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Ich schenke euch eine Geschichte – Aus Tautränen und Schleierblut

So ihr Lieben,

 

Die hier hab ich mir für euch für heute aufgehoben. Sie ist so ein bisschen anders, als das, was ich sonst so schreibe. Darum mag ich sie heute mit euch teilen.

Ab und zu muss man sich selbst neu erfinden, sonst tritt man auf der Stelle. 🙂

Tausend Dank für all die vielen Glückwünsche, die schon bei mir eingegangen sind. Ihr seid einfach unbeschreiblich.

 

Aus Tautränen und Schleierblut

Dem nächtlichen Tau auf den Wiesen waren sie entsprungen, als das erste Mal die erste Sonne sich erhob über der erwachenden Welt. Tränenkinder der Allmacht, die Wissensdurst und Schöpfergeist in jenes Reich entließen. Anmutig zauber-zarte magiegewobene Söhne und Töchter aus goldenen Schleiern und Sphären noch weit wundersamer als die Hügel und Berge, Täler und Flüsse und Seen, die die Klänge des allerersten Liedes um sie woben.

Ohne Schuld und ohne Scheu, gefüllt mit Weitsicht, Hellsicht, nicht aber mit mit Gefühl. Nein, die klingenden, leuchtenden Herzen der Nebelgänger waren nicht geschaffen für Leid und Freude, Zorn oder Angst. Nicht einmal für Liebe. Denn Liebe verklärt, was sich verbirgt in den Gespinsten des Gestern, den Geweben des Heute, den Schleiern des Morgen.

Es brennt! Es brennt! Ich verbrenne! Zunderzauber, Schwefelspucke, gewaltgeifernde, silberhautzerfetzende, diabolische Drachenklaue! Geh weg! Lass mich! Nein!

Warum nur? Warum habe ich das getan? Wieso mich entschieden, dafür? Was soll es bringen? Was kann Gutes werden aus etwas, das so schrecklich ist?

Blut rinnt aus meinen Armen. – Arme! Wie konnte ich nur? Ein sterblicher Körper. Eine plumpe, fleischliche Gestalt!

Ich erschaudere tief im Herzen. Dieses Ziehen und Zerren und Reißen und Klopfen. Ich spüre, was ich nie zuvor erlebt habe, was nur als vages Konzept im Innern meiner Selbst und der ewig kühlen Gefasstheit meiner allumgreifenden Überlegenheit geschlummert hat.

Schmerzen!“, stöhne ich. „Solche Schmerzen!“

Die goldenen Augen blicken mitleidlos auf mich hinab, fasziniert wohl von dem Wandel, den meine Züge in weniger als dem Bruchteil einer Sekunde durchgemacht haben.

Als zwei Konzepte waren sie geschaffen worden. Zwei Prinzipien, zwei dumpfe Herzschläge, die die Welten antrieben wie Zahnräder eine Uhr.

Erwacht aus der ungezähmten Dunkelheit der ewigen Nacht, die vor dem ersten Morgen gelegen hatte, waren sie, die Himmelsfürsten, begabt worden mit so viel Magie wie gleichsam gerechter Wut, bebendem Zorn, brennender Leidenschaft, die ihre Herzen am Schlagen und ihre Flügel in der Luft hielt; der Inbegriff von überschäumenden Gefühlen und roher Allmacht.

Die anderen, die Tauwanderer, Grenzgänger, Schleiertänzer, begabt mit allem Wissen, doch ohne jegliche Empfindung. – So hatten sie sein sollen. Vom Anbeginn bis in alle Ewigkeiten, die die Welten sich drehten. So hatten die Herzen der Gottkinder es erträumt, es gewünscht, es geschaffen.

Und dennoch liege ich hier. Obwohl der Anbeginn mir Ewigkeit versprochen hatte. Doch Ewigkeit wofür?

Ich sah sie, die Fehler der Sterblichen, lange bevor sie geschahen, und konnte sie dennoch nicht hindern. Denn unbelehrbar wie sie sind, ist jedes Wort an sie Verschwendung.

Dieser Gedanke zuckt kurz auf aus all dem roten Nebel und all der eisfeurigen Qual. – Erde und Wasser, Magie des Lebens, mir gegeben vom ersten Augenblick, – Schöpfermagie.

Doch wofür hatte ich sie genutzt?

Allein hatte ich die Welten durchwandert von Ewigkeit zu Ewigkeit, von Augenblick zu Augenblick. Niemals hatte es mich gestört. Dann aber habe ich sie gesehen, spürte ich ihr Kommen, das Erwachen ihrer Seele. Der Himmel träumte schon von ihr, von diesem seinem schönsten und gleichzeitig seinem gefährlichsten Kind, als ich meine Hufe auf den Tau des ersten Morgens setzte. Doch damals habe ich sie noch nicht verstanden. Nur ihr Lied gehört.

drei Zeichen dir geben die Himmel fern …

Ich selbst war nicht in der Lage, ihre Wundersamkeit bis ins Letzte zu begreifen, und ich wusste damals schon, ich würde es nie sein.

Doch das Wissen um ihren Pfad hat uns geleitet. Nicht nur mich, Ljosalfur, den König der Schleiergeborenen, sondern auch die Drachenfürsten. Wir haben das Erwachen der Sterblichen bestaunt und ignoriert hier in unserer Welt jenseits der Schleier. In der Arroganz unserer Unendlichkeit und Unberührbarkeit haben wir uns sicher gewähnt vor der Veränderung, die im Reich der Träume um sich griff. Aber letzten Endes hat sie auch vor uns nicht Halt gemacht.

Während ich halb fasziniert, halb erschüttert dem Wimmern meiner eigenen Stimme lausche, unter der die Bäume ringsum erzittern, frage ich mich, ob er sich auch so gefühlt hat. Er, der blaue Bruder jenes goldenen Schwingenträgers, der mir meinen letzten Wunsch erfüllte.

Ja“, höre ich die Antwort in meinem Geist klingen. „Ja, er hatte schreckliche Angst vor dem Tod. Das Ende der eigenen Existenz, es ist für uns so unbegreiflich und unfassbar wie für die Menschen, aus deren Seelen wir geboren wurden.“

Teijûns dunkle Augen stechen aus seinem gleißenden Schuppenkleid hervor. Es zuckt kurz darin, als er meine Gedanken liest. – Doch so etwas wie Mitleid?

Ein Drache, der Mitleid mit einem Einhorn hat! Ein dumpfes, schnaubendes Lachen würgt sich aus meiner Kehle. So etwas hat es nie gegeben!

Wir können uns nicht verstehen; nicht miteinander, nicht füreinander fühlen. Denn wir, die Söhne und Töchter des Wissens, fühlen gar nichts. – Außer wir entscheiden uns, der Unsterblichkeit zu entsagen; so, wie ich es gerade getan habe.

Bei diesem Gedanken verschwimmt die Lichtung mit ihren Bäumen und dem See vor meinem Blick. Meine sterblichen Finger krallen sich um die dichten Grashalme, greifen hinein in das üppige Grün mit den weißen Sternenblüten, die aufgehen, wo mein Blut die Erde benetzt.

Über Erde und Wasser – die Elemente des Lebens – habe ich geherrscht. Jeder Tropfen meines Blutes war mächtig genug Wunden zu schließen, die kein anderes Heilmittel zu lindern vermochte. Doch jetzt, jetzt gebe ich all das und aus dem blutgetränkten Tau des Morgens, der folgen wird, soll sich mein Sohn erheben.

Ich lächle, denn das Wissen um diesen Sohn hilft mir, die Angst zu überwinden, die sich um meine Kehle legt. Auch wenn ich ihm niemals gegenüberstehen werde, so weiß ich doch, er wird rot sein, wie das Feuer der aufgehenden Sonne, die sich in meinem Blut spiegeln wird. Sein Name wird Lykill sein. Lykill, der Flammende, die Antwort auf alle Rätsel.

So viel Kraft der Gedanke mir gibt, so steigt nun doch etwas in meiner Kehle empor, das ich nicht einordnen kann. Ich fühle mich, als müsse ich ersticken. Es dringt nach oben, bricht sich Bahn. Ich gebe neuerlich einen Laut von mir, den meine Ohren niemals aus einer unsterblichen Kehle vernommen haben.

Doch ja, natürlich! Unsterblich bin ich nicht mehr.

Ich gebe mich dem Gedanken hemmungslos hin und schluchze, um des Sohnes Willen, der mich nie kennen wird, von dem ich aber weiß, was für ein Schicksal ich ihm auferlege.

Er muss das Bindeglied werden. Er allein hat die Macht dazu. Aus meinen Tränen und meinem Schmerz geboren, hat er eine Gabe, die kein anderer unseres Volkes je hatte und je haben wird.

Ein Schaudern packt mich. Kälte kriecht über meinen Rücken. Ich spüre, wie der Drache seine goldenen Schwingen um mich breitet.

Es ist soweit“, flüstert er.

Ich nicke. Meine Augen wollen sich noch einmal öffnen. Ich will ihn sehen, den letzten Nebel, den ich durchschreite. Anders aber als erwartet, ist es nicht der letzte Schleier, dessen Kühle mich umfängt. Der silberne Nebel, der aufzieht, sich mir um Hände, Knöchel und das Herz legt, er ist magischen Ursprungs. Jene eine Sterbliche, die annähernd weiß, was Ewigkeit bedeutet, und die an den Geschicken dieser Welt schon lange dreht, sie hat ihn gerufen. Ahnungslos darüber, was er alles bringen sollte.

Ich werde also nicht hier sterben, denke ich. Nicht hier in dieser Welt, deren ersten Morgen ich erblickte und von der ich dachte, dass ich einst an ihrem letzten Abend stehen würde.

Nein.

Ein Beben durchdringt die Erde, als Teijûn sich in die Lüfte erhebt. Mein Weg ist nicht für ihn bestimmt und er muss hier verweilen, denn er wird sie kennenlernen, die Kinder, die meinem Blut entspringen. Denn nun weiß ich es. Nun verstehe ich, warum mein Sohn die Sternenprinzessin lieben kann.

Mit einem letzten Atemzug tauche ich durch die Grenzen und spüre noch, wie mein Körper eine Lichtung im Wald erreicht, die nicht in der magischen Welt gelegen ist.

Zwischen hohen Bäumen, die einen winzigen Teich umgeben, liege ich und kann mich nicht mehr rühren. Stimmen nähern sich von fern. Aus meinen Armen, die die Drachenkrallen aufgerissen haben, rinnt das letzte bisschen Blut, das in mir war. Es läuft in den See. Ich schließe die Augen.

Als letztes Geschenk trifft mich das Wissen, dass eine junge Frau heute in diesem See baden wird. Sie trägt ein Kind unter ihrem Herzen. Ein Kind, das meinem Lykill eine Schwester werden soll.

Die silbernen Fürsten der Ewigkeit, sie waren nie dazu gemacht, zu fühlen. Weitsicht, Allsicht war ihre Gabe. Der Tau des ersten Morgens hatte sie geboren. Der erste Traum der Menschheit. Doch wie die Menschen selbst ist nichts ewig. Zumindest nicht, wenn es das nicht wünscht.

Und so können auch die Silberfürsten wählen, sich entscheiden – gegen das Leben und für den Tod.

So können sie ihre Gaben weitergeben an ein Kind von ihrem Geiste, dass doch wie sie sein wird, denn es trägt alles Wissen der Vorväter in sich. Und darum auch ist es eigentlich völlig unnötig. Überflüssig. Denn wenn das Alte wie das Neue ist, wozu sollte dann Neues entstehen?

All diese Überlegungen waren auch ihm gekommen. All diese Dinge waren dem Fürsten der Einhörner bekannt gewesen, als er den goldenen Drachen gebeten hatte, mit seinen Klauen die sterbliche Hülle zu zerreißen, die er um sich gelegt hatte. Anders aber als bei seinen Brüdern und Schwestern hatte Ljosalfur gewusst, dass aus seinem Opfer etwas Neues werden konnte, etwas Niedagewesenes.

Und so gebar der Tau des nächsten Morgens in Erui ein Einhornfohlen. Es erhob sich aus dem blutbenetzten Gras der Lichtung und blickte mit glut-dunklen Augen in den erwachenden Tag. Es blickte an sich herab und begriff, dass es anders war, als alle anderen seiner Art, denn sein Fell war rot wie Sonnenglut, Drachenfeuer und das Blut, das in Menschenherzen fließt.

Seine silbernen Brüder und Schwestern versammelten sich ringsum. Sie neigten die Häupter vor ihrem neuen Fürsten, denn er war der Sohn des alten und trug damit sein Erbe in sich. Kein Erstaunen und Erzittern war in ihren Blicken, denn wundern konnten sie sich nicht.

Er aber, Lykill, wunderte sich. Denn fern in den Schleiern, die Seinesgleichen schon lang nicht mehr durchschritten, hörte er einen Schrei und spürte ein zweites Herz und er wusste, das Blut seines Vaters hatte nicht nur ein Kind geboren.

Dienstagsschnipsel – von Leben und Überleben

Ein wahrer König, Johannes, muss immer an das Wohl seines Volkes denken. Er weiß, wann eine Schlacht verloren und die Zeit zum Rückzug gekommen ist. Die Geschicke dieser Welt werden sich sehr bald neu ordnen und der Sturm, der alles Alte hinwegfegt, er wird auch vor uns nicht Halt machen. Will ich mein Volk retten, so wird es nur hinter den goldenen Schleiern sicher sein.’

Lykill, der Flammende, aus “Der Stern von Erui -Sternenstaub-

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Blogtour “Der Stern von Erui” Tag 2

Üblich ist es ja nicht, dass Autoren während Blogtouren auf ihre eigenen Homepages laden. Doch wie Sabrina gestern schon mitteilte, hatten wir einen Ausfall in unseren Reihen. Statt unser Programm nochmal ganz umzuwerfen, haben wir uns dafür entschieden, dass es einfach hier weitergeht.

Unser Kommissar musste sich ja gestern einiges anhören, doch statt Antworten hat er nur weitere Fragen gefunden.

Wohin es ihn verschlagen hat?

Lest selbst. Eins kann ich euch versprechen. Es wird magisch und mystisch!

 

 

Es war lange dunkel um mich. Mein Denken setzt nur langsam wieder ein. Ich schüttle benommen den Kopf. Für einen Moment frage ich mich, ob diese Fenia einfach eine gefährliche Irre ist, die sich die Hälfte ihrer Verletzungen selbst zugezogen hat, oder ob ich sie eine Heldin nennen soll, weil sie sich zwischen dieses Ding und mich geworfen und dabei ihr Leben riskiert hat. Im nächsten Moment wird mir dann bewusst, dass beide Gedanken völlig abstrus sind. Eine junge Frau mit einem schweren Trauma, die plötzlich aus dem Nichts eine Waffe beschwört und seltsame Schattenwesen … Das alles ist wohl meinem überreizten Geist zu verschulden. Ich öffne die Augen und erwarte, mein Büro mit dem üblichen Chaos auf dem Schreibtisch und den ungeordneten Akten des Falles Fenia Edani vorzufinden.

Irrtum!

Meinen schmerzenden Augen offenbart sich ein Licht, so hell, wie ich noch nie eins gesehen habe. Das muss der Tod sein, denke ich. Dann denke ich, Blödsinn. Dann denke ich gar nicht mehr, denn was ich sehe verschlägt selbst meinem Inneren Kommentator die Sprache.

Ich befinde mich auf eine Wiese in einem Flusstal. Ein kalter Wind geht. Der Himmel ist so trüb, dass mir schleierhaft ist, wieso das Licht sich so hell und klar anfühlt. So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht wahrgenommen. Der Fluss ist über eine weite Strecke zugefroren, was kein Wunder ist, denn er scheint direkt aus diesen düsteren Bergen zu kommen, die schwarz und drohend vor mir aufragen. Jene Gipfel, die ich sehen kann, scheinen von ebenso schwarzem Eis bedeckt, der Rest hüllt sich in dunkle Wolken durch die blutrote Blitze zucken.

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Immerfrühlingswald

 

Vermutlich wäre das genau der Zeitpunkt, wo ich mich kneifen sollte.

Autsch!

Ja, ich bin wach. Zumindest gaukelt der Traum mir das vor. Ich stehe auf und stolpere vom Flussufer weg. Hinter der Hügelkuppe kommt schließlich ein Wald in Sicht. Er liegt in den Ausläufern der schwarzen Gletscher eingebettet. Entgegen jeder physikalischen, biologischen und sonst irgendwie gearteten Regel steht er im saftigsten Grün, gespickt mit weißen, rosa und goldenen Blüten.

Das ist meinen Kopf zu viel. Ich überlege, ob ich mir gestern Abend vielleicht ein Glas Wein zu viel genehmigt habe. Dabei trinke ich nicht mal regelmäßig. Wozu auch? Meist bin ich allein.

“Gut, ich spinne”, stellen meine Gedanken als nächstes fest. Doch bevor ich dazu komme, diesen Gedankenfetzen weiterzuverfolgen, drängt sich eine andere, eine fremde Präsenz in meinen Schädel. Es ist keine Stimme in mir, oder irgendein Teil meines Unterbewusstseins, der sich bisher noch nie zu Wort meldete, nein, es ist eindeutig ein anderer Geist.

Willkommen in Erui, Menschengeborener“, sagt sie.

Menschengeborener?“, denke ich. „Wer drückt sich denn so umständlich aus. Was bitte sollte ich sonst sein?“

Ein Kind dieser Welt.“

Haha! Diese Welt … Mein Kopf legt es wirklich drauf an mich zu veräppeln”, denke ich

Das ist nicht zum Lachen. Es ist leider bitter ernst, und dass du es weiterhin leugnest, macht es nicht besser.“

Ich stutze und versuche nichts zu denken, denn verdammt, das Wer-auch-immer ist in meinem Kopf, eindeutig. Verwirrt blicke ich mich um.

Tatsächlich steht da jemand in einigem Abstand von mir. Direkt vor diesem seltsam frühlingshaften Wald.

Was zum Geier bist du denn?“, denke ich und registriere gerade noch, wie unhöflich das war vor jemandem, der meine Gedanken lesen kann.

Ich spüre so etwas wie eine Aura des Verzeihens durch mich gleiten. Anscheinend nimmt es mir meinen unkontrollierten Gedankenfluss nicht übel. Die Frage war dennoch blöd. Es hat vier Beine, einen Körper und einen Kopf wie ein Pferd. Es hat ein goldenes Horn auf der Stirn und goldene Hufe. Was wird es also sein?

Der Kandidat bekommt hundert Gummipunkte“, denke ich und bin damit wieder unhöflich.

Du bist verwirrt, Mensch. Aber das ist natürlich. Deinesgleichen glaubt nicht an uns. Ihr habt eure Träume, eure Hoffnungen, eure tiefsten Wünsche schon so lange aus eurer Welt gebannt, dass ihr sie verleugnet selbst noch, wenn ihr mittendrin steht.“

Es seufzt. Klingt da ein wenig Wehmut mit?Einhorn

Nein, Menschengeborener. Denn so etwas kenne ich nicht.“

Aha

Ich bin ein Einhorn, ein Ewiger Fürst von Erui. Meine Sphären sind die Schleier und das Wissen. Wobei beide tief miteinander verwoben sind, aber das musst du nicht begreifen.“

Kann ich auch gar nicht, denn das ist mir zu kompliziert. Ich wundere mich nur, weil ich immer dachte Einhörner müssten weiß oder silbern sein oder regenbogenfarben oder so. Die Mähne und das Fell von diesem hier sehen allerdings aus wie Feuer. Wie das Licht der …

„ … aufgehenden Sonne, die sich in den ersten Tautropfen des Morgens fängt“, beendet es meinen Gedanken.

Ich stutze.

Nun, Mensch, das ist die Essenz aus der ich gemacht bin. Doch ich sehe schon, da sind zu viele Fragen in dir, zu viele Zweifel. Darum lass mich dir erklären, wo du bist. Lass es mich in den alten Worten singen.“

Noch bevor ich etwas sagen, fragen oder gar protestieren kann spüre ich, wie mein Geist hineingezogen wird in den des Einhorns. Ich befinde mich auf einmal wieder in völliger Dunkelheit. Nein, nicht Dunkelheit, denn nicht mal die ist anwesend. Mir wird klar, dass dies hier das Nichts ein muss. Ich staune. Ich bin sprachlos. Gedankenlos. Ich bin nicht. Nichts ist.

Dann beginnt es:

Unbekümmerter Tag aus Licht und Frieden

Gebiert den ersten Traum von Gottkinder Art.

Menschen geschaffen im Bilde des Einen,

Haben selbst nun gelernt neue Welten zu schöpfen.

Nichts und abermals Nichts ist gewesen

In Sphären so fern von der sterblichen Welt.

Kindertraum zerreißt die Stille.

Das erste Herz erwacht im glitzernden Funkeln ewiger Nacht. 

Das Blau wird zu Schwingen, Sterne zu Augen,

Ein Herzschlag, der nach Leben schreit.

Urgewalt zum träumenden Himmel sich erhebt

Thoran2

In Gestalt des Ersten von allen.

Thoran, Blau der Nacht, Herzschlag der magischen Welt

Dein Weg führt dich, dein Geist lenkt dich.

Über den Irdonîn, Drachenberg, weit im Südosten,

Sollst Gebieter du sein, bis hin zu dem Tag,

Wenn dein Herz seine Pflicht erfüllt,

Schlagend in einer sterblichen Brust.

Dein Schicksal verkündet, erfüllt dich mit Angst.

Mächtig genug ein Drachenherz zum Beben zu bringen.

Dein Wehklagen hallt durch die Weite des Himmels.

König allein, König von allem, König dem Tode geweiht!

Der Traum der Menschheit erbarmt sich deiner.

Dein Schrei verhallt nicht ungehört.

Goldener Bruder aus goldenem Glanz im Licht der Sonne geboren.

Tau auf den Wiesen, kühl und weise,

ohne Gefühl, doch voll vom Wissen der Welt.

Sie, die so alt sind wie du und doch so anders.

Sie, die Hornträger, die Schleierfürsten

Geträumt von den Menschen als Yang eures Yings.

Drachen und Einhörner – Macht und Weisheit.

Ewig verbunden, niemals vereint.

Von den Gletschern des Westen, in Wolkendecken gefangen,

gleißend, prächtig, unüberwindlich,

bis hin zu den schwefeldampfenden Bergen am anderen Ende der magischen Welt.

Im Norden das Land, kühl und klar, Heide und Wind.

Meeresbrandung mit wütenden Fäusten,

die gegen die hohen Klippen schlägt.

Windland – Feenland!

Sumpfland, gegeben Kindern der Erde, des Flusses der See.

Den ewigen Fürsten des Anbeginns sollen sie folgen.

Völker so zahlreich an Wesen und Geist.

Gleich den Menschen, gleich ihren Träumen,

Wild, frei, ungezähmt.

Gesittet, gezügelt, voll Stolz und voll Adel.

Wälder inmitten von Wäldern, Hügel umgeben von Hügeln,

Im Norden von Bergen, die trennen den Süden

Ab von der See.

Alles wird blühen, alles wird glühen im Licht des Lebens,

Der Menschen Träumereien.

Doch wo Frieden lebt, lebt Krieg.

Herzen voll Schatten, Herzen voll Gier.

Die Lande im Westen, unberührt und rein

Sie saugen auf das Blut von ungezählten Schlachten,

Die in der Menschenwelt gefochten.

Zu Schatten gerinnt, was als Hass dort beginnt!

Goldene Welten stürzen. Große Könige kommen.

Machtvolle Zauber halten die brechenden Säulen einstigen Friedens.

Edin, Insel der Fürsten, vor den Küsten im Norden,

Von dir wird sie kommen, zu dir wird sie finden

Die Eine, die den Schatten begreift.

Sie wird ihn umarmen, sie wird ihn besiegen.

Eines davon, nicht beides zugleich.

Ihr Schicksal soll dein Schicksal sein.

Ein König von alten und neuem Blute zugleich,

Ein König, geboren Gar’Erui,

Ein König von Menschengeist,

Er wird den Funken zünden, oder ersticken,

Die Flamme die den Stern allein strahlen lässt.

Gar’Elahad – Gar’Erui

Schwestern, Neider, Geliebte.

Einander umspielend, getrennt nur von Nebel.

Nebel der fließt und lebendig

durch jede Vene strömt.

Die Sprache, in der dieses Lied gesungen ist, kommt mir seltsam vor, obwohl ich sie verstehe. Es ist wie etwas Altes, Urreines in mir. Als könne ich förmlich sehen, wie unter dem Klang der Tönen einst aus Träumen diese hier Welt gewachsen ist.

Ein Welt, die, soviel habe ich verstanden, früher oder später dem Untergang geweiht ist.

Die Tage der Schöpfung sind lange her.  Die Tage des Schattens sind dreimal gekommen. Zweimal haben wir uns wehren können. Diesmal wird sich unser Schicksal entscheiden. Und damit auch das jener, die uns einst erträumten.“ höre ich Lykills Gedanken.

Ich stehe da und kann nichts sagen. Nicht einmal denken. Ich muss erst begreifen, was mir dieses Wesen erzählt.

 

 

Damit schicke ich euch in den Tag. am Nachmittag gegen drei wird es weiter gehen und Fürst Lykill wird euch die Lande Erui zeigen und ein wenig darüber erzählen. Also verpasst es nicht 🙂

folgen könnt ihr der Blogtour übrigens am besten hier auf Facebook über die Seite des Sterns von Erui.

Wer jetzt schon neugierig auf das Buch ist kann sich auf der eigentlich Seite dazu gerne umschauen 🙂 Fühlt euch frei durch den Blog zu stöbern.