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It all ends in Fire – Coverreveal Sternenstaub

Ich bin hundemüde, mir tun die Augen und die Finger weh. Aber es hat sich gelohnt. Mein erstes Cover damals vom Stern war schon megaschön. Jetzt darf auch der letzte Band in seinem neuen Kleidchen strahlen. Und ja, liebe Sabrina, ich zwinge dich damit ein grünes Buch zu lesen ;).

 

Genießt es einfach ohne viele Worte.

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Coverart von Dorothee Rund

BuCon 2016 – von Marzipaneinhörner, Panikattacken und vielen tollen Menschen!

Man nimmt ja immer fälschlich an, auf so einer Buchmesse oder Convention würde es um Bücher gehen. ABER: Weit gefehlt! Denn eigentlich, sind wir mal ehrlich, geht es uns doch um die Menschen hinter den Büchern. Und das müssen nicht zwingend die Autoren sein. Es geht um all die Leute, die man vielleicht über Foren oder Lesegruppen kennt und die man nur einmal im Jahr eben auf einem solchen einmaligen Event sieht. Leser, Blogger, befreundete Autoren, Verleger und und und … Die Liste ist endlos.

Und klar, wenn man dann noch die Autoren seiner Lieblingsbücher trifft, ist das das Sahnehäubchen auf dem eh schon überladenen Eisbecher, aber für mich war gestern einfach ein bisschen wie Familientreff. Eben mit der verrückten Buchfamilie, die ich online gefunden habe. Die, die verstehen, warum ich manchmal mürrisch vor mich hin brummeln, wirre Worte von mir gebe und dann plötzlich verschwinde, weil ich ne Inspiration hatte.

Wenn man also in den großen Saal im Bürgerhaus Dreieich reinkommt und sofort fallen einem ein Dutzend Menschen um den Hals, zwölf weitere Dutzend werden einem vorgestellt, dann rücken die Bücher doch ein bisschen in den Hintergrund. – Klar, sie sind der Vorwand, der Grund, die Gemeinsamkeit, die uns alle zusammengebracht hat, darum gibt es später auch noch ganz viel Neues von mir zu dem Thema, doch erstmal ein paar Bilder, die nicht wirklich Buchrelevant sind … oder etwa doch?

Das hier ist zum Beispiel mein Nano-Geschenk von Funkel gewesen (ja, die, die hier auf dem Blog auch manchmal ein bisschen schreibt. 🙂 )

Theresa meint, ich soll das essen!! Was für ein Barbar wäre ich bitte!
Theresa meint, ich soll das essen!! Was für ein Barbar wäre ich bitte!

Für alle, die sich fragen, was ein NaNo sein soll und warum es da Geschenke gibt, die lesen bitte hier weiter. 😀

Außerdem gab es das hier. Aber ich darf es tatsächlich erst in einer Woche öffnen, wenn der NaNo dann auch wirklich losgeht.

ominöses Paket

Mit so viel toller Vorfreude hätte man meinen müssen, dass die Aufregung vor der Lesung sich komplett in Wohlgefallen auflösen würde. Aber Pustekuchen. Ab 13.00 Uhr war ich so nervös, dass ich mich mehr oder weniger wie ein Zombie zwischen den Ständen bewegt habe. Und dann … Ja, dann war alles ganz unspektakulär und sehr gemütlich.

Ein tolles Publikum, von dem ich zunächst nicht wusste, ob sie so still sind und so höflich nicken, weil sie nach der besten Möglichkeit suchten, unauffällig wieder  verschwinden zu können, oder ob sie mir tatsächlich so an den Lippen hingen. Die Begeisterung hinterher hat dann aber alles erklärt. (Im übrigen hatte ich einen Plan … und dann hab ich doch alles ganz anders gemacht. 😀 ) Ich würde euch ja gern auch davon ein Bild zukommen lassen, doch meine außergewöhnliche Fähigkeit, die Realität nach meinen Wünschen zu manipulieren (zumindest spricht mir mein Mann die zu), sorgte dafür, dass die Kamera gesponnen hat. Vielleicht kann die liebe Sabrina euch was retten, das reiche ich dann nach. Aber ich scheine wirklich nur denken zu müssen, dass ich Bilder und Aufnahmen von mir nicht mag, und schon versagt die Technik. ^^

Nachdem also dieser Stein von meinem Herzen gefallen war, ich viele Bücher signiert hatte, konnte ich dann den Rest der Con auch wirklich genießen.

Von meiner Kollegin Alexandra hat es gestern den dritten Teil ihrer Midgard-Saga gegeben und weil ich noch in die Lesung von Markus Heitz wollte, hab ich mir auch endlich Wedora zugelegt.

       

Auf Markus Lesung war ich dann natürlich auch noch und … oh!!! Was für tolle Neuigkeiten von ihm fürs nächste Jahr. Das wird ganz großartig!!

Verdienter Weise durfte er sich dann abends auch vor der Verleihung des DPP den Ehrenpreis der Buchmesse Con abholen. Die Laudatio von Bernhard Hennen war einfach grandios.

Zuletzt habe ich noch ein Foto von allen Preisträgern und damit verabschiede ich mich, denn zugegeben, ich bin immer noch ziemlich geschlaucht und erschlagen von so viel Tollem, Neuen und all den netten Leuten, die ich getroffen hab.

 

Deutscher Phantastik Preis 2016

Ich schenke euch eine Geschichte – Aus Tautränen und Schleierblut

So ihr Lieben,

 

Die hier hab ich mir für euch für heute aufgehoben. Sie ist so ein bisschen anders, als das, was ich sonst so schreibe. Darum mag ich sie heute mit euch teilen.

Ab und zu muss man sich selbst neu erfinden, sonst tritt man auf der Stelle. 🙂

Tausend Dank für all die vielen Glückwünsche, die schon bei mir eingegangen sind. Ihr seid einfach unbeschreiblich.

 

Aus Tautränen und Schleierblut

Dem nächtlichen Tau auf den Wiesen waren sie entsprungen, als das erste Mal die erste Sonne sich erhob über der erwachenden Welt. Tränenkinder der Allmacht, die Wissensdurst und Schöpfergeist in jenes Reich entließen. Anmutig zauber-zarte magiegewobene Söhne und Töchter aus goldenen Schleiern und Sphären noch weit wundersamer als die Hügel und Berge, Täler und Flüsse und Seen, die die Klänge des allerersten Liedes um sie woben.

Ohne Schuld und ohne Scheu, gefüllt mit Weitsicht, Hellsicht, nicht aber mit mit Gefühl. Nein, die klingenden, leuchtenden Herzen der Nebelgänger waren nicht geschaffen für Leid und Freude, Zorn oder Angst. Nicht einmal für Liebe. Denn Liebe verklärt, was sich verbirgt in den Gespinsten des Gestern, den Geweben des Heute, den Schleiern des Morgen.

Es brennt! Es brennt! Ich verbrenne! Zunderzauber, Schwefelspucke, gewaltgeifernde, silberhautzerfetzende, diabolische Drachenklaue! Geh weg! Lass mich! Nein!

Warum nur? Warum habe ich das getan? Wieso mich entschieden, dafür? Was soll es bringen? Was kann Gutes werden aus etwas, das so schrecklich ist?

Blut rinnt aus meinen Armen. – Arme! Wie konnte ich nur? Ein sterblicher Körper. Eine plumpe, fleischliche Gestalt!

Ich erschaudere tief im Herzen. Dieses Ziehen und Zerren und Reißen und Klopfen. Ich spüre, was ich nie zuvor erlebt habe, was nur als vages Konzept im Innern meiner Selbst und der ewig kühlen Gefasstheit meiner allumgreifenden Überlegenheit geschlummert hat.

Schmerzen!“, stöhne ich. „Solche Schmerzen!“

Die goldenen Augen blicken mitleidlos auf mich hinab, fasziniert wohl von dem Wandel, den meine Züge in weniger als dem Bruchteil einer Sekunde durchgemacht haben.

Als zwei Konzepte waren sie geschaffen worden. Zwei Prinzipien, zwei dumpfe Herzschläge, die die Welten antrieben wie Zahnräder eine Uhr.

Erwacht aus der ungezähmten Dunkelheit der ewigen Nacht, die vor dem ersten Morgen gelegen hatte, waren sie, die Himmelsfürsten, begabt worden mit so viel Magie wie gleichsam gerechter Wut, bebendem Zorn, brennender Leidenschaft, die ihre Herzen am Schlagen und ihre Flügel in der Luft hielt; der Inbegriff von überschäumenden Gefühlen und roher Allmacht.

Die anderen, die Tauwanderer, Grenzgänger, Schleiertänzer, begabt mit allem Wissen, doch ohne jegliche Empfindung. – So hatten sie sein sollen. Vom Anbeginn bis in alle Ewigkeiten, die die Welten sich drehten. So hatten die Herzen der Gottkinder es erträumt, es gewünscht, es geschaffen.

Und dennoch liege ich hier. Obwohl der Anbeginn mir Ewigkeit versprochen hatte. Doch Ewigkeit wofür?

Ich sah sie, die Fehler der Sterblichen, lange bevor sie geschahen, und konnte sie dennoch nicht hindern. Denn unbelehrbar wie sie sind, ist jedes Wort an sie Verschwendung.

Dieser Gedanke zuckt kurz auf aus all dem roten Nebel und all der eisfeurigen Qual. – Erde und Wasser, Magie des Lebens, mir gegeben vom ersten Augenblick, – Schöpfermagie.

Doch wofür hatte ich sie genutzt?

Allein hatte ich die Welten durchwandert von Ewigkeit zu Ewigkeit, von Augenblick zu Augenblick. Niemals hatte es mich gestört. Dann aber habe ich sie gesehen, spürte ich ihr Kommen, das Erwachen ihrer Seele. Der Himmel träumte schon von ihr, von diesem seinem schönsten und gleichzeitig seinem gefährlichsten Kind, als ich meine Hufe auf den Tau des ersten Morgens setzte. Doch damals habe ich sie noch nicht verstanden. Nur ihr Lied gehört.

drei Zeichen dir geben die Himmel fern …

Ich selbst war nicht in der Lage, ihre Wundersamkeit bis ins Letzte zu begreifen, und ich wusste damals schon, ich würde es nie sein.

Doch das Wissen um ihren Pfad hat uns geleitet. Nicht nur mich, Ljosalfur, den König der Schleiergeborenen, sondern auch die Drachenfürsten. Wir haben das Erwachen der Sterblichen bestaunt und ignoriert hier in unserer Welt jenseits der Schleier. In der Arroganz unserer Unendlichkeit und Unberührbarkeit haben wir uns sicher gewähnt vor der Veränderung, die im Reich der Träume um sich griff. Aber letzten Endes hat sie auch vor uns nicht Halt gemacht.

Während ich halb fasziniert, halb erschüttert dem Wimmern meiner eigenen Stimme lausche, unter der die Bäume ringsum erzittern, frage ich mich, ob er sich auch so gefühlt hat. Er, der blaue Bruder jenes goldenen Schwingenträgers, der mir meinen letzten Wunsch erfüllte.

Ja“, höre ich die Antwort in meinem Geist klingen. „Ja, er hatte schreckliche Angst vor dem Tod. Das Ende der eigenen Existenz, es ist für uns so unbegreiflich und unfassbar wie für die Menschen, aus deren Seelen wir geboren wurden.“

Teijûns dunkle Augen stechen aus seinem gleißenden Schuppenkleid hervor. Es zuckt kurz darin, als er meine Gedanken liest. – Doch so etwas wie Mitleid?

Ein Drache, der Mitleid mit einem Einhorn hat! Ein dumpfes, schnaubendes Lachen würgt sich aus meiner Kehle. So etwas hat es nie gegeben!

Wir können uns nicht verstehen; nicht miteinander, nicht füreinander fühlen. Denn wir, die Söhne und Töchter des Wissens, fühlen gar nichts. – Außer wir entscheiden uns, der Unsterblichkeit zu entsagen; so, wie ich es gerade getan habe.

Bei diesem Gedanken verschwimmt die Lichtung mit ihren Bäumen und dem See vor meinem Blick. Meine sterblichen Finger krallen sich um die dichten Grashalme, greifen hinein in das üppige Grün mit den weißen Sternenblüten, die aufgehen, wo mein Blut die Erde benetzt.

Über Erde und Wasser – die Elemente des Lebens – habe ich geherrscht. Jeder Tropfen meines Blutes war mächtig genug Wunden zu schließen, die kein anderes Heilmittel zu lindern vermochte. Doch jetzt, jetzt gebe ich all das und aus dem blutgetränkten Tau des Morgens, der folgen wird, soll sich mein Sohn erheben.

Ich lächle, denn das Wissen um diesen Sohn hilft mir, die Angst zu überwinden, die sich um meine Kehle legt. Auch wenn ich ihm niemals gegenüberstehen werde, so weiß ich doch, er wird rot sein, wie das Feuer der aufgehenden Sonne, die sich in meinem Blut spiegeln wird. Sein Name wird Lykill sein. Lykill, der Flammende, die Antwort auf alle Rätsel.

So viel Kraft der Gedanke mir gibt, so steigt nun doch etwas in meiner Kehle empor, das ich nicht einordnen kann. Ich fühle mich, als müsse ich ersticken. Es dringt nach oben, bricht sich Bahn. Ich gebe neuerlich einen Laut von mir, den meine Ohren niemals aus einer unsterblichen Kehle vernommen haben.

Doch ja, natürlich! Unsterblich bin ich nicht mehr.

Ich gebe mich dem Gedanken hemmungslos hin und schluchze, um des Sohnes Willen, der mich nie kennen wird, von dem ich aber weiß, was für ein Schicksal ich ihm auferlege.

Er muss das Bindeglied werden. Er allein hat die Macht dazu. Aus meinen Tränen und meinem Schmerz geboren, hat er eine Gabe, die kein anderer unseres Volkes je hatte und je haben wird.

Ein Schaudern packt mich. Kälte kriecht über meinen Rücken. Ich spüre, wie der Drache seine goldenen Schwingen um mich breitet.

Es ist soweit“, flüstert er.

Ich nicke. Meine Augen wollen sich noch einmal öffnen. Ich will ihn sehen, den letzten Nebel, den ich durchschreite. Anders aber als erwartet, ist es nicht der letzte Schleier, dessen Kühle mich umfängt. Der silberne Nebel, der aufzieht, sich mir um Hände, Knöchel und das Herz legt, er ist magischen Ursprungs. Jene eine Sterbliche, die annähernd weiß, was Ewigkeit bedeutet, und die an den Geschicken dieser Welt schon lange dreht, sie hat ihn gerufen. Ahnungslos darüber, was er alles bringen sollte.

Ich werde also nicht hier sterben, denke ich. Nicht hier in dieser Welt, deren ersten Morgen ich erblickte und von der ich dachte, dass ich einst an ihrem letzten Abend stehen würde.

Nein.

Ein Beben durchdringt die Erde, als Teijûn sich in die Lüfte erhebt. Mein Weg ist nicht für ihn bestimmt und er muss hier verweilen, denn er wird sie kennenlernen, die Kinder, die meinem Blut entspringen. Denn nun weiß ich es. Nun verstehe ich, warum mein Sohn die Sternenprinzessin lieben kann.

Mit einem letzten Atemzug tauche ich durch die Grenzen und spüre noch, wie mein Körper eine Lichtung im Wald erreicht, die nicht in der magischen Welt gelegen ist.

Zwischen hohen Bäumen, die einen winzigen Teich umgeben, liege ich und kann mich nicht mehr rühren. Stimmen nähern sich von fern. Aus meinen Armen, die die Drachenkrallen aufgerissen haben, rinnt das letzte bisschen Blut, das in mir war. Es läuft in den See. Ich schließe die Augen.

Als letztes Geschenk trifft mich das Wissen, dass eine junge Frau heute in diesem See baden wird. Sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen. Ein Kind, das meinem Lykill eine Schwester werden soll.

Die silbernen Fürsten der Ewigkeit, sie waren nie dazu gemacht, zu fühlen. Weitsicht, Allsicht war ihre Gabe. Der Tau des ersten Morgens hatte sie geboren. Der erste Traum der Menschheit. Doch wie die Menschen selbst ist nichts ewig. Zumindest nicht, wenn es das nicht wünscht.

Und so können auch die Silberfürsten wählen, sich entscheiden – gegen das Leben und für den Tod.

So können sie ihre Gaben weitergeben an ein Kind von ihrem Geiste, dass doch wie sie sein wird, denn es trägt alles Wissen der Vorväter in sich. Und darum auch ist es eigentlich völlig unnötig. Überflüssig. Denn wenn das Alte wie das Neue ist, wozu sollte dann Neues entstehen?

All diese Überlegungen waren auch ihm gekommen. All diese Dinge waren dem Fürsten der Einhörner bekannt gewesen, als er den goldenen Drachen gebeten hatte, mit seinen Klauen die sterbliche Hülle zu zerreißen, die er um sich gelegt hatte. Anders aber als bei seinen Brüdern und Schwestern hatte Ljosalfur gewusst, dass aus seinem Opfer etwas Neues werden konnte, etwas Niedagewesenes.

Und so gebar der Tau des nächsten Morgens in Erui ein Einhornfohlen. Es erhob sich aus dem blutbenetzten Gras der Lichtung und blickte mit glut-dunklen Augen in den erwachenden Tag. Es blickte an sich herab und begriff, dass es anders war, als alle anderen seiner Art, denn sein Fell war rot wie Sonnenglut, Drachenfeuer und das Blut, das in Menschenherzen fließt.

Seine silbernen Brüder und Schwestern versammelten sich ringsum. Sie neigten die Häupter vor ihrem neuen Fürsten, denn er war der Sohn des alten und trug damit sein Erbe in sich. Kein Erstaunen und Erzittern war in ihren Blicken, denn wundern konnten sie sich nicht.

Er aber, Lykill, wunderte sich. Denn fern in den Schleiern, die Seinesgleichen schon lang nicht mehr durchschritten, hörte er einen Schrei und spürte ein zweites Herz und er wusste, das Blut seines Vaters hatte nicht nur ein Kind geboren.

LuB – Die Liste ungeschriebener Bücher

Nach längerem Aufenthalt im Ausland war gestern Abend meine Schwägerin und Illustratorin für den Stern hier bei uns. Es war ein total schöner Abend. Aber sie hat etwas gesagt, das mich zum Nachdenken gebracht hat:

“Ich bin gespannt, was du so als nächstes schreibst, jetzt, wo der Stern dich nicht mehr völlig absorbiert. Da muss so viel in deinem Kopf sein. So viel ungenutztes Potential für Geschichten.”

Äh ja. Klar. Es gibt sooooooooooooo viele Geschichten in mir. Mittlerweile. Das war ja nicht immer so. Den Stern schreiben. Diese eine große Geschichte, die mich wahrlich gefesselt und fasziniert hat. Das war der Plan. Und dann mal sehen.

Hat aber nicht funktioniert. Also das mit dem ‘und dann mal sehen’.

Der Stern ist und bleibt mein geliebtes Meisterwerk. Doch schon im letzten Schreibjahr, als ich den Plot in und auswendig kannte, verlief mein Kopf sich immer wieder auf neuen Wegen und zu neuen Ideen. Und obwohl ich nun einen ganzen Stapel an Büchern habe, die ich dringend schreiben muss, gerade weil der Stern mich endlich freigelassen hat, läuft es nicht so, wie ich es mir wünschen würde.

Der Grund dafür ist simpel: Der Stern hat mich gefesselt und meine ganze Aufmerksamkeit verlangt. Details, die ich im ersten Buch irgendwann einmal nannte, sie wollte nicht vergessen werden. Denn alles hatte seinen Sinn. Kein Wort darin, dass nicht mindestens ein dutzendmal überdacht worden war.

Nun aber ist alles frei und alles möglich und obwohl der kreative Teil meines Kopfes das genießt, fehlt doch dieses gefesselt Sein an ein Projekt, um es anderen vorzuziehen und voranzutreiben.

Darum habe ich jetzt mal eine Liste gemacht in der ich sortiert habe, was ich derzeit alles als echte Projekte auf dem Schirm habe (Lose Ideen und Konzepte sind nicht berücksichtigt)

Hier für euch also meine LuB.

 

Chroniken von Erui

Das Blut der alten Zeit (fertig geplotet, Anfang geschrieben)

Das Herz des blauen Drachen I -Ein uraltes Versprechen- ( fertig geplottet, 12 Kapitel, weitere 50k unsortiertes Rohmaterial)

Das Herz des Blauen Drachen II -Der dreizehnte Prinz- (fertig geplotet, ca. 40k Rohmaterial)

Das Herz des blauen Drachen III -Zeit und Ewigkeit- (fertig geplotet, ca 20k Rohmaterial)

Der Stern von Erui -vergessene Tage eines Königs- (7 Kurzgeschichten fertig)

Der Stern von Erui -Dunkelste Zeit- (geplottet, Anfang geschrieben)

andere phantastische Welten

Das Lachen der Windhexe (Silberfell und Daunenweich #1), Kinderbuch (fertig geschrieben, noch nicht illustriert)

Tolja und die Nebelfee (Siberfell und Daunenweich #2) (geplotet)

Der Axolotlkönig, Jugendfantasy, GeheimprojektM (fertig geplotet, fast fertig)

Die Seele meines fremden Bruder, Reiseroman mit phantastischen Elementen (fertig geplotet, 10k geschrieben)

Die Stadt, dystopische Fantasy (grober Plot, noch viele Lücken, erste Testszenen geschrieben)

Die Feuertänzerin, ostasiatische Fantasy (grober Plot, noch nicht angefangen)

Versunkenes Feuer (Atlantis-Dilogie #1) (geplotet mit Lücken, 2 Kapitel geschrieben)

Brennende Gischt (Atlantis-Dilogie #2) (geplotet, mit Lücken)

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke, Funtasy, Fortsetzungsroman (6k geschrieben, jede Menge Plot im Kopf keine Zeit, weil siehe oben)

Das Licht des Leben (GeheimprojektM #2) (Ein Plotbunny)

 

 

Beitragsbild von Dorothee Rund

Deleted Scenes – Von Königen und Pferden

Hier habe ich ein kleine Episode für euch aus der Zeit, die Fenia als vermeintlicher Junge in Arvindûras lebte. Ich hoffe ihr mögt es. 🙂

 

Dûrowinn von Arvindûras

 

Dûrowinns Finger krallten sich in die Mähne und mit seinen Waden umklammerte er den schweißnassen Leib des Hengstes. Noch zwei Bocksprünge hielt er sich so im Sattel, bevor er unter dem unbändigen Aufbegehren des Tieres letzten Endes den Kürzeren zog. Ein Schütteln noch und ein abprubter Stopp, dann flog er in hohem Bogen von seinem Rücken, prallte auf den Boden und konnte sich grade noch über die Schulter abrollen, um den wild keilenden Hufen zu entgehen, die in elegantem Sprung über ihn hinweg setzten. Die jungen Damen auf der Tribüne der Arena ringum hielten ängstlich den Atem an. Die Stallburschen im Rund sprangen auf die Füße, griffen nach Stricken und Stöcken, um das tobende Pferd wieder einzufangen. Nur der zweite königliche Stallbursche, ein besonnener Mann mit Namen Aswin, schlenderte gemächlich zu dem Prinzen hinüber und reichte ihm eine Hand, um ihm aus dem Staub aufzuhelfen.

Er schaute dabei absichtlich über die Schulter zurück zu dem anderen Jungen, der konzentriert am Rand der Arena unter den Säulen kauerte und die Augen nicht von dem wundervollen Hengst abwenden konnte. Aswin hoffte dadurch, sein Grinsen vor dem Kronprinzen verbergen zu können.

Der Sturz war vorherzusehen gewesen, gleich als sich der junge Mann forsch und tollkühn in den Sattel geschwungen hatte. Ihm das zu sagen, oder es ihn auch nur spüren zu lassen, würde seine Laune aber kaum verbessern.

„Was gibt es da zu lachen?“, fuhr Dûrowinn Aswin dennoch an.

Er zuckte mit den Schultern, setzte zu einer Antwort an, die dem Prinzen wohl keineswegs schmecken würde, doch ließ der hitzköpfige junge Mann ihn nicht zu Wort kommen.

„Der Befehl meines Vaters lautete, dass Ihr mir das beste Pferd von Eurer Reise zu den Gletschern mitbringt, das Ihr finden könnt, und nicht den erstbesten unzähmbaren braunen Teufel, der mir nach dem Leben trachtet!“

Seine Stimme sollte wohl überlegen und abgklärt klingen, während er ein paar Schritte zum Rand der Arena hinkte. Der hochmütige Tonfall erinnerte Aswin aber eher an einen trozigen Jungen, der mit aufgeschlagenen Armen, Knien und angeknackstem Stolz vor ihm stand. Aswin schüttelte den Kopf. Er war sonst ein guter Junge. Doch manchmal hatte er das dringenden Bedürfnis, ihn für solche Bemerkungen wie einen ungezogenen Bengel noch übers Knie zu legen. Aus dem Alter war er längst entwachsen und so mussten es ein paar wohlbedachte Worte tun.

Sein Blick flog zu den Rängen, von wo die tuschelnden Mädchen ihrem Schwarm sorgenvolle Blicke zuwarfen. Aswin hatte schon gewusst, warum er eigentlich darauf bestanden hatte, dem Prinz das neue Pferd heute erst nur unten in den Ställen allein und in aller Ruhe zu zeigen. Doch Dûrowinn hatte in seinem Übermut mal wieder ein Spektakel daraus machen müüssen. Die Blutergüsse geschahen ihm ganz recht.

„Mein Prinz, lasst es jetzt gut sein. Morgen versuchen wir es noch einmal, aber dann mit weniger Druck und mehr gutem Zureden. Ihr werdet sehen, er ist ein feiner Kerl.“

„Gut zureden?! Seid Ihr von Sinnen? Soll ich mich erschlagen lassen? Der muss gleich lernen, wer der Herr ist, sonst …“

Das Gesicht des Prinze war hochrot, vor Zorn und Scham wie Aswin vermutete, und seine Schimpftirade wäre gewiss auch noch weitergegangen, wenn er nicht aus den Augenwinkel etwas bemerkt hätte, was ihn im nächsten Moment schlohweiß werden ließ.

Der jüngere Freund hatte sich aus dem Kreis der Stallburschen gelöst, die respektvollen Abstand zu dem jungen Hengst haltend um diesen herum standen. Ohne Scheu trat er auf das bebende Tier zu. „Fen, nicht!“, schrie Dûrowinnn und schien sein schmerzendes Bein ganz zu vergessen.

Auch Aswin konnte sehen, wie die schmächtige Gestalt sich dem Pferd näherte. Dabei war jeder Muskel unter dem kastanienbraunen Fell zum Zerreißen gespannt, die Augen weit aufgerissen, dass man das Weiße in ihnen sehen konnte, und die Nüstern bis zum Anschlag gebläht. Das Pferd war misstrauisch und ängstlich und im Zweifelsfall zu allem bereit. Dem Jungen hingegen schien jede Angst und auch jede Vernunft zu fehlen.

Er war noch zwei Armlängen von dem Hengst entfernt und streckte behutsam eine Hand nach vorn, unablässig beruhigende Worte vor sich hinmurmelnd. Er blendete dabei alles andere um sich herum aus, überhörte die furchtsamen Zurufe der übrigen Burschen und auch den lauten Befehl des Prinzen, von dem Pferd wegzubleiben. Er bemühte sich, keine hastigen Bewegungen zu machen und seine noch sehr helle Stimme so tief wie möglich klingen zu lassen.

Am Ohrenspiel erkannte Aswin, dass das Tier tatsächlich auf ihn reagierte. Es zögerte, hielt inne in seiner blinden Panik und begann zu überlegen, ob diese Geste tatsächlich freundlich gemeint sein konnte. Schon im nächsten Moment überwog allerdings die Skepsis und Fen musste sich unter fliegenden Vorderhufen hinweg ducken.

Dûrowinn und Aswin hielten dabei den Atem an, konten aber weiter nichts tun, denn in die Nähe des tobenden Pferdes zu gehen, würde den Jungen nur noch mehr in Gefahr bringen.

Es dauerte gut fünf Minuten, bis der Hengst sich wieder beruhigte. Der Prinz und der Stallbursche waren derweil kreidebleich geworden.

„Komm da endlich weg, Fen!“, rief Dûrowinn, als der Hengst schnaubend und nervös scharrend ein wenig Platz gemacht hatte.

Der junge mit dem dunkelblonden Kriegerzopf aber schüttelte abwesend den Kopf, ohne das Tier aus den Augen zu lassen. Seine Stimme blieb weiterhin ruhig und tief, soweit ihm das zumindest möglich war. Mit seiner ganzen Körperhaltung versuchte er dem Pferd zu vermitteln, dass es sich nicht fürchten musste. Aswin schaute fasziniert zu, und als Dûrowinn Anstalten machte, zwischen die anderen Burschen zu treten und Fen zurückzuholen, hielt er ihn am Ärmel zurück, legte den Finger an die Lippen und deutete auf die Szene, die sich nun vor ihnen abspielte.

Der Junge hatte sich erneut dem Pferd bis auf eine Armlänge genähert. Der Hengst stand wie angewurzelt. Schaum bedeckte noch immer seine Flanken und immer noch waren auch seine Nüstern gebläht. Dennoch wölbte er den kräftigen Hals nun der Hand entgegen, die sich ihm hinstreckte.

Dabei wurde Fen nicht ungeduldig, stellte Aswin fest. Als die Nüstern des Pferdes seine Fingerspitzen berührten, hielt er einfach nur ganz still, statt wie so manch anderer zuzugreifen und den Kontakt einzufordern. Nein. Der schmächtige Junge ließ Augenblicke und Augenblicke verstreichen, in denen das Pferd immer wieder bis auf Millimeter an ihn herankam, dann aber skeptisch die Mähne schüttelte und den Hals wieder zurückzog. Nach einer Ewigkeit, wie es den Umstehenden schien, fasste das Pferd schließlich Vertrauen und presste seine Nüstern in die dargebotene Hand.

Spätestens jetzt, so wusste der Stallbursche, machte jeder den Fehler, zu glauben, dass das Tier ihm willig folgen würde. Nicht so der Junge. Zehn weitere Minuten verstrichen, die er dem Hengst erlaubte ihn überall zu beschnuppern. Das Pferd trat auf ihn zu und um ihn herum und er verharrte still, wie festgenagelt. Erst als der Hals sich vertrauensvoll vor ihm senkte, ein Schauer durch die angespannten Muskeln ging und ein langes Schnauben den Nüstern entfuhr, wagte Fen, sich zu regen.

Ganz langsam und behutsam, ohne übereilte Bewegungen zu machen, schnallte er das Seil von seinem Gürtel. Mit ruhigen Worten erklärte er dem Tier, was er zu tun gedachte, und dass er nichts zu fürchten hatte, weil alles gut werden würde. Die kleinen spitzen Ohren drehten sich dabei in seine Richtung.

Dûrowinn blieb der Mund offen stehen, als sein Freund es tatsächlich schaffte, dem Pferd seinen Strick über die zerissenen Zügel zu legen, den Sattel abzuschnallen und ihn ohne Bocksprümge und Auskeilen neben sich her zu ihnen herüber zu führen. Eine Hand hatte er dabei beständig auf dem Nacken liegen und das Tier ließ den Kopf fallen und kaute wohlig.

„Am besten bringst du ihn für heute in den Stall“, meinte Fen nur schlicht, während er Dûrowinn den Strick in die Hand gab.

Für eine Sekunde ging ein Zucken durch das Tier, doch ein sanftes Tätscheln von Fens Händen versöhnte ihn mit der Situation.

„Wie hast du …?“, wollte Dûrowinn wissen, doch dann fiel sein Blick über seine Schulter auf die Zuschauer. Er hatte sich heute genug Blöße gegeben.

Aswin lächelte nur und ließ den Prinzen vorgehen. Er selbst schloss zu Fen auf, der wie üblich stillchweigend hinter dem älteren Freund herging.

„Das hast du sehr gut gemacht“, lobte der Stallbursche den Jungen. „Die meisten meiner Lehrjungen verstehen bis zum Schluss nicht, dass man Geduld haben muss. Sie sehen Sanftmut als Schwäche und mangelndes Durchsetzungsvermögen.“

Fen nickte nur abwesend. Dann plötzlich sah er Aswin allerings an und die blaugrüngrauen Augen des Jungen erschienen dem Mann für einen Moment ein wenig zu strahlend. Irritiert schüttelte er den Kopf während Fen leise erklärte: „Dieses Pferd ist frei geboren worden. Es kannte keine Hand und keinen Strick, bis Ihr ihm einen umgelegt habt. Ein solches Pferd zu führen, ist wie ein freies Volk zu führen. Man muss erst sein Vertrauen erlangen, bevor man es beherrschen kann und es einem folgt. Aber das sollte Dwinn besser wissen als ich.“

Der Stallbursche zog die schwarzen Augenbrauen zusammen.

„Nunja, du kannst dir sicherlich denken, dass sein Vater mich nicht mit dem Gedanken fortschickte, seinem Sohn nur ein schönes Pferd von den westlichen Bergen zu holen.“

„Nein, gewiss nicht. König Melias hat meist einen Grund für sein Tun. Er wollte sicherlich, dass dieses Geschenk für seinen Sohn gleichsam eine Lektion ist.“

„Du bist ein kluger Junge, Fen“, antwortete Aswin und sah die schmale Gestalt neben sich mit forschendem Blick an.

„Bin ich das?“, fragte der nur zurück und wieder war da etwas in seinen Augen, dass Aswin irritierte.

„Naja, vermutlich schon, denn du hast die Lektion bereits gelernt, die unser zukünftiger König vielleicht gerade erst zu begreifen beginnt.“

Als habe Dûrowinn ihre leisen Unterhaltung gehört, drehte er sich auf einmal zu ihnen um und sah den Stallburschen ein wenig reumütig an. Dann fragte er: „Wie heißt er eigentlich?“

Aswin klopfte Fen auf die Schultern und machte zwei schnelle Schritte, um neben den Kronprinz zu gelangen.

„Er heißt Kijanji, euer Hoheit. Der den Wind unter den Hufen trägt.“

Mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern drehte er sich noch einmal zu Fen um und dieser erwiderte beides.

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke #3

Heute geht es endlich weiter mit meinen drei Möchtegern-Helden. Mal sehen, was so am Eingang der Grotte auf Zitara und Maljosh wartet. 🙂

Anfang verpasst? Ganz einfach: Hier geht es zu Episode 1. 🙂

 

Bevor seine Gedanken nun allerdings wieder zu jenem schrecklichen Abend wandern konnten, der mit ihm als zitterndem Bündel im Schlamm am Fuß der Klippe von Roxxor-Manor geendet hatte, den keuchenden, blau angelaufenen Ambros in den Händen, zog Zitara ihn energisch vom letzten Brett der Brücke runter und stieß ihn in den weit geöffneten Schlund der Grotte.

Für Sekunden war es um Maljosh herum nun so stockfinster, dass er die Hände vor Augen nicht sehen konnte. Unbeholfen wie ein Kind tastete er um sich und traf Zitara im Gesicht.

„He, pass doch auf!“, rief sie. Er gab ein polterndes Geräusch.

„Na toll, das waren die Fackel und der Feuerstein. Prima!“

Maljosh zuckte entschuldigend mit den Schultern, was Zitara natürlich nicht sehen konnte. Er bückte sich nach vorn, um nach den Sachen zu suchen. Sie hatte leider genau die gleiche Intension verfolgt. Ihre Köpfe stießen laut rappelnd an einander.

„Au!“, schrien sie gleichzeitig auf und das Echo ihrer Stimmen halte den Gang hinab.

„Hast du zwei linke Körperhälften oder wie?“, begann Zitara zänkisch. Maljosh wollte etwas sagen, bewegte sich in ihre Richtung doch sie zischte ihn augenblicklich böse an. „Halt! Was auch immer du gerade zu tun, zu sagen, zu denken vorhast. Lass es einfach. Augenblicklich. Beweg dich nicht. Rede nicht. Am besten hältst du die Luft an, bis ich die Fackel gefunden und angemacht habe.“

Der Gnom tat wie geheißen und Zitara kroch auf Knien über den felsigen Boden, bis sie endlich ihre Lichtquelle in die Finger bekam. Mit geübten Griffen ließ sie den Stein Funken schlagen und der warme, rötliche Schein ergoss sich in den dunklen Tunnel vor ihnen.

Maljosh holte einmal tief Luft. Zitara sah ihn ungläubig an. „Du hast nicht wirklich …“

„Du hast doch gesagt, ich soll nicht atmen.“

Sie rollte mit den Augen. „Folge mir. Und tu nichts. Fass nichts an. Sei mein Schatten. Nein, sei unauffälliger als mein Schatten. Das solltest du doch können.“

Maljosh nickte und sie stiegen über den unebenen, grob gehauenen Gang hinab in die Dunkelheit.

Für eine ganze Weile führte der Gang in sanften Windungen und Kurve stetig abwärts. Maljosh trottete gemächlich hinter Zitara her, die ihn gar nicht erst auffordern musste, einen gewissen Abstand einzuhalten. Er verkniff sich dabei auch jedwede Bemerkung über die auffälligen Kratzmarken in den Granitwänden, die auf den einen oder anderen Bewohner der Grotte schließen ließen. Nur bei einer sehr langen, sehr tiefen Narbe im Fels konnte der Gnom nicht an sich halten und musste Zitara einfach darauf hinweisen.

„Risse im Felsen kommen öfter vor“, gab sie entnervt zurück und wollte fragen, ob er denn noch nie in einem Berg gewesen war, doch Maljosh unterbrach sie neunmalklug: „Ein Riss, meine liebe Zitara mag ja angehen. Ein so tiefer Riss auch. Doch erstens ist er nicht in Bewegungsrichtung der Platten auf denen wir uns befinden. Und zweitens, leuchte mal da hin.“

Als sie ihn mit offenem Mund nur anstarrte und seiner Aufforderung nicht nachkam, drückte er gegen die Hand, mit der sie die Fackel trug, und der helle Schein fiel auf die Stelle unterhalb des Risses. Parallel dazu war ein zweiter, genau gleicher solcher Riss. Maljosh zog an ihrem Arm. Wütend stieß sie ihn fort, doch folgte ihre Bewegung der angedeuteten Richtung. Und ja, auch oberhalb zog sich eine tiefe Furche durch das Gestein.

Zitara schluckte. Maljosh brauchte es fast nicht mehr in Worte fassen.

„Ein Drache“, platzte es aus dem Gnom heraus.

Zitara nickte, wollte etwas erwidern, dann aber fasste sie sich wieder. Sie schüttete den Kopf und setzte eine versteinerte Miene auf. Sie war schließlich nicht zum ersten Mal hier, und sie wusste von den Gerüchten.

„Ja, das ist mir bekannt“, gab sie scharf zurück und Maljoshs Mund klappte augenblicklich wieder zu. „Ich bin durchaus schon öfter hier gewesen, und was glaubst du wohl, werden wir als letzte und mächtigste Zutat für den Wundertrank für deinen Ambros brauchen?“

Maljosh schüttelte den Kopf und trottete ihr folgsam wieder hinterher.

„Drachenschuppen, Dummerchen. Die machtvollste Zutat der Welt sind Drachenschuppen. Aber lass uns beten, dass es reicht, wenn wir auf Ebene vier ein paar Dagonkins ihre giftgrünen Brustschüppchen ausreißen, denn dem, der diese Krater in die Wand geschlagen hat, sollten wir tunlichst nicht begegnen.“

„Es muss auch schon eine Weile her sein. Die Spuren sind sehr verwittert. Ich wollte dich ja nur darauf hinweisen…“

„Danke, spar dir in Zukunft deine Spucke für.“

Sie bogen um eine Ecke und der Gang vor ihnen teilte sich und verlor sich in einem Labyrinth aus weiteren Gängen, die durch bläulich schimmernde Flämmchen an den Wänden gespenstisch erhellt waren. Die Zwergin legte den Finger an die Lippen und bedeutete Maljosh vorsichtig zu sein. Sie selbst tastete sich mit Zehen und Fingerspitzen weiter vor.

Maljosh dachte wieder an Zitaras Vortrag über Peregreins Gesetzt der Vorhersehbarkeit und kam zu dem Schluss, dass er sie ruhig noch eine Weile vorauslaufen lassen konnte, wenn das hier wirklich nur das erste Level war.

„Was genau brauchen wir eigentlich“, frage er, nachdem sie hinter drei weiteren Abzweigungen nichts als weitere endlose Gänge und noch mehr blaue Flämmchen gefunden hatten. Zitara wollte einmal mehr genervt herumfahren, schien es sich im letzten Moment allerdings anders zu überlegen, denn es machte durchaus Sinn, wenn sie ihn einweihte.

„Da ich davon ausgehen muss“, begann sie im Flüsterton, “dass ihr einen der mächtigst möglichen Bannzauber in allen sieben Königreichen abbekommen habt, brauchen wir die sieben Zutaten der Macht.“

“Zutaten der Macht?“

Zitaras Hand zuckte in Richtung ihrer Stirn, doch sie unterließ es, sich dagegen zu schlagen. Stattdessen erklärte sie betont geduldig: „Sieben Städte, sieben Königreiche, sieben Götter, sieben Türme am Palast der Ewigkeit. Jeder davon steht für einen Ring der Macht. Auch die Monster, das habe ich dir ja schon erklärt, lassen sich in diese Kategorien oder Machtkreise einteilen. Und für jeden dieser Machtkeise gibt es einen Vertreter, der quasi das Urbild dieses Kreises ist.

Lächerlich schwächlich aber in der Masse und gegen unbedarfte Freizeithelden absolut tödlich und darum unerlässlich für den ersten Ring: Die Ghule. Ein Tropfen ihrer Spucke wird genügen. Sie treiben sich hier oben in den Labyrinthe herum.“

Maljosh nestelte eifrig an seiner Tasche herum und zog einen kleinen Notizblock hervor.

„Ernsthaft jetzt?“, frage Zitara und ihre grünen Zöpfe, die im blauen Licht eher kränklich als giftig wirkten, begannen ungehalten zu wippen.

Maljosh ließ sich von ihrer brüsken Art jedoch immer weniger einschüchtern und schrieb mit filigraner Handschrift auf den Zettel: ein Tropfen Ghulspucke.

„Was noch?“

 

to be continued.

Deleted Scenes – Fenia und Martin

Ich hate euch ja versprochen, dass ich euch noch ein paar der Szenen zusammenschreiben werde, die ich immer im Kopf hatte, die es aber nie ins Buch geschafft haben. Heute gibt es einen ersten Teil davon.

Dieses Fragment setzt nach Fenias Sturz am See ein, als Martin sie ins Krankenhaus brachte. Ich bin oft gefragt worden, wie sie sich in ihn verlieben konnte und nicht in Joe. Die Antwort ist simpel und ihr kennt sie schon: “Ein Herz und ein Verstand liegen manchmal soweit auseinander, dass man schwerlich glauben kann, dass sie zu ein und derselben Person gehören.”

 

Viel Spaß hiermit. Im übrigen werden diejenige, die alle drei Bände kennen, glaube ich, die Andeutungen verstehen. Eine Fortsetzung hierzu folgt bald. 🙂

 

Fenia_jünger  Martin_Llewellyn

 

Die Hände tief in den Taschen vergraben schlenderte Martin langsam die kahlen, weißen Flure entlang. Sie gab ihm Rätsel auf. Mehr als je zuvor. Dennoch konnte er sich das Grinsen nicht verkneifen, wenn er an ihr blasses, zorniges Gesicht dachte, mit dem sie ihn anfangs angestarrt hatte. Kein Mädchen sah ihn je so an … so herausfordernd, durchdringend; und er hatte das Gefühl, sich vor dem Blick ihrer Augen nicht verstecken zu können.

Die ganze Fahrt nach Hause und die ganze folgende Nacht lag er wach und dachte über ihr Gespräch nach. Er lächelte und zuletzt hatte auch sie gelächelt. Mit diesem Bild im Kopf wollte er sich umdrehen, einschlafen, konnte aber nicht. Seine Erinnerungen wanderten zurück zur Lichtung im Wald.; die Frau im Nebel über dem Wasser; wie ihre langen Gewänder geweht hatten; wie sie ihre Finger nach Fenia ausgestreckt hatte, als könnte sie sie zu sich ziehen, sie besitzen.

Er presste die Augen fest zu. Fenias Gesicht vor seinem Gedächtnis verschwamm. Er blickte in ein paar dunkel funkelnde Augen wie Kohlestücke. Seine Fäuste ballten sich. Wut kochte in ihm hoch.

Sie forderte einen Preis. Immer forderte sie diesen Preis, dachte es in ihm, doch er wusste nicht, woher der Gedanke kam. Er war einfach da. Genauso wie dieses Gefühl von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein.

Man konnte dem Schicksal nicht entfliehen! Niemals. Es war unvermeidlich.

Angst griff nach ihm, sowie der Nebel in seinen Gedanken höher stieg und Fenias am Boden liegende Gestalt erreichte. In ihrem Gesicht las er seine Angst. Angst vor der Frau, die nicht existieren konnte. – Das durfte alles nicht echt sein.

‘Schluss!’, dachte er, riss die Augen auf und kehrte zurück ans Fenster, um auf den sternenübersäten Himmel zu starren.

Wenn Joe hier wäre, dachte er einen Moment, dann könnte er mit ihm darüber reden. Gleichzeitig aber wusste er, dass dies Ausflüchte waren. Er sprach immer über alles mit Joe. Aber das hier? Würde er es wirklich erwähnen können? Würde Joe ihn nicht gar am Ende für völlig verrückt halten?

„Wir sollten niemandem davon erzählen“, tat Martin zwei Tage später kund, während Fenia im Park um das Krankenhaus die ersten, noch ganz wackeligen Schritte tat.

Martin saß auf der Lehne einer Bank und sah ihr dabei zu. Wann immer sie für einen kurzen Moment ins Taumeln geriet, zuckte sein Körper nach vorn, als wolle er aufspringen, um sie vor dem Stürzen zu bewahren. Ein Blick von ihr reichte allerdings, dass er still auf der Bank verharrte.

Sie hatte bereits vorhin, als er ungefragt in ihrem Zimmer aufgetaucht war, deutlich gemacht, dass sie keinen Babysitter wollte.

Martin sah, dass sie sich quälte und das Laufen ihr noch sehr schwerfiel. „Es hat dich ganz schön erwischt“, stellte er fest.

Wieder antwortete nur ihr Blick, der einen lebendigen Drachen eingeschüchtert hätte. Martin musste grinsen. Dann aber sprang er mit einem Satz von der Bank.

„Komm. Du solltest dich wieder hinlegen.“

Fenia protestierte nicht, als er sie auf ihr Zimmer begleitete. Im Gegenteil. Sie war dankbar, dass er sie ohne Worte schließlich allein ließ.

Auch nach diesem Besuch kreisten Martins Gedanken noch lange um nichts anderes als sie. Diesmal musste er an den Augenblick denken, als sie sich das erste Mal gegenübergestanden hatten.

Lena hatte ihm ihre Freundinnen vorstellen wollen. Fenia hatte mehr zufällig still neben Yvonne gesessen. Sie hatte vor sich hin gelächelt, war in Gedanken weit fort gewesen. Als Lena kühl ihren Namen genannt hatte, hatte sie aufgeblickt, ihn angesehen. Da war zunächst nur Neugier gewesen. Dann aber war etwas mit ihr geschehen und mit ihm.

Der Ausdruck auf ihren Zügen, bis dahin friedlich und entspannt, war abweisend und verschlossen geworden. Ein Gedanke war ihm urplötzlich gekommen: ‘Als zöge sie einen grauen Schleier um sich.

Völlig absurd!

Doch dieses Gefühl hatte alles geändert. Sie mochte ihn nicht, das hatte ihm jede Regung auf ihrem erstarrten Gesicht gesagt. Und Etwas in ihm hatte beschlossen, sie auch nicht zu mögen.

Totaler Blödsinn, wie er jetzt befand.

Sein dummer Stolz, das ewige Gefühl und der Drang immer gleich überall und von jedem gemocht werden zu müssen, im Mittelpunkt zu stehen, hatten in ihre stille Art etwas hineingelesen, was vermutlich gar nicht darin gewesen war. Zumindest nicht am Anfang, bis er begonnen hatte, sie mit seiner herablassenden Art zu behandeln.

„Du glaubst immer, wenn dir einer nicht gleich um den Hals fällt, dass derjenige dich dann direkt abgrundtief hasst. Aber hast du mal daran gedacht, dass man erst mal Zeit braucht, jemanden kennenzulernen, bevor man diese Entscheidung treffen kann?“

Joes Worte hatten ihn damals wütend gemacht. Und das war gewesen lange bevor sie Lena oder Fenni überhaupt getroffen hatten. Vieles macht ihn ständig wütend. Auch heute kam er mit ihrer Zurückhaltung und ihrem Schweigen nicht gut klar. Dennoch, in den Momenten, wenn sie lächelte, dann konnte er dieses seltsame Etwas in sich, das sie nicht leiden wollte, vergessen. Dann konnte er bemerken, wie außergewöhnlich ihre Augen waren, die groß und dunkel und grau-grün-blau nicht von dieser Welt schienen.

Er ertappte sich einmal mehr in diesen Tagen bei jenem dümmlichen Grinsen, dass diese Art von Gedanken immer in sein Gesicht schnitt. Er sah es, als er durch die Glastür hinter dem Eingang in Richtung der Treppe nach oben ging und kurz einen Blick auf sein Spiegelbild darin erhaschte. Er ignorierte den Betreuer, der ihn fragte, wie es ihm ging und wie sein Tag gewesen war, – aufgesetzte Nettigkeit konnte ihm gestohlen bleiben. Er sprang, immer drei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe in den ersten Stock hinauf, wo sein und Joes Zimmer lag.

Ob er mit Joe darüber sprechen sollte? Wenn schon nicht über ihre seltsame Begegnung im Wald, dann musste er ihm doch wenigsten begreiflich machen können, wie nett und faszinierend er Fenia mittlerweile fand, je mehr er sie kennenlernte. Dabei hatte er sich nie für ein Mädchen interessiert, dem er nicht auf Anhieb einen zweiten Blick hinterher geworfen hätte. Aber es war nicht das. Mit ihr reden war … war so einfach und unkompliziert. Es war ein wenig, wie wenn er mit Joe redete. Sie war nie falsch, nie unehrlich. Auch wenn sie immer erst mal lange darüber nachzudenken schien, was sie sagte und wann.

Er ließ sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen. Vermutlich, dachte er, brauchte er mit Joe darüber gar nicht reden. Der wusste schließlich am besten, wie gut man mit Fenia befreundet sein konnte. Er würde es verstehen, wenn sie ihn in vier Tagen gemeinsam abholten. Vorausgesetzt Fenia durfte mitkommen. Morgen kam sie erst wieder nach Hause. Aber sie hatten ausgemacht, dass sie Joe überraschen wollten.

Naja, dachte Martin bei sich, er konnte sie ja übermorgen mal daheim besuchen gehen und schauen, wie es ihr ging.

Nur unter Protest und der Auflage, dass sie auch ja ihr Handy mitnahm, hatte Fenias Mutter schließlich zugestimmt, dass Martin Fenia abholen durfte und sie gemeinsam Joe vom Bus abholten. Sie sollte außerdem anrufen, wenn sie heim wollte, und auf gar keinen Fall später als sechs. Fenia hatte das Gesicht verzogen, was Martin gut nachvollziehen konnte. Sie hatte kurz erwähnt, dass sie das letzte Mal mit neun Jahren um sechs Uhr zu Hause hatte sein müssen, doch dann hatte sie es brav versprochen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Martin hatte sie die ganze Fahrt damit aufgezogen und sie hatte sich nicht anders als mit trotzigen Worten wehren können, weil sie hinter ihm saß und sich festhalten musste.

„Das Ding fährt aber garantiert schneller, als die angegebene Höchstgeschwindigkeit!“, kommentierte sie, als sie schließlich abstieg und den Helm von ihrem zerzausten Haar nahm. Martin grinste nur.

Sie hatten noch gut eine halbe Stunde Zeit, die sie es sich kaugummikauend auf den Bänken des Busbahnhofes gemütlich machten.

„Ihm wird alles aus dem Gesicht fallen, wetten?“

Martin lachte und Fenia nickte dazu. Doch sie wirkte abwesend.

„Mit welchen Fabelwesen bist du denn schon wieder in Narnia?“, fragte er und schob sich rücklings auf die Lehne der Bank.

Die Erwachsenen ringsum warfen ihm dafür missbilligende Blicke zu. Martin störte sich aber nicht daran. Er war es nicht anders gewohnt.

Fenia schwieg beharrlich. Erst nach einigen Minuten schüttelte sie schließlich den Kopf und meinte: „Nein, das ist es nicht. Ich denke gerade darüber nach, dass du vermutlich Recht hast.“

„Hört, hört!“, kommentierte Martin, „Das ist schön. Aber womit genau, wenn ich fragen darf?“

„Na, als du im Krankenhaus meintest, wir sollten Joe nichts davon sagen. Also von der Sache am See.“

Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, warf energisch eine Haarlocke aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte, und fügte hinzu: „Zumindest nicht, bis wir Näheres herausgefunden haben.“

Bei dieser Bemerkung war es nun Martin, dem sprichwörtlich alles aus dem Gesicht fiel. Sein Mund blieb offen stehen. Der Kaugummi landete auf den Sitzbrettern der Bank, was ihm nicht einmal auffiel.

„Bitte was?“, fragte er entsetzt. „Du hast doch nicht etwa vor, dahin zurückzugehen?“

Fenia starrte ungläubig zurück. Dann sah sie sich um, legte den Finger an die Lippen und sprach leise weiter: „Nicht so plärren. Und doch. Ja. Warum nicht? Ich mein, bist du nicht neugierig? Wer sie ist? Was sie wollte?“

Martin rang mühsam um seine Beherrschung. Er hatte das Gefühl nicht vergessen, das ihre Anwesenheit in seinen Gedanken ausgelöst hatte. Diese beklemmende Ahnung, dass sie sich ganz und gar seiner bemächtigen und ihn vernichten würde, wenn er sie nicht davon abhielt.

„Das … das kann nicht dein Ernst sein“, stotterte er fassungslos. „Du möchtest es tatsächlich darauf anlegen, diesem … diesem Ding wieder zu begegnen?“

Fenia ließ eine Kaugummiblase platzen, sah ihn mit funkelndem Blick an und nickte.

„Stell dir doch mal vor, was das alles bedeuten könnte. Wir …“

„Fenni!“, schrie Martin sie nun unbeherrscht an und die Blicke der anderen Wartenden wandten sich ihnen zu. Er senkte die Stimme und flüsterte fast, als er fortfuhr: „Fenni, sei vernünftig. Bleib da weg. Das ist zu gefährlich. Du hast gerade zehn Tage deswegen im Krankenhaus gelegen.“

„Aber doch nur, weil ich mich erschrocken habe. Begreifst du nicht, was für ein Wunder das war?“

Er blickte sie skeptisch an.

„Unsere Definition von ‘Wunder’ scheint relativ stark zu differieren“, machte er einen hohlen Scherz und setzte dann hinzu: „Bitte tu mir einen Gefallen, und geh da nie wieder hin.“

Jetzt wurde der Blick in ihrem Gesicht wirklich wütend.

„Ich brauche niemanden, der mich bemuttert! Danke auch!“

Damit sprang sie auf und kam gleich ins Taumeln, da das für ihren angeschlagenen Kopf noch zu viel war. Martins Hand zuckte vor, doch sie fing sich selbst wieder. In diesem Moment bog der Bus um die Ecke.

„Es sollte kein Bemuttern oder Bevormunden sein“, erklärte er rasch.

„Sondern was?“, hakte Fenia nach. Ihr Stimme war kühl und bissig, doch verflog bei seinen nächsten Worten der eisige Blick von ihren Zügen.

„Nimm es als gut gemeinten Rat eines Freundes, der sich um dich sorgt“, entfuhr es Martin, bevor mit einem Zischen neben ihnen die Bustüren aufgingen und Joe als einer der Ersten hinausdrängte. Völlige Verblüffung war noch immer reichlich untertrieben für den Ausdruck in seinem Gesicht, als Fenia und Martin sich nun gemeinsam zu ihm umwandten und beide ein Lächeln aufsetzten.

Später, als sie wieder in ihrem Zimmer waren und Joe in einem fort redete, weil er sowohl von seinem Urlaub berichten wollte, als auch seine Fassungslosigkeit über die jüngsten Ereignisse zum Ausdruck bringen musste, gingen Martin nur wieder und wieder seine eigenen Worte durch den Kopf.

eines Freundes, der sich um dich sorgt. …

Warum schaffte sie es eigentlich jedes Mal, dass er sich in ihrer Gegenwart wie ein dummer, kleiner Junge benahm?

Er wollte wütend darüber werden, doch er konnte nicht. Er wusste längst, dass er verloren und kapituliert hatte. Dem Blick aus ihren Augen, fragend, forschend und immer ein wenig verschleiert, hielt er nicht stand. Joes Geplapper tröpfelte in seinen Kopf, während er sein Herz rasen fühlte und nur noch ihr Gesicht in Gedanken vor sich sah.

 

gelöschte Szene zu “Der Stern von Erui – Heimkehr – “

Tausend Wunder … und ein Tropfen Ghulspucke #2

Hier geht das Abenteuer von Maljosh, Ambros und Zitara also weiter. Wir sind auf dem Weg zum gefährlichsten Dungeon in den sieben Königreichen und ihr erfahrt heute alles über Peregreins Gesetz der Berechenbarkeit. Wer übrigens den Anfang verpasst hat, kann hier den Einstieg in dieses völlig verrückte Abenteuer finden. 

 

Mit dem immer rascher zunehmenden Licht der Morgensonne stapften Zitara und Maljosh also los. Letzterer hatte darauf bestanden, die erbärmlich kränkliche Gestalt des Hamsters in einem Tragetuch unter der ledernen Rüstung mitzunehmen. Gegen das Argument, dass sie im anderen Fall niemals alle Teile seiner Seele erwischen würden, wenn er noch weitere aushustete, hatte nicht einmal Zitara etwas zu erwidern gewusst.

Sie selbst hatte sich mit dem Nötigsten ausgestattet, was für eine solche Expedition gebraucht wurde. Ein langes Seil, ein paar feste Schnürstiefel, die mit ihrem bunten Gewand zusammen sehr martialisch wirkten, ein paar simple aber wirkungsvolle Runen für allerlei Zwecke und natürlich ihre Tranktasche. Maljosh schielte dabei immer wieder neugierig auf den Beutel in den sie alles wildwütig hineingeworfen hatte. Zitara behielt ihn und vor allem seine Finger dabei genau im Auge.

Der Weg von ihrem Haus führte sie eine gute halbe Stunde noch durch das normale raue Ödland der Vorgebirge. Dann erreichten sie die Schlucht, durch die sie zum Eingang der Grotte gelangen konnten. Ein großer hölzerner Wegweiser stand an der Stelle, wo es auf dem steinigen Geröllhang abwärts ginng. Ein Totenkopf prangte mitten darauf. In elfischen Runen stand ‘Fremder, der du unglücklichen Fußes diesen Weg gefunden, kehre um!’ darauf. Mit roter Farbe, – oder vielleicht auch Blut- , hatte jemand in Gemeinschrift ‘!!!Todesgefahr, ab diesem Punkt ist mit Geistern, Wyvern, Weltumschlinger, Drachen und anderem Gesocks zu rechnen!!!’, geschrieben.

Maljoshs Gesicht verzog sich. Er starrte Zitara einen Augenblick lang an, doch die schien gar nicht auf den Wegweiser zu achten und hatte schon den Abstieg auf dem Geröllfeld begonnen.

„Kommst du, oder willt du da Wurzeln schlagen?“, fragte sie von unten herauf.

„Hast du nicht gelesen, was da steht?“, fragte der Gnom entsetzt und rührte sich keinen Meter.

„Ich weiß, was da steht. Ich habs geschrieben. Diesen Elfenquatsch versteht doch sonst keiner.“

So langsam war sie außer Hörweite und weil Maljosh nicht schreien wollte, kletterte er ihr nun doch hastig hinterher.

„Wie jetzt, du hast das geschrieben? Sag bloß du warst schon mal dort?“

„Ständig“, entgegnete Zitara, ohne sich dabei umzublicken. Das Schweigen, das auf diese Aussage folgte, sprach allerdings für sich, und so setzte sie erklärend hinzu: „ Was glaubst du eigentlich, warum ich mich hier niedergelassen habe? Weil’s so ne nette Gegend ist? Weil man hier so viel unternehmen kann? Wohl kaum. Dramurien ist so ungefähr der toteste Winkel in den sieben Königreichen. Das ist allgemein bekannt. Das einzige was es hier gibt, ist die Grotte.“

„Ja aber das ist doch eigentlich nur was für Verrückte und lebensmüde Möchtegern-Helden, die glauben, sie könnten zu Ruhm und Reichtum gelangen.“

„Nicht, wenn man weiß, wie die Grotte der tausend Wunder funktioniert.“

Jetzt blieb sie kurz stehen, sah ihn an, – wieder stellte sie dabei fest, dass sie und er in etwa gleichgroß waren, was sie ungeheuer wurmte -, und tat mit unverkennbarem Stolz in der Stimme kund: „Es ist ganz einfach, wenn man Peregreins Gesetzt der Berechenbarkeit nicht nur auf Tränke anwendet, sondern auf prinzipiell alles um uns herum. Die These besagt, dass Tränke konzentrisch und in der Macht ihrer Wirksamkeit gebraut werden sollten. Sprich, hast du einen Stufe eins Liebeshex, einen Blindwurmbann und einen Klasse sieben Fluchbann an einem Tag zu vollbringen, dann fang mit dem geringsten an und nicht einfach in beliebiger Reihenfolge.“

Maljosh klappte der Mund auf, doch Zitara war nun ganz in ihrem Element und holte zwischen den einzelnen Sätzen kaum Luft.

„Wenn du nun von diesem Gesetz ausgehend dir einmal unsere Welt betrachtest, dann wirst du feststellen, dass in der Mitte der sieben Königreiche die großen Städte liegen. Das Leben da ist sicher und einfach. Je weiter man sich zu den Rändern wagt, um so unwirtlicher und beschwerlicher und damit auch gefährlicher wird es. Ich habe mal auf einer Karte versucht, Zonen einzuteilen. Demnach befinden wir uns in Zone sechs. Also maximale Gefahr.“

„Aha“, kommentierte Maljosh und trottete ergeben hinter Zitara her, „Und was ist dann Zone sieben?“ – Er ging einfach mal davon aus, dass es eine siebte geben musste, denn einfach alles in den Königreichen wurde immer in sieben Teile geteilt. –

„Die beginnt jenseits der bekannten Grenzen. Ich habe sie sicherer Tod genannt.“

Maljosh schluckte. Zitara plapperte fröhlich weiter: „So und nun nimm dieses Wissen und dann überleg dir, was es für die Grotte bedeuten könnte.“

Maljosh dachte angestrengt nach, doch irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, worauf Zitara hinauswollte. „Kein Plan“, gab er schließlich zu.

Zitara grinst selbstzufrieden. „Na, nach dieser Annahme könnte es fast mit neunnundneunzigprozentiger Sicherheit bedeuten, dass du auch sieben Teile, Systeme oder Ebenen oder was auch immer in der Grotte finden wirst. Ein paar Lurker und Schlammolche, Ratten und anderes Kroppzeugs in der ersten davon. Naja, Gefahren eben, mit denen man fertig wird, wenn man sich nicht ganz ungeschickt anstellt. Doch je tiefer man kommt, umso schlimmer wird es. Also muss man im Prinzip nur wissen, in welche Stufe man sich selbst einteilen sollte, und schwuppdiwupp kann man sich gefahrlos in der Grotte bewegen“

„Und warum sollte man das wollen?“

Sie hatten nun den Grund der Schlucht erreicht und konnten den gewundenen Pfad entlangblicken, der in einer Hängebrücke mündete. Dahinter klaffte eine große, schwarze Finsterniss auf, wie das Maul einer Bestie, die nur auf neue Opfer wartete.

„Ach Dummerchen!“, schüttelte Zitara ungläubig den Kopf und stapfte weiterhin ungebremst auf die Hängebrücke und ihren unausweichlich scheinenden Tod zu. „Man kann nirgends so billig an Zutaten kommen, wie da unten. Weißt du, was ich auf dem Markt für ein paar Wandleraugen oder eine Draugenzunge bezahle?“

Da Maljosh nicht einmal wusste, was genau ein Drauge überhaupt sein sollte, verkniff er sich jede Erwiderung und beeilte sich mit Zitara Schritt zu halten.

Als sie gemeinsam nun die Hängebrücke erreichten kam ein heftiger Wind auf und ließ die Bretter unheilvoll über dem Abgrund hin und her schaukeln. „Pass auf“, warnte Zitara Maljoh vor, „einige der Planken sind schon recht alt und morsch. Ich habe sie mit roter Erde markiert, doch der Regen wäscht sie immer wieder ab. Also halt dich am besten einfach gut am Seil fest. Ach ja, und nicht nach unten schauen.“

Maljosh wollte nickte. Doch wie man eben sofort an einen rosagepunkteten Wasserspeier denken musste, wenn jemand sagte ‘denk nicht dran’, konnte er der Versuchung nicht widerstehen und blickte in die Tiefe.

Benommen taumelte er zwei Schritte zurück. Leere, war dort auszumachen. Nichts als gähnende Leere, die sich in der Dunkelheit verlor. Genau wie das schwarze Loch da vor ihnen auf der anderen Seite der Brücke. Sein Magen drehte sich einmal um sich selbst. Sterne tanzten vor seinen Augen.

Warum, dachte er sich. Warum hatte er sich darauf nur eingelassen?

Aus dem Beutel vor seiner Brust erklang nun aber ein dünnes Keuchen und erinnerte ihn daran, was Ambros für ihn riskiert hatte. Nein, er konnte ihn nicht einfach so im Stich lassen. Wenn er gesund würde und seine Fähigkeiten zurück erlangte vielleicht hatten sie dann ja doch noch die Chance sich noch einmal an Roxxors Tresor zu versuchen.

„He!“, drang es da an sein Ohr. „Nicht träumen. Weitergehen. Und zwar flott. Wenn du zu lange stehen bleibst oder zu laut trampelst, dann werden die Felsenbeißer auf dich aufmerksam.“

„Felsenbeißer?“

Zitara schlug sich die Hand vor den Kopf. Wo hatte diese Gnom eigentlich bisher sein Leben verbracht? In einer Werkstatt? Konnte eigentlich nicht sein; – nicht wenn er den neuen Märkten angehörte. „Das sind lästige Viecher“, erklärte sie neunmalklug. „Nicht gefährlich. Aber es tut weh, wenn sie sich dir an die Wade hängen. Die Blutergüsse wirste tagelang nicht los. Nicht mal mit Omas Trauma-Spezial.“

Maljosh nickte wieder. Mit jedem Wort, das sie sagte, kam er sich dümmer vor. Doch für Ambros würde er alles wagen. Für Ambros, und die winzige, kaum vorhandene Wahrscheinlichkeit, doch noch seine Familienehre wiederherstellen zu können.

 

… to be continued.

Das neue Printcover – Magisch, düster und geheimnisvoll!!

Ich hoffe ihr seid bereit euch umhauen zu lassen. Erinnert ihr euch noch an die Skizze, die ich von meiner neuen Coveridee mal geteilt hatte? Nein? Gut hier noch mal zu Erinnerung:

Printcover_sketch front and title Kopie

 

und das hat Doro daraus gemacht (bitte draufklicken für die richtige Auflösung 😉 ):

 

Cover Frontansicht

Ab heute “Schattenkriege” vorbestellen!!!

Der Uploadprozess hat diesmal deutlich reibungsloser funktioniert als beim ersten Mal. Damit ist die Vorbestellung für die “Schattenkriege” online.

Sichert euch das Buch schon jetzt, damit ihr ab dem 11.09 direkt dabei sein könnt, wenn über Erui die Dunkelheit hereinbricht.

Für alle Nicht-Kenner der Reihe wird bis eine Woche nach Veröffentlichung der erste Band auch nur für die Hälfte erhältlich sein.

Es gibt also keinen besseren Zeitpunkt, die reise nach Erui zu wagen.

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Hier gehts zur Vorbestellung.