Kategorie-Archiv: Schreibtagebuch

Nein, täglich updaten werde ich definitiv nicht schaffen, doch manchmal, wenn mich das Schreiben einen Tag lang sehr beschäftigt hat, muss ich meine Gedanken darüber auch mal zusammentragen.
Wer also einen Blick in mein chaotisch-kreative Gehirn werfen möchte, der darf das an dieser Stelle gerne tun.

Mein Dienstagswochenende oder auch “Der Arschlochpapagei”

Dienstag ist nach allen möglichen Arbeitsmarktstudien der gefühlt längste Tag der Woche. Die Entspannung des Wochenendes ist dahin, vier Arbeitstag liegen noch vor den meisten. Die Produktivität ist dienstags um 11.00 angeblich am geringsten.

Bei mir ist das anders. Als Freizeitausgleich für Nacht- und Wochenendnotdienste, habe ich dienstags frei. Schon immer. Gut, im letzten Jahr mit wenig Personal musste ich die Nacht auf Dienstag Bereitschaft machen. Doch seit einige Wochen kann ich dienstags wieder in aller Ruhe ausschlafen – Denkste! Sagt mir da mein Biorhythmus. Und ebenfalls der Arschlochpapagei meiner Nachbarn.

Nein, versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Ich mag Tiere. Ich liebe sie. Und Exoten finde ich besonders faszinierend. Dennoch haben meine Nachbarn einen Graupapagei, der mich regelmäßig in den Wahnsinn treibt – und meine armen Katzen gleich mit.

Bei uns ist es üblich, dass Tom (und nun auch Fee) nachts rausgehen und morgens von der Mauer aus rufen, wenn sie rein wollen. Das klappte prima, bis das arme, gelangweilt Federvieh vom Ende der Straße gelernt hatte, meinen Kater nachzuäffen.

“Mau”, höre ich durchs gekippte Fenster, schaue auf den Wecker und denke mir ‘5.43Uhr ist ein wenig früh.’ Aber gut, wenn die beiden schon rein möchten. Dann wanke ich schlaftrunken durch die Wohnung greife nach meinem Bademantel und gehe zur Tür. “Mau”, höre ich wieder, aber der übliche Schatten vor dem Milchglas fehlt.

Naja, vielleicht sitzt Tom auf der Mauer. Ich mache die Tür auf. Weit und breit keine Katze. Ich rufe und komme mir dämlich vor, weil die Straße noch ganz still ist. “Toooooooooooooohom! FeeFee!” Keine Antwort. Doch dann! Da! Vom Balkon, auf den im Frühjahr der Papagei ausgelagert wird, höre ich es. “Mau!”

Er trifft die Tonlage meines Katers mittlerweile perfekt. Dann höre ich so etwas wie ein Lachen aus seinem Schnabel und dann ein krächzendes “Tom!Toooom! EE! EE!”

Na danke, du blödes Federvieh!

Auch Tom und Fee schauen irritiert, denn mittlerweile sind sie um die Ecke gekommen, verdutzt, was ich so früh schon von ihnen will. Noch einmal schreit der Papagei ihre Namen und sie schauen mich entgeistert an, stehe ich doch genau vor ihnen in der Tür und nicht am anderen Ende der Straße. Ich nehme die zwei mit rein und füttere sie. Toll! Fee wird jetzt spielen wollen. Da ist an nochmalhinlegen nicht zu denken.

Seufzend klappe ich meinen PC auf und beginne zu schreiben. Leonie und Fynn sind derzeit dran. Er möchte endlich aus dem Aquarium wieder raus, in das ich ihn hinein geschrieben habe. Also gut Fynn … wo waren wir?

 

 

Von Zombies, Feen und der Partyplanung für einen noch unentdeckten Stern …

Es ist Donnerstag früh. 

Donnerstage tendieren bei mir dazu, ruhig und gelassen anzufangen und bis zum Abend in maximalem Stress zu gipfeln. Warum das so ist? – Keinen Plan. Donnerstage sind vom Ablauf nicht anders als Montage auch. Von der Mini-Fee geweckt werden, mit ihr zusammen Tom von seinen nächtlichen Abenteuern reinlassen. Futter machen,eine große Schüssel für Tom ein kleine für Fee. Am Ende wird sie allerdings aus seiner mitfressen und er es geduldig wie immer zulassen. 

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Tom+Fee beim Frühstück

In der Zeit mache ich ein bisschen Yoga. In der Zeit gibt es für mich ein bisschen Yoga. Ich weiß ja, dass Donnerstag ist und da muss ich echt all meine Nerven beisammen halten. Also einatmen – ausatmen – einatmen – OH NEIN! Gerumpel in der Garage!! Zombie ist wach. Also rüber und meinen alten Pflegefall versorgt. füttern waschen, alles sauber machen, danach läuft er mir sowieso in die Wohnung nach. Wenn wir beide Glück haben, dann ist jetzt grade halb sieben. Damit habe ich noch Zeit für meine Bücher und Zombie kann währenddessen auf meinem Schoß liegen und voll Wohlbehagen seinen Darth-Vader-Sound von sich geben. um halb acht ist dann Schluss und ich muss los zur Praxis. Op’s, Sprechstunde, Außenpraxis und diverse Notfälle sorgen dann schon mal dafür, dass ich vor acht oder neun nicht wieder zu Hause bin. Und selbst dann rufen mich noch einmal meine Geschichten. 

Diese Woche ist allerdings ist alles ein wenig anders. Seit Januar habe ich dieses Druck und Stress im Hinterkopf. Im November schon glaubte ich, die letzte Überarbeitung des Sternenstaubs geschafft zu haben. Nur das Ende. ZEHN letzte Seiten, die hatten noch gefehlt. Viel früher im Jahr wollte ich fertig sein, mich endlich anderen, neuen Projekten widmen, doch meine Muse hatte sich eine Schaffenspause genommen. Aber seit drei Tage ist alles rum. Die endgültige Version ist hochgeladen, der kreative Teil meines Gehirns ist wieder wie von der Kette gelassen. Ideen sprudeln frei und ungezügelt noch in jede Richtung. Und ich lasse sie. Manchmal halte ich ein paar Dinge fest. Aber üblicherweise ist das nicht meine Art zu arbeiten. 

Ich gehöre definitiv nicht zu den ‘Plottern’, die also ein genaues Schema für ihre Geschichte vorab notieren und dann diszipliniert Szene für Szene schreiben. Ich brauche das kreative Chaos. Diese sprudelnde Quelle, in der sich alle meine Figuren gleichzeitig miteinander und untereinander unterhalten. Einzelne Zitate, die mir besonders prägend für einen Charakter scheinen, bleiben dabei im Kopf haften. Szene spielen sich vor meinem inneren Augen ab. Es ist ein wenig wie Tagträumen, mit einer bestimmten Richtung. Und es passiert bei mir ständig nebenbei. Beim Vormichhintippen am Laptop, beim Musikhören, beim Frühstück. 

Mein Mann darf sich sehr oft den Satz anhören ‘Jetzt nicht, Schatz, ich bin grade nicht da.’ Obwohl ich vermeintlich nichtstunend im Wohnzimmer sitze. Da er es aber selbst kennt, das ungezügelte, urwüchsige kreative Chaos, aus dem die besten Ideen entstehen, gibt er mir dann meist nur lächelnd einen Kuss und setzt sich stillschweigend vor den eigenen PC. 

Worum sich das Chaos heute dreht? Mit wem die Muse spielen will? Naja, sie ist noch unentschlossen. Leonie und Fynn aus meinem ‘Axolotlkönig’ findet sie wahnsinnnig spannend, doch muss sie beide erst kennenlernen. Darum zieht sie sich immer wieder zurück um tolle Konzepte für die anstehende Release-Party meines geliebten Sterns zu konzipieren. Denn klar, das Gedankenkind, das sie und ich gemeinsam in den letzten anderthalb Jahrzehnten ausgebrütet haben, will sie natürlich auch in Zukunft noch begleiten, bis der Stern hoffentlich ein weithinsichtbares Licht in dieser Welt wird. 

Oh Schreck … schon fast halb acht! Nun aber Frühstücken und dann los. Liebe Muse, für den Rest des Vormittags musst du schweigen, denn jetzt, habe ich Wichtigeres zu tun. 🙂

 

Einen wundervollen Donnerstag,

 

Eure Sylvia

Ein ganz normaler Samstag

Es ist fast fünf. draußen ist um die Zeit noch alles dunkel. Woher ich dann weiß, dass fast fünf ist? – Mir hängen eineinhalb Kilo pelzbesetzte Zähne und Klauen an den Füßen.

Zeit zum Aufstehen, meint Fee! Draußen vor dem offenen Fenster ruft außerdem Tom. Ich gähne. Eigentlich würde ich gerne noch ein bisschen liegen bleiben. Einfach so gemütlich in den Tag reinschlafen und dann … AU! Nein, die Zahn-Fee lässt mich nicht.

Also schwinge ich die Beine über die Bettkante und gehe ins Bad. Da wartet als erstes Zombie auf mich. Unser alter Pflegefall. Jeden Morgen muss ich fürchten, es könnte der Tag sein, an dem ich ihn erlösen muss. Gestern Abend sah es ganz schlimm aus. Vielleicht habe ich mich auch deswegen vorm Aufstehen gedrückt. Jetzt kommt er mir entgegen getollt. Munter, als wäre nichts gewesen. Drei Tage hat er immer weniger gefressen, jetzt sind alle Schüsseln leer. Schnurrend streicht er mir um die Beine. Wobei Schnurren bei ihm nichts anderes bedeutet, als dass er einen Darth-Vader-Röcheln hören lässt.

Ich freue mich trotzdem. Ich habe das Geräusch ein bisschen vermisst, denn es heißt, es geht ihm gut, und er will doch noch einen Tag bei uns bleiben. Also Bad putzen, Zombie füttern. AU! Attacke von hinten, in die Ferse. Fee will jetzt aber wirklich bespaßt werden. Sie und Tom sind auch fertig mit Frühstück. Tom will raus. Fee will mit. Ich lasse beide.

Fee ist eigentlich eine vorsichtige Katze. Klug und ein bisschen ängstlich. Sie wird sowieso nur drei Schritte vor die Tür laufen. Dann kommt sie wieder. Doch falsch gedacht. Sie schnuffelt auf dem feuchten Asphalt. Der leichte Nieselregen scheint ihr nichts auszumachen. Dann tastet sie sich vorsichtig zum Nachbargrundstück durch. Tom sitzt auf der Mauer und beäugt sie.

‘Da hast du mir ja jetzt was aufgehalst’, scheint sein Blick mir zu sagen. Und damit macht mein Riesenkater einen Satz und ist schon bei der Minifee. Er stupst sie an und ich kann förmlich sehen, wie das erste Mal die Abenteuerlust in den kleinen Schieleaugen blitzt. Damit sehe ich Tom und Fee davonziehen.

Ein wenig habe ich Angst um sie. Aber so eine kleine Katze braucht die Freiheit. Außerdem hat sie ja ihren großen Beschützer dabei. Ich schaue neben mich. Zombie sitzt bei meinen Beinen, schaut den zweien ebenfalls nach. Dann rennt er wie angestochen die Straße runter, dann wieder rauf. Ja, er will noch einen Tag bei mir bleiben.

Als ich ins Haus gehe, folgt er mir wie immer auf dem Fuß. Ich schaue auf den Wecker. 6.18 Uhr. Na toll!! Und ich bin jetzt wach. aber dann kann ich genauso gut auch ein bisschen schreiben.

Ein schönes Wochenende,

Eure Sylvia

Tom und Fee
Tom und Fee

 

Sternenfakten 5 – Als der Stern zu Staub zerfiel

Aus gegebenem Anlass springen wir mal vom Beginn der Geschichte zu ihrem Ende. Ich hatte ja schon geschrieben, dass der Stern mich gedanklich begleitet, seit ich vierzehn bin. Teile davon schon viel länger. Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten und sie alle haben von dieser ‘Welt im Kopf’ erzählt, in die sie fliehen konnten, Abenteuer erleben. Sich ihr Reich schaffen. Ich habe fast den Eindruck, jeder hat sie. Jeder braucht sie. Für mich war es Erui. Und jetzt, seit heute 13.23 Uhr ist es vorbei. Einfach aus. Ende Gelände. Fertig geträumt.

Schon seit jeher war die Geschichte in mir ein schwammiger Wust. Man könnte fast sagen, eine qunatenmechanische Verwischung aller Möglichkeiten. Bis ich eine Szene in ihrer endgültigen Form festgeschrieben hatte, habe ich Tag und Nacht alle möglichen und unmöglichen Abwandlungen und Alternativen durchgespielt. Meine Charaktere haben stunden, tagelang debatiert und manchmal mit mir gefeilscht, dass etws Gutes passieren möge, oder einfach etwas Schlechtes nicht. Doch wenn ich mich dann für eine Variante entschieden hatte, sie sich richtig anfühlte, dann war dieser Teil raus aus meinem Kopf. Keine Träume, keine Möglichkeiten mehr.

Vielleicht war das der Grund, der mich seit Weihnachten so blockiert hat. Mein Stern war immerhin eins meiner Projekte im NaNo. Ich habe an diesem für mich fast fertiegen Buch 50.000 Wörter allein im November geschrieben, was zeigt, wie roh diese Version in Wirklichkeit war, obwohl sie schon etliche Überarbeitungen erfahren hatte. Doch stets schien etwas zu fehlen. Nicht genug zu sein. Ein Charakter kam zu kurz. Einer spielte sich zu sehr in den Vordergrund. Die Balance musste hergestellt werden.

Doch jetzt, jetzt ist alles still in mir. Keine Dialoge mehr. Keine Möglichkeiten. Nichts. es ist wundervoll und gleichzeitig macht es mich unendlich traurig. Es ist wie Abschied nehmen von geliebten Gefährten. Sie gehen zu lassen ein für alle Mal.

Darum gibt es hier für euch auch diesen Link: The Last Goodbye. 

Es ist das einzige, was so ungefähr meine Gefühle in Töne fassen kann. Und ihr wisst ja, für magische Herzen klingt alles wie Musik.

 

Ich wünsche euch einen tollen Abend.

 

Alle Liebe,

 

Eure Sylvia

Keine Entschuldigung – oder aber, der Unterschied zwischen Indie und Verlagsautor. Ein Friedensappell!!

Im Moment rollt irgendwie mal wieder ein große Welle Hass und gegenseitige Anfeindung durch das Internet. Wo das ganze losgetreten wurde, weiß ich nicht einmal so genau. Aber anscheinend muss man da jetzt Fronten beziehen. Verlagsautor gegen Indie, Lektoratsjünger gegen ‘hab ich mir alles selbst angeeignet’. Dazu mischt sich auch der Buchhandel ein und fordert, dass die Indies aufhören irgendwelchen Werbeplatz zu belegen. Und plötzlich tauchen überall böse, sarkastische und zynische Berichte von Selfpublishern auf, die sich nun selbst-ironisch dafür entschuldigen, was sie sind, meinen, sich rechtfertigen zu müssen, obwohl sie diese Debatte vermutlich so absurd finden, wie ich auch.

Da stellt sich mir jetzt kurz die Frage: Muss ich jetzt auch hingehen, und mich bei den Lesern meiner Bücher entschuldigen, dass ich nur ein kleiner Eigenverleger bin? Dass ich nur ganz allein 13 Jahre meines Lebens in eine Geschichte investiert habe-, immer wieder überarbeitet, verworfen, neu aufgerollt, Charakteren mehr Tiefe gegeben? -Und ja, zum Schluss wurde es Beta-gelesen, wie so viele Bücher von mir bekannten Verlagskollegen auch, und hat natürlich ein Korrektorat über sich ergehen lassen. Und nach all dem habe ich es selbst weitere zweimal auf Herz und Nieren geprüft. Denn als Selfpublisher, das war mir von Anfang an klar, bin ich mehr als nur der Autor.

Ob ich mich dabei jetzt Autor nennen darf, die Frage stellt sich mir gar nicht. Denn ich habe es geschrieben, ich weiß, wie viel Schweiß, Tränen und Herzblut da drin stecken, – nicht anders als bei jedem anderen Autor auch. Ganz gleich, ob noch unveröffentlicht oder schon (hoffentlich glücklich) unter Verlagsvertrag.

Das, was mich allerdings von Verlagskollegen unterscheidet, ist der Wille, das unternehmerische Risiko meiner Geschichte, die ein Buch werden soll, auf mich zu nehmen und eben nicht an einen Verlag abzugeben. Denn das tut ein Verlag schließlich. Er sucht sich aus all den eingesendeten Manuskripten nicht die Besten im Sinne von sprachlich besonders innovativ und herausragend oder storymäßig individuell raus. Nein. Ein Verlag, als Unternehmen, sucht nach der besten Mischung, die hinterher am lukrativsten ist. Es geht um Geld. Punkt.

Damit will ich nicht abwerten, sondern nur eine Tatsache feststellen. Autoren, die das in Vollzeit machen, denen geht es auch ums Geld. Denn mit leerem Magen in einer kalten Wohnung schreibt es sich einfach so verdammt unbequem. Darum Hut ab, vor all denen, die sich das zum Beruf auserkoren haben. Ich wollte das nicht. Das habe ich schon ganz früh in meiner schreiberischen Laufbahn festgestellt. Ich wollte meinen Geschichten so viel Zeit geben, wie sie eben brauchen; wie ich brauche um mit ihnen fertig zu werden. Und danach, auch das war mir klar, seit ich vierzehn bin, danach würde ich einen Verlag finden oder es im Zweifelsfall selbst versuchen.

Denn eine Lektion hatte ich da schon gelernt: Mit dem falschen Verlag bist du schlimmer dran, als es als Selfpublisher jemals sein könnte!

So und nun stehe ich da, bin nicht mehr nur noch der Autor meines Buches, sondern auch ein Stück weit mein Lektor, der mir selbst kritisch auf die Finger gucken muss. Ich bin der Unternehmer, dem das Buch das Risiko wert war, es zu versuchen. Nicht, weil ich einfach mal meinen Namen auf einem Buch sehen wollte (das hab ich wie gesagt schon als Teenager hinter mich gebracht), sondern weil diese Geschichte mich beim Lesen immer wieder neu begeistern kann. Sie wollte geschrieben werden, und jetzt will sie, dass ich sie in die Welt rauslasse.

Natürlich könnte ich das jetzt auch einfach in einem Forum für umsonst machen. Doch dafür ist sie mir zu wertvoll. Reich wird man mit dem Schreiben eh nicht. Aber die Faszination, einer Geschichte ein Gewand zu geben, die ist für mich genauso groß, wie sie zuvor geschrieben zu haben. Damit bin ich auch der Designer, der die Motive für die Cover bestimmt. Anfertigen lasse ich dann von einem Profi, denn das muss man als Unternehmer auch können: wissen, wo die eigenen Grenzen sind.

Zuletzt bin ich dann auch der Herausgeber, der all die einzelnen Teile in ihrer Stimmigkeit noch einmal prüfen muss. Das ist eine Menge Arbeit. Gerade den Satz eines Buches machen, so, dass es nachher ein ansprechendes Werk zum Durchblättern  ist, das ist eine der stupidesten Aufgaben, die ich dabei meistern musste. Die positive Seite ist aber: Ich stehe hinterher nicht da und musste Kompromisse eingehen, zu denen ich nur wegen dem Verlagsvertrag gezwungen wurde.

Zum Beispiel erhielt ich neulich ein tolles Buch von einer Kollegin. Das Cover ist ganz ansprechend. Aber Hochglanz. Hochglanz mag ich nicht. Sie vertraute mir an, sie mag es auch nicht. Und dann kam er wieder, jener Satz, der mich zum Selfpublisher werden ließ: “Man nimmt eben, was man kriegen kann.”

Mit diesen wenigen Worten ist für mich alles gesagt.

In wie vielen Artikeln wurde in der letzten Zeit immer wieder angeführt, dass der Unterschied zwischen Indie- und Verlagsbuch der sei, dass das Indiebuch niemals die bestmögliche Variante des Buches sein kann, die es im Verlag geworden wäre? Wenn ich diese ewig kompromissbereiten Sätze meiner Kollegen höre, weiß ich, dass das einfach nicht stimmt. Womit ich jetzt aber keinem einen Vorwurf machen will. Ich stelle lediglich einen Unterschied fest.

Eine ganz liebe, noch unveröffentlicht Kollegin von mir hat zum Beispiel ein tolles Buch geschrieben. Aber sie sagt immer, wenn kein Verlag es will, dann lässt sie es. Man kann dieser Einstellung mangelndes Vertrauen in das eigenen Geschriebene unterstellen, doch auch das will ich nicht. Es sind zwei verschiedene Ansätze. Zwei verschiedene Wege, aus der eigenen Geschichte das Buch werden zu lassen, dass sie werden soll.

Mich hat die Erfahrung eines Verlagsvertrages gelehrt, dass ich nicht mehr alles unterschreibe, und darum habe ich es auch nicht getan. Doch ermutigt durch einige Verlags-Lektoren, die mein Buch für gut befanden, fiel die Entscheidung, es dann schließlich selbst zu machen. Dieser Mut ist keine Arroganz, keine Selbstverliebtheit oder Selbstüberschätzung. Es ist die Einstellung, die die einen Menschen zu Unternehmern, Praxis- oder Geschäftsinhabern werden lässt und die anderen lieber zu Angestellten. Beides ist gut. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Beides kann mit Liebe, Hingabe und Elan für den Beruf gemacht werden. Und beides kann nur mittelmäßigen Einheitsbrei hervorbringen.

Darum hört doch einfach auf, euch die Köpfe einzuschlagen.  Selbst gute Bücher müssen nicht immer Massenware werden und Massenware bedeutet nicht immer gleich ein gutes Buch. Lebt miteinander und lasst die Leser entscheiden, was sie lesen wollen und von wem.

Vielen Dank fürs Lesen und jetzt höre ich für heute auf, Blogger zu sein, und schlüpfe wieder in meine ‘Autoren’-Rolle! 😉

 

Ein Schönes Wochenende,

Eure Sylvia

Im Gespräch mit der Muse Teil 2

“Mal im Ernst, es war nicht grade dein rühmlichster Schachzug, meinen Hauptcharakter in Abschnitt zwei des ersten Buches gleich schon um die Ecke zu bringen. Zugegeben, es war tragisch. Ich habe geweint, als ich es geschrieben habe. Aber war es wirklich nötig?”

Die Muse funkelt mich mit glühenden Augen an. Sie ist im Augenblick ohnehin nicht gut auf mich zu sprechen. Ich habe es doch tatsächlich gewagt, ihr achsowundervolles Ende mit ‘totaler Kitsch’ zu betiteln. Seitdem schmollt sie. Sie ist nichtmal, wie so oft einfach beleidigt abgezogen, sondern hockt da, in einem Winkel meiner Gedanken und zieht mich zu den noch offenen Stellen in Teil zwei und dem immer noch nicht geschriebenen Ende von Teil drei.

Dabei ist es in meinem Kopf so einfach. Doch auf dem Papier will es schlicht nicht werden. Es klingt nicht. Es wirkt nicht. Es zieht sich, wie Kaugummi und ist nur halb so tragisch, wie erhofft. Dabei hat die Muse recht. Es gehört genau so, wie sie es in meinem Kopf inszeniert, aber irgendwie bin ich grade noch nicht bereit es aufzuschreiben.

Dafür hat Buch zwei jetzt 30 brandneue Seiten bekommen.

“Aber die Ideen dafür sind ja auch nicht neu”, mosert sie herum und lässt mich einmal mehr links liegen.

Plauderei mit der Muse

Für alle, die sich schon immer mal fragten, wo kommen die Ideen eigentlich her, die so ein Autor hat. Die können doch nicht einfach auf Bäumen wachsen oder angeflogen kommen. Da steckt bestimmt total viel Planung dahinter. Eine Plotline schreiben. Andere charaktere mit einfließen lassen. Diese vorher genau deffinieren, ihnen einen Hintergrund, Wesenszüge, Vorlieben, Abneigungen geben…

Tja, wie andere Autoren das machen, kann ich leider nicht sagen. Ich weiß nur, wie das bei mir so ist. Da kommen die Ideen wortwörtlich angeflogen. Protagoniste stellen sich mir vor und drängeln sich mit in die Geschichte, als exitierten sie schon ewig und erst im Laufe des Schreibens entdecke ich ihre Fähigkeiten und ihren Charakter.

Manchmal bekomme ich dabei das Gefühl, dass ich die Geschichte gar nicht selbst schreibe, sondern nur sprachrohr für etwas bin, was schon ewig da ist, in mir, und was erzählt werden will.

So läuft ein typischer, mentaler, Dialog zwischen mir und meiner Muse meistens ab:

 

Ich überrascht:”Oh hey!”

Muse: “Hi auch.”

Ich etwas vorwursvoll: “Du warst ja lange nicht da. Quasi ewig …”

Muse ein bisschen zerknirscht: “Ja schon. Aber was soll ich auch hier, wenn dein Kopf voll ist mit anderen Dingen?”

Wo sie Recht hat …

Muse: “Aber da du ja unseren ersten Teil jetzt endlich einmal fertig und veröffentlicht hast und nicht alle Naselang da noch groß was dran ändern kannst, wie wärs denn, wenn du in Teil zwei ….”

Ich: “Woah, stopp! Ganz langsam. Sich wochenlang nicht blicken lassen und dann auftauchen, wenn ich grade mal wieder den größtmöglichen Stress habe. Das passt ja!”

Muse: “Naja ich dachte halt … Jetzt ist doch ein guter Zeitpunkt. Die Welt der Bücherwürmer kann nun endlich deine Charaktere kennen und lieben lernen … Naja manche davon. Aber was ist mit … du weißt schon …”

Ich sehe sie fast vor mir stehen. Anklagend, mit dem Finger auf Stellen zwischen einzelnen Teilen der Geschichte deutend. Stellen, die eindeutig leer sind. Dabei sind sie es nicht. In meinem Kopf ist noch so viel.

Aber ich will nicht, dass es kitschig wird”, versuche ich mich herauszuwinden.

Muse: “Du weißt, dass es mit Kitsch nichts zu tun hat. Aber der Charakter ist wichtig. Viel wichtiger, als du ihm bisher hier im zweiten Buch Platz einräumst.”

Da muss ich ihr zustimmen. Doch bisher fehlte mir der Elan dafür. Dennoch. Wie soll ein Leser die Tragödie begreifen, wenn er all das Gute nicht sehen darf? Wie soll man einen Charakter ins Herz schließen, wenn der größte Teil seiner Persönlichkeit zwischen den Zeilen verborgen bleibt?

Ich: “Das heißt also ich sollte …?”

Muse: “Ja du solltest. Erzähl es einfach.”

Ich, schon völlig verzweifelt, weil sie einmal mehr alles über den Haufen wirft:

“Aber du weißt schon, dass ich Buch zwei für offiziel abgeschlossen hielt.”

Muse: “Ich aber nicht.”

Mein letzter Versuch mich zu wehren: “Aber das werden mindestens vierzig neue Seiten!”

Darauf lachte die Muse nur und lässt mich einmal mehr eine Nacht lang nicht schlafen …

“Wir werden in nächster Zeit wieder gute Freunde sein”, stellt sie fest.

Ich kann nur nicken und die Kaffeemaschine anschalten.