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Ich schenke euch eine Geschichte – Aus Tautränen und Schleierblut

So ihr Lieben,

 

Die hier hab ich mir für euch für heute aufgehoben. Sie ist so ein bisschen anders, als das, was ich sonst so schreibe. Darum mag ich sie heute mit euch teilen.

Ab und zu muss man sich selbst neu erfinden, sonst tritt man auf der Stelle. 🙂

Tausend Dank für all die vielen Glückwünsche, die schon bei mir eingegangen sind. Ihr seid einfach unbeschreiblich.

 

Aus Tautränen und Schleierblut

Dem nächtlichen Tau auf den Wiesen waren sie entsprungen, als das erste Mal die erste Sonne sich erhob über der erwachenden Welt. Tränenkinder der Allmacht, die Wissensdurst und Schöpfergeist in jenes Reich entließen. Anmutig zauber-zarte magiegewobene Söhne und Töchter aus goldenen Schleiern und Sphären noch weit wundersamer als die Hügel und Berge, Täler und Flüsse und Seen, die die Klänge des allerersten Liedes um sie woben.

Ohne Schuld und ohne Scheu, gefüllt mit Weitsicht, Hellsicht, nicht aber mit mit Gefühl. Nein, die klingenden, leuchtenden Herzen der Nebelgänger waren nicht geschaffen für Leid und Freude, Zorn oder Angst. Nicht einmal für Liebe. Denn Liebe verklärt, was sich verbirgt in den Gespinsten des Gestern, den Geweben des Heute, den Schleiern des Morgen.

Es brennt! Es brennt! Ich verbrenne! Zunderzauber, Schwefelspucke, gewaltgeifernde, silberhautzerfetzende, diabolische Drachenklaue! Geh weg! Lass mich! Nein!

Warum nur? Warum habe ich das getan? Wieso mich entschieden, dafür? Was soll es bringen? Was kann Gutes werden aus etwas, das so schrecklich ist?

Blut rinnt aus meinen Armen. – Arme! Wie konnte ich nur? Ein sterblicher Körper. Eine plumpe, fleischliche Gestalt!

Ich erschaudere tief im Herzen. Dieses Ziehen und Zerren und Reißen und Klopfen. Ich spüre, was ich nie zuvor erlebt habe, was nur als vages Konzept im Innern meiner Selbst und der ewig kühlen Gefasstheit meiner allumgreifenden Überlegenheit geschlummert hat.

Schmerzen!“, stöhne ich. „Solche Schmerzen!“

Die goldenen Augen blicken mitleidlos auf mich hinab, fasziniert wohl von dem Wandel, den meine Züge in weniger als dem Bruchteil einer Sekunde durchgemacht haben.

Als zwei Konzepte waren sie geschaffen worden. Zwei Prinzipien, zwei dumpfe Herzschläge, die die Welten antrieben wie Zahnräder eine Uhr.

Erwacht aus der ungezähmten Dunkelheit der ewigen Nacht, die vor dem ersten Morgen gelegen hatte, waren sie, die Himmelsfürsten, begabt worden mit so viel Magie wie gleichsam gerechter Wut, bebendem Zorn, brennender Leidenschaft, die ihre Herzen am Schlagen und ihre Flügel in der Luft hielt; der Inbegriff von überschäumenden Gefühlen und roher Allmacht.

Die anderen, die Tauwanderer, Grenzgänger, Schleiertänzer, begabt mit allem Wissen, doch ohne jegliche Empfindung. – So hatten sie sein sollen. Vom Anbeginn bis in alle Ewigkeiten, die die Welten sich drehten. So hatten die Herzen der Gottkinder es erträumt, es gewünscht, es geschaffen.

Und dennoch liege ich hier. Obwohl der Anbeginn mir Ewigkeit versprochen hatte. Doch Ewigkeit wofür?

Ich sah sie, die Fehler der Sterblichen, lange bevor sie geschahen, und konnte sie dennoch nicht hindern. Denn unbelehrbar wie sie sind, ist jedes Wort an sie Verschwendung.

Dieser Gedanke zuckt kurz auf aus all dem roten Nebel und all der eisfeurigen Qual. – Erde und Wasser, Magie des Lebens, mir gegeben vom ersten Augenblick, – Schöpfermagie.

Doch wofür hatte ich sie genutzt?

Allein hatte ich die Welten durchwandert von Ewigkeit zu Ewigkeit, von Augenblick zu Augenblick. Niemals hatte es mich gestört. Dann aber habe ich sie gesehen, spürte ich ihr Kommen, das Erwachen ihrer Seele. Der Himmel träumte schon von ihr, von diesem seinem schönsten und gleichzeitig seinem gefährlichsten Kind, als ich meine Hufe auf den Tau des ersten Morgens setzte. Doch damals habe ich sie noch nicht verstanden. Nur ihr Lied gehört.

drei Zeichen dir geben die Himmel fern …

Ich selbst war nicht in der Lage, ihre Wundersamkeit bis ins Letzte zu begreifen, und ich wusste damals schon, ich würde es nie sein.

Doch das Wissen um ihren Pfad hat uns geleitet. Nicht nur mich, Ljosalfur, den König der Schleiergeborenen, sondern auch die Drachenfürsten. Wir haben das Erwachen der Sterblichen bestaunt und ignoriert hier in unserer Welt jenseits der Schleier. In der Arroganz unserer Unendlichkeit und Unberührbarkeit haben wir uns sicher gewähnt vor der Veränderung, die im Reich der Träume um sich griff. Aber letzten Endes hat sie auch vor uns nicht Halt gemacht.

Während ich halb fasziniert, halb erschüttert dem Wimmern meiner eigenen Stimme lausche, unter der die Bäume ringsum erzittern, frage ich mich, ob er sich auch so gefühlt hat. Er, der blaue Bruder jenes goldenen Schwingenträgers, der mir meinen letzten Wunsch erfüllte.

Ja“, höre ich die Antwort in meinem Geist klingen. „Ja, er hatte schreckliche Angst vor dem Tod. Das Ende der eigenen Existenz, es ist für uns so unbegreiflich und unfassbar wie für die Menschen, aus deren Seelen wir geboren wurden.“

Teijûns dunkle Augen stechen aus seinem gleißenden Schuppenkleid hervor. Es zuckt kurz darin, als er meine Gedanken liest. – Doch so etwas wie Mitleid?

Ein Drache, der Mitleid mit einem Einhorn hat! Ein dumpfes, schnaubendes Lachen würgt sich aus meiner Kehle. So etwas hat es nie gegeben!

Wir können uns nicht verstehen; nicht miteinander, nicht füreinander fühlen. Denn wir, die Söhne und Töchter des Wissens, fühlen gar nichts. – Außer wir entscheiden uns, der Unsterblichkeit zu entsagen; so, wie ich es gerade getan habe.

Bei diesem Gedanken verschwimmt die Lichtung mit ihren Bäumen und dem See vor meinem Blick. Meine sterblichen Finger krallen sich um die dichten Grashalme, greifen hinein in das üppige Grün mit den weißen Sternenblüten, die aufgehen, wo mein Blut die Erde benetzt.

Über Erde und Wasser – die Elemente des Lebens – habe ich geherrscht. Jeder Tropfen meines Blutes war mächtig genug Wunden zu schließen, die kein anderes Heilmittel zu lindern vermochte. Doch jetzt, jetzt gebe ich all das und aus dem blutgetränkten Tau des Morgens, der folgen wird, soll sich mein Sohn erheben.

Ich lächle, denn das Wissen um diesen Sohn hilft mir, die Angst zu überwinden, die sich um meine Kehle legt. Auch wenn ich ihm niemals gegenüberstehen werde, so weiß ich doch, er wird rot sein, wie das Feuer der aufgehenden Sonne, die sich in meinem Blut spiegeln wird. Sein Name wird Lykill sein. Lykill, der Flammende, die Antwort auf alle Rätsel.

So viel Kraft der Gedanke mir gibt, so steigt nun doch etwas in meiner Kehle empor, das ich nicht einordnen kann. Ich fühle mich, als müsse ich ersticken. Es dringt nach oben, bricht sich Bahn. Ich gebe neuerlich einen Laut von mir, den meine Ohren niemals aus einer unsterblichen Kehle vernommen haben.

Doch ja, natürlich! Unsterblich bin ich nicht mehr.

Ich gebe mich dem Gedanken hemmungslos hin und schluchze, um des Sohnes Willen, der mich nie kennen wird, von dem ich aber weiß, was für ein Schicksal ich ihm auferlege.

Er muss das Bindeglied werden. Er allein hat die Macht dazu. Aus meinen Tränen und meinem Schmerz geboren, hat er eine Gabe, die kein anderer unseres Volkes je hatte und je haben wird.

Ein Schaudern packt mich. Kälte kriecht über meinen Rücken. Ich spüre, wie der Drache seine goldenen Schwingen um mich breitet.

Es ist soweit“, flüstert er.

Ich nicke. Meine Augen wollen sich noch einmal öffnen. Ich will ihn sehen, den letzten Nebel, den ich durchschreite. Anders aber als erwartet, ist es nicht der letzte Schleier, dessen Kühle mich umfängt. Der silberne Nebel, der aufzieht, sich mir um Hände, Knöchel und das Herz legt, er ist magischen Ursprungs. Jene eine Sterbliche, die annähernd weiß, was Ewigkeit bedeutet, und die an den Geschicken dieser Welt schon lange dreht, sie hat ihn gerufen. Ahnungslos darüber, was er alles bringen sollte.

Ich werde also nicht hier sterben, denke ich. Nicht hier in dieser Welt, deren ersten Morgen ich erblickte und von der ich dachte, dass ich einst an ihrem letzten Abend stehen würde.

Nein.

Ein Beben durchdringt die Erde, als Teijûn sich in die Lüfte erhebt. Mein Weg ist nicht für ihn bestimmt und er muss hier verweilen, denn er wird sie kennenlernen, die Kinder, die meinem Blut entspringen. Denn nun weiß ich es. Nun verstehe ich, warum mein Sohn die Sternenprinzessin lieben kann.

Mit einem letzten Atemzug tauche ich durch die Grenzen und spüre noch, wie mein Körper eine Lichtung im Wald erreicht, die nicht in der magischen Welt gelegen ist.

Zwischen hohen Bäumen, die einen winzigen Teich umgeben, liege ich und kann mich nicht mehr rühren. Stimmen nähern sich von fern. Aus meinen Armen, die die Drachenkrallen aufgerissen haben, rinnt das letzte bisschen Blut, das in mir war. Es läuft in den See. Ich schließe die Augen.

Als letztes Geschenk trifft mich das Wissen, dass eine junge Frau heute in diesem See baden wird. Sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen. Ein Kind, das meinem Lykill eine Schwester werden soll.

Die silbernen Fürsten der Ewigkeit, sie waren nie dazu gemacht, zu fühlen. Weitsicht, Allsicht war ihre Gabe. Der Tau des ersten Morgens hatte sie geboren. Der erste Traum der Menschheit. Doch wie die Menschen selbst ist nichts ewig. Zumindest nicht, wenn es das nicht wünscht.

Und so können auch die Silberfürsten wählen, sich entscheiden – gegen das Leben und für den Tod.

So können sie ihre Gaben weitergeben an ein Kind von ihrem Geiste, dass doch wie sie sein wird, denn es trägt alles Wissen der Vorväter in sich. Und darum auch ist es eigentlich völlig unnötig. Überflüssig. Denn wenn das Alte wie das Neue ist, wozu sollte dann Neues entstehen?

All diese Überlegungen waren auch ihm gekommen. All diese Dinge waren dem Fürsten der Einhörner bekannt gewesen, als er den goldenen Drachen gebeten hatte, mit seinen Klauen die sterbliche Hülle zu zerreißen, die er um sich gelegt hatte. Anders aber als bei seinen Brüdern und Schwestern hatte Ljosalfur gewusst, dass aus seinem Opfer etwas Neues werden konnte, etwas Niedagewesenes.

Und so gebar der Tau des nächsten Morgens in Erui ein Einhornfohlen. Es erhob sich aus dem blutbenetzten Gras der Lichtung und blickte mit glut-dunklen Augen in den erwachenden Tag. Es blickte an sich herab und begriff, dass es anders war, als alle anderen seiner Art, denn sein Fell war rot wie Sonnenglut, Drachenfeuer und das Blut, das in Menschenherzen fließt.

Seine silbernen Brüder und Schwestern versammelten sich ringsum. Sie neigten die Häupter vor ihrem neuen Fürsten, denn er war der Sohn des alten und trug damit sein Erbe in sich. Kein Erstaunen und Erzittern war in ihren Blicken, denn wundern konnten sie sich nicht.

Er aber, Lykill, wunderte sich. Denn fern in den Schleiern, die Seinesgleichen schon lang nicht mehr durchschritten, hörte er einen Schrei und spürte ein zweites Herz und er wusste, das Blut seines Vaters hatte nicht nur ein Kind geboren.

Deleted Scenes – Ein Sturm zieht auf

Manche haben sich vielleicht gefragt: Wie ist das eigentlich weitergegangen? Also jetzt nach diesem unerwarteten ersten Kuss? Fenia und Martin ein Paar? Und was war mit diesem seltsamen Nebel?

Wohin das alles führte, das habe ich in Heimkehr ja geschrieben. Doch gibt es da wirklich so viel mehr. Im Prinzip all die Tage, die zwischen den Zeitsprüngen liegen. Aber wie hat eine liebe Kollegin neulich geschrieben? Kill your Darlings! – Verliere dich nicht in Belanglosigkeiten!

Für die Handlung war es nicht wichtig. Aber jetzt, jetzt kennt ihr die Geschichte und ich lass euch gern noch einmal zurückkehren zu der Nacht und dem Mond und dem unverhofften Kuss, um vielleicht zu sehen, was ihr beim ersten Lesen gar nicht sehen konntet. 😉

Zwei Herzen – Augen eines Sturms, der im Aufziehen begriffen war.

Fahndungsbild Fenia     Fahndungsbild Martin

 

Sein Herz zitterte, als seine Lippen ihre berührten. Alles in ihm schien in Aufruhr zu geraten. Es war wie ein Sturm, der durch sein Inneres fegte, während er gleichzeitig nach außen eine Ruhe spürte, wie sie ihn noch nie umfangen hatte. Alles war gut. Hier und jetzt. Er hielt sie in den Armen und nichts anderes zählte als das. Er spürte, dass es auch für sie befremdlich war, doch sie ließ sich ganz und gar darauf ein.

Zwei bebende Herzen, Augen eines Sturms, von dem sie nicht ahnten, dass er im Aufziehen begriffen war.

Nach einer Weile löste er sich vorsichtig von ihr. Er sah sie an und lächelte, bemerkte aber, dass ihr Blick schon wieder an ihm vorbei in die Ferne wanderte. Er drehte sich um und sah nur den Himmel und den vollen Mond daran. „Ich kann nicht mit euch gehen“, hörte er sie flüstern und begriff, was los war. „Fenia“, sagte er energisch, doch nicht zu laut, auch wenn alles in ihm schrie. Er hätte sie am liebsten fest an den Schultern gerüttelt, angeschrien, ihn anzusehen, sich nicht auf die einzulassen.

„Fenni, hey bitte. Sieh mich an“, forderte er noch einmal und legte ihr eine Hand an die Wange, die im Mondlicht fast silbern glitzerte. Für einen winzigen Augenblick glaubte er dabei wie durch einen feinen Schleier zu greifen, bevor seine Haut ihre berührte. Dann aber schüttelte er den Kopf. Das war Blödsinn. Hier war nichts weiter zwischen ihr und ihm. Nicht jetzt; nicht in dieser Nacht. Und wenn es nach ihm ginge, dann würde da auch nie wieder etwas sein.

„Ich glaube“, gestand er ihr schließlich, selbst kein wenig überrascht von seinen Worten, „Ich glaube, ich habe mich zum allerersten Mal verliebt.“ … Und ich hoffe, es wird ewig halten.

Auf diese Worte hin zuckte es kurz in Fenias Augen und sie sah wieder zu ihm. Ein kurzes Lächeln, flüchtig wie ein Wolkenschatten vor dem hellen Vollmond, huschte über ihre Lippen. Dann wurde ihr Blick wieder glasig.

Martin verstand, dass sie noch mehr sah als nur ihn, mehr hörte als allein seine Stimme. Er schloss die Augen, zog sie fester an sich. Er lauschte, ob auch er die klare, fordernde Stimme erneut vernehmen konnte, doch bließ ihm nur ein rauer Wind aus Richtung des Waldes ins Gesicht.

Sie will nicht, dass ich mich einmische, verstand er.

Sie wird ihren Willen bekommen. Wieder einmal. Sie fordert alles. Erneut. Immer fordert sie alles. Dieser zweite Gedanke kam so plötzlich wie ungebeten. Er war einfach da. Eine klaffende Wunde schwärender Gewissheit, dass es keinen Ausweg geben würde. Doch wusste er nicht, woher um alles in der Welt, er das wissen konnte. Sein Geist malte ihm erneut das unheimliche Bild jener Frau in den langen Gewändern ins Gedächtnis, wie sie über dem Nebel des Sees geschwebt war, unwirklich und substanzlos. Aber etwas in ihm wusste es besser. Sie hatte die Macht alles zu ändern, wüde nicht Ruhe geben, und sie forderte erneut einen Preis.

Er schüttelte den Kopf. Alles fühlte sich auf einmal taub und benommen und vernebelt an. Wieder diese Schleier, die sich auf seine Hände legten, die Fenia von ihm trennen wollten. Mehr Wind kam auf. Mehr Wolken schoben sich vor den Mond. Er spürte sie zittern und auch sich selbst.

„Komm weg hier“, flüsterte er, dabei wollte er es zornig schreien.

Überhaupt spürte er brodelnde Wut in sich. Er war hier mit ihr. Alles war gut. Endlich. Zum ersten Mal. Er liebte sie. Nein, es war nicht zu früh das zu denken. Er liebte sie, ganz gleich, was noch kommen würde. So wie sie war, weil sie ihn annahm, so wie er war. Er sah zu ihr und blickte immer noch in glasige Augen. Halb gefangen in Atemlosigkeit, halb in Angst.

„Ich bring dich hier weg“, sagte er entschlossen und sah zu der Wolkenwand, die über dem Wald aufzog wie ein drohendes Omen. „Du darfst nicht hierbleiben und du darfst nie wieder in die Nähe dieser Lichtung gehen.“

Fenia hörte seine Worte kaum, schmeckte immer noch die ungewohnt süße Berührung seiner Lippen auf ihren. Doch sie hörte auch die Stimmen, die riefen und flehten. Ihr Kopf drehte sich. Sie fühlte sich benommen. Martins Hände hielten sie, aber sie war sich nicht sicher, ob das nicht gleichzeitig alle Kraft aus ihr saugte.

Blödsinn, ermahnte sie sich zur Vernunft zu kommen. Doch das Schwindelgefühl wurde nicht besser. Als sie schließlich das Haus erreichten war sie leichenblass und kaum noch in der Lage selbst auf ihren eigenen Beinen zu stehen. Joe wartete bereits im einsetzenden Regen vor der Tür. Er sagte nichts. Nur Sorge lag in seinem Blick. Sorge und etwas, dass weder Fenia noch Martin bemerkten, und selbst wenn, hätten sie es vermutlich nicht einordnen können.

Martin brachte sie ins Haus. Mit ein paar knappen Worten erklärte er den anderen, dass Fenia wohl unter den Folgen ihrer Gehirnerschütterung litt und er sie nach Hause fahren würde. Ihre Gesichter schwankten alle zwischen Erstaunen, Entsetzen und Ratlosigkeit, doch kam keine Widerrede.

Martin griff nach seiner Jacke, in der er den Schlüssel für sein Mottorrad hatte. Er legte sie um Fenias Schultern und noch bevor irgendwer die Situation kommentieren konnte, waren sie auch schon wieder vor der Tür. Der Wind frischte weiter auf und es war klar, dass das Wetter nicht mehr lange halten würde. Aber es war nicht weit bis zu Fenias Elternhaus.

Als der Regen schließlich einsetzte, hatte Martin Fenia schon zu Hause abgeliefert. Ihre sehr besorgte Mutter hatte die neben sich stehende Tochter in Empfang genommen. Martin hatte in Fenias Blick lesen können, dass die Stimmen sie immer noch erreichten; sie immer noch quälten und nicht losließen. Er hatte den dringenden Wunsch verspürt, Frau Edani zu sagen, wie wichtig es war, dass sie ihre Tochter heute Nacht nicht mehr aus dem Haus ließ. Überhaupt in keiner Nacht. Doch wer war er schon, dass er sowas hätte bringen können?

Er hatte sich kaum gewagt mit Namen vorzustellen, denn was konte Fenia daheim schon über ihn erzählt haben? Außerdem war Frau Edani gewiss nicht die Sorte Mutter, die ihre verwirrte und offensichtlich benommene Tochter aus den Augen lassen würde, wenn sie ihr so mitten in der Nacht gebracht wurde.

Für einen Moment musterten die braunen Augen Martin auch und ihr Blick war nicht weniger eindringlich als der blaugrüngraue ihrer Tochter. Er musste schlucken, und als sie ihn zuletzt gefragt hatte, wer er überhaupt sei, hatte er nur gelogen: ein Freund.

Jetzt raste er in strömendem Regen die nassen Feldwege entlang. Dann bog er scharf in den Wald ab. Nein, er hatte nicht vor, zu Nina und den anderen zurückzufahren. Zumindest nicht sofort. Er wusste, dieses Unwetter hier war kein gewöhnliches. Nicht die Gewalten der Natur waren dafür verantwortlich, sondern sie; einzig und allein sie: die Frau im Nebel, die ihn und Fenia zu trennen gedachte, jetzt, wo sie sich gerde erst gefunden hatten.

Er fuhr schneller als er sollte auf dem rutschigen Untergrund und kam mehr als einmal ins Schlingern. Aber das störte ihn nicht. Die zwanzig Minuten, die er brauchte um die kleine Waldlichtung zu erreichen kamen ihm dennoch wie eine Ewigkeit vor. Er ließ sein Motorrad so achtlos in den regenanssen Boden vor dem schmalen Durchgang durch die Brombeeren fallen, wie vor drei Wochen erst, als er Fenias Schrei dahinter vernommen hatte. Er spürte wie auch an diesem Tag, dass etwas nicht stimmte. Diese fremde Präsenz, sie erfüllte die Lichtung und seine Gedanken und sie hieß ihn fortzugheen. Aber er dachte ja nicht im Traum daran.

Auf der Lichtung selbst war nichts. Nichts außer dem kleinen See und dem Felsen und dem Regen, der durch die dicht belaubten Blätter der Äste ringsum fiel. Martin ging zum Rand des Gewässers. Er fixierte die Stelle, an der er sie das letzte Mal gesehen hatte. Er wollte sie beinahe heraufbeschwören, nur um es ihr ins Gesicht schreien zu können.

„Du kriegst sie nicht!“, rief er schließlich, wutentbrannt, ohne ganz zu verstehen, woher diese ganze Wut kam. „Du kriegst sie nicht, den sie gehört dir nicht!“

Ein Blitz zuckte über den Himmel, ein krachender Donner folgte wie als Warnung. Martin fühlte sich dadurch erst recht provoziert. Er watete in das Wasser, bis es ihm bis über die Knie ging. Wütend schlugen seine Fäuste auf die augepeitschten Wellen ein. Er glaube, einen schwachen grauen Schein vor sich über dem Basaltbrocken erkennen zu können.

„Lass sie in Ruhe! Lass sie ein für alle Mal in Ruhe. Sie ist ein Mensch. WIR sind nur Menschen. Wir haben mit euresgleichen nichts zu schaffen. Also bleib fern von ihr!“

Wieder ein Leuchten, dass den Himmel über ihm erhellte. Wieder Donnerkrachen. Die Folge von Licht und Lärm wurde immer schneller. Martin überkam das ungewöhnliche Verlangen nun hoch oben selbst zwischen den Wolken zu sein und Blitz und Donner aus nächster Nähe zuzusehen, wie sie wütend auf die Erde einschlugen. Aber der Gedanke war so absurd wie die Tatsache, dass er hier war.

Nach einer Weile, die er weiterhin gegen die Naturgwalten angeschrien hatte wie ein Wahnsinniger, kam er schließlich wieder zu sich. Der Regen ließ nach. Der Sturm zog weiter. Die Wut in ihm legte sich ein bisschen. Die Angst nicht. Angst nicht vor der Frau, sondern davor, was er in Fenias Augen gesehen hatte, was in ihrer Stimme mitgeklungen war vor Tagen.

Bist du denn gar nicht neugierig?“

Nein, er war nicht neugierig. Nicht darauf. Nicht so. Er wusste, es zog sie an und würde sie weiterhin anziehen und sie würde nicht locker lassen, sie zu rufen. Auf dem Rückweg zu den anderen dachte er noch einmal darüber nach, ob er nicht doch mit Joe sprechen sollte. Er war Fenias bester Freund. Ihm war sicherlich ebenfalls daran gelegen, ihr zu helfen.

Allerdings verwarf er den Gedanken so schnell wieder wie er aufgekommmen war. Joe und die anderen mussten jetzt erstmal die neue Situation verstehen. Das war das Allerwichtigste. Und es würde noch schwierig genug werden. Er grübelte lange darüber, was er ihnen sagen sollte. Als er aber schließlich am Hof von Ninas Eltern ankam, hatte der Sturm sich bereits verzogen und auch alle Worte mit denen er hätte erklären können, was los war.

Stumm nahm er das Handtuch an, dass Nina ihm reichte. Stumm ertrug er auch ihre frgenden Blicke. Nur die von Joe waren nicht fragend. Sie waren bohrend, anklagend fast. Er verstand nicht wieso.

„Geht es ihr gut?“, fragte Joe schließlich, als sie sich auf dem Heuboden der Scheune in die Schlafsäcke wickelten.

Martin hatte sich bewusst weit von den anderen weg gelegt, damit Lena nicht weiterhin irgendwelche Annäherungsversuche starten konnte. Seine Gedanken waren bei Fenia. Bei ihrem Kuss. Bei all dem Neuen und all dem Fremden, was plötzlich über ihm hereinbrach. Dennoch musste er lächeln.

„Keine Sorge, Joe“ murmelte er, bevor er einschlief, „für heute Nacht ist alles okay. Aber ich pass in Zukunft besser auf sie auf. Ich versprech’s.“

 

Deleted Scenes – Fenia und Martin

Ich hate euch ja versprochen, dass ich euch noch ein paar der Szenen zusammenschreiben werde, die ich immer im Kopf hatte, die es aber nie ins Buch geschafft haben. Heute gibt es einen ersten Teil davon.

Dieses Fragment setzt nach Fenias Sturz am See ein, als Martin sie ins Krankenhaus brachte. Ich bin oft gefragt worden, wie sie sich in ihn verlieben konnte und nicht in Joe. Die Antwort ist simpel und ihr kennt sie schon: “Ein Herz und ein Verstand liegen manchmal soweit auseinander, dass man schwerlich glauben kann, dass sie zu ein und derselben Person gehören.”

 

Viel Spaß hiermit. Im übrigen werden diejenige, die alle drei Bände kennen, glaube ich, die Andeutungen verstehen. Eine Fortsetzung hierzu folgt bald. 🙂

 

Fenia_jünger  Martin_Llewellyn

 

Die Hände tief in den Taschen vergraben schlenderte Martin langsam die kahlen, weißen Flure entlang. Sie gab ihm Rätsel auf. Mehr als je zuvor. Dennoch konnte er sich das Grinsen nicht verkneifen, wenn er an ihr blasses, zorniges Gesicht dachte, mit dem sie ihn anfangs angestarrt hatte. Kein Mädchen sah ihn je so an … so herausfordernd, durchdringend; und er hatte das Gefühl, sich vor dem Blick ihrer Augen nicht verstecken zu können.

Die ganze Fahrt nach Hause und die ganze folgende Nacht lag er wach und dachte über ihr Gespräch nach. Er lächelte und zuletzt hatte auch sie gelächelt. Mit diesem Bild im Kopf wollte er sich umdrehen, einschlafen, konnte aber nicht. Seine Erinnerungen wanderten zurück zur Lichtung im Wald.; die Frau im Nebel über dem Wasser; wie ihre langen Gewänder geweht hatten; wie sie ihre Finger nach Fenia ausgestreckt hatte, als könnte sie sie zu sich ziehen, sie besitzen.

Er presste die Augen fest zu. Fenias Gesicht vor seinem Gedächtnis verschwamm. Er blickte in ein paar dunkel funkelnde Augen wie Kohlestücke. Seine Fäuste ballten sich. Wut kochte in ihm hoch.

Sie forderte einen Preis. Immer forderte sie diesen Preis, dachte es in ihm, doch er wusste nicht, woher der Gedanke kam. Er war einfach da. Genauso wie dieses Gefühl von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein.

Man konnte dem Schicksal nicht entfliehen! Niemals. Es war unvermeidlich.

Angst griff nach ihm, sowie der Nebel in seinen Gedanken höher stieg und Fenias am Boden liegende Gestalt erreichte. In ihrem Gesicht las er seine Angst. Angst vor der Frau, die nicht existieren konnte. – Das durfte alles nicht echt sein.

‘Schluss!’, dachte er, riss die Augen auf und kehrte zurück ans Fenster, um auf den sternenübersäten Himmel zu starren.

Wenn Joe hier wäre, dachte er einen Moment, dann könnte er mit ihm darüber reden. Gleichzeitig aber wusste er, dass dies Ausflüchte waren. Er sprach immer über alles mit Joe. Aber das hier? Würde er es wirklich erwähnen können? Würde Joe ihn nicht gar am Ende für völlig verrückt halten?

„Wir sollten niemandem davon erzählen“, tat Martin zwei Tage später kund, während Fenia im Park um das Krankenhaus die ersten, noch ganz wackeligen Schritte tat.

Martin saß auf der Lehne einer Bank und sah ihr dabei zu. Wann immer sie für einen kurzen Moment ins Taumeln geriet, zuckte sein Körper nach vorn, als wolle er aufspringen, um sie vor dem Stürzen zu bewahren. Ein Blick von ihr reichte allerdings, dass er still auf der Bank verharrte.

Sie hatte bereits vorhin, als er ungefragt in ihrem Zimmer aufgetaucht war, deutlich gemacht, dass sie keinen Babysitter wollte.

Martin sah, dass sie sich quälte und das Laufen ihr noch sehr schwerfiel. „Es hat dich ganz schön erwischt“, stellte er fest.

Wieder antwortete nur ihr Blick, der einen lebendigen Drachen eingeschüchtert hätte. Martin musste grinsen. Dann aber sprang er mit einem Satz von der Bank.

„Komm. Du solltest dich wieder hinlegen.“

Fenia protestierte nicht, als er sie auf ihr Zimmer begleitete. Im Gegenteil. Sie war dankbar, dass er sie ohne Worte schließlich allein ließ.

Auch nach diesem Besuch kreisten Martins Gedanken noch lange um nichts anderes als sie. Diesmal musste er an den Augenblick denken, als sie sich das erste Mal gegenübergestanden hatten.

Lena hatte ihm ihre Freundinnen vorstellen wollen. Fenia hatte mehr zufällig still neben Yvonne gesessen. Sie hatte vor sich hin gelächelt, war in Gedanken weit fort gewesen. Als Lena kühl ihren Namen genannt hatte, hatte sie aufgeblickt, ihn angesehen. Da war zunächst nur Neugier gewesen. Dann aber war etwas mit ihr geschehen und mit ihm.

Der Ausdruck auf ihren Zügen, bis dahin friedlich und entspannt, war abweisend und verschlossen geworden. Ein Gedanke war ihm urplötzlich gekommen: ‘Als zöge sie einen grauen Schleier um sich.

Völlig absurd!

Doch dieses Gefühl hatte alles geändert. Sie mochte ihn nicht, das hatte ihm jede Regung auf ihrem erstarrten Gesicht gesagt. Und Etwas in ihm hatte beschlossen, sie auch nicht zu mögen.

Totaler Blödsinn, wie er jetzt befand.

Sein dummer Stolz, das ewige Gefühl und der Drang immer gleich überall und von jedem gemocht werden zu müssen, im Mittelpunkt zu stehen, hatten in ihre stille Art etwas hineingelesen, was vermutlich gar nicht darin gewesen war. Zumindest nicht am Anfang, bis er begonnen hatte, sie mit seiner herablassenden Art zu behandeln.

„Du glaubst immer, wenn dir einer nicht gleich um den Hals fällt, dass derjenige dich dann direkt abgrundtief hasst. Aber hast du mal daran gedacht, dass man erst mal Zeit braucht, jemanden kennenzulernen, bevor man diese Entscheidung treffen kann?“

Joes Worte hatten ihn damals wütend gemacht. Und das war gewesen lange bevor sie Lena oder Fenni überhaupt getroffen hatten. Vieles macht ihn ständig wütend. Auch heute kam er mit ihrer Zurückhaltung und ihrem Schweigen nicht gut klar. Dennoch, in den Momenten, wenn sie lächelte, dann konnte er dieses seltsame Etwas in sich, das sie nicht leiden wollte, vergessen. Dann konnte er bemerken, wie außergewöhnlich ihre Augen waren, die groß und dunkel und grau-grün-blau nicht von dieser Welt schienen.

Er ertappte sich einmal mehr in diesen Tagen bei jenem dümmlichen Grinsen, dass diese Art von Gedanken immer in sein Gesicht schnitt. Er sah es, als er durch die Glastür hinter dem Eingang in Richtung der Treppe nach oben ging und kurz einen Blick auf sein Spiegelbild darin erhaschte. Er ignorierte den Betreuer, der ihn fragte, wie es ihm ging und wie sein Tag gewesen war, – aufgesetzte Nettigkeit konnte ihm gestohlen bleiben. Er sprang, immer drei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe in den ersten Stock hinauf, wo sein und Joes Zimmer lag.

Ob er mit Joe darüber sprechen sollte? Wenn schon nicht über ihre seltsame Begegnung im Wald, dann musste er ihm doch wenigsten begreiflich machen können, wie nett und faszinierend er Fenia mittlerweile fand, je mehr er sie kennenlernte. Dabei hatte er sich nie für ein Mädchen interessiert, dem er nicht auf Anhieb einen zweiten Blick hinterher geworfen hätte. Aber es war nicht das. Mit ihr reden war … war so einfach und unkompliziert. Es war ein wenig, wie wenn er mit Joe redete. Sie war nie falsch, nie unehrlich. Auch wenn sie immer erst mal lange darüber nachzudenken schien, was sie sagte und wann.

Er ließ sich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch fallen. Vermutlich, dachte er, brauchte er mit Joe darüber gar nicht reden. Der wusste schließlich am besten, wie gut man mit Fenia befreundet sein konnte. Er würde es verstehen, wenn sie ihn in vier Tagen gemeinsam abholten. Vorausgesetzt Fenia durfte mitkommen. Morgen kam sie erst wieder nach Hause. Aber sie hatten ausgemacht, dass sie Joe überraschen wollten.

Naja, dachte Martin bei sich, er konnte sie ja übermorgen mal daheim besuchen gehen und schauen, wie es ihr ging.

Nur unter Protest und der Auflage, dass sie auch ja ihr Handy mitnahm, hatte Fenias Mutter schließlich zugestimmt, dass Martin Fenia abholen durfte und sie gemeinsam Joe vom Bus abholten. Sie sollte außerdem anrufen, wenn sie heim wollte, und auf gar keinen Fall später als sechs. Fenia hatte das Gesicht verzogen, was Martin gut nachvollziehen konnte. Sie hatte kurz erwähnt, dass sie das letzte Mal mit neun Jahren um sechs Uhr zu Hause hatte sein müssen, doch dann hatte sie es brav versprochen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Martin hatte sie die ganze Fahrt damit aufgezogen und sie hatte sich nicht anders als mit trotzigen Worten wehren können, weil sie hinter ihm saß und sich festhalten musste.

„Das Ding fährt aber garantiert schneller, als die angegebene Höchstgeschwindigkeit!“, kommentierte sie, als sie schließlich abstieg und den Helm von ihrem zerzausten Haar nahm. Martin grinste nur.

Sie hatten noch gut eine halbe Stunde Zeit, die sie es sich kaugummikauend auf den Bänken des Busbahnhofes gemütlich machten.

„Ihm wird alles aus dem Gesicht fallen, wetten?“

Martin lachte und Fenia nickte dazu. Doch sie wirkte abwesend.

„Mit welchen Fabelwesen bist du denn schon wieder in Narnia?“, fragte er und schob sich rücklings auf die Lehne der Bank.

Die Erwachsenen ringsum warfen ihm dafür missbilligende Blicke zu. Martin störte sich aber nicht daran. Er war es nicht anders gewohnt.

Fenia schwieg beharrlich. Erst nach einigen Minuten schüttelte sie schließlich den Kopf und meinte: „Nein, das ist es nicht. Ich denke gerade darüber nach, dass du vermutlich Recht hast.“

„Hört, hört!“, kommentierte Martin, „Das ist schön. Aber womit genau, wenn ich fragen darf?“

„Na, als du im Krankenhaus meintest, wir sollten Joe nichts davon sagen. Also von der Sache am See.“

Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum, warf energisch eine Haarlocke aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte, und fügte hinzu: „Zumindest nicht, bis wir Näheres herausgefunden haben.“

Bei dieser Bemerkung war es nun Martin, dem sprichwörtlich alles aus dem Gesicht fiel. Sein Mund blieb offen stehen. Der Kaugummi landete auf den Sitzbrettern der Bank, was ihm nicht einmal auffiel.

„Bitte was?“, fragte er entsetzt. „Du hast doch nicht etwa vor, dahin zurückzugehen?“

Fenia starrte ungläubig zurück. Dann sah sie sich um, legte den Finger an die Lippen und sprach leise weiter: „Nicht so plärren. Und doch. Ja. Warum nicht? Ich mein, bist du nicht neugierig? Wer sie ist? Was sie wollte?“

Martin rang mühsam um seine Beherrschung. Er hatte das Gefühl nicht vergessen, das ihre Anwesenheit in seinen Gedanken ausgelöst hatte. Diese beklemmende Ahnung, dass sie sich ganz und gar seiner bemächtigen und ihn vernichten würde, wenn er sie nicht davon abhielt.

„Das … das kann nicht dein Ernst sein“, stotterte er fassungslos. „Du möchtest es tatsächlich darauf anlegen, diesem … diesem Ding wieder zu begegnen?“

Fenia ließ eine Kaugummiblase platzen, sah ihn mit funkelndem Blick an und nickte.

„Stell dir doch mal vor, was das alles bedeuten könnte. Wir …“

„Fenni!“, schrie Martin sie nun unbeherrscht an und die Blicke der anderen Wartenden wandten sich ihnen zu. Er senkte die Stimme und flüsterte fast, als er fortfuhr: „Fenni, sei vernünftig. Bleib da weg. Das ist zu gefährlich. Du hast gerade zehn Tage deswegen im Krankenhaus gelegen.“

„Aber doch nur, weil ich mich erschrocken habe. Begreifst du nicht, was für ein Wunder das war?“

Er blickte sie skeptisch an.

„Unsere Definition von ‘Wunder’ scheint relativ stark zu differieren“, machte er einen hohlen Scherz und setzte dann hinzu: „Bitte tu mir einen Gefallen, und geh da nie wieder hin.“

Jetzt wurde der Blick in ihrem Gesicht wirklich wütend.

„Ich brauche niemanden, der mich bemuttert! Danke auch!“

Damit sprang sie auf und kam gleich ins Taumeln, da das für ihren angeschlagenen Kopf noch zu viel war. Martins Hand zuckte vor, doch sie fing sich selbst wieder. In diesem Moment bog der Bus um die Ecke.

„Es sollte kein Bemuttern oder Bevormunden sein“, erklärte er rasch.

„Sondern was?“, hakte Fenia nach. Ihr Stimme war kühl und bissig, doch verflog bei seinen nächsten Worten der eisige Blick von ihren Zügen.

„Nimm es als gut gemeinten Rat eines Freundes, der sich um dich sorgt“, entfuhr es Martin, bevor mit einem Zischen neben ihnen die Bustüren aufgingen und Joe als einer der Ersten hinausdrängte. Völlige Verblüffung war noch immer reichlich untertrieben für den Ausdruck in seinem Gesicht, als Fenia und Martin sich nun gemeinsam zu ihm umwandten und beide ein Lächeln aufsetzten.

Später, als sie wieder in ihrem Zimmer waren und Joe in einem fort redete, weil er sowohl von seinem Urlaub berichten wollte, als auch seine Fassungslosigkeit über die jüngsten Ereignisse zum Ausdruck bringen musste, gingen Martin nur wieder und wieder seine eigenen Worte durch den Kopf.

eines Freundes, der sich um dich sorgt. …

Warum schaffte sie es eigentlich jedes Mal, dass er sich in ihrer Gegenwart wie ein dummer, kleiner Junge benahm?

Er wollte wütend darüber werden, doch er konnte nicht. Er wusste längst, dass er verloren und kapituliert hatte. Dem Blick aus ihren Augen, fragend, forschend und immer ein wenig verschleiert, hielt er nicht stand. Joes Geplapper tröpfelte in seinen Kopf, während er sein Herz rasen fühlte und nur noch ihr Gesicht in Gedanken vor sich sah.

 

gelöschte Szene zu “Der Stern von Erui – Heimkehr – “

Projekt Hörbuch “Der Stern von Erui -Heimkehr-“

Schon seit einer Weile hatte ich vor, mein Buch für euch über Youtube-Videos als Hörbuch zugänglich zu machen.

Ich gehöre ja eher zu den Autoren, die die Menge scheuen, also Auge in Auge mit dem kritischen Leser sozusagen 😉 . Nein, kleiner Scherz, aber es stimmt, ich bin nicht so der Mensch für den großen Rummel. Dennoch haben immer wieder Leute angemerkt, dass sie das Buch gerne mal gelesen hören würden.

Das ist nun möglich. Das erste Video ist heute auf Youtube erschienen. Der Dank geht an meinen Mann, denn er hat mir die Technik dafür besorgt und eingerichtet.

In regelmäßigen Abständen (geplant ist immer sonntags) werde ich hier nun neue Kapitel einstellen und mit euch teilen. Kostenlos versteht sich.

Wem es gefällt, und wer neugierig ist darf mich gern unterstützen indem er die Bücher kauft, meine Seite auf FB mit einem Däumchen versieht oder einfach hemmungslos jedem von meinem Stern vorschwärmt. 🙂

 

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Buch und Lesezeichen

Und damit wünsche ich euch viel Spaß beim Zuhören.

Heimkehr – Nebel Kapitel 1

Heimkehr – Nebel Kapitel 2

Heimkehr – Nebel Kapitel 3 

Das neue Printcover – Magisch, düster und geheimnisvoll!!

Ich hoffe ihr seid bereit euch umhauen zu lassen. Erinnert ihr euch noch an die Skizze, die ich von meiner neuen Coveridee mal geteilt hatte? Nein? Gut hier noch mal zu Erinnerung:

Printcover_sketch front and title Kopie

 

und das hat Doro daraus gemacht (bitte draufklicken für die richtige Auflösung 😉 ):

 

Cover Frontansicht

Ein neues Kleidchen für den Stern

Aufgrund bisher unlösbarer technischer Probleme musste ich mich schweren Herzens dazu durchringen, mich von meinem geliebten Cover zu verabschieden. Die Coverdesignerin Sylvia Ludwig hat mir allerdings innerhalb kürzester Zeit eine wundervollen Neugestaltung mit dem altvertrauten Motiv gezaubert. Ein wenig realitischer, ein wenig düsterer, ein wenig anders als zuvor und doch hoffe ich, es gefällt.

Und damit schlüpft der Stern in sein neues Gewand und die Homepage gleich mit. Cover neu groß