Kategorie-Archiv: Erui

Alles, was es über die Welt von Erui zu wissen gibt, findest du hier.

Das Drachenlied – Ein erster Versuch

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen unerwarteten Fund auf meiner Festplatte gemacht, den ich mit euch teilen will.

Mein Stern von Erui war nie eine Geschichte, die von Anfang an einfach da war. Sie hat sich auch mir erst Stück für Stück erzählt und die Welt musste erst wachsen, die Figuren erst reifen, bevor ich sie komplett begreifen konnte.

Ein Stolperstein auf meinem Weg, den Stern zu Ende zu erzählen, waren immer schon die Ewigen Wächter. Gerade die Herrin Gwendolyn, deren Geschick ich grob kannte. Ich wusste ungefähr, warum sie war wie sie war, aber sie war mir fremd. Ich habe lange und viel über sie nachgedacht und versucht zu verstehen, warum sie geworden ist, wie sie Fenia im Stern letzten Endes entgegen tritt. Denn eigentlich hätte sie in einem Zeitalter geboren sein müssen, das golden und voll Zauber war. doch je mehr ich über sie und auch die anderen Wächter nachdachte, umso mehr merkte ich, es war eigentlich ganz anders, und Gwendolyn, magisch begabt und hochgeachtet von Anfang an, wollte selbst nie den Weg einschlagen und die Verantwortung übernehmen, die ihr das Schicksal letzten Endes aufzwang.

Der Anfang ihrer Geschichte, die ich damals einfach nur ‘Drachenlied’ nannte, der klang vor vier Jahren noch ganz anders, als ‘Das Herz des blauen Drachen’, an dem ich nun schreibe. Dennoch hat sich einiges nicht geändert. Zum Beispiel der Unwille, mit dem sie die Hohe Herrin wurde, und damit die fehlende Demut, die sie auf den Pfad führten, den sie letzten Endes für sich und die anderen Wächter wählte.

Weil manche von euch sich ja auch dafür interessieren, wie die Geschichten in unseren Köpfen entstehen, mag ich euch diesen ersten Versuch, über den ich heute nur per Zufall gestolpert bin, nicht vorenthalten. Hier also ein Einblick in dem kreativen Prozess in meinem Kopf ;). (Den neuen Anfang werde ich euch dann Morgen vorstellen. )

 

 

Gwendolyn von Nualschadan
Gwendolyn als Hohepriesterin, von Dorothee Rund

Das Drachenlied

1.

Ich weiß noch, es war kurz nach meinem sechzehnten Geburtstag, als sie mich einweihten. Ich hatte meinen nunmehr zwanzigsten Sommer in Nualschadan verbracht und ich wusste, der Tag meiner Weihe lag nicht mehr fern. Dennoch wollte Ada mich wissen lassen, welcher Weg mir bevorstand, ehe ich mich endgültig für die Gemeinschaft entschied.

Nach diesem Scheideweg würde es kein Zurück mehr für mich geben, dessen war ich mir bewusst.

Ich war mir allerdings auch ganz sicher, dass es kein Geheimnis der Welt gab, welches mich davon abgehalten hätte, Priesterin in der Gemeinschaft des Mondes zu werden.

Ich war als drittälteste von sieben Schwestern in einer kleinen Siedlung in den westlichen Bergen zur Welt gekommen. Als ich zehn war starb meine Mutter bei der Geburt der jüngsten, Ilani. Vater hatte es schwer uns alle durch diesen ersten Winter zu bringen. Wir wurden alle schlimm krank. Solja und Niska, meine älteren Schwestern starben an dem Fieber, Liri im Frühjahr darauf an der Unterernährung.

Ich tat mein Möglichstes, doch ich konnte ihnen nicht helfen. Als Vater im Jahr darauf in den Bergen verunglückte, als er die Ziegen zu ihren Weiden auftrieb und wir in die größere Siedlung am Rand der Berge zogen, hörte ich das erste Mal von den heiligen Schwestern. Die Gabe zu heilen faszinierte mich so sehr, wie die Aussicht darauf, die Elemente zu kontrollieren.

Wieviel einfacher würde es für mich werden, meine drei kleinen Schwestern zu versorgen. Einmal als Priesterin der Gemeinschaft zurückgekehrt, würde ich großes Ansehen genießen und gutes Geld verdienen können mit meinen Fähigkeiten.

Das zumindest war mein Plan. Die altruistische Einstellung der meisten Ordensmitglieder hatte in all den Jahren nicht auf mich abgefärbt und ich sah den Weg einer Priesterin mehr als Beruf, nicht als Berufung.

Somit schockierte mich umso mehr, was die ältere Schwester mir zu sagen hatte:

Du bist ein kluges und fleißiges Mädchen, Gwendolyn. Das brauche ich dir ja sicher nicht sagen.“ Ich nickte stumm. Ich ahnte es nun schon seit einem halben Mond, und da sie es mir tatsächlich verkünden würden, saß ich einfach nur still und hörte, ohne sie zu unterbrechen. „Du weißt sicher auch, warum ich heute mit dir spreche.“ Wieder nickte ich bloß. Sag es, dachte ich ungeduldig. Sag es doch endlich. „Du hast bei uns alles gelernt, was wir dich lehren konnten. Du hast Demut und Genügsamkeit bewiesen und der Lohn soll nun nicht ausbleiben. Wenn der Mond sich das nächste Mal rundet, wirst du in den Kreis der heiligen Schwestern aufgenommen werden.“

Nur kurz flog ein Lächeln über mein Gesicht, denn auch das hatte man mich gelehrt: Man musste sich immer in der Kontrolle haben. Gefühle durften einen nicht regieren.

Ja, die alte Ada hatte mit mir eine der gewissenhaftesten Schülerinnen gehabt. Ich ließ, die Pause die Bergund mir gab, um etwas zu sagen, also ungenutzt verstreichen und atmete nur innerlich erleichtert auf. Ich hatte mich so sehr auf Zuhause gefreut. All die Sommer. Kein anderer Wunsch in mir war so glühend gewesen.

Die Priesterin vor mir, die uns allen nur als rechte Hand Adas und Stimme der Mondmaid bekannt war, sah mich lange prüfend an.

Willst du denn gar nichts weiter dazu sagen, Kind?“, fragte sie und ich sah irritiert in die faltigen, grauen Augen. So fürsorglich kannte ich sie gar nicht.

Was gibt es da zu sagen? Das ist es wofür ich herkam. Ich hatte nie einen Grund daran zu zweifeln, dass ich meinen Weg gehen würde.“

Nein, Gwen, das hattest du gewiss nicht.“

Nachdenklich wanderten ihre Augen zum Tempel, hinter dem eine flammende Sonne sich gerade zur Nachtruhe neigte. „Ich habe mich in all den Sommern, die du bei uns bist nur manches Mal gefragt, warum du zu uns kamst.“

Ich verstand ihre Frage nicht. Hatte ich ihr das nicht gerade gesagt?

Du wolltest Priesterin werden, gewiss. Doch wieso?“

Ich schwieg. Ada hatte das damals nicht wissen wollen und ich hatte nur allzu gern darauf verzichtet, es zu erläutern.

Gwen, auch wenn die Herrin nie fragte, so weiß sie wohl, wie es um dein Herz bestellt ist.“

Komisch, dass sie stets genau meine Gedanke aufgriff. Ich begann zu ahnen, dass Bergund die Kräfte nutzte, die sie innerhalb der Gemeinschaft so besonders machten, und ich wurde wütend. Man hatte mich nie gelehrt, meinen Geist gegen den Zugriff von außen zu verschließen. Doch ich entsann mich meiner Ausbildung. Vielleicht, so dachte ich, war dies ein Test, ob ich mich tatsächlich unter Kontrolle hatte.

Ja, so musste es sein.

Mein Zorn ebbte also ab und ich fragte, ohne eine Miene zu verziehen: „Warum sprecht Ihr nicht offen, wenn Ihr auf etwas bestimmtes hinaus wollt?“

Wieder musterte sie mich mit diesem langen durchdringenden Blick. Fast kam es mir vor, als wäre ich ihr unheimlich.

Nun, ich verstehe dich zwar nicht immer Kind, doch ich verstehe die Wahl meiner Herrin nun immer mehr. Du bist für dein Alter unglaublich diszipliniert. Dein Geist ist stark. Dennoch scheinst du nicht den Ehrgeiz zu besitzen, den ich bei anderen unserer Novizinnen beobachten konnte. Ada hat Recht. Du bist schon fast zu perfekt.“

Ich nahm ihre Worte als Lob und wartete gespannt, was weiter kommen würde, denn offensichtlich war da noch mehr, als nur meine Weihe, die sie mir verkünden wollte.

Ich sehe das wohl anders als die Herrin, denn ich sehe in dir zwar Fleiß und Strebsamkeit, doch keine Hingabe. Du magst alles können, was eine Priesterin kann. Du hast alle Fähigkeiten, die wir fordern. Doch sehe ich dich nicht im Dienst der Allmacht des Himmels.“

Diese harsche Kritik kam unerwartet und ich wollte protestieren, doch sie ließ mich nicht zu Wort kommen.

Lass gut sein Gwen. Du brauchst nicht fürchten, ich stünde deinem Wunsch im Wege. Im Gegenteil. Auch wenn ich in dir das Licht unseres Glaubens nicht brennen spüre, so muss ich mich doch dem Willen der Herrin beugen. Viel mehr noch als das, muss ich mich auch dem Willen der Mondmaid beugen. Deine Weihe Gwen, wird keine normale Weihe werden, denn gestern Nacht offenbarte sich mir dein Weg.“

Ich schluckte. Bergund sah nicht den Weg jeder Priesterin voraus. Denn nicht jede von uns war wichtig. Mir schwante nichts Gutes.

Gwendolyn, was Ada schon lange ahnt, das habe ich im Willen der Mondmaid bestätigt gefunden. Zum nächsten Vollmond soll mit deiner Weihe der Weg der nächsten Hohepriesterin für dich beginnen. So will es die Herrin des Mondtempels, so will es der Himmel höchstselbst. Ich hoffe du weißt, welche Ehre das für dich bedeutet und welch große Aufgabe dir damit anvertraut wird.“

Damit stand Bergund auf und ließ mich allein auf der Bank vor dem Haus der Schülerinnen zurück.

Im ersten Moment waren meine Gedanken viel zu überrumpelt, um fassen zu können, was sie mir da gerade eröffnet hatte. Ich saß einfach da und starrte auf meine Fußspitzen. Dann mit einem Mal kam die Erkenntnis bei mir an. Mein Herz tat einen Sprung.

Ich, die nächste Hohepriesterin? Herrin von Nualschadan?

Aber das ging doch nicht!

Ich wollte aufspringen und ihr hinterherlaufen. Meine jungen, flinken Beine hätten die ältere Frau im Nu einholen können.

Ich tat es aber nicht. Die eiserne Disziplin, die man mir beigebracht hatte, hieß mich stillhalten.

Wenn es Adas Wille war, musste ich mich dem fügen. Ich hatte diesen Weg schließlich eingeschlagen, somit gab es auch kein Zurück.

Außerdem, beruhigte ich mich selbst, konnte ich meinen Blutsschwestern nicht noch besser helfen, wenn ich nicht bloß Priesterin, sondern Hohepriesterin werden würde?

Mit diesen Gedanken zog ich das blaue Tuch um meine nackten Schultern. Der Abendwind war kühl geworden und die dünnen Roben, die wir Schülerinnen trugen wärmten nicht mehr zu dieser Jahreszeit.

Es wurde wirklich Zeit für mich, sie zu wechseln.

“Das Drachenlied”, Sylvia Rieß, 2012 (First Draft)

Deleted Scenes – Fenia und Martin

Ich hate euch ja versprochen, dass ich euch noch ein paar der Szenen zusammenschreiben werde, die ich immer im Kopf hatte, die es aber nie ins Buch geschafft haben. Heute gibt es einen ersten Teil davon.

Dieses Fragment setzt nach Fenias Sturz am See ein, als Martin sie ins Krankenhaus brachte. Ich bin oft gefragt worden, wie sie sich in ihn verlieben konnte und nicht in Joe. Die Antwort ist simpel und ihr kennt sie schon: “Ein Herz und ein Verstand liegen manchmal soweit auseinander, dass man schwerlich glauben kann, dass sie zu ein und derselben Person gehören.”

 

Viel Spaß hiermit. Im übrigen werden diejenige, die alle drei Bände kennen, glaube ich, die Andeutungen verstehen. Eine Fortsetzung hierzu folgt bald. 🙂

 

Fenia_jünger  Martin_Llewellyn

 

Die Hände tief in den Taschen vergraben schlenderte Martin langsam die kahlen, weißen Flure entlang. Sie gab ihm Rätsel auf. Mehr als je zuvor. Dennoch konnte er sich das Grinsen nicht verkneifen, wenn er an ihr blasses, zorniges Gesicht dachte, mit dem sie ihn anfangs angestarrt hatte. Kein Mädchen sah ihn je so an … so herausfordernd, durchdringend; und er hatte das Gefühl, sich vor dem Blick ihrer Augen nicht verstecken zu können.

Die ganze Fahrt nach Hause und die ganze folgende Nacht lag er wach und dachte über ihr Gespräch nach. Er lächelte und zuletzt hatte auch sie gelächelt. Mit diesem Bild im Kopf wollte er sich umdrehen, einschlafen, konnte aber nicht. Seine Erinnerungen wanderten zurück zur Lichtung im Wald.; die Frau im Nebel über dem Wasser; wie ihre langen Gewänder geweht hatten; wie sie ihre Finger nach Fenia ausgestreckt hatte, als könnte sie sie zu sich ziehen, sie besitzen.

Er presste die Augen fest zu. Fenias Gesicht vor seinem Gedächtnis verschwamm. Er blickte in ein paar dunkel funkelnde Augen wie Kohlestücke. Seine Fäuste ballten sich. Wut kochte in ihm hoch.

Sie forderte einen Preis. Immer forderte sie diesen Preis, dachte es in ihm, doch er wusste nicht, woher der Gedanke kam. Er war einfach da. Genauso wie dieses Gefühl von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein.

Man konnte dem Schicksal nicht entfliehen! Niemals. Es war unvermeidlich.

Angst griff nach ihm, sowie der Nebel in seinen Gedanken höher stieg und Fenias am Boden liegende Gestalt erreichte. In ihrem Gesicht las er seine Angst. Angst vor der Frau, die nicht existieren konnte. – Das durfte alles nicht echt sein.

‘Schluss!’, dachte er, riss die Augen auf und kehrte zurück ans Fenster, um auf den sternenübersäten Himmel zu starren.

Wenn Joe hier wäre, dachte er einen Moment, dann könnte er mit ihm darüber reden. Gleichzeitig aber wusste er, dass dies Ausflüchte waren. Er sprach immer über alles mit Joe. Aber das hier? Würde er es wirklich erwähnen können? Würde Joe ihn nicht gar am Ende für völlig verrückt halten?

„Wir sollten niemandem davon erzählen“, tat Martin zwei Tage später kund, während Fenia im Park um das Krankenhaus die ersten, noch ganz wackeligen Schritte tat.

Martin saß auf der Lehne einer Bank und sah ihr dabei zu. Wann immer sie für einen kurzen Moment ins Taumeln geriet, zuckte sein Körper nach vorn, als wolle er aufspringen, um sie vor dem Stürzen zu bewahren. Ein Blick von ihr reichte allerdings, dass er still auf der Bank verharrte.

Sie hatte bereits vorhin, als er ungefragt in ihrem Zimmer aufgetaucht war, deutlich gemacht, dass sie keinen Babysitter wollte.

Martin sah, dass sie sich quälte und das Laufen ihr noch sehr schwerfiel. „Es hat dich ganz schön erwischt“, stellte er fest.

Wieder antwortete nur ihr Blick, der einen lebendigen Drachen eingeschüchtert hätte. Martin musste grinsen. Dann aber sprang er mit einem Satz von der Bank.

„Komm. Du solltest dich wieder hinlegen.“

Fenia protestierte nicht, als er sie auf ihr Zimmer begleitete. Im Gegenteil. Sie war dankbar, dass er sie ohne Worte schließlich allein ließ.

Auch nach diesem Besuch kreisten Martins Gedanken noch lange um nichts anderes als sie. Diesmal musste er an den Augenblick denken, als sie sich das erste Mal gegenübergestanden hatten.

Lena hatte ihm ihre Freundinnen vorstellen wollen. Fenia hatte mehr zufällig still neben Yvonne gesessen. Sie hatte vor sich hin gelächelt, war in Gedanken weit fort gewesen. Als Lena kühl ihren Namen genannt hatte, hatte sie aufgeblickt, ihn angesehen. Da war zunächst nur Neugier gewesen. Dann aber war etwas mit ihr geschehen und mit ihm.

Der Ausdruck auf ihren Zügen, bis dahin friedlich und entspannt, war abweisend und verschlossen geworden. Ein Gedanke war ihm urplötzlich gekommen: ‘Als zöge sie einen grauen Schleier um sich.

Völlig absurd!

Doch dieses Gefühl hatte alles geändert. Sie mochte ihn nicht, das hatte ihm jede Regung auf ihrem erstarrten Gesicht gesagt. Und Etwas in ihm hatte beschlossen, sie auch nicht zu mögen.

Totaler Blödsinn, wie er jetzt befand.

Sein dummer Stolz, das ewige Gefühl und der Drang immer gleich überall und von jedem gemocht werden zu müssen, im Mittelpunkt zu stehen, hatten in ihre stille Art etwas hineingelesen, was vermutlich gar nicht darin gewesen war. Zumindest nicht am Anfang, bis er begonnen hatte, sie mit seiner herablassenden Art zu behandeln.

„Du glaubst immer, wenn dir einer nicht gleich um den Hals fällt, dass derjenige dich dann direkt abgrundtief hasst. Aber hast du mal daran gedacht, dass man erst mal Zeit braucht, jemanden kennenzulernen, bevor man diese Entscheidung treffen kann?“

Joes Worte hatten ihn damals wütend gemacht. Und das war gewesen lange bevor sie Lena oder Fenni überhaupt getroffen hatten. Vieles macht ihn ständig wütend. Auch heute kam er mit ihrer Zurückhaltung und ihrem Schweigen nicht gut klar. Dennoch, in den Momenten, wenn sie lächelte, dann konnte er dieses seltsame Etwas in sich, das sie nicht leiden wollte, vergessen. Dann konnte er bemerken, wie außergewöhnlich ihre Augen waren, die groß und dunkel und grau-grün-blau nicht von dieser Welt schienen.

Er ertappte sich einmal mehr in diesen Tagen bei jenem dümmlichen Grinsen, dass diese Art von Gedanken immer in sein Gesicht schnitt. Er sah es, als er durch die Glastür hinter dem Eingang in Richtung der Treppe nach oben ging und kurz einen Blick auf sein Spiegelbild darin erhaschte. Er ignorierte den Betreuer, der ihn fragte, wie es ihm ging und wie sein Tag gewesen war, – aufgesetzte Nettigkeit konnte ihm gestohlen bleiben. Er sprang, immer drei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe in den ersten Stock hinauf, wo sein und Joes Zimmer lag.

Ob er mit Joe darüber sprechen sollte? Wenn schon nicht über ihre seltsame Begegnung im Wald, dann musste er ihm doch wenigsten begreiflich machen können, wie nett und faszinierend er Fenia mittlerweile fand, je mehr er sie kennenlernte. Dabei hatte er sich nie für ein Mädchen interessiert, dem er nicht auf Anhieb einen zweiten Blick hinterher geworfen hätte. Aber es war nicht das. Mit ihr reden war … war so einfach und unkompliziert. Es war ein wenig, wie wenn er mit Joe redete. Sie war nie falsch, nie unehrlich. Auch wenn sie immer erst mal lange darüber nachzudenken schien, was sie sagte und wann.

Er ließ sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen. Vermutlich, dachte er, brauchte er mit Joe darüber gar nicht reden. Der wusste schließlich am besten, wie gut man mit Fenia befreundet sein konnte. Er würde es verstehen, wenn sie ihn in vier Tagen gemeinsam abholten. Vorausgesetzt Fenia durfte mitkommen. Morgen kam sie erst wieder nach Hause. Aber sie hatten ausgemacht, dass sie Joe überraschen wollten.

Naja, dachte Martin bei sich, er konnte sie ja übermorgen mal daheim besuchen gehen und schauen, wie es ihr ging.

Nur unter Protest und der Auflage, dass sie auch ja ihr Handy mitnahm, hatte Fenias Mutter schließlich zugestimmt, dass Martin Fenia abholen durfte und sie gemeinsam Joe vom Bus abholten. Sie sollte außerdem anrufen, wenn sie heim wollte, und auf gar keinen Fall später als sechs. Fenia hatte das Gesicht verzogen, was Martin gut nachvollziehen konnte. Sie hatte kurz erwähnt, dass sie das letzte Mal mit neun Jahren um sechs Uhr zu Hause hatte sein müssen, doch dann hatte sie es brav versprochen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Martin hatte sie die ganze Fahrt damit aufgezogen und sie hatte sich nicht anders als mit trotzigen Worten wehren können, weil sie hinter ihm saß und sich festhalten musste.

„Das Ding fährt aber garantiert schneller, als die angegebene Höchstgeschwindigkeit!“, kommentierte sie, als sie schließlich abstieg und den Helm von ihrem zerzausten Haar nahm. Martin grinste nur.

Sie hatten noch gut eine halbe Stunde Zeit, die sie es sich kaugummikauend auf den Bänken des Busbahnhofes gemütlich machten.

„Ihm wird alles aus dem Gesicht fallen, wetten?“

Martin lachte und Fenia nickte dazu. Doch sie wirkte abwesend.

„Mit welchen Fabelwesen bist du denn schon wieder in Narnia?“, fragte er und schob sich rücklings auf die Lehne der Bank.

Die Erwachsenen ringsum warfen ihm dafür missbilligende Blicke zu. Martin störte sich aber nicht daran. Er war es nicht anders gewohnt.

Fenia schwieg beharrlich. Erst nach einigen Minuten schüttelte sie schließlich den Kopf und meinte: „Nein, das ist es nicht. Ich denke gerade darüber nach, dass du vermutlich Recht hast.“

„Hört, hört!“, kommentierte Martin, „Das ist schön. Aber womit genau, wenn ich fragen darf?“

„Na, als du im Krankenhaus meintest, wir sollten Joe nichts davon sagen. Also von der Sache am See.“

Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, warf energisch eine Haarlocke aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte, und fügte hinzu: „Zumindest nicht, bis wir Näheres herausgefunden haben.“

Bei dieser Bemerkung war es nun Martin, dem sprichwörtlich alles aus dem Gesicht fiel. Sein Mund blieb offen stehen. Der Kaugummi landete auf den Sitzbrettern der Bank, was ihm nicht einmal auffiel.

„Bitte was?“, fragte er entsetzt. „Du hast doch nicht etwa vor, dahin zurückzugehen?“

Fenia starrte ungläubig zurück. Dann sah sie sich um, legte den Finger an die Lippen und sprach leise weiter: „Nicht so plärren. Und doch. Ja. Warum nicht? Ich mein, bist du nicht neugierig? Wer sie ist? Was sie wollte?“

Martin rang mühsam um seine Beherrschung. Er hatte das Gefühl nicht vergessen, das ihre Anwesenheit in seinen Gedanken ausgelöst hatte. Diese beklemmende Ahnung, dass sie sich ganz und gar seiner bemächtigen und ihn vernichten würde, wenn er sie nicht davon abhielt.

„Das … das kann nicht dein Ernst sein“, stotterte er fassungslos. „Du möchtest es tatsächlich darauf anlegen, diesem … diesem Ding wieder zu begegnen?“

Fenia ließ eine Kaugummiblase platzen, sah ihn mit funkelndem Blick an und nickte.

„Stell dir doch mal vor, was das alles bedeuten könnte. Wir …“

„Fenni!“, schrie Martin sie nun unbeherrscht an und die Blicke der anderen Wartenden wandten sich ihnen zu. Er senkte die Stimme und flüsterte fast, als er fortfuhr: „Fenni, sei vernünftig. Bleib da weg. Das ist zu gefährlich. Du hast gerade zehn Tage deswegen im Krankenhaus gelegen.“

„Aber doch nur, weil ich mich erschrocken habe. Begreifst du nicht, was für ein Wunder das war?“

Er blickte sie skeptisch an.

„Unsere Definition von ‘Wunder’ scheint relativ stark zu differieren“, machte er einen hohlen Scherz und setzte dann hinzu: „Bitte tu mir einen Gefallen, und geh da nie wieder hin.“

Jetzt wurde der Blick in ihrem Gesicht wirklich wütend.

„Ich brauche niemanden, der mich bemuttert! Danke auch!“

Damit sprang sie auf und kam gleich ins Taumeln, da das für ihren angeschlagenen Kopf noch zu viel war. Martins Hand zuckte vor, doch sie fing sich selbst wieder. In diesem Moment bog der Bus um die Ecke.

„Es sollte kein Bemuttern oder Bevormunden sein“, erklärte er rasch.

„Sondern was?“, hakte Fenia nach. Ihr Stimme war kühl und bissig, doch verflog bei seinen nächsten Worten der eisige Blick von ihren Zügen.

„Nimm es als gut gemeinten Rat eines Freundes, der sich um dich sorgt“, entfuhr es Martin, bevor mit einem Zischen neben ihnen die Bustüren aufgingen und Joe als einer der Ersten hinausdrängte. Völlige Verblüffung war noch immer reichlich untertrieben für den Ausdruck in seinem Gesicht, als Fenia und Martin sich nun gemeinsam zu ihm umwandten und beide ein Lächeln aufsetzten.

Später, als sie wieder in ihrem Zimmer waren und Joe in einem fort redete, weil er sowohl von seinem Urlaub berichten wollte, als auch seine Fassungslosigkeit über die jüngsten Ereignisse zum Ausdruck bringen musste, gingen Martin nur wieder und wieder seine eigenen Worte durch den Kopf.

eines Freundes, der sich um dich sorgt. …

Warum schaffte sie es eigentlich jedes Mal, dass er sich in ihrer Gegenwart wie ein dummer, kleiner Junge benahm?

Er wollte wütend darüber werden, doch er konnte nicht. Er wusste längst, dass er verloren und kapituliert hatte. Dem Blick aus ihren Augen, fragend, forschend und immer ein wenig verschleiert, hielt er nicht stand. Joes Geplapper tröpfelte in seinen Kopf, während er sein Herz rasen fühlte und nur noch ihr Gesicht in Gedanken vor sich sah.

 

gelöschte Szene zu “Der Stern von Erui – Heimkehr – “

Sternenfakten Teil 4 – Timeline der Geschichte Eruis

Wenn eine Geschichte irgendwann so außer Kontrolle gerät, wie meine, dann merkt man das spätestens an dem Punkt, wo man sich hinsetzt um eine genaue Timeline zu erstellen, weil man sich immer wieder selbst auf vergangene Ereignisse beziehen muss. Und damit meine ich nicht die ganze Rückblenden. Der Großteil der Leser kommt mit umfangreichen Gesamtwerken wie ‘Das Lied von Eis und Feuer’ klar, dem ich mal unterstelle deutlich komplexer und in noch mehr Handlungsstränge aufgedröselt zu sein, als das Sternenlied. Dennoch war es für mich essentiell neben einer halbwegs korrekten Karte einen groben Abriss der verschiedenen Zeitalter und ihrer wichtigsten Wendepunkte anzufertigen.

Um das Sternenlied zu lesen ist das nicht unbedingt von Nöten, doch ich dachte, vielleicht interessiert es ja die Hardcore-Fans unter euch 🙂

 

Thoran2
Thoran Blaudrache (von Sylvia Rieß)

 

Anbeginn – Erui wird erschaffen aus dem Traum eines Menschenkindes, Thoran, Teijûn und die Einhörner erwachen.

–> Das Zeitalter der Unsterblichen bricht an.

 

Die Menschen verlieren die Angst vor den Urgewalten, fangen an die Welt zu verstehen. In Erui erwachen Wesen, die den Menschen ähnlicher sind, sterblich und wenig mächtig, wenn auch immer noch mit Magie gesegnet. Die sterblichen Völker erwachen.

–> Das Zeitalter der Hochmagischen beginnt.

In Erui werden die ersten großen Städte und Paläste errichtet. Hochkulturen beginnen sich in allen Ecken der Welt zu entwickeln

Alles endet, als die ersten großen Kriege die Menschenwelt überziehen. In den Einöden jenseits der diamantenen Gletscher erwacht ein Wesen, das anders ist als alle Kinder Erui zuvor. Der Schatten nährt sich von Hass und Bosheit und Niedertracht und beginnt das Land jenseits der Berge mehr und mehr zu vergiften.

–> Die erste dunkle Zeit beginnt.

Auf einer Insel im Norden beginnt sich ein Volk zu sammeln, das mächtig genug scheint dem Schatten  trotzen zu können. Die Völker Eruis erwählen die Eidan zu ihren hohen Königen. Die Drachen und die vier Winde errichten Talveymar in der Mitte der Welt. Die Eidan versuchen Erui zu schützen durch den Zauber der Hohen Krone, doch dadurch trennen sich die Welten auch voneinander und sind fortan durch undurchdringliche Nebelgrenzen entzweit.

–> Die goldene Zeit beginnt.

Die Eidan halten den Schatten gebannt und ihr Volk wächst und gedeiht, wie auch das restliche Erui. Die Träume der Menschen sind ferne Hoffnungen und Elahad fällt von einem Krieg in den nächsten.

Das alte Königsgeschlecht lebt bis zur Geburt ein Prinzessin, die den Namen Laurin trug. Sie fällt in die Hände des Schattens, weil er sie für den prophezeiten Stern hält und entführt sie in sein dunkles Reich.  Aus dieser Verbindung geht ein Kind hervor und Eruis hohe Könige werden ausgelöscht. (Diese Geschichte wird erzählt in “Das Blut der alten Zeit”, noch nicht fertig)

–> Die zweite dunkle Zeit beginnt.

Die Völker verlieren allen Mut und alle Hoffnung. Der Zauber der Hohen Krone ist verloren und Erui wird nicht nur von einem Schattenfürst bedroht, sondern auch von seinem Sohn. Die großen Städte fallen. Es ist der Einhornkönig Ljosalfur der den blauen Drachen schließlich an seinen Schwur erinnert, Erui in den dunkelsten Tagen zu helfen. Doch erst als der Drache das Mädchen Gwendolyn trifft, beginnt er zu begreifen, was er für Erui tun muss.

Durch ihn wird letztendlich der Drachenweg geschaffen und ein neuer König ergreift die Krone. Der junge Thoran Blaudrache ist aber nicht mächtig genug, das Drachenherz zu beherrschen und vernichtet nicht nur Eruis Feinde. Der heilige Rat, der aus der Hohepriesterin Gwendolyn, Mendric, Ariman und Luani besteht, wird vom Himmel dazu ausersehen ewig zu leben und nicht sterben zu können, bis eine neue Zeit in Erui anbricht. (diese Geschichte wird erzählt in der Trilogie “Das Herz des blauen Drachen”, noch nicht beendet)

Die Wächter kämpfen damit jahrelang gleichzeitig gegen den Schatten und den tobenden Drachen, bis dieser schließlich verschwindet und ein neuer König den Drachenweg beschreitet. Aus seinem Geschlecht gehen für viele Jahrhunderte neue Könige hervor, bis auch diese Linie ihr Ende findet und sich keiner mehr traut, den Drachenweg zu gehen.

Dieses Zeitalter ist bekannt als die dritte dunkle Zeit oder auch das Zeitalter der Ewigen Wächter.

 

So das wars für heute von mir. Achja, ich läute die Tage irgendwann den Countdown für den Sternenstaub ein 😉

 

 

Wenn ihr neugierig seid und jetzt erst über meinen Blog fallt, dann geht es hier zu den anderen Artikel über die Entstehung meiner Saga.

Die ersten Kinder der magischen Welt

“Am Anfang war die ewige Nacht; blau und allesdurchdringend. Keine Sterne glänzten in ihr. Ein winziger Funke zündete ihr Ende. Der erste Mond ging auf. Lichter fanden sich in der Dunkelheit. Aus dem Blau und dem Licht wurden Schwingen geboren. Ein Herz begann zu schlagen oben in den Himmeln, die sich in diesen endlosen Augenblicken von der Erde darunter trennten. Eruis erster Sohn füllte seine Lungen mit der Allmacht, die ihn umgab, und schrie sein Dasein in den erwachenden Morgen. Das Licht der Sonne erbarmte sich seiner Seele und schenkte ihm einen goldenen Bruder.

Gehört wurde er nur von den Anderen, die dem nächtlichen Tau auf den Gräsern entsprangen. Ein einziger Blick auf die erwachende Welt füllte die Seele des Einhornkönigs und seiner Geschwister mit dem Wissen, was die Jahrtausende bringen würden. Doch blieben sie ganz ohne Furcht.”

aus “Der Stern von Erui, Teil II -Schattenkriege-“

 

Einhörner und Drachen. In Erui ein ganz zentraler Bestanteil, denn sie waren die ersten Kinder der magischen Welt. In ihnen leben die zwei großen Prinzipien des Universums: Kraft und Anmut, Stärke und Wissen, Zorn und Sanftmut.

Sie ergänzen einander wie Ebbe und Flut und können doch nie zugleich am selben Ort sein. Zumindest versuchen sie dies zu vermeiden. Denn so sehr Erui sie beide braucht, so wenig können sie einander verstehen.

Die Mächtigsten unter ihnen sind die ewigen Fürsten:

Lykill, der Flammende, Herr der Immerfühlingswälder und Sohn der wissenden Schleier

Einhorn

Teijûn, der Sonnengoldene, Erbe des Königreiches unter den Wolken, nachdem sein Bruder sein Herz gab für den neuen Weg

Thoran2

Von West nach Ost

Bejunen

Der Bejunen wird auch goldener Fluss genannt, da er sich einen großen Teil seines weiten Weges durch gelben lehmigen Boden gegraben hat und seine Wasser somit im Glanz der Sonne golden leuchten.

Er entspringt aus den Gletschern der schwarzen Berge, deren Schmelzwasser sich im Sonnensee sammelt. Von dem riesigen See in der Mitte des grünen Tals fließt er einmal fast zur Gänze von Süd nach Nord und Ost nach West. Dabei kreuzt er Arvindûras und führt am Hohen Schloss Talveymar vorbei. Er windet sich durch den Mittlandwald und vorbei an den Sümpfen um Nualschadan.

Unter den Hochebenen von Efratim, die südlich der Windberge liegen, verliert er sich schließlich in einem Labyrinth aus tausend Höhlen und Gängen, die das gesamte Land dort unterirdisch durchziehen.

Erst an den grauen Klippen, der Trauerstätte der Feen, gibt er seine gewaltigen Wassermassen dem Meer zurück.

Immerfrühlingswald

Der Wald liegt an den Ufern und Zuläufen des silbernen Flusses. Dieser trägt seinen Namen, weil er zehn Monate im Jahr vereist ist. Entspringend aus den schwarzen Gletschern fließt er am Fuße dieser entlang und kann deshalb nur in den zwei wärmsten Monaten des Jahres seinen glitzernden Panzer abwerfen.

Der Wald jedoch, erstrahlt in ewig blütenreicher Frühlingstracht. In seinem Schatten summen stets die Bienen, Vögel singen und allerhand magisches Getier lebt im Schutz der immerwarmen Wälder.

Es sind die Herrn dieser Wälder, die den Zauber des ewigen Winters hier im Nordwesten brechen: die Einhörner, die hier leben, seit sie am Anbeginn Gar’Eruis als ewige Fürsten und Wächter geschaffen wurden.

Leawynn

Es ist der Königshof des schönen Volkes, wie die Elfen überall genannt werden. Er liegt nahe der Quelle des silbernen Flusses.

Man sagt die Erbauer des Schlosses versuchten mit den hohen Türme über die Wolken zu gelangen, die um die Gipfel der Schattengletscher liegen, um zu sehen, was dahinter sein möge. Doch reichen selbst die höchsten Balkone nicht annähernd an diese fernen Höhen heran.

Nichtsdestotrotz ist das Schloss ein imposanter Anblick, wie es so daliegt in dem schlummernden, nebelverhangenen Tal.

Herr dieses Schloss ist Fürst Ariman. Er bestreitet ein, selbst für einen Elfen, ungewöhnlich langes Leben.

Als zweitjüngstem Sohn des alten Königshauses war es ihm eigentlich nie gegeben, Erbe des Thrones zu werden. Er trat dem Orden der Sonne und des Mondes bei und wurde die rechte Hand des Hohepriesters und damit einer der vier heiligen Wächter.

Als seine Vater, seine Brüder und deren Familien vor langer Zeit im ersten Schattenkrieg von den Dunklen ermordet wurden, blieb nur noch er übrig. Er trat das Erbe der Krone an, wohlwissend, wie schwierig es werden würde, seinem Volk und gleichzeitig seinen Pflichten als Wächter gerecht zu werden.

Dann traf ihn zusammen mit den anderen Wächter der Zorn des Himmels und machte sie zu den Vier Ewigen. Seitdem reist er stets zwischen dem Königshof und dem Tal der Sonne hin und her.

Luingebirge

Dieser Gebirgszug stellt eine karge und triste Gegend dar, in der vor allem das Volk der Erûor zu Hause ist. Sie leben zumeist als Schäfer und Ziegenhirten an den unwirtlichen Hängen, doch überall dort, wo in den Bergen die einzelnen, dafür sehr reichen, Erzadern liegen, haben sich rege Handelsstädte gebildet. Sie sind eine Anlaufstelle für Händler aller Völker.

Azurseen

Hier im Osten an den Ufern der blauen Seen leben sowohl Erûor als auch das Volk des Quellnymphen. Zudem wird die Gegend von Flussgeistern und Kelpies, von Nixen und Kobolden besiedelt.

Östlich dieser Seen beginnt die weite Steppe, die bis zum Meer führt. Sie ist der am dünnsten besiedelte und friedlichste Teil Eruis.

Vielleicht nicht zuletzt, weil sie am weitesten entfernt von den Schwarzen Gletschern liegt.

Berge von Guenhal

Berge wie Schnee auf den goldenen Sonnenstrahlen fallen – so wird der einmalige Anblick der weißen Berge im Süden beschrieben. Teils aus Kalkstein, doch in großen Teilen auch aus blankem Marmor, von unzähligen winzigen Goldadern durchzogen, sind die Berge einer der außergewöhnlichsten Orte in Erui.

Sie trennen die dichten südlichen Dschungel von dem kargen Land, von Vulkanen und Geysiren durchzogen, welches sie umschließen. Es ist das Herrschaftsgebiet der Drachen und vermutlich deswegen sind in all den Zeitaltern im Schatten der so prachtvollen Berge nur wenige Siedlungen gegründet worden.

Bei dem offensichtlichen Reichtum wundert es nicht, dass sich doch einige Zwergensiedlungen in ihnen finden lassen.

Früher, so sagt man, gab es nicht einmal einen Weg diese Berge zu durchqueren. Als aber die Drachen die Steine brachen, aus welchen das Hohe Schloss erbaut wurde, da schufen sie den Pass von Guenhal.

Niemand würde sich allerdings freiwillig hindurch begeben.

Die Küste und die nördlichen Lande

Peleneth

Die Perle des Nordens stand einst auf den letzten Hügeln vor dem nördlichen Meer. Von ihrem höchsten Turm konnte man bis auf die See und die Inseln hinter der Küste schauen. Dann kam der erste Krieg gegen den Schatten. Die dunkle Zeit brach an und in ihren fortdauernden Schlachten fiel das Schloss unter den anbrandenden Legionen dunkler Krieger.

Die Ruinen von Alt-Peleneth liegen noch heute einen Tagesmarsch entfernt von dem Ort, wo später das neue Schloss entstand.

Der prächtige Palast aus funkelndem Perlmutt mit seinen vielen Türmen und hohen Fenstern liegt nun ein Stück im Landesinneren. Er wurde auf einer Erhebung in einer Talsenke gebaut, die von einem tiefen Graben umschlossen ist.

Sieben geschwungene Brücken führen über diesen Graben, um all jenen die Überquerung dieser Schlucht zu ermöglichen, die keine Flügel tragen. So kommen unzählige Barden, Händler und Wanderer aus allen Teilen Eruis ins gastfreundliche Peleneth.

Regiert wird das Schloss der Feen von König Cormac und seiner Frau Gaya. Sie ist die letzte Königstochter des altehrwürdigen Geschlechtes der Kaliri, die bereits seit mehreren tausend Sommern den Thron innehalten. Cormac hingegen ist der Sohn des ehemaligen Stallmeisters. Nur ihre glühende Liebe zueinander, so sagt man, ließ Gayas Vater schließlich der Hochzeit seiner Tochter mit einem Mann aus dem einfach Volk zustimmen.

Das einzige Kind dieser Verbindung war Feenprinz Llewellyn MacCormac. Er wurde mit fünf Jahren entführt und seitdem nicht wieder gesehen. Die meisten glauben, dass der Junge längst tot ist.

Nur seine Mutter klammert sich an die verzweifelte Hoffnung, dass kein Trauerlied in ihrem Herzen je erwachte, und somit die Seele ihres Sohnes noch immer in dieser Welt weilen muss. Jeden Tag sitzt sie am Fenster und wartet sehnsüchtig auf ein Zeichen von ihm.

Dies ist der Grund, warum seit dreizehn Menschenjahren die Türme von Peleneth in schwarzen Samt gehüllt daliegen und das ganze Volk in Trauer erstarrt ist.

Graue Klippen

Wo die mächtigen Fluten des Bejunen an der Küste des Feenreiches ins Meer stürzen, ragt eine karge Klippe über diesen Wasserfall hinweg. In der Sprache des geflügelten Volkes wird sie ‘Kal’arneth’ genannt, wobei die Silbe ‘Kal’ das feysche Wort sowohl für ‘Grau’ wie auch für ‘Tod’ ist.

Es wird gesagt, dass eine Fee, die im Leben eine Seele durch Liebe an die eigene zu binden vermochte, in dieser liebenden Seele ein Lied hinterlässt, wenn sie aus dieser Welt in die nächste scheidet.

Wer ein solches Lied in sich trägt, muss sich zu diesen Klippen begeben, wo die Wassernebel über dem kahlen Felsen den Anschein eines magischen Tores erwecken. Das Lied darf nur dort zum ersten Mal erklingen und soll der geliebten Seele den Weg weisen, damit sie nicht als fahler Geist im Diesseits verharren muss.

Viele junge Barden reisen in den Jahren ihrer Wanderschaft zu den grauen Klippen. Sie sitzen Monate dort, um den Liedern zu lauschen, die von unendlich viel Liebe, unendlich viel Glück und gleichzeitig unendlich viel Leid erzählen.

Jeder der einmal ein solches Lied hörte wird später behaupten, dass in den Tönen ein Hauch vom Klang der nächsten Welt mitschwingt.

Basalttor

Dort, wo der Bejunen von den Windbergen hinab auf die Feyebenen stürzt erhebt sich ein mächtiges Bollwerk, welches die Zwerge direkt in den dunklen Stein getrieben haben.

Das Basalttor stellt den Eingang zu ihrem weitläufigen unterirdischen Reich dar, und ist sowohl Einlass für Händler und Freunde, als auch Schutz gegen ungebetene Gäste, die allein der legendäre Reichtum des unterirdischen Volkes anzieht.

Die Anlage wurde über mehrere Jahrtausende von mehr als nur einem Königsgeschlecht gebaut. Dadurch entstanden schließlich sieben Wälle, von denen der Innersten der höchste ist und sich direkt in die Flanken des Berges schmiegt.

Innerhalb der Wälle sind im Laufe der Zeit Behausungen entstanden, in denen so mancher Zwerg lebt, den es aus dem Dunkel seiner Geburtsstätte fort an die Oberwelt gezogen hat.

In den Zeiten der Regentschaft eines hohen Königs war die Feste auch immer der Sitz des Zwergenkönigs, damit dieser für die anderen Könige der Oberwelt besser erreichbar war.

Seit der Weg des blauen Drachen jedoch unbetreten blieb, haben auch die Zwergenherrscher ihren Palast unter der Erde nicht mehr verlassen.

Gandagar

Die Berge von Gandagar sind eine von zwei Gebirgsketten, welche die Herzlande vom hohen Norden Eruis trennen. Hier in den westlichen Bergen gibt es wenig Bodenschätze weswegen kaum Zwergensiedlung darin errichtet wurden.

Vor allem Felsentrolle und zumeist friedlich gesinnte Steinriesen hausen in den kargen Hängen. Nur eine einzige Passstraße führt hindurch und geleitet Reisende ins Hügelvorland der Mwenduir.

Windberge

Dies ist der zweite Gebirgszug, der sich einem auf dem Weg von Süd nach Nord entgegen stellt. Die höchste Erhebung in diesen Bergen ist die Sturmhöhe, deren Hänge sich bis auf viertausend Meter ziehen. An ihnen haben die Kammtrolle, die mit den Zwergen gemeinsam einen Großteil der Berge besiedelt haben, ihren größten Hain errichtet, den sie Kermenen nennen.

Der goldene Fluss hat sich einen Weg durch diese Berge hindurch gegraben und fällt in einem mächtigen Wasserfall auf der Nordseite hinab auf die Feyebenen, die bereits zum Königreich Fenlar gehören.

Die engen schmalen Schluchten vor diesem Wasserfall stauen den Fluss auf, so dass sich ein kleiner See mitten in den Bergen gebildet hat. Er wurde von den Zwerge nach ihrer Stadt darunter der See von Grauheim genannt.

Mwenduir

Diese Hügel sind die westliche Grenze die Norimar, das Land der Gras- und Flussnymphen, von den Landen der Elfen trennt, welche sich um den silbernen Fluss herum erstrecken. Es schließt sich im Norden den Bergen von Gandagar an und ist, trotz seiner abgeschiedenen Lage, eine recht rege Gegend, da die Passstraße als einer von zwei Durchgängen von Süd nach Nord sie durchquert.

Jalash

Die Stadt der smaragdenen Türme gehört noch zum Nymphenkönigreich Norimar. Sie liegt an seinem östlichen Ende, schon beinahe an der Grenze zum Feenland.

Sie wird auch die wissende Stadt genannt, denn sie beherbergt in ihren weitläufigen Bibliotheken den wohl größten Schatz der magischen Welt.

Wer etwas auf sich hält und die Magie studieren will, ohne dem Orden der Sonne und des Mondes beizutreten, der wird wohl den Weg nach Jalash finden.

Die ältesten seiner Erzmagier sollen ganze Jahrhunderte im trüben Kerzenschein hinter Bergen von uralten Folianten verbracht haben.

Die wichtigsten Schauplätze der Geschichte

 

Talveymar

Das Schloss der Hohen Könige, Talveymar, liegt in den Herzlanden Eruis, an der Grenze des Mittlandwaldes zu den klingenden Hainen.

Es waren die vier Winde, so singen die Barden, die den Herrn der grünen Insel Edin einst ein Schloss erbauten, damit sie in der Mitte ihrer Welt näher bei jenen sein konnten, die sie zu schützen versprochen hatten.

Die ältesten Drachen brachen dafür Steine aus den weißen Bergen von Guenhal und schufen so den Pass, der in das Gebiet der Schwefelhänge führt. Sie trugen diese Felsen zusammen auf einer Anhöhe über dem goldenen Fluss und die Winde formten daraus den wohl prächtigsten Palast von ganz Erui.

Beim wundervollen Anblick der filigranen Türme und Gänge, die mit ihren Spitzen den Himmel fast berühren, sollen die Sterne so entzückt gewesen sein, dass sie dem Schloss ihren Glanz verliehen.

Talveymar war so in der alten Zeit auch als Sternenschloss bekannt.

Als aber der Schatten kam und das Geschlecht der Eidan auslöschte, legte er einen Fluch über das Schloss und brach seinen Glanz.

Jetzt liegt es düster und verwaist. Unglück, so sagt man, droht einem jeden, der es betrete.

Nur noch ein paar der ältesten Koboldfamilien sind dort zurückgeblieben. Seit jeher stellen sie die Bediensteten des Schlosses und sehen es als ihre Pflicht, Schloss und Stadt bis zur Ankunft eines neuen Königs in Stand zu halten.

Tal der Sonne

Auch das grüne Tal, oder Ebeneth genannt. Es liegt in den Ausläufern der Schwarzen Gletscher, wie ein grüner Edelstein in einem Ring aus Onyx. Hier leben die Priester der heiligen Gemeinschaft der Sonne und des Mondes und bilden ihre Novizen zu Mitgliedern des Zirkels aus.

Auf einer Anhöhe vor den westlichen Hängen, wo ihre Wohnhöhlen liegen, steht der Tempel der Sonne, der, aus weißem Marmor erbaut, ein krasser Kontrast zu den hohen schwarzen Felsen ist.

In seiner Mitte liegt ein großer See. Er wird durch die Schmelzwassern gespeist, die von den Bergen herab kommen.

An den Ufern dieses Sees lebt eine Herde wilder Pferde. Sie gelten als die schönsten und robustesten Tiere in ganz Erui.

Es geht die Legende, dass alle hundert Jahre bei Vollmond eines von ihnen als geflügelter Pegasus zur Welt kommt und sich hinauf zu den Höhen der schwarzen Berge erhebt, um dort mit den anderen geflügelten Pferden über den Wolken zu leben.

Nualschadan

Als Gegenstück zum Tempel der Sonne steht hier in den heiligen Hainen von Nualschadan der Tempel des Mondes. Um diesen herum liegt die Stadt der Priesterinnen inmitten eines Sumpfgebietes, das nur von den Eingeweihten des Ordens durchquert werden kann.

Somit war Nualschadan auch zu Zeiten des ersten Krieges gegen den Schatten der letzte Rückzugsort all jener, die sich SEINER dunklen Macht widersetzten. Von hier aus wurde durch Fürst Thoran ein neues Königsgeschlecht gegründet und der Schatten in seine Schranken verwiesen. Allerdings blieb auch dieses neue Königsgeschlecht nich von langer Dauer. Es ranken sich mehr Legenden um den ersten neuen Träger der Hohen Krone, als wirklich Fakten bekannt sind.

Seit diesen Tagen des ersten Blaudrachen ist Gwendolyn Caellesami Trägerin des Mondkranzes und Hohe Herrin von Nualschadan. Ihre rechte Hand und ebenfalls ewige Wächterin ist ihre Nachfolgerin Luani. Zusammen mit Elfenfürst Ariman und dem Hohepriester Mendric ist es das Bestreben der Vier Ewigen den Atem der Dunkelheit wieder aus Erui zu bannen und damit den aufflammenden Bruderkrieg zu verhindern, der ihre Welt ins Chaos zu stürzen droht.

Sie wissen, dafür ist es notwendig einen neuen Hohen König, einen neuen Blaudrachen, zu finden.

Caer’Arion

Caer’Arion ist Hauptstadt und Königssitz von Arvindûras, dem Land der gräsernen Hügel. Die Arvindûor selbst sind ein stolzes Volk, berühmt für seine guten Krieger und wundervollen Pferde. Sie sollen direkte Nachfahren derer aus dem Tal der Sonne sein und ihren Vorvätern an Ausdauer, Schönheit und Schnelligkeit in nichts nachstehen.

Das Volk aus den Hügeln steht den Tempeln sehr nahe, denn wie das Land für sie ihre Mutter ist, die sie nährt, so ist die Allmacht des Himmels in ihren Augen der Windvater, der sie mit schützender Hand leitet und ihre Schwerter führt.

Einmal im Jahr, immer wenn der Winter sich dem Ende neigt, wird in Caer’Arion ein großer Wettstreit abgehalten, in welchem sich die jungen Krieger untereinander messen. Die Besten von ihnen erlangen dabei das Kriegerband eines Arvindûri.

Das rote Band am Gürtel zu tragen gilt in Arvindûras als höchste Ehre. Ein Privileg, welches allerdings nur Männern zuteil wird. Frauen sind in der Armee des Königs nicht zugelassen.