Die Schubladen in unserem Kopf – Kunst, Kitsch, Kommerz und alles dazwischen.

Ja, wieder mal so ein Punkt, der mir wichtig ist. Und auch gleichzeitig ein wunder Punkt von mir, mit dem man mich echt fuchsig machen kann.

Warum? Weil ich liebe, was ich tue, und jedem das Recht zugestehe, das auch zu tun.

Doch wenn mir einer mit Schubladen-Denken kommt, mit hohlen Phrasen und leeren Worten, weil man das halt so sagt; weil das eben so ist, dann triggert mich das. Und dann muss ich dazu den Mund aufmachen, die Feder spitzen und die Finger über die Tastatur fliegen lassen.

Warum wir Menschen in Schubladen denken, das habe ich glaube ich schon an anderer Stelle mal versucht zu erläutern, wiederhole es aber gerne hier: Schubladen sind einfach. Schubladen sind gut. Schubladen sind überlebenswichtig! – Zumindest dann, wenn man wie unsere Vorfahren vor der Wahl steht, laufe ich vor dem hungrigen Bären weg oder kämpfe ich.

Jeder weitere Gedanke ist überflüssig und führt unweigerlich zu unserem Tod.

Eine schnelle Klassifizierung, – gut – böse, gefährlich – harmlos, Freund – Feind -, ist unerlässlich gewesen. Darum können wir das auch so gut. Unser Gehirn hat das in Jahrtausenden der Evolution so gelernt.

Nun ist aber die Welt komplexer geworden, hungrige Bären seltener und die Notwendigkeit der Klassifizierung in vielen Fällen eher hinderlich. Dennoch ist es immer noch das, was unser Gehirn gut kann. Darum tut es das weiterhin. Lustig und munter werden alle unsere Bereiche im Leben in Schubladen wegsortiert. Und das ist immer noch nicht schlecht. Denn es hilft, den Überblick zu wahren.

Problematisch wird es erst dann, wenn ich die Schubladen in meinem Kopf mit nicht wasserlöslichem Marker beschrifte, abschließe und den Schlüssel wegwerfe; -bildlich gesprochen.

Dann kommen so Dinge dabei raus wie:

Gegenwartsautor bei rennomiertem Verlag = Literatur erster Klasse mit Gütesiegel und Sternchen

Fantasyautor bei 0815 Verlag = Literatur zweiter Klasse mit reinem Unterhaltungswert und ohne literarischen Wert

Am Ende dieser Skala befindet sich dann wohl der selbstverlegende Fantasy-Autor, zumindest, wenn man Schema F folgt. Und ja, ich bin es leid. Ich bin es einfach nur furchtbar leid, das immer hören zu müssen.

„Du schreibst doch Fantasy. Das ist ja nichts mit Wert. Das ist ja nur Spaßlektüre.“ „Das kann ja nichts Großes sein.“

Ein ganzes Genre dazu zu verdammen, reine Unterhaltung ohne Mehrwert zu sein, die engstirnige Dreistigkeit muss man erstmal haben. Und nein, es geht nicht darum, dass ich mein Buch für das Nonplusultra halte. Doch es gibt Fantasyliteratur, die mehr kann, mehr will und mehr ist! Zack bum aus fertig. Ende der Diskussion.

Aber dennoch kommen immer wieder diese Leute, die meinen, nur weil viel Fantasy einfach nichts anderes will oder tut, als mit einer guten Geschichte zu unterhalten, dass auch der Rest nicht anderes sein kann.

Das ist, wie wenn eine Frau sich über Emanzen aufregt, die nach Führungspositionen in großen Firmen streben, nur weil für sie Hausfrau und Mutter die Erfüllung ist.

Das ist schön. Das ist legitim. Das ist nichts Schlechtes und, Gott bewahre, dass soll nicht gegen die vielen Hausfrauen und Mütter gehen, die das gerne sind, die nichts anderes sein wollen. ABER das ist nicht das Lebenskonzept von allen. Nicht der Ansporn, nicht das Ziel. Und verdammt nochmal ich habe ein Recht darauf, mir meinen Weg, mein Ziel, selbst zu wählen.

Und wenn ich Fantasy-Autor sein will, und mit diesen Geschichten mehr möchte, als bloß zu unterhalten, dann ist das mein Anspruch. (Ob das dann auch gelingt steht auf einem anderen Blatt) Doch von vornherein in die Schublade ‚Literatur minderer Qualität‘ gepackt zu werden, dagegen wehre ich mich entschieden.

Manche Literatur will unterhalten. Manch ein Autor will hoffnungslos kitschige Liebesromane schreiben; aus Leidenschaft oder weil es gutes Geld bringt. Das ist okay. Völlig. Und ist ja nicht so, dass ich bei ‚P.S. – Ich liebe dich‘ nicht Rotz und Wasser geheult habe. Es war gut gemacht. Hat seinen Anspruch voll verwirklicht. Aber wenn ein Autor mehr will, aus anderen Motiven und mit anderen Intentionen schreibt, dann ist er deswegen weder arrogant, noch kann man ihm das nur aufgrund seines Genres absprechen.

Ich sage es gerne immer wieder: Goethes Faust ist Fantastik, MZBs Nebel von Avalon waren Fantasy, Herr der Ringe ist Fantasy. Und zu behaupten, dieses Genre könne nicht mehr und würde auch nie mehr erreichen, ist so, wie zu sagen: nur weil nach Bob Ross jeder in der Lage ist, hübsche Landschaften zu malen, sei Landschaftsmalerei keine große Kunst.

Aber so jemand steht vermutlich auch vor Rembrandt und meint, dass seine Bilder schneller gegangen wären, wenn es damals schon Digitalkameras gegeben hätte.

 

Vielen Dank fürs Lesen.

 

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