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Schnipseldienstag – wenn der Stern zu Staub zerfällt …

Was ist heute? – Richtig! Schnipseldienstag.

Weil mich ja grade nicht so fesselt, wie der Sternenstaub dürft ihr mir auch ein klein wenig über die Schulter schauen. Na? Was mag da wohl passiert sein? Oder wird noch passieren? Und nein, das ist noch nicht das Ende. Noch lange nicht …

 

Erst nach Stunden, in denen sie mit der Schwere der Verletzung und der peinigenden Anwesenheit des Schattens rang, begann die Qual so langsam zu verblassen. Die Nebel wurden dichter; wie damals auch auf dem Schlachtfeld vor Peleneth. Der Würgegriff des Schattens um ihr Herz löste sich. Sie spürte, dass sie fiel und fiel, und je tiefer sie gelangte, umso ferner schienen alle Eindrücke der äußeren Welt und auch alle Eindrücke in ihrem verwirrten, zerrissenen Herz zu werden.

Nach einer Weile, die aus ungezählten Ewigkeiten zu bestehen schien, schlug sie auf so etwas wie einem Boden auf, ohne den geringsten Schmerz dabei zu fühlen. Sie erhob sich und sah, dass dort, auf einer Bahre aus Nebel, ihr eigener zerschundener Körper lag. Er war noch eingesponnen in Fäden aus Blut und Schatten. Sie selbst spürte dabei allerdings weder Schmerz noch Dunkelheit.

Zärtlich fuhren ihre Finger über die blassen Wangen und das ausgezehrte Gesicht. Die blauen Augen waren geschlossen und sie bezweifelte stark, dass sie sich je wieder öffnen würden.

Wozu sollten sie auch?

Hier wo sie war, wo ihr Herz und ihr Verstand frei waren von allen störenden Einflüssen, glaubte sie zum ersten Mal wieder wirklich klar sehen zu können. Sie blickte auf den Pfad, der sie hierher geführt hatte, wohl wissend, dass er hier enden musste; – auf die eine oder andere Weise.

Funkel, Funkel …

Ich hatte ja versprochen euch heute noch eine ganz besondere Person vorzustellen, die ich dieses Jahr durch den Stern kennen lernen durfte.

Angefangen hat alles mit ihrer Aufnahme in dem Autorenforum, in dem auch ich seit diesem Jahr Mitglied bin, und einer PN mit den Worten: “Ich bin dein allergrößter Fan!”

Das war keine zwei Wochen nachdem der Stern veröffentlicht wurde und nein, gelesen hatte die Dame mit dem Nicknamen Funkel ihn noch nicht. Aber alles, was ich rund um seine Entstehung und mich im Forum geschrieben hatte. Wir kamen ins Gespräch. Schon durch ihre Vorstellung wusste ich, dass wir doch einiges gemeinsam hatten. Beide Mediziner, die die innere Musen zwischen den vielen Examensprüfungen doch immer wieder von den Lehrbüchern weggezerrt hat.

Sie begann meine Geschichte zu lesen und verliebte sich in Erui. Ich wurde die Erste, die Ihre Texte sehen durfte, und entdeckte magische Welten, ganz anders als meine, noch ein wenig roher, aber tolle Geschichten, tolle Charaktere und ein vielversprechendes Talent. Seitdem arbeiten wir zusammen, indem wir unsere Ideen einander vorstellen, auf Herz und Nieren prüfen lassen und … oh Nein! Ich hatte es sogar bei ihr geschafft. Ein paar Fragen, ein paar Anmerkungen und aus einer kleinen Geschichte wächst aus Funkels Feder eine Trilogie, auf die ihr euch alle freuen könnt.

Sie ist also nicht wirklich mein größter Fan … Naja vielleicht auch, das muss sie entscheiden. Vor allem aber ist sie meine liebste Kollegin. Da sie noch keine eigene Website hat, möchte ich ihr hier auf der Seite des Sterns die Chance geben, euch schon einmal in ihre Werke hineinlesen zu lassen.

Ob sie euch als erstes die magische Welt aus ‘Grün wie Magie’ vorstellt, oder ob ihr auf Ravenna, Aurelian und Lavinia bis zu Veröffentlichung warten müsst, weiß ich nicht. Auf jeden Fall viel Spaß mit Funkel als neuer Autorin auf dem Sternenblog. Ich bin mir sicher, ihr werdet ihre Beiträge lieben.

Im Lauf der nächsten Tage wird sie sich auch nochmal selbst bei euch vorstellen und ihren ersten Schnipsel hochladen.

Also Funkel, funkel kleiner Stern 🙂

 

Eure Sylvia.

Leseprobe ‘Axolotlkönig’ – verzweifelte Leo, nutzloser Fynn (Triggerwarnung SVV!!)

Wieder ein Schnipseltag. Diesmal habe ich lang überlegt, ob ich euch den Schnipsel zumuten kann und soll, mich aber letztendlich dafür entschieden.

Von meinem neuen Projekt, dem ‘Axolotlkönig’ habe ich bereits hier erzählt. Ein Jugendroman, der wie das Leben eines Teenagers zwischen verrückt, heiter und todtraurig ernst schwankt. Es geht um ganz normale junge Menschen und dann wieder auch nicht. Probleme haben wir alle. Manche wachsen in unstabilen Familienverhältnissen auf und kommen damit klar, andere habe ein sehr behütetes Zuhause und werden dennoch psychisch krank.

Um Anerkennung unter Gleichaltrigen, Mobbing, Depressionen, Trauer und auch selbstverletzendes Verhalten geht es. Aber auch die Erkenntnis, wie das alles zusammenspielt und was für augenscheinliche Banalitäten eines anderen wunder Punkt sein können. Der Verwandlungsroman soll einen Einblick in zwei ganz besondere Seelen geben und einen Ausblick, was passiert, wenn man es schafft, durch die Augen eines anderen zu sehen und zu erkennen, wie viel Einfluss wir tagtäglich am Leben all jener haben, denen wir begegnen.

Wer mit der Darstellung von selbstverletzendem Verhalten ein Problem hat, oder in der Gefahr steht bei solchen Beschreibungen getriggert zu werden, der sollte den Abschnitt nicht lesen.

Für alle anderen möchte ich aber gern diese Seite meiner Geschichte beleuchten.

 

Ich starre auf den Text und dann entsetzt auf Leonies Hände. Immer wieder gehen meine Augen von einem zum anderen. Sie hat tatsächlich eine Klinge darin. Eine Klinge!

Ich meine, ich hab schon mitbekommen, dass es ihr nicht so gut geht. Okay ich gebe zu, ich war der Meinung sie hat einen ausgewachsenen Knall. Ich hab ja auch schon den ein oder anderen Spruch zu den Bildern und der komischen Agromucke abgelassen, die sie auf Facebook teilt. Jetzt aber presse ich das Maul gegen die Scheibe und schreie stumm gegen Subway to Sally an. Es macht wie immer nur “Blubb”.

Ich muss zusehen, wie sie sich die Stulpen von den Armen streift.  Nun kapier ich auch, warum sie die nie ablegt. Selbst bei 38 Grad im Sommer hat sie sie an. Sie hat kalte Finger, behauptet sie immer und wurde von Stacey dafür natürlich für bescheuert erklärt. Dabei wollte sie nur die Narben verbergen.

Die Klinge reflektiert das kühle Blau der Bildschirmbeleuchtung. Zwölf unbeantwortete Nachrichten leuchten oben in der Ecke auf Facebook. Vermutlich zwölf Kommentare zu irgendeinem peinlichen Bild, das einer aus der Klasse hochgeladen hat.

Es macht ‘ping’. Eine Dreizehnte gesellt sich dazu. Die Klinge drückt sich in die Haut. „Einsam will ich untergehen“, plärrt es aus den Lautsprechern.

Routiniert zieht Leo die rechte Hand über den linken Arm. Ich sehe das Blut. Ich will schreien. Ich will hier nicht tatenlos daneben rumplanschen, während sie sich selbst um die Ecke bringt. Das kann doch nicht wahr sein. Das ist doch ein ganz schlechter Traum!

Ich bekomme Panik und schwimme im Becken hin und her. Ich will an die Scheibe trommeln, doch das hört sie nicht. Ich schwimme nach oben, weil ich sie nassspritzen will, doch da ist nur der Deckel.

Verdammt! Leo tu das nicht! Warum muss ich denn nur so ein nutzloser Lurch sein?

Ich sehe, wie sie die Klinge in die andere Hand nimmt. Es blutet ganz schön. Doch nichts tropft auf den Boden. Sie hat fein säuberlich Handtücher untergelegt. Dreimal hat sie sich rechts geschnitten. Dreimal schneidet sie jetzt links.

Sie schreit nicht dabei. Ich muss sie ein bisschen bewundern, denn ich glaube, ich würde flennen wie eine Tussi. Sie hat nichtmal Tränen in den Augen.

Mein Herz ist kalt wie Stein“, singt es und ich verstehe, dass Leo sich nicht umbringen will. Das beweisen die ganzen Narben. Es ist nur ihre Art damit fertig zu werden. Mit allem. Den Kommentaren, den Bildern, den Sticheleien. Mit uns anderen. Mit der Einsamkeit. 

Aber es ist eine beschissene Art, denke ich empört und starre sie weiterhin durch die Scheibe an. Sie sitzt einfach da, lässt es bluten, bis es von selbst schließlich weniger wird. 

Drachengeburt

Mit literarischen Adventskalender wird man ja zugeschüttet dieses Jahr, darum gibt es bei mir auch keinen. Aber Nikolaus ist eine Ausnahme. Darum gibt es heute einen kleinen Schnipsel von mir. Er gehört in kein größeres Werk. Ich habe ihn geschrieben um mich auf mein Novemberprojekt dieses Jahr einzustimmen (Das Herz des blauen Drachen).

Ein kleiner Einblick wie es sein könnte, wenn am Drachenberg in Erui neues Leben aus den feurigen Felsen erwacht und zum Himmel aufsteigt. Meine Drachenkinder für euch. Ich wünsche euch einen wunderschönen zweiten Advent.

 

Überall wäre das Gelege aus glutroten Eierschalen mit den zartgoldenen Streifen aufgefallen. Überall, nur nicht in diesem abgelgenen Winkel der speienden Schlucht. Zwischen den zähfließenden Bächen kochender Lava, weiß und hellorange strahlend, gingen die fragilen Schalen unter und hoben sich kaum ab von der Landschaft die heißer zu glühen schien, als der Kern der Erde selbst. Kochender, schwefelgelber Dampf stieg hin und wieder aus einzelnen Erdspalten auf und entfleuchte zum Himmel. Dort nahm er für Augenblicke die Sicht auf den Berg, der in der Ferne aufragte. Riesige Schwärme schwingentragender Echsen umflogen ihn.

Dort unter ihnen befand sich auch das Drachenweibchen, das vor Jahr und Tag das Gelege an den Hang eines der heißesten Vulkane dieser Gegend gelegt hatte. – Die Eier des roten Schwarms brauchten die Hitze, den Dampf und mit sehr viel Glück auch genug Schwefel, der sich als feine Schicht auf den Eiern ablagerte, den schlüpfenden Jungen direkt in die geblähten Nüstern kroch, um ihnen gleich die ersten Flammen zu entlocken.

Ein Geysir in der Nähe sprühte zornig zischend Dampf in die Luft und als er sich legte, als das Zischen nachließ, war es für einen Moment totenstill. Dann zerriss ein Krachen diese Stille, ein Krachen, wie das Brechen eines Knochens oder das Bersten eines Schädels. Ein zweites gesellte sich dazu und dann ein drittes.

Die glutroten Eier bekamen feine Risse entlang ihrer goldenen Linien. Ein erstes sprang auf und ein Jungtier von rot-violetter Farbe entstieg der Schale. Die Schwefelkammer unter der Erde kommentierten seinen Schlupf mit einer geballten Ladung Dampf, den der junge Drache mit dem ersten Atemzug in die Lungen bekam. Eine wütende Flame schoss aus seinem Maul und traf das übrige Gelege.

Knack, knack! Zwei weitere barsten. Ein orangefarbener und ein kupferner Drache entstiegen ihren zu eng gewordenen Behausungen. Auch sie schüttelten sich. Dann blickten sie sich um, sahen einander an, sahen auf das Gelege mit ihren Geschwistern, die noch im Schlupf begriffen waren. Der Geysir zischte ein weiteres Mal und neue Schwefelfontänen schossen in die Luft.

Als wäre dies ein Zeichen, sprangen alle drei auf einmal in die Luft, klappten die ledrigen, noch ein wenig knittrigen Schwingen das erste Mal auf. Grelle Schreie donnerten durch die Schlucht. Der Berg begann zu rumoren. Aschewölkchen stoben empor aus dem Krater.

Der Orangeling stieß sich gleich hinauf bis zu seinem Rand, glitt dicht über den Lavasee dahinter. Seine Flügelspitzen tauchten ein Stück weit in das geschmolzene Gestein. Die Hitze ließ ihn schreien. Seine magentafarbene Schwester war ihm gefolgt. Er drehte sich um, spie eine Feuerfontäne in ihre Richtung. Sie duckte sich darunter weg. Ihr Atem sammelte sich. Die winzige Brust schwoll an. Eine Druckwelle fuhr in den See und Lava schwappte dem Bruder entgegen.

Auch der dritte Schlüpfling erhob sich über den Rand, dann ein vierter in flammenrot und ein fünfter, blauviolett, wie nur die heißesten Flammen werden können.

Feuer, Schwefel und Dampf machten die Winzlinge rasend vor Wut und Freude darüber, am Leben zu sein. Wütend über den See und den Hang hinweg tobend und rasend vor Zorn und ungebändigter Lebensfreude schossen die Jungtiere Stunden und Stunden dahin. Zu gefährlich selbst, als dass sich die Älteren in ihre Nähe trauten. Doch das mussten sie auch gar nicht. Die Zeit würde ihre Gemüter abkühlen. In fünfzig bis hundert Jahren würden sie sanfter, ruhiger werden, das Feuer in sich zu bezähmen wissen. Dann, wenn sie die Luft und den Boden um sich her nicht mehr jede Sekunde zu versengen drohten, würden sie zu dem riesigen Schwarm stoßen. Doch bis dahin konnten sie Feuer, Dampf und Schwefel spucken, so viel sie wollten.

So ist es und so war es schon immer, wenn die Drachen geboren wurden, an den Hängen des Irdonîn – der Heimat aller Drachen, weit im Südwesten der magichen Welt.