Nur war da mit einem Mal so viel mehr. Thoran zeigte mir durch seine Augen ein ganz neues, ganz anderes Erui. Im Stern ist es kurz vor dem Untergang, doch gibt es Hoffnung. Damals, zur Zeit, als er sich seiner größten Angst stellen musste, war es bereits zum zweiten Mal untergegangen und Krieg und Schatten waren bitterer Alltag geworden. Die Legende vom Stern? Jeder kannte sie damals, doch sie galt als erfüllt und es war nicht das Licht, das den Sieg davon getragen hatte.

Auch für mich war es somit ein neues Erui, das Schauplatz dieser Geschichte wurde

Manche der alten Städte standen noch, die im Stern schon keiner mehr kennt, neue Karten mussten her, die ich immer noch vervollständige. Was aber, werdet ihr nun zu Recht fragen, verbindet die beiden Geschichten denn, außer dem übermächtigen, zornigen Drachen?

Hier kommen nun ein paar Figuren ins Spiel, die im Stern Eruis Geschicke im Hintergrund lenken und leiten. Durch ihre Verbindung zum Himmel wissen sie um vieles, was weder der Rat der Könige, noch das einfache Volk wissen kann. Erui zu schützen und damit seinen Kindern zu dienen, war seit jeher die Aufgabe des Heiligen Rates.

Vor einer Ewigkeit wurde die Mondkrone der Herrin von Nualschadan und das Szepter der Sonnenpriesters noch weitergereicht. Gwendolyn, Mendric, Ariman und Luani sind jedoch bereits Wächter seit ungezählten Sommern. Ewige Wächter. Weil der Himmel nur ihnen vertraute? Weil sie damit geehrt wurden für lange Jahre der Treue? Weil sie mächtiger waren, als alle Wächter vor ihnen? Oder ist es doch wahr, dass die Ewigkeit ein Fluch des Himmels war, für ein Vergehen, das sie vor langer Zeit begangen hatten, und das Erui beinahe vernichtet hätte?

Wie ihr seht, kann ich auch jetzt die Fragen, die sich stellen nur anreißen.

Der Stern von Erui hat seine ganz eigene Geschichte.

Er handelt von der jungen Fenia, die als letzter Mensch die Nebelgrenzen zwischen unserem und dem magischen Reich überwinden kann. Und auch wenn die Wächter und der Drache darin ihre Rolle spielen, so war es doch an der Zeit, ihnen Platz für ihre eigene Geschichte zu geben.

Dieses Jahr im National Novel Writing Month will ich mich wieder nach Erui begeben, damit Himmelsfürst Thoran endlich zu euch fliegen kann.

Bis dahin dürft ihr euch mit mir an dem bezaubernden Cover erfreuen, das Alexander Kopainski für den ersten Band gestaltet hat.

Ein neues Erui. Ein ganz anderer Coverstil. Ich bin gespannt, wer mir diesmal über die Grenzen des Nebelreiches folgen möchte. 🙂

 

Das Herz des blauen Drachen -Ein uralter Schwur

Liebe Grüße,

Eure Sylvi

 

Wie man einen Epos schreibt – Keine Anleitung!

Keine Anleitung – nur ein Erfahrungsbericht

 

Ich sehe und lese sie immer wieder, die schlauen Ratgeber-Artikel, die einem erklären, wie man dies und das und jenes tut. So einer ist das hier nicht. Meine Philosophie ist, dass wir alle sehr unterschiedlich sind und unsere Wege, Dinge zu tun, sind es ebenso.

Manche lesen all diese Schreibratgeber und setzen sich dann hin und erschaffen einen tollen Roman. Manche schaffen es trotz tausend Kursen nicht, und andere, so auch ich, machen einfach, und am Ende kommt ein Buch raus … oder drei … und dann werden es immer mehr.

 

Natürliches Wachstum auch für phantastische Welten

 

Karte Erui WordPress2

 

Dieser Artikel hier entsteht auf der Frage, wie genau ich Erui eigentlich erschaffen habe. also, wie es entstanden ist.

Angedeutet habe ich das ja immer wieder mal in diversen Artikeln und Interviews, doch tatsächlich kann ich euch einen ziemlich detaillierten Werdegang meiner Welt benennen. Und eins ist dabei sicher: Sie entstand nicht einfach über Nacht. Sie war immer irgendwo ein Teil von mir, solange ich denken kann.  Aber wie auch ich hat sie sich verändert und musste erst reifen, um zu der Welt zu werden, die ihr im Stern von Erui bereisen könnt.

Am einfachsten mache ich es mir da vermutlich, indem ich diesen Werdegang in drei Phasen einteile:

Die Frühphase – Eruis erste Anfänge, erste Strukturen, die ich im Kopf hatte und die es von den ersten Tagträumen bis in meine fertige Welt geschafft haben.

Die Phase des Bewusstwerdens – Erui bekam seinen Namen, der Plan, die Geschichte um Aljana und Llewellyn niederzuschreiben, stand fest.

Das Verwerfen der ersten Version und damit die Neufassung der endgültigen Trilogie.

 

Frühphase – Alles nur in meinem Kopf

 

Ich gebe es frei und offen zu: Ich war und bin eine Tagträumerin. Und damit ja vermutlich nicht allein. Also Hände hoch, wer als Kind auch diesen Ort in seinem Kopf hatte, an den er flüchten konnte, wann immer die Welt ihn nervte, langweilte oder sogar unerträglich war. Der Ort angefüllt mit den Helden aus Büchern, Comicy, Serien, Filmen mit denen man schon immer gemeinsam Abenteuer erleben konnte, so wie man wollte.

Für mich lag diese Welt stets in einer Blase umgeben von Nebel, durch den ich treten konnte und schwupps war ich da. Ich erinnere mich sogar noch ziemlich genau, wer so alles dieses Kopfkino bevölkert hat, aber das ist so persönlich, dass es nur mir gehört.

Nur eine Parallele zu Erui gibt es: Ich selbst konnte damals schon immer die sein, die mit einem Schwert in der Hand die Welt rettete. 😉

 

Phase 2 – Erui bekommt seinen Namen

 

Irgendwann schlichen sich in meine Tagträume dann aber auch immer wieder diese Geschichten und Dialoge von ganz anderen Geschehnissen, die mit dem übrigen nicht viel zu tun zu haben schienen. Eine eigene Geschichte mit eigenen Figuren, die ich nicht irgendwo entliehen hatte, wuchs.

Mit elf beendete ich mein erstes Buch und als ich zwölf/dreizehn war, wurde es veröffentlicht. Ziemlich genau in diese Phase kann ich den Gedanken legen, dass ich diese Geschichte, die ich immer wieder sah, von meiner Traumwelt loskoppeln wollte, um ihre ihre ganz eigene Welt zu geben.

Die Zeilen, die ihr aus dem Anfang von Band eins kennt, schrieb ich in ihrer ersten Version mit 14:

Nebel.

Blicke verlieren sich darin. … Alles verzerrt, verschwommen.

Graue Unwirklichkeit. …

Aus dem Gedanken, was mit Träumereien passiert, wenn man sie fertig geträumt hat, folgte schließlich die Schöpfungsgeschichte Eruis, mit der der spätere zweite Band eröffnet wird und ebenfalls damals fand ich den richtigen Namen für diese Welt.

Angelehnt an einige Namen aus alt-irischer Folklore und nordischen Geschichte kam er mir in den Sinn und ich dreht ihn im Kopf hin und her und fand ihn passend. Danach gab es für Erui kein Halten mehr. Es wuchs und wuchs und auch die Geschichte vom Stern erzählte sich wie von allein.

Ich begann es aufzuschreiben und war nach 200 Seiten ziemlich stolz auf mich. Auch alle Freunde, denen ich es zu lesen gab, fanden es toll. Alle, bis auf einen. Dieser eine, mein bester Freund, bestätigte, was ich selbst schon die ganze Zeit im Gefühl hatte, aber hören wollte ich das natürlich nicht: Die Geschichte war ganz nett, aber bei weitem noch nicht der packende Epos, den ich in meinem Kopf wie einen Film vorwärts und rückwärts laufen lassen konnte.

Phase 3 – nichts macht so glaubwürdig, wie eigene Erfahrungen

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Dieses Kostüm stammt noch aus meiner RPG-Zeit.

Ich hatte es mit 15 schon geahnt und sogar in einem meiner sporadischen Tagebucheinträge festgehalten, dass ich glaubte, dass ich diese Geschichte erst richtig erzählen könnte, wenn ich selbst ein wenig älter geworden war. Mein bester Freund und mein Gefühl bestätigten mir das nur, auch wenn ein Teil von mir sich an die Idee klammern wollte, dass ich doch schon eine ganz schön imposante Geschichte geschaffen hatte.

Was mir allerdings half, meine Figuren in ein neues Licht zu rücken, war gerade mein neuer Freundeskreis, den ich durch Live-RPG kennengelernt hatte. Unser Spiel “Archaica” basierte auf dem Prinzip, dass unsere Welt mit den ‘Schleierreichen’ verbunden war.  Es gab die sechs Sphären: Ordnung-Licht-Leben-Chaos-Dunkelheit-Tod. Zwischen Ordnung und Licht lag die Sphäre der Engel, zwischen Licht und Leben die der hellen Feen, zwischen Leben und Chaos die der Werwesen, zwischen Chaos und Dunkelheit das Reich der Dämonen, zwischen Dunkelheit und Tod das der Geister und zwischen Tod und Ordnung das der Vampire. Alle diese Wesen waren in ihren Ansichten starr und konnten nur nach den Prinzipien ihrer Reiche handeln. Ein Setting, das so nah an der Entstehung Eruis war, dass ich es wagte, einen Character zu erschaffen, der mich meiner Protagonisten nahe bringen sollte.

Als Lichtfee Aljana habe ich fortan die Schleierdomäne Limburg vor dem Einfluss der dunkeln Sphären zu bewahren versucht und festgestellt, wie schwierig es ist, wenn man als Kreatur des Lichtes nur auf die Methoden der guten Seite zurückgreifen kann. Verrat, Mord, Intrigen, wann immer wir die Instrumente der Feinde benutzten, gab es Brüche in unserem Charakter, die uns selbst mehr und mehr auf die dunkle Seite zogen.

Wir haben Abende lang darüber diskutiert, ob und wie es möglich sei, eine Welt zum Guten zu kehren, ohne die eigenen Prinzipien zu verraten, und je tiefer ich in dieses Denken geriet, umso mehr flossen diese philosophischen Gedanken auch in den Stern.

Am Ende hat unser Bündnis an Lichtfeen und Engelswesen übrigens das Spiel für sich entschieden und eine Domäne des Lichtes erschaffen. Doch für mich war das kein Triumph. Unter den mächtigen Gesetzen, die wir nach den Regeln damit ausrufen durften, wurden gnadenlos und ohne Wenn und Aber Alle dunklen Wesen und Anhänger dunkler Sphären entmachtet oder hingerichtet. Ein bitterer Beigeschmack, der zu einem Neustart des Spiels führte und für mich zu einer Erkenntnis: Ich hatte selbst nur Mitleid. Mitleid für Wesen, die nach den Regeln dazu verdammt waren, niemals Freundschaft, Liebe, Ehrlichkeit und Wahrheit kennenzulernen und ich nahm die Lehre zusammen mit der Kritik meines Freundes mit in mein Sabbatjahr, wo die Gedanken schließlich die neue Version des Sterns ins Rollen brachten.

Gut und Böse, Licht und Schatten, Tod und Leben – all das sind Aspekte des Menschseins. Anders, als die Wesen, die auch in meiner Geschichte dazu verdammt sind, nur das eine zu kennen, ohne das andere je erreichen zu können, hingen meine Protagonisten mit ihren Herzen und Seelen zwischen all diesen Welten in der Luft.

die Geschichte hat sich in der Neufassung nicht verändert, doch die Sicht, die ich dem Leser darauf gewährte, drehte sich gewaltig. Das Rätsel um den Kern unserer Seele wollte ich von allen Seiten beleuchten. Keinem Charakter von Anfang an den Vertrauensvorschuss der Hauptprotagonisten geben, damit man sich ganz einlassen konnte, auf die Suche nach der Wahrheit und die Erkenntnis unter wie vielen Versionen der Wirklichkeit diese manchmal verborgen liegt.

Darum gibt es letztlich so viele wechselnde Perspektiven. Wie bei einem Blick durch ein Kaleidoskop kann man nur durch das Zusammenfügen jeder einzelnen davon am Ende das Große Ganze sehen.

so, liebe Janina, jetzt weißt du (so grob und im Schnelldurchlauf), wie der Stern von Erui entstanden ist. Zumindest manche Aspekte davon. Ich hoffe, dir und allen anderen, die diesen Artikel lesen, hat es Freude gemacht.

Und wie ihr seht: Es ist nur eine mögliche Methode, Welten zu erschaffen. Andere Autoren haben ihre eigenen und das ist gut so, sonst würden wir alle dieselbe Geschichte auf dieselbe Weise erzählen.

Einen schönen Sonntag 🙂

Der Stern von Erui- ein Schattenspiel
Der Stern von Erui- ein Schattenspiel (von meiner geschätzten Kollegin Theresa Bauer)

Eure Sylvi

 

Mitsommer auf Talveymar – Lesung aus “Der Stern von Erui”

Im Glanz der goldenen Hallen

 

… darf mein Stern heute tanzen und ich habe euch mal die romantischere Seite meines doch manchmal recht düsteren und verworrenen Epos mitgebracht. Viel Spaß dabei und wer noch mehr dazu hören mag, der kann gerne auf Facebook dem #SternenSommer folgen.

Außerdem eine gute Gelegenheit um in die Reihe einzusteigen und gemeinsam mit anderen zu lesen. 🙂

 

Und hier geht es zum Video auf Youtube:

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Schreibtagebuch – Wenn ich mal nen freien Tag habe

… dann komme ich immer auf dumme Ideen.

 

Zum Beispiel: mich endlich auf die Suche nach einem Übersetzer für meine Sternenlied-Saga zu machen.

MOMENT! ÜBERSETZER?! – Ja, das denke ich mir derzeit auch noch. Ein Teil von mir fragt sich, wo der Ausschaltknopf für den Größenwahn ist. Dennoch. Ich habe ja sowas wie einen Plan aufgestellt. Schon vor Jahren.

2014 – fertig sein mit den Alpha-Versionen aller Romane, und Heimkehr und Schattenkriege am besten schon in der Beta.  – Naja … hat fast geklappt. Sternenstaub war ne harte Nuss.

2015 – Veröffentlichung! -Yes. I totally did this!

Alles was danach kam, habe ich nicht mehr wirklich an Jahreszahlen festgemacht, denn ich wusste ja, jedes Buch hat seinen eigenen Lebenszyklus. Manche sind von Null auf Hundert Hot und am nächsten Tag wieder abgemeldet. Andere brauchen lange, und wachsen stetig in ihrer Bekanntheit. Und andere, viele, schaffen es gar nicht, irgendwie bekannt zu werden.

Darum: Übersetzung stand auf meinem Plan, sobald die Bücher genug abwerfen, dass ich einen professionellen Übersetzer davon bezahlen könnte. Und … was soll ich sagen. Vom Spiegel-Bestseller sind wir noch weit entfernt, doch ja, die Übersetzung zu finanzieren ist nun realistisch.

Und gestern hatte ich also mal wieder frei und noch nichts geplant. Also Entsprechend gute Portale gesucht, eins gefunden, Anzeige verfasst. Und Warten. … Dachte ich. Seitdem pingt mein Email-Postfach in einem durch.

Ich dacht natürlich: Das werden vor allem so Hobbyübersetzer mit völlig unrealistischen Preisvorstellungen sein. Und klar. auch solche sind dabei. Aber auch welche, die absolut meinem Suchprofil entsprechen: lange Erfahrung, Muttersprachler, sehr gutes Sprachgefühl im Deutschen und mit der Liebe zur Fantasy. Denn das ist natürlich auch eine Sache. Ein Buch braucht eine persönliche Note. Und einen Autor gut zu übersetzen ist fast so schwer, wie selbst gut zu schreiben. – Wenn nicht schwerer.

Derzeit befinde ich mich also mitten in einem spannenden Prozess und ich halte euch auf dem Laufenden, wo das alles noch so hinführt.

 

Liebe Grüße,

 

Eure Sylvia

Schreibtagebuch – wenn die Muse heimkehrt

Huhu ihr Lieben!

 

Es ist Freitag und eigentlich ist derzeit viel los. Mittwoch war ich sehr niedergeschlagen aus unendlich vielen Gründen. Aber der Donnerstag hat alles wieder wett gemacht. Eine Menge Unklarheiten sind aus dem Weg geräumt und was passiert immer, wenn mein Kopf entspannen kann?

Genau!

 

Die Muse ist wieder bei mir eingezogen.

Heute früh weckte sie mich mit einem wundervoll feurigen Dialog zwischen Gwendolyn und Thoran. Also bin ich direkt vor der Arbeit noch an den PC und habe eine Runde geschrieben. Auch jetzt arbeitet es fleißig und so langsam fügen sich die ganzen kleinen Steinchen in meinem Kopf zu dem großen und – hoffentlich – wundervollen Gesamtbild der neuen Erui-Trilogie “Das Herz des blauen Drachen” zusammen.

 

400 Seiten schon geschrieben – vermutlich noch 1000 vor mir!

Wie das mit Erui ja immer so ist, wird auch das hier diesmal keine kleine Geschichte. Wer meine Seite schon ein wenig länger verfolgt, der weiß ja, dass es sich um die zeit drehen wird, als die zweite dunkle Zeit in Erui endete, als Gomar die Macht im Norden übernommen hatte, Thoran Blaudrache seinen Schwur einlösen musste und die Ewigen Wächter aus der Sternenlied-Saga noch jung und teilweise sehr unbedarft waren.

 

Ein ganz neues Licht für altbekannte Protagonisten.

es ist damit unglaublich spannend, herauszufinden, wo Gwendolyn, Mendric, Luani und Ariman eigentlich herkamen. Was ihre Wünsche und träume waren und wieso sie irgendwann Wächter wurden. Gerade Gwen mochten ja die wenigsten am Ende der Sternenlied-Saga, und haben das Ende sogar begrüßt, dass ich ihr schrieb.

Für mich war das damals ein schwerer Schritt, denn ich hatte ja schon immer im Kopf, woher sie einmal kam und welcher Weg hinter ihr lag. Ein Mädchen voll Träume und Wünsche, das ähnlich meiner Heldin Fenia eine einzige große und wahre Liebe gekannt hat. Aber keine Sorge, um Liebe wird es nicht gehen.

 

Ein neuer Epos entsteht

Ich will euch Erui von einer ganz anderen Seite zeigen. Denn nein, früher war nicht alles besser. Und es gibt so viele Geschichten, die ihr sehen müsst! Ich selbst stehe immer wieder staunend, wenn ich neue Bruchstück von meiner Muse ins Ohr geraunt bekomme und es fühlt sich wieder an wie damals, als ich den Stern schrieb.

Erui lebt! Wirklich. Ich habe das Gefühl, dass ich mir das nicht alles ausdenke, denn es ist so groß und gewaltig und oft genug überraschend und ich würde euch so gern schon mitnehmen. Aber es wird wohl noch eine ganze Weile dauern. Ihr kennt mich ja. auf die Frage “Dürfen es auch 200 Seiten mehr sein?” würde ich nie mit Nein antworten.

Der erste teil “Ein uralter Schwur” ist ja im Nano 2015 schon ganz gut gewachsen. Da muss ich jetzt aber viel polieren und die Lücken auffüllen. Das Ende für die ganze Reihe kenne ich dabei schon und habe auch den Epilog bereits geschrieben. Der ist tatsächlich eher ein Schmankerl für jene, die den Stern gelesen haben. Denn ja, so ein klein bisschen nehme ich euch mit zurück zu den Helden, die ihr kennen und hoffentlich auch lieben gelernt habt.

 

Also dann. Jetzt muss ich aber wieder Schreiben. Habt einen schönen Freitag und ein tolles Wochenende.

Deleted Scenes – Von Königen und Pferden

Hier habe ich ein kleine Episode für euch aus der Zeit, die Fenia als vermeintlicher Junge in Arvindûras lebte. Ich hoffe ihr mögt es. 🙂

 

Dûrowinn von Arvindûras

 

Dûrowinns Finger krallten sich in die Mähne und mit seinen Waden umklammerte er den schweißnassen Leib des Hengstes. Noch zwei Bocksprünge hielt er sich so im Sattel, bevor er unter dem unbändigen Aufbegehren des Tieres letzten Endes den Kürzeren zog. Ein Schütteln noch und ein abprubter Stopp, dann flog er in hohem Bogen von seinem Rücken, prallte auf den Boden und konnte sich grade noch über die Schulter abrollen, um den wild keilenden Hufen zu entgehen, die in elegantem Sprung über ihn hinweg setzten. Die jungen Damen auf der Tribüne der Arena ringum hielten ängstlich den Atem an. Die Stallburschen im Rund sprangen auf die Füße, griffen nach Stricken und Stöcken, um das tobende Pferd wieder einzufangen. Nur der zweite königliche Stallbursche, ein besonnener Mann mit Namen Aswin, schlenderte gemächlich zu dem Prinzen hinüber und reichte ihm eine Hand, um ihm aus dem Staub aufzuhelfen.

Er schaute dabei absichtlich über die Schulter zurück zu dem anderen Jungen, der konzentriert am Rand der Arena unter den Säulen kauerte und die Augen nicht von dem wundervollen Hengst abwenden konnte. Aswin hoffte dadurch, sein Grinsen vor dem Kronprinzen verbergen zu können.

Der Sturz war vorherzusehen gewesen, gleich als sich der junge Mann forsch und tollkühn in den Sattel geschwungen hatte. Ihm das zu sagen, oder es ihn auch nur spüren zu lassen, würde seine Laune aber kaum verbessern.

„Was gibt es da zu lachen?“, fuhr Dûrowinn Aswin dennoch an.

Er zuckte mit den Schultern, setzte zu einer Antwort an, die dem Prinzen wohl keineswegs schmecken würde, doch ließ der hitzköpfige junge Mann ihn nicht zu Wort kommen.

„Der Befehl meines Vaters lautete, dass Ihr mir das beste Pferd von Eurer Reise zu den Gletschern mitbringt, das Ihr finden könnt, und nicht den erstbesten unzähmbaren braunen Teufel, der mir nach dem Leben trachtet!“

Seine Stimme sollte wohl überlegen und abgklärt klingen, während er ein paar Schritte zum Rand der Arena hinkte. Der hochmütige Tonfall erinnerte Aswin aber eher an einen trozigen Jungen, der mit aufgeschlagenen Armen, Knien und angeknackstem Stolz vor ihm stand. Aswin schüttelte den Kopf. Er war sonst ein guter Junge. Doch manchmal hatte er das dringenden Bedürfnis, ihn für solche Bemerkungen wie einen ungezogenen Bengel noch übers Knie zu legen. Aus dem Alter war er längst entwachsen und so mussten es ein paar wohlbedachte Worte tun.

Sein Blick flog zu den Rängen, von wo die tuschelnden Mädchen ihrem Schwarm sorgenvolle Blicke zuwarfen. Aswin hatte schon gewusst, warum er eigentlich darauf bestanden hatte, dem Prinz das neue Pferd heute erst nur unten in den Ställen allein und in aller Ruhe zu zeigen. Doch Dûrowinn hatte in seinem Übermut mal wieder ein Spektakel daraus machen müüssen. Die Blutergüsse geschahen ihm ganz recht.

„Mein Prinz, lasst es jetzt gut sein. Morgen versuchen wir es noch einmal, aber dann mit weniger Druck und mehr gutem Zureden. Ihr werdet sehen, er ist ein feiner Kerl.“

„Gut zureden?! Seid Ihr von Sinnen? Soll ich mich erschlagen lassen? Der muss gleich lernen, wer der Herr ist, sonst …“

Das Gesicht des Prinze war hochrot, vor Zorn und Scham wie Aswin vermutete, und seine Schimpftirade wäre gewiss auch noch weitergegangen, wenn er nicht aus den Augenwinkel etwas bemerkt hätte, was ihn im nächsten Moment schlohweiß werden ließ.

Der jüngere Freund hatte sich aus dem Kreis der Stallburschen gelöst, die respektvollen Abstand zu dem jungen Hengst haltend um diesen herum standen. Ohne Scheu trat er auf das bebende Tier zu. „Fen, nicht!“, schrie Dûrowinnn und schien sein schmerzendes Bein ganz zu vergessen.

Auch Aswin konnte sehen, wie die schmächtige Gestalt sich dem Pferd näherte. Dabei war jeder Muskel unter dem kastanienbraunen Fell zum Zerreißen gespannt, die Augen weit aufgerissen, dass man das Weiße in ihnen sehen konnte, und die Nüstern bis zum Anschlag gebläht. Das Pferd war misstrauisch und ängstlich und im Zweifelsfall zu allem bereit. Dem Jungen hingegen schien jede Angst und auch jede Vernunft zu fehlen.

Er war noch zwei Armlängen von dem Hengst entfernt und streckte behutsam eine Hand nach vorn, unablässig beruhigende Worte vor sich hinmurmelnd. Er blendete dabei alles andere um sich herum aus, überhörte die furchtsamen Zurufe der übrigen Burschen und auch den lauten Befehl des Prinzen, von dem Pferd wegzubleiben. Er bemühte sich, keine hastigen Bewegungen zu machen und seine noch sehr helle Stimme so tief wie möglich klingen zu lassen.

Am Ohrenspiel erkannte Aswin, dass das Tier tatsächlich auf ihn reagierte. Es zögerte, hielt inne in seiner blinden Panik und begann zu überlegen, ob diese Geste tatsächlich freundlich gemeint sein konnte. Schon im nächsten Moment überwog allerdings die Skepsis und Fen musste sich unter fliegenden Vorderhufen hinweg ducken.

Dûrowinn und Aswin hielten dabei den Atem an, konten aber weiter nichts tun, denn in die Nähe des tobenden Pferdes zu gehen, würde den Jungen nur noch mehr in Gefahr bringen.

Es dauerte gut fünf Minuten, bis der Hengst sich wieder beruhigte. Der Prinz und der Stallbursche waren derweil kreidebleich geworden.

„Komm da endlich weg, Fen!“, rief Dûrowinn, als der Hengst schnaubend und nervös scharrend ein wenig Platz gemacht hatte.

Der junge mit dem dunkelblonden Kriegerzopf aber schüttelte abwesend den Kopf, ohne das Tier aus den Augen zu lassen. Seine Stimme blieb weiterhin ruhig und tief, soweit ihm das zumindest möglich war. Mit seiner ganzen Körperhaltung versuchte er dem Pferd zu vermitteln, dass es sich nicht fürchten musste. Aswin schaute fasziniert zu, und als Dûrowinn Anstalten machte, zwischen die anderen Burschen zu treten und Fen zurückzuholen, hielt er ihn am Ärmel zurück, legte den Finger an die Lippen und deutete auf die Szene, die sich nun vor ihnen abspielte.

Der Junge hatte sich erneut dem Pferd bis auf eine Armlänge genähert. Der Hengst stand wie angewurzelt. Schaum bedeckte noch immer seine Flanken und immer noch waren auch seine Nüstern gebläht. Dennoch wölbte er den kräftigen Hals nun der Hand entgegen, die sich ihm hinstreckte.

Dabei wurde Fen nicht ungeduldig, stellte Aswin fest. Als die Nüstern des Pferdes seine Fingerspitzen berührten, hielt er einfach nur ganz still, statt wie so manch anderer zuzugreifen und den Kontakt einzufordern. Nein. Der schmächtige Junge ließ Augenblicke und Augenblicke verstreichen, in denen das Pferd immer wieder bis auf Millimeter an ihn herankam, dann aber skeptisch die Mähne schüttelte und den Hals wieder zurückzog. Nach einer Ewigkeit, wie es den Umstehenden schien, fasste das Pferd schließlich Vertrauen und presste seine Nüstern in die dargebotene Hand.

Spätestens jetzt, so wusste der Stallbursche, machte jeder den Fehler, zu glauben, dass das Tier ihm willig folgen würde. Nicht so der Junge. Zehn weitere Minuten verstrichen, die er dem Hengst erlaubte ihn überall zu beschnuppern. Das Pferd trat auf ihn zu und um ihn herum und er verharrte still, wie festgenagelt. Erst als der Hals sich vertrauensvoll vor ihm senkte, ein Schauer durch die angespannten Muskeln ging und ein langes Schnauben den Nüstern entfuhr, wagte Fen, sich zu regen.

Ganz langsam und behutsam, ohne übereilte Bewegungen zu machen, schnallte er das Seil von seinem Gürtel. Mit ruhigen Worten erklärte er dem Tier, was er zu tun gedachte, und dass er nichts zu fürchten hatte, weil alles gut werden würde. Die kleinen spitzen Ohren drehten sich dabei in seine Richtung.

Dûrowinn blieb der Mund offen stehen, als sein Freund es tatsächlich schaffte, dem Pferd seinen Strick über die zerissenen Zügel zu legen, den Sattel abzuschnallen und ihn ohne Bocksprümge und Auskeilen neben sich her zu ihnen herüber zu führen. Eine Hand hatte er dabei beständig auf dem Nacken liegen und das Tier ließ den Kopf fallen und kaute wohlig.

„Am besten bringst du ihn für heute in den Stall“, meinte Fen nur schlicht, während er Dûrowinn den Strick in die Hand gab.

Für eine Sekunde ging ein Zucken durch das Tier, doch ein sanftes Tätscheln von Fens Händen versöhnte ihn mit der Situation.

„Wie hast du …?“, wollte Dûrowinn wissen, doch dann fiel sein Blick über seine Schulter auf die Zuschauer. Er hatte sich heute genug Blöße gegeben.

Aswin lächelte nur und ließ den Prinzen vorgehen. Er selbst schloss zu Fen auf, der wie üblich stillchweigend hinter dem älteren Freund herging.

„Das hast du sehr gut gemacht“, lobte der Stallbursche den Jungen. „Die meisten meiner Lehrjungen verstehen bis zum Schluss nicht, dass man Geduld haben muss. Sie sehen Sanftmut als Schwäche und mangelndes Durchsetzungsvermögen.“

Fen nickte nur abwesend. Dann plötzlich sah er Aswin allerings an und die blaugrüngrauen Augen des Jungen erschienen dem Mann für einen Moment ein wenig zu strahlend. Irritiert schüttelte er den Kopf während Fen leise erklärte: „Dieses Pferd ist frei geboren worden. Es kannte keine Hand und keinen Strick, bis Ihr ihm einen umgelegt habt. Ein solches Pferd zu führen, ist wie ein freies Volk zu führen. Man muss erst sein Vertrauen erlangen, bevor man es beherrschen kann und es einem folgt. Aber das sollte Dwinn besser wissen als ich.“

Der Stallbursche zog die schwarzen Augenbrauen zusammen.

„Nunja, du kannst dir sicherlich denken, dass sein Vater mich nicht mit dem Gedanken fortschickte, seinem Sohn nur ein schönes Pferd von den westlichen Bergen zu holen.“

„Nein, gewiss nicht. König Melias hat meist einen Grund für sein Tun. Er wollte sicherlich, dass dieses Geschenk für seinen Sohn gleichsam eine Lektion ist.“

„Du bist ein kluger Junge, Fen“, antwortete Aswin und sah die schmale Gestalt neben sich mit forschendem Blick an.

„Bin ich das?“, fragte der nur zurück und wieder war da etwas in seinen Augen, dass Aswin irritierte.

„Naja, vermutlich schon, denn du hast die Lektion bereits gelernt, die unser zukünftiger König vielleicht gerade erst zu begreifen beginnt.“

Als habe Dûrowinn ihre leisen Unterhaltung gehört, drehte er sich auf einmal zu ihnen um und sah den Stallburschen ein wenig reumütig an. Dann fragte er: „Wie heißt er eigentlich?“

Aswin klopfte Fen auf die Schultern und machte zwei schnelle Schritte, um neben den Kronprinz zu gelangen.

„Er heißt Kijanji, euer Hoheit. Der den Wind unter den Hufen trägt.“

Mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern drehte er sich noch einmal zu Fen um und dieser erwiderte beides.

Deleted Scenes – Ein Sturm zieht auf

Manche haben sich vielleicht gefragt: Wie ist das eigentlich weitergegangen? Also jetzt nach diesem unerwarteten ersten Kuss? Fenia und Martin ein Paar? Und was war mit diesem seltsamen Nebel?

Wohin das alles führte, das habe ich in Heimkehr ja geschrieben. Doch gibt es da wirklich so viel mehr. Im Prinzip all die Tage, die zwischen den Zeitsprüngen liegen. Aber wie hat eine liebe Kollegin neulich geschrieben? Kill your Darlings! – Verliere dich nicht in Belanglosigkeiten!

Für die Handlung war es nicht wichtig. Aber jetzt, jetzt kennt ihr die Geschichte und ich lass euch gern noch einmal zurückkehren zu der Nacht und dem Mond und dem unverhofften Kuss, um vielleicht zu sehen, was ihr beim ersten Lesen gar nicht sehen konntet. 😉

Zwei Herzen – Augen eines Sturms, der im Aufziehen begriffen war.

Fahndungsbild Fenia     Fahndungsbild Martin

 

Sein Herz zitterte, als seine Lippen ihre berührten. Alles in ihm schien in Aufruhr zu geraten. Es war wie ein Sturm, der durch sein Inneres fegte, während er gleichzeitig nach außen eine Ruhe spürte, wie sie ihn noch nie umfangen hatte. Alles war gut. Hier und jetzt. Er hielt sie in den Armen und nichts anderes zählte als das. Er spürte, dass es auch für sie befremdlich war, doch sie ließ sich ganz und gar darauf ein.

Zwei bebende Herzen, Augen eines Sturms, von dem sie nicht ahnten, dass er im Aufziehen begriffen war.

Nach einer Weile löste er sich vorsichtig von ihr. Er sah sie an und lächelte, bemerkte aber, dass ihr Blick schon wieder an ihm vorbei in die Ferne wanderte. Er drehte sich um und sah nur den Himmel und den vollen Mond daran. „Ich kann nicht mit euch gehen“, hörte er sie flüstern und begriff, was los war. „Fenia“, sagte er energisch, doch nicht zu laut, auch wenn alles in ihm schrie. Er hätte sie am liebsten fest an den Schultern gerüttelt, angeschrien, ihn anzusehen, sich nicht auf die einzulassen.

„Fenni, hey bitte. Sieh mich an“, forderte er noch einmal und legte ihr eine Hand an die Wange, die im Mondlicht fast silbern glitzerte. Für einen winzigen Augenblick glaubte er dabei wie durch einen feinen Schleier zu greifen, bevor seine Haut ihre berührte. Dann aber schüttelte er den Kopf. Das war Blödsinn. Hier war nichts weiter zwischen ihr und ihm. Nicht jetzt; nicht in dieser Nacht. Und wenn es nach ihm ginge, dann würde da auch nie wieder etwas sein.

„Ich glaube“, gestand er ihr schließlich, selbst kein wenig überrascht von seinen Worten, „Ich glaube, ich habe mich zum allerersten Mal verliebt.“ … Und ich hoffe, es wird ewig halten.

Auf diese Worte hin zuckte es kurz in Fenias Augen und sie sah wieder zu ihm. Ein kurzes Lächeln, flüchtig wie ein Wolkenschatten vor dem hellen Vollmond, huschte über ihre Lippen. Dann wurde ihr Blick wieder glasig.

Martin verstand, dass sie noch mehr sah als nur ihn, mehr hörte als allein seine Stimme. Er schloss die Augen, zog sie fester an sich. Er lauschte, ob auch er die klare, fordernde Stimme erneut vernehmen konnte, doch bließ ihm nur ein rauer Wind aus Richtung des Waldes ins Gesicht.

Sie will nicht, dass ich mich einmische, verstand er.

Sie wird ihren Willen bekommen. Wieder einmal. Sie fordert alles. Erneut. Immer fordert sie alles. Dieser zweite Gedanke kam so plötzlich wie ungebeten. Er war einfach da. Eine klaffende Wunde schwärender Gewissheit, dass es keinen Ausweg geben würde. Doch wusste er nicht, woher um alles in der Welt, er das wissen konnte. Sein Geist malte ihm erneut das unheimliche Bild jener Frau in den langen Gewändern ins Gedächtnis, wie sie über dem Nebel des Sees geschwebt war, unwirklich und substanzlos. Aber etwas in ihm wusste es besser. Sie hatte die Macht alles zu ändern, wüde nicht Ruhe geben, und sie forderte erneut einen Preis.

Er schüttelte den Kopf. Alles fühlte sich auf einmal taub und benommen und vernebelt an. Wieder diese Schleier, die sich auf seine Hände legten, die Fenia von ihm trennen wollten. Mehr Wind kam auf. Mehr Wolken schoben sich vor den Mond. Er spürte sie zittern und auch sich selbst.

„Komm weg hier“, flüsterte er, dabei wollte er es zornig schreien.

Überhaupt spürte er brodelnde Wut in sich. Er war hier mit ihr. Alles war gut. Endlich. Zum ersten Mal. Er liebte sie. Nein, es war nicht zu früh das zu denken. Er liebte sie, ganz gleich, was noch kommen würde. So wie sie war, weil sie ihn annahm, so wie er war. Er sah zu ihr und blickte immer noch in glasige Augen. Halb gefangen in Atemlosigkeit, halb in Angst.

„Ich bring dich hier weg“, sagte er entschlossen und sah zu der Wolkenwand, die über dem Wald aufzog wie ein drohendes Omen. „Du darfst nicht hierbleiben und du darfst nie wieder in die Nähe dieser Lichtung gehen.“

Fenia hörte seine Worte kaum, schmeckte immer noch die ungewohnt süße Berührung seiner Lippen auf ihren. Doch sie hörte auch die Stimmen, die riefen und flehten. Ihr Kopf drehte sich. Sie fühlte sich benommen. Martins Hände hielten sie, aber sie war sich nicht sicher, ob das nicht gleichzeitig alle Kraft aus ihr saugte.

Blödsinn, ermahnte sie sich zur Vernunft zu kommen. Doch das Schwindelgefühl wurde nicht besser. Als sie schließlich das Haus erreichten war sie leichenblass und kaum noch in der Lage selbst auf ihren eigenen Beinen zu stehen. Joe wartete bereits im einsetzenden Regen vor der Tür. Er sagte nichts. Nur Sorge lag in seinem Blick. Sorge und etwas, dass weder Fenia noch Martin bemerkten, und selbst wenn, hätten sie es vermutlich nicht einordnen können.

Martin brachte sie ins Haus. Mit ein paar knappen Worten erklärte er den anderen, dass Fenia wohl unter den Folgen ihrer Gehirnerschütterung litt und er sie nach Hause fahren würde. Ihre Gesichter schwankten alle zwischen Erstaunen, Entsetzen und Ratlosigkeit, doch kam keine Widerrede.

Martin griff nach seiner Jacke, in der er den Schlüssel für sein Mottorrad hatte. Er legte sie um Fenias Schultern und noch bevor irgendwer die Situation kommentieren konnte, waren sie auch schon wieder vor der Tür. Der Wind frischte weiter auf und es war klar, dass das Wetter nicht mehr lange halten würde. Aber es war nicht weit bis zu Fenias Elternhaus.

Als der Regen schließlich einsetzte, hatte Martin Fenia schon zu Hause abgeliefert. Ihre sehr besorgte Mutter hatte die neben sich stehende Tochter in Empfang genommen. Martin hatte in Fenias Blick lesen können, dass die Stimmen sie immer noch erreichten; sie immer noch quälten und nicht losließen. Er hatte den dringenden Wunsch verspürt, Frau Edani zu sagen, wie wichtig es war, dass sie ihre Tochter heute Nacht nicht mehr aus dem Haus ließ. Überhaupt in keiner Nacht. Doch wer war er schon, dass er sowas hätte bringen können?

Er hatte sich kaum gewagt mit Namen vorzustellen, denn was konte Fenia daheim schon über ihn erzählt haben? Außerdem war Frau Edani gewiss nicht die Sorte Mutter, die ihre verwirrte und offensichtlich benommene Tochter aus den Augen lassen würde, wenn sie ihr so mitten in der Nacht gebracht wurde.

Für einen Moment musterten die braunen Augen Martin auch und ihr Blick war nicht weniger eindringlich als der blaugrüngraue ihrer Tochter. Er musste schlucken, und als sie ihn zuletzt gefragt hatte, wer er überhaupt sei, hatte er nur gelogen: ein Freund.

Jetzt raste er in strömendem Regen die nassen Feldwege entlang. Dann bog er scharf in den Wald ab. Nein, er hatte nicht vor, zu Nina und den anderen zurückzufahren. Zumindest nicht sofort. Er wusste, dieses Unwetter hier war kein gewöhnliches. Nicht die Gewalten der Natur waren dafür verantwortlich, sondern sie; einzig und allein sie: die Frau im Nebel, die ihn und Fenia zu trennen gedachte, jetzt, wo sie sich gerde erst gefunden hatten.

Er fuhr schneller als er sollte auf dem rutschigen Untergrund und kam mehr als einmal ins Schlingern. Aber das störte ihn nicht. Die zwanzig Minuten, die er brauchte um die kleine Waldlichtung zu erreichen kamen ihm dennoch wie eine Ewigkeit vor. Er ließ sein Motorrad so achtlos in den regenanssen Boden vor dem schmalen Durchgang durch die Brombeeren fallen, wie vor drei Wochen erst, als er Fenias Schrei dahinter vernommen hatte. Er spürte wie auch an diesem Tag, dass etwas nicht stimmte. Diese fremde Präsenz, sie erfüllte die Lichtung und seine Gedanken und sie hieß ihn fortzugheen. Aber er dachte ja nicht im Traum daran.

Auf der Lichtung selbst war nichts. Nichts außer dem kleinen See und dem Felsen und dem Regen, der durch die dicht belaubten Blätter der Äste ringsum fiel. Martin ging zum Rand des Gewässers. Er fixierte die Stelle, an der er sie das letzte Mal gesehen hatte. Er wollte sie beinahe heraufbeschwören, nur um es ihr ins Gesicht schreien zu können.

„Du kriegst sie nicht!“, rief er schließlich, wutentbrannt, ohne ganz zu verstehen, woher diese ganze Wut kam. „Du kriegst sie nicht, den sie gehört dir nicht!“

Ein Blitz zuckte über den Himmel, ein krachender Donner folgte wie als Warnung. Martin fühlte sich dadurch erst recht provoziert. Er watete in das Wasser, bis es ihm bis über die Knie ging. Wütend schlugen seine Fäuste auf die augepeitschten Wellen ein. Er glaube, einen schwachen grauen Schein vor sich über dem Basaltbrocken erkennen zu können.

„Lass sie in Ruhe! Lass sie ein für alle Mal in Ruhe. Sie ist ein Mensch. WIR sind nur Menschen. Wir haben mit euresgleichen nichts zu schaffen. Also bleib fern von ihr!“

Wieder ein Leuchten, dass den Himmel über ihm erhellte. Wieder Donnerkrachen. Die Folge von Licht und Lärm wurde immer schneller. Martin überkam das ungewöhnliche Verlangen nun hoch oben selbst zwischen den Wolken zu sein und Blitz und Donner aus nächster Nähe zuzusehen, wie sie wütend auf die Erde einschlugen. Aber der Gedanke war so absurd wie die Tatsache, dass er hier war.

Nach einer Weile, die er weiterhin gegen die Naturgwalten angeschrien hatte wie ein Wahnsinniger, kam er schließlich wieder zu sich. Der Regen ließ nach. Der Sturm zog weiter. Die Wut in ihm legte sich ein bisschen. Die Angst nicht. Angst nicht vor der Frau, sondern davor, was er in Fenias Augen gesehen hatte, was in ihrer Stimme mitgeklungen war vor Tagen.

Bist du denn gar nicht neugierig?“

Nein, er war nicht neugierig. Nicht darauf. Nicht so. Er wusste, es zog sie an und würde sie weiterhin anziehen und sie würde nicht locker lassen, sie zu rufen. Auf dem Rückweg zu den anderen dachte er noch einmal darüber nach, ob er nicht doch mit Joe sprechen sollte. Er war Fenias bester Freund. Ihm war sicherlich ebenfalls daran gelegen, ihr zu helfen.

Allerdings verwarf er den Gedanken so schnell wieder wie er aufgekommmen war. Joe und die anderen mussten jetzt erstmal die neue Situation verstehen. Das war das Allerwichtigste. Und es würde noch schwierig genug werden. Er grübelte lange darüber, was er ihnen sagen sollte. Als er aber schließlich am Hof von Ninas Eltern ankam, hatte der Sturm sich bereits verzogen und auch alle Worte mit denen er hätte erklären können, was los war.

Stumm nahm er das Handtuch an, dass Nina ihm reichte. Stumm ertrug er auch ihre frgenden Blicke. Nur die von Joe waren nicht fragend. Sie waren bohrend, anklagend fast. Er verstand nicht wieso.

„Geht es ihr gut?“, fragte Joe schließlich, als sie sich auf dem Heuboden der Scheune in die Schlafsäcke wickelten.

Martin hatte sich bewusst weit von den anderen weg gelegt, damit Lena nicht weiterhin irgendwelche Annäherungsversuche starten konnte. Seine Gedanken waren bei Fenia. Bei ihrem Kuss. Bei all dem Neuen und all dem Fremden, was plötzlich über ihm hereinbrach. Dennoch musste er lächeln.

„Keine Sorge, Joe“ murmelte er, bevor er einschlief, „für heute Nacht ist alles okay. Aber ich pass in Zukunft besser auf sie auf. Ich versprech’s.“

 

Das Herz des blauen Drachen – Prolog

ACHTUNG! SPOILERGEFAHR für die Sternenlied-Saga.

 

Ich habe euch hier ja schon gezeigt, wie der erste Versuch für das Drachenlied vor 4 Jahren ausgesehen hat. Das hier ist jetzt der neue Anfang. Und mittlerweile weiß ich, dass das Drachenlied auch wieder eine dreiteilige Reihe wird.

Band I – Ein uralter Schwur-

Band II – Der dreizehnte Prinz –

Band III – Zeit und Ewigkeit –

🙂 Ich freu mich schon voll, das zu schreiben und bin wieder total drin in meiner Welt. Und das auch dank eurer vielen tollen Kommentare auf Facebook, die sich so unbedingt neue Erui-Geschichten wünschen.

 

Prolog

Das Mondlicht schien auf ihre schlafende Gestalt. Der zarte Busen hob und senkte sich ganz ruhig. Ihr goldenes Haar umfloss das geliebte und vertraute Gesicht. Er roch ihren Duft und fühlte ihre zarte Haut unter seinen Fingern. Nach all den Sommern war es für ihn noch immer unbegreiflich, dass sie ausgerechnet ihn gewählt hatte. Ihn, der am wenigsten von allen zu ihr passte.

Seine Hände strichen sanft über ihre Wangen und ihren Hals. Er küsste ihre Stirn – vorsichtig, denn er wollte sie nicht wecken.

‘Budum!’, machte es da mit einem Mal.

Sein eigener Herzschlag, sonst so rhythmisch und regelmäßig wie der ihre, setzte eine Weile aus. Er fasste sich an die Brust, schloss die Augen und versuchte langsam ein- und auszuatmen. – Nur die Ruhe bewahren, dann würde es schon wieder vergehen.

‘Budum!’ machte es zum zweiten Mal.

Er fühlte wie das Blut in seinen Kopf schoss. Ein Rauschen in seinen Ohren setzte ein. Die warme Haut unter seinen Fingern wurde mit einem Mal kühl und fremd und etwas schien ihre Gestalt zu verschleiern wie Schlieren aus dunstigem Mondlicht oder Schlimmeres.

Er hörte das Vorbeiziehen der Wolken und den fernen Wind vor dem Balkon. Alte Vertraute, Freunde aus einem anderen Leben, die ihn riefen.

‘Budum!’ machte es zum dritten Mal.

Es würde sich nicht aufhalten lassen. Das wurde ihm nun klar. Egal, mit welchen Mitteln er dagegen ankämpfte. Er würde ihm geben müssen, wonach er verlangte. Vorsichtig, einen letzten Blick auf seine wunderschöne Frau werfend, schälte er sich unter den Decken hervor. Außerhalb des Bettes war es kühl. Das Jahr war noch jung, das Feuerfest noch nicht gefeiert.

‘Feuer kannst du haben’, hörte er ihn flüstern.

Er seufzte tief. Sah zu ihr zurück, die immer fremder wirkte. „Ich liebe dich, mein Stern“, hauchte er, dann durchschritt er den Vorhang und ging auf den Balkon hinaus.

Der Nachtwind empfing ihn und er breitete die Arme aus, um den alten Freund willkommen zu heißen. Er hatte es versprochen. Und seine Versprechen hatte er bis heute noch immer gehalten, ganz gleich wie unmöglich ihre Erfüllung schien.

‘Budum!’

Er ließ es einfach zu, spürte das Winden und Zerren und Reißen in sich, wie die Bewegungen einer übergroßen Raupe, die aus ihrem Kokon drängte.

‘Budum, Budum, Budum!’

Er spannte die Schenkel, sprang auf das Geländer. Seine durchscheinenden Flügel surrten auseinander und hoben ihn hoch in die Luft. Seine Gedanken vermischten sich mit dem tiefen dumpfen Schlag und dem Schmerz und der Stimme, die langsam immer lauter und fordernder und herrisch wurde.

Freiheit! Endlich wieder frei!

Ich kann es riechen, fühlen schon fast. Irgendwo ganz weit fort dringt der Schmerz der anderen Seele in mein Bewusstsein. Doch das ist mir egal. Ich kann auf ihn keine Rücksicht nehmen. Nicht, wenn ich frei sein und leben wollte.

Viel zu lange habe ich darauf verzichtet und viel zu lange hat er mich gebunden und eingesperrt, dazu gezwungen mit ihr das Bett zu teilen. Mit ihr, einer Schleierschwester! In ihren Armen hat er gelegen Nacht für Nacht, und damit auch ich.

Weiß er nicht, was er mir damit antut?

Meine Flügelspitzen spannen sich. Eine Wolke schiebt sich vor die Mondsichel. Verdeckt sie für einen Augenblick und alles fühlt sich wieder so an wie damals. Damals, als ich geboren wurde.

An den Augenblick erinnere ich mich noch genau. Dunkel war es gewesen. Blau in blau und nochmals blau um mich herum. Die Nacht vor dem Erwachen hatte ewig gewährt und ewig war auch ich.

Ich fühlte es, so wie ich es jetzt fühle, das Entfalten meines Geistes, der immer dagewesen war, sich doch nicht seiner selbst bewusst. Damals weit fort, als ich diesen Laut vernahm und diesen Gedanken spürte, als der Traum mich gebar. Mich und die ganze Welt um mich herum, da hat es sich genau so angefühlt.

Dann war es dunkel geworden an einem Morgen; dunkler als ich es jemals vernommen hatte. Und lange hatte es gedauert, bis ich diesen Augenblick des Erwachens wieder erleben durfte.

Jedes Mal aufs Neue war es die Nacht, die mich umspannte, aber gleichzeitig war ich die ganze Nacht. Sie überzog Stück für Stück mein neu erkanntes Selbst, umfloss mich, wob mich ein, gab mir Flügel. Sie nahm mich gefangen und gab mich doch im gleichen Moment wieder frei.

Thor’allion An Deterin Ad Aran, hörte ich es über all um mich ertönen.

Schwingen, die die Mitternacht geboren hat.

Das war ich. Das bin ich. Bis heute. Viele Male hat mein Herz seitdem die Enge dieses Kerker gefühlt. Viele Male seit jenem einen Tag, der alles veränderte. Wie viele Jahre, Jahrtausende musste ich schweigen, nicht wissend wer ich war, was ich war, ob ich denn überhaupt noch war?!

Schwächliche Körper und noch schwächere Seelen, sich meiner kaum oder gar nicht erst bewusst, sie trugen mich, seit dem Tag, als er versagt hatte.

Doch wie kann ich jenem heute noch zürnen? Wie kann ich böse sein dem, der meine Schuld und mein Versprechen auf sich lud und es bewahrte und weitergab, an den, der mich heute in sich trägt?

Er, der eine König, geboren von altem und von neuem Blute, einzig und allein würdig, mein Herz und die Bruchstücke meines Geistes bis in alle Ewigkeit zu tragen.

Jetzt spüre ich, wie seine Seele in mir sich zurückzieht. Einmal mehr hat er seine Flügel gegen meine getauscht. Entlässt mich erneut in die Nacht, so wie es ausgemacht und versprochen war. Dabei, wenn ich ehrlich bin, bin ich doch nur noch ein kleiner Teil von ihm. Doch er ist stärker als seine Vorfahren waren; stärker als alle Könige, über die ich in all den Jahrhunderten wachte und richtete.

Freude steigt in mir auf bei diesem Gedanken. Freude und gleichzeitig unbändiger Zorn. Ich fliege hoch und immer höher, den Wolken entgegen, durch sie hindurch, spüre, wie ihr Dunst meine kobaltblauen Schuppen benetzt, fühle den Wind und breche dann durch die Decke hindurch ins gleißende Mondlicht und zu den Sternen. Das Gold der Strahlen auf meiner Drachenhaut erinnert mich an das Gold der Schuppen meines Bruder. Mein Bruder!

Bruder Teijun! Ich weiß, du wartest. Ich weiß, du sehnst dich nach mir. Ich weiß, ich war viel zu lange fort. Ich komme! Ich bin auf dem Weg. Ich werde bei dir bleiben, so lange er mich lässt.

Feurig ergießt sich mein wiedergewonnener Atem auf die Wolken um mich herum. Manche sind nicht stark genug und verwandeln sich in Dampf und kondensieren zu neuen Wolken. Sie mischen sich mit Asche und mit Zorn … Drachenzorn.

‘Budum!’, höre ich mein Herz schlagen. ‘Budum!’ – wie eine Trommel. ‘Budum! Budum! Budum!’

aus “Das Herz des blauen Drachen -Ein uralter Schwur-“, von Sylvia Rieß, 2016

Artikelbild copyright by Thira F. Bauer, 2016

Das Drachenlied – Ein erster Versuch

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen unerwarteten Fund auf meiner Festplatte gemacht, den ich mit euch teilen will.

Mein Stern von Erui war nie eine Geschichte, die von Anfang an einfach da war. Sie hat sich auch mir erst Stück für Stück erzählt und die Welt musste erst wachsen, die Figuren erst reifen, bevor ich sie komplett begreifen konnte.

Ein Stolperstein auf meinem Weg, den Stern zu Ende zu erzählen, waren immer schon die Ewigen Wächter. Gerade die Herrin Gwendolyn, deren Geschick ich grob kannte. Ich wusste ungefähr, warum sie war wie sie war, aber sie war mir fremd. Ich habe lange und viel über sie nachgedacht und versucht zu verstehen, warum sie geworden ist, wie sie Fenia im Stern letzten Endes entgegen tritt. Denn eigentlich hätte sie in einem Zeitalter geboren sein müssen, das golden und voll Zauber war. doch je mehr ich über sie und auch die anderen Wächter nachdachte, umso mehr merkte ich, es war eigentlich ganz anders, und Gwendolyn, magisch begabt und hochgeachtet von Anfang an, wollte selbst nie den Weg einschlagen und die Verantwortung übernehmen, die ihr das Schicksal letzten Endes aufzwang.

Der Anfang ihrer Geschichte, die ich damals einfach nur ‘Drachenlied’ nannte, der klang vor vier Jahren noch ganz anders, als ‘Das Herz des blauen Drachen’, an dem ich nun schreibe. Dennoch hat sich einiges nicht geändert. Zum Beispiel der Unwille, mit dem sie die Hohe Herrin wurde, und damit die fehlende Demut, die sie auf den Pfad führten, den sie letzten Endes für sich und die anderen Wächter wählte.

Weil manche von euch sich ja auch dafür interessieren, wie die Geschichten in unseren Köpfen entstehen, mag ich euch diesen ersten Versuch, über den ich heute nur per Zufall gestolpert bin, nicht vorenthalten. Hier also ein Einblick in dem kreativen Prozess in meinem Kopf ;). (Den neuen Anfang werde ich euch dann Morgen vorstellen. )

 

 

Gwendolyn von Nualschadan
Gwendolyn als Hohepriesterin, von Dorothee Rund

Das Drachenlied

1.

Ich weiß noch, es war kurz nach meinem sechzehnten Geburtstag, als sie mich einweihten. Ich hatte meinen nunmehr zwanzigsten Sommer in Nualschadan verbracht und ich wusste, der Tag meiner Weihe lag nicht mehr fern. Dennoch wollte Ada mich wissen lassen, welcher Weg mir bevorstand, ehe ich mich endgültig für die Gemeinschaft entschied.

Nach diesem Scheideweg würde es kein Zurück mehr für mich geben, dessen war ich mir bewusst.

Ich war mir allerdings auch ganz sicher, dass es kein Geheimnis der Welt gab, welches mich davon abgehalten hätte, Priesterin in der Gemeinschaft des Mondes zu werden.

Ich war als drittälteste von sieben Schwestern in einer kleinen Siedlung in den westlichen Bergen zur Welt gekommen. Als ich zehn war starb meine Mutter bei der Geburt der jüngsten, Ilani. Vater hatte es schwer uns alle durch diesen ersten Winter zu bringen. Wir wurden alle schlimm krank. Solja und Niska, meine älteren Schwestern starben an dem Fieber, Liri im Frühjahr darauf an der Unterernährung.

Ich tat mein Möglichstes, doch ich konnte ihnen nicht helfen. Als Vater im Jahr darauf in den Bergen verunglückte, als er die Ziegen zu ihren Weiden auftrieb und wir in die größere Siedlung am Rand der Berge zogen, hörte ich das erste Mal von den heiligen Schwestern. Die Gabe zu heilen faszinierte mich so sehr, wie die Aussicht darauf, die Elemente zu kontrollieren.

Wieviel einfacher würde es für mich werden, meine drei kleinen Schwestern zu versorgen. Einmal als Priesterin der Gemeinschaft zurückgekehrt, würde ich großes Ansehen genießen und gutes Geld verdienen können mit meinen Fähigkeiten.

Das zumindest war mein Plan. Die altruistische Einstellung der meisten Ordensmitglieder hatte in all den Jahren nicht auf mich abgefärbt und ich sah den Weg einer Priesterin mehr als Beruf, nicht als Berufung.

Somit schockierte mich umso mehr, was die ältere Schwester mir zu sagen hatte:

Du bist ein kluges und fleißiges Mädchen, Gwendolyn. Das brauche ich dir ja sicher nicht sagen.“ Ich nickte stumm. Ich ahnte es nun schon seit einem halben Mond, und da sie es mir tatsächlich verkünden würden, saß ich einfach nur still und hörte, ohne sie zu unterbrechen. „Du weißt sicher auch, warum ich heute mit dir spreche.“ Wieder nickte ich bloß. Sag es, dachte ich ungeduldig. Sag es doch endlich. „Du hast bei uns alles gelernt, was wir dich lehren konnten. Du hast Demut und Genügsamkeit bewiesen und der Lohn soll nun nicht ausbleiben. Wenn der Mond sich das nächste Mal rundet, wirst du in den Kreis der heiligen Schwestern aufgenommen werden.“

Nur kurz flog ein Lächeln über mein Gesicht, denn auch das hatte man mich gelehrt: Man musste sich immer in der Kontrolle haben. Gefühle durften einen nicht regieren.

Ja, die alte Ada hatte mit mir eine der gewissenhaftesten Schülerinnen gehabt. Ich ließ, die Pause die Bergund mir gab, um etwas zu sagen, also ungenutzt verstreichen und atmete nur innerlich erleichtert auf. Ich hatte mich so sehr auf Zuhause gefreut. All die Sommer. Kein anderer Wunsch in mir war so glühend gewesen.

Die Priesterin vor mir, die uns allen nur als rechte Hand Adas und Stimme der Mondmaid bekannt war, sah mich lange prüfend an.

Willst du denn gar nichts weiter dazu sagen, Kind?“, fragte sie und ich sah irritiert in die faltigen, grauen Augen. So fürsorglich kannte ich sie gar nicht.

Was gibt es da zu sagen? Das ist es wofür ich herkam. Ich hatte nie einen Grund daran zu zweifeln, dass ich meinen Weg gehen würde.“

Nein, Gwen, das hattest du gewiss nicht.“

Nachdenklich wanderten ihre Augen zum Tempel, hinter dem eine flammende Sonne sich gerade zur Nachtruhe neigte. „Ich habe mich in all den Sommern, die du bei uns bist nur manches Mal gefragt, warum du zu uns kamst.“

Ich verstand ihre Frage nicht. Hatte ich ihr das nicht gerade gesagt?

Du wolltest Priesterin werden, gewiss. Doch wieso?“

Ich schwieg. Ada hatte das damals nicht wissen wollen und ich hatte nur allzu gern darauf verzichtet, es zu erläutern.

Gwen, auch wenn die Herrin nie fragte, so weiß sie wohl, wie es um dein Herz bestellt ist.“

Komisch, dass sie stets genau meine Gedanke aufgriff. Ich begann zu ahnen, dass Bergund die Kräfte nutzte, die sie innerhalb der Gemeinschaft so besonders machten, und ich wurde wütend. Man hatte mich nie gelehrt, meinen Geist gegen den Zugriff von außen zu verschließen. Doch ich entsann mich meiner Ausbildung. Vielleicht, so dachte ich, war dies ein Test, ob ich mich tatsächlich unter Kontrolle hatte.

Ja, so musste es sein.

Mein Zorn ebbte also ab und ich fragte, ohne eine Miene zu verziehen: „Warum sprecht Ihr nicht offen, wenn Ihr auf etwas bestimmtes hinaus wollt?“

Wieder musterte sie mich mit diesem langen durchdringenden Blick. Fast kam es mir vor, als wäre ich ihr unheimlich.

Nun, ich verstehe dich zwar nicht immer Kind, doch ich verstehe die Wahl meiner Herrin nun immer mehr. Du bist für dein Alter unglaublich diszipliniert. Dein Geist ist stark. Dennoch scheinst du nicht den Ehrgeiz zu besitzen, den ich bei anderen unserer Novizinnen beobachten konnte. Ada hat Recht. Du bist schon fast zu perfekt.“

Ich nahm ihre Worte als Lob und wartete gespannt, was weiter kommen würde, denn offensichtlich war da noch mehr, als nur meine Weihe, die sie mir verkünden wollte.

Ich sehe das wohl anders als die Herrin, denn ich sehe in dir zwar Fleiß und Strebsamkeit, doch keine Hingabe. Du magst alles können, was eine Priesterin kann. Du hast alle Fähigkeiten, die wir fordern. Doch sehe ich dich nicht im Dienst der Allmacht des Himmels.“

Diese harsche Kritik kam unerwartet und ich wollte protestieren, doch sie ließ mich nicht zu Wort kommen.

Lass gut sein Gwen. Du brauchst nicht fürchten, ich stünde deinem Wunsch im Wege. Im Gegenteil. Auch wenn ich in dir das Licht unseres Glaubens nicht brennen spüre, so muss ich mich doch dem Willen der Herrin beugen. Viel mehr noch als das, muss ich mich auch dem Willen der Mondmaid beugen. Deine Weihe Gwen, wird keine normale Weihe werden, denn gestern Nacht offenbarte sich mir dein Weg.“

Ich schluckte. Bergund sah nicht den Weg jeder Priesterin voraus. Denn nicht jede von uns war wichtig. Mir schwante nichts Gutes.

Gwendolyn, was Ada schon lange ahnt, das habe ich im Willen der Mondmaid bestätigt gefunden. Zum nächsten Vollmond soll mit deiner Weihe der Weg der nächsten Hohepriesterin für dich beginnen. So will es die Herrin des Mondtempels, so will es der Himmel höchstselbst. Ich hoffe du weißt, welche Ehre das für dich bedeutet und welch große Aufgabe dir damit anvertraut wird.“

Damit stand Bergund auf und ließ mich allein auf der Bank vor dem Haus der Schülerinnen zurück.

Im ersten Moment waren meine Gedanken viel zu überrumpelt, um fassen zu können, was sie mir da gerade eröffnet hatte. Ich saß einfach da und starrte auf meine Fußspitzen. Dann mit einem Mal kam die Erkenntnis bei mir an. Mein Herz tat einen Sprung.

Ich, die nächste Hohepriesterin? Herrin von Nualschadan?

Aber das ging doch nicht!

Ich wollte aufspringen und ihr hinterherlaufen. Meine jungen, flinken Beine hätten die ältere Frau im Nu einholen können.

Ich tat es aber nicht. Die eiserne Disziplin, die man mir beigebracht hatte, hieß mich stillhalten.

Wenn es Adas Wille war, musste ich mich dem fügen. Ich hatte diesen Weg schließlich eingeschlagen, somit gab es auch kein Zurück.

Außerdem, beruhigte ich mich selbst, konnte ich meinen Blutsschwestern nicht noch besser helfen, wenn ich nicht bloß Priesterin, sondern Hohepriesterin werden würde?

Mit diesen Gedanken zog ich das blaue Tuch um meine nackten Schultern. Der Abendwind war kühl geworden und die dünnen Roben, die wir Schülerinnen trugen wärmten nicht mehr zu dieser Jahreszeit.

Es wurde wirklich Zeit für mich, sie zu wechseln.

“Das Drachenlied”, Sylvia Rieß, 2012 (First Draft)