Schreiben ist …

… eine Modeerscheinung.

Habe ich jetzt irgendwo gelesen. Immer mehr Leute schreiben, was man an den dramatisch wachsenden Zahlen der Selfpublisher und ihrer Distributoren sehen kann. Dabei gibt es so viele Gründe für Menschen, ihre Gedanken zu Papier zu bringen, wie es Menschen an sich gibt. Jeder schreibt aus einer anderen Motivation heraus. Manche, weil sie gerne Autor sein möchten. Ihren Namen auf einem Buchcover lesen, ist das höchste der Gefühle. Andere möchte reich und berühmt werden. Was ich auch für legitim halte. Manche schreiben, weil sie es gut können und beschlossen haben, damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Durch all diese unterschiedlichen Ansichten und die unterschiedliche Auslegung von Begabung und Professionalität, kochen in allen möglichen Gruppen und Foren immer wieder Themen hoch wie: Brauche ich überhaupt ein Lektorat? Ist ein Autor ganz allein in der Lage, eine gute Geschichte zu schreiben? Kann einer, der am Feierabend schreibt, jemals etwas ähnlich gutes, solides abliefern, wie ein Berufsautor?

Wenn ich dabei so zwischen den Zeilen lese, dann geht es in letzter Konsequenz immer irgendwo auch um Geld. Es muss sich rechnen. Es muss sich tragen. Es muss was abwerfen. Dies oder jenes ist zu teuer. Und manchmal habe ich bei all diesen Diskussionen plötzlich gar keine Lust mehr zu schreiben. Weil man ist ja eh nur ‚Eine von vielen‘. Man ‚geht in der Masse unter‘ und ‚lohnen wird sich das sowieso nie!‘.

Dann sitze ich da, kaue am Ende eines Stiftes herum und frage mich, warum überhaupt? Warum opfere ich meine eh viel zu knappe Freizeit ausgerechnet dafür?

Es gibt sie, diese Tage, an denen ich alles hinschmeißen will, keinen einzigen Satz schreibe und Abends frustriert ins Bett gehe. Dann, kurz vor dem Einschlafen höre ich sie aber. Jedes Mal. Meine Figuren, die im Laufe vieler Jahre zu guten Bekannten, Vertrauten, Freunden geworden sind. Sie sind alle um mich und flüstern ‚Aber morgen erzählst du unsere Geschichte weiter, ja?‘ und ich weiß, ich kann nicht anders.

Denn Schreiben ist für mich vor allem eins: Leidenschaft.

Bilder mit Worten malen, das sie im Kopf des Lesers lebendig werden. Ich will, dass man das Lachen aus den Zeilen hören, die Angst spüren und sich in der Geschichte verlieren kann. Wie ein Maler an einem Bild, kann ich stundenlang meine eigenen Texte überarbeiten, bis jedes Wort passt. Bis eine Szene sich für mich gut liest und ich mich mit zufriedenem Lächeln der nächsten widmen kann.

Schreiben ist Welten schöpfen mit Worten. Und ich weiß, egal was wer auch immer sagt und schreibt. Ich werde es nie lassen können.

4 comments

  1. Schreiben ist, ……eine Modeerscheinung?
    Vielleicht, …ich sehe das eher so.
    Das Schreiben ist durch die Vielfalt der technischen Hilfsmittel einfacher geworden und das macht`s aus. Ich profitiere auch davon!

    Der letzte Absatz vom Ausgangsbeitrag spricht mich an und ob ich aus Leidenschaft schreibe, …weiß ich noch nicht!
    Aus Altersgründen bin ich nicht mehr im Berufsleben fest verankert. Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich mich nach meinem freien Willen produzieren. Einspruch! Auch in den letzten 35 Jahren Berufsleben habe ich mich nach meinem freien Willen produziert nur mit dem Unterschied, dass ich damit Geld verdienen musste um überleben zu können.

    Okay zu erzählen habe ich viel, dass weiß ich. Doch warum will ich jetzt gerade einen Roman schreiben? Macht es mir Spaß, mich so oft wie es nur geht an mein Werk zu setzen und die Geschichte weiterzuspielen?
    Ja, es macht mir Spaß! Es fordert mich geradezu Heraus, darüber nachzudenken wie ich meine Gedanken bestmöglich formulieren kann um sie lebendig und spannend erzählen zu können.
    Schreiben ist für mich eine neue Facette. Mir geht es aber beim Schreiben wie beim Malen, ich finde kein Ende. Immer ist es mir nicht gut genug. Wenn ich heute glaube, dass mein Tageswerk doch recht ordentlich ist, dann habe ich am nächsten Tag wieder etwas zu verändern.
    Alles Kreative wird zur absoluten Herausforderung und das erfüllt mich!

    1. Ein schöner Beitrag. Vielen Dank. Mein Text ist keine absolute Wahrheit. Auch keine Anleitung, wie man es machen soll und wie nicht. Ich will nicht werten und ich will nicht verdammen. Ich weiß nur, ich schreibe schon immer. Glücklichen Umständen verdanke ich, dass ich sehr früh wusste, was für ein hartes Pflaster der Buchmarkt ist. Dass ich so nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten will. Aber da ich schon immer auch andere Träume und Wünsche hatte, habe ich eben die beruflich umgesetzt und mich dem Schreiben in meinen freien stunden gewidmet.
      Eine Sache nur noch von mir: Das Schreiben selbst ist nicht leichter geworden. Aber es mit anderen zu teilen. Zu veröffentlichen und Leute zu erreichen. Das ist sehr viel einfacher als früher. 🙂
      Die Freude beim Schreiben und die Erfüllung, die kann ich sehr gut nach vollziehen. 🙂

  2. Mir geht es genau so mit meinen Spielen. Egal wie viele Rückschläge ich habe, ich muss weiter Spiele entwerfen und Entwickeln. Wenn ich das nicht mehr könnte, wäre ein Teil von mir tot.

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