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Hütte im Dschungel – mit einer Landebahn!

Heute gibt es einen Auszug aus meinem Projekt ‘Die Seele meines fremden Bruders’. Es wird ein fantastisch angehauchter Reiseroman über eine junge Frau, die mitten im westafrikanischen Dschungel mit Hilfe des Voodoo eine neue Sicht auf das Leben bekommt.

 

Ich gehe zu einem der Holzstühle, reiche der Beamten meinen Pass und die Impfbescheinigungen. Sie sagt etwas in schnellem Französisch mit einem grauseligen Dialekt. Ich zucke mit den Schultern.

It’s okay. It’s okay“, wiederholt sie auf Englisch, doch auch das verstehe ich erst beim zweiten Versuch. Dann drückt sie mir meine Pässe zurück in die Hand. Sie hält sie allerdings einen Augenblick länger fest, als sie müsste, sieht mir fest in die Augen und sagt: „Never give them away.“

Ich bin verwirrt. Nach der langen Reise bin ich ohnehin müde und begreife nicht so ganz, was sie von mir will. Aber ich nicke brav. Dann werde ich weiter gewunken.

Im Vergleich zu Frankfurt ist Douala International Airport wirklich nicht mehr als eine Buschhütte mit einer Landebahn. Schon von oben war die Stadt eine bunte Lichterkette im Dschungel.

– Irgendwie völlig unwirklich.

Die Einleitung gab es übrigens hier schon einmal am Anfang des Jahres zu lesen. 

Erster Schnipsel im neuen Jahr

Auch hier nochmal ein frohes neues Jahr 2016.

Der erste Schnipsel in diesem Jahr ist aus einem meiner neuen Projekt und soll euch einfach schon mal darauf einstimmen, dass es nicht nur Highfantasy und Erui dieses Jahr von mir geben wird. es ist der bisherige Prolog meiner Märchennovelle “Die Seele meines fremden Bruder”.

Worum es geht? Um Flucht vor dem Alltag und das Entdecken neuer Welten. Ein wilder magischer Tanz erwartet euch, der euch hoffentlich zu fesseln weiß.

 

Prolog

Afrika, die Wiege der Menschheit, – so zumindest glauben es die Forscher.

Bei vielen löst allein das Wort eine ungeahnte Sehnsucht und Fernweh aus. Endlose Steppen, durch die große Horden von Zebras und Gnus ziehen. Weite Wüsten, tödlich, für jeden, der sie betritt. Sengende Sonne und monatelange Dürre, lebensfeindlich und abweisend; doch dann, einmal im Jahr, wenn der Regen kommt, erinnert sich das Land daran, dass es der Schoß war, aus dem alles Leben seinen Anfang nahm. Es blüht auf, wird grün und nahrhaft. Für wenige Wochen gibt es alles im Überfluss, bis der Kampf ums Überleben von Neuem beginnt. – Das zumindest, ist Afrika, wie es sich die meisten vorstellen.

Ich aber, ich habe ein anderes Afrika gesehen. Ein wildes, üppiges, überreiches Land, das verschwenderisch mit seinen Gaben prahlt. Ich denke nicht an trockenen Wüstenstaub, sondern an regenschwere Luft, so feucht, dass man beim ersten Atemzug in ihr glaubt, ertrinken zu müssen. Ein Afrika voller unbändiger, überschäumender Lebensfreude. Seine Musik, sein Tanz ziehen einen an und man verfällt darin, wie in einen Rausch.

In dunklen, abweisenden Gesichtern verliert man sich, wird sich seiner eigenen Andersartigkeit bewusst. Man wird selbst zum Außenseiter und zum Fremden, bis sich einem eine fremde Hand reicht und hineinzieht in diese Welt, die man kaum versteht. Man ist ausgeliefert und hilflos, denn selbst das Bekannte wirkt hier ganz fremd. Erst wenn man lernt, zu vertrauen, den Wegen zu folgen, die das Leben hier geht, erst wenn man sich einlässt auf diese Welt, offenbart sie sich. Dann zieht sie dich an sich, erdrückt dich fast mit all ihrer Fremdheit. Sie packt dich, kriecht dir in Herz und Seele und füllt die Brust mit Sehnsucht und dem Wissen, dass wahr ist, was die Forscher glauben.

Dieses Afrika, fremd und gefährlich, bösartig und wild und doch irgendwie altvertraut, es hat mich eingewoben, eingesponnen, gefangengenommen und nie wieder losgelassen, selbst jetzt, wo ich durch doppelt verglaste Fensterscheiben auf einen trüb-grauen Wolkenvorhang starre und die Wärme und der Tanz von damals nur eine ferne Erinnerung sind.

– Oder war das alles doch nur der Voodoo?