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Sternenfakten Teil 3: Der Wendepunkt – eine Geschichte wird zum Epos

Melias_Dave
Königsfamilie aus Arvindûras, Dave, D’winn, Melias (von Dorothee Rund)

 

Erst einmal muss ich mich kurz entschuldigen, dass ich so lange nichts geschrieben habe, wollte ich doch eigentlich diesen Monat wirklich nutzen um euch mit mehr Hintergründen vertraut zu machen. Leider kam das Reallife dazwischen.

Über die Anfänge Eruis habe ich euch ja am Beginn des Monats schon etwas erzählt. Auch darüber, wie eine Charaktere sich gewandelt haben. Das Charaktere sich entwickeln, das sollte in jedem guten Roman aus meiner Sicht der Fall sein, doch manchmal ist das nicht genug.

Es war so circa zu meiner Abiturzeit, da hatte ich die erste Version der Geschichte geschrieben. Ich fand sie zum allerersten Mal so gut, dass ich mich getraut habe, sie mit meinen damals besten Freunden zu teilen. Ich weiß noch, dass wir stundenlang bis tief in die Nacht über ICQ Ideen ausgetauscht haben und ich ganz stolz immer ein paar Absätze geschickt habe, wenn sie mir nach der dutzendsten Überarbeitung richtig gut gefielen. Das Feedback hat mich total umgehauen. Und ich bin da gelandet, wo jeder Jungautor meiner Meinung nach einmal durch muss: In der Oh-Mein-Gott-ich-werde-wirklich-der-nächste-Tolkien-Phase!

Heute kann ich darüber lachen. Doch ja, wenn man das erste Mal die Begeisterung entgegen gebracht bekommt und man darum gebeten wird bitte, bitte sofort weiterzuschreiben, dann fühlt sich das großartig an. Wohl einer der vielen Gründe, warum Plattformen und Foren wie Deviant-Art sich so gut etablieren konnten. Sie geben einem ein unglaublich gutes Gefühl. Was sie nicht geben, ist ein realistischer Blick auf das, was man da geschaffen hat. Ich meine, klar die eigenen Freunde finden das gut, weil sie vielleicht die eigenen RPG-Geschichten schon immer gut fanden, weil der Kern des ganzen schon ganz gut getroffen war. Doch was meinen Stern wirklich weitergebracht hat, war das Urteil eines mir sehr wichtigen Freundes.

Seine Worte waren: “Ganz nett, aber zieht sich ein wenig!”

Die einzig mögliche Reaktion eines jungen Schreiberlings auf solch blasphemischen Worte kann immer nur sein: “Du Banause, du hast die Kunst dahinter nicht verstanden. Du siehst das große Ganze nicht und verstehst nicht, wie toll diese Geschichte ist.”

Ich habe danach aufgehört zu schreiben. Es hat mich tatsächlich in eine Sinnkrise geworfen. Das Abi hat dann sein übriges getan, dass ich keine Zeit mehr zum Schreiben fand. Dass ich in dieser Zeit selbst auch ziemlich krank war, und niemand so wirklich wusste warum, hat dann meine Schreiberei den Rest gegeben.

Ich machte die Schule fertig. Ich wurde langsam wieder gesund. Ich ging mit Schulfreundinnen nach Neuseeland. Eine Erfahrung, die mich heute noch gefangen hält. Es waren sechs ganz wundervolle Monate, doch zu Weihnachten kam ich ungeplant wieder nach Hause. Ich wollte wieder bei meiner Familie, bei meinen Pferden, bei meinen Freunden sein. Und: Ich wollte wieder schreiben!

In Neuseeland habe ich, ganz untypisch für mich, begonnen Tagebuch zu schreiben. Jeden Tag in einer kurzen Notiz festzuhalten und zu reflektieren. Das hat mir geholfen, auch das Urteil meines Freundes zu meiner Geschichte noch einmal genauer zu betrachten. Ihm war vermutlich gar nicht bewusst, was er damit angerichtet hatte, doch ich musste letzten Endes eines erkennen: Wenn jemand aus meiner Geschichte nicht das herauslesen kann, was ich in meinem Kopf gesehen habe, er die Gefühle nicht spürt, er die Welt nicht sieht, dann ist das nicht der Fehler des Lesers. Vielmehr habe ich als Autor dann verpasst, es so zu schreiben, dass es bei ihm ankommen kann.

Das soll jetzt um Gottes Willen kein Aufruf dazu sein, unsere Geschichten nur leserorientiert zu schreiben. Ich meine klar, der Großteil der professionellen Buchbranche läuft so: Glitzervampire gehen grade. Wer kann denn einen guten Glitzervampirroman schreiben? Jeder Autor, der damit seine Brötchen verdienen muss, hat schon einmal zu so einer Anfrage etwas geschrieben. Und es ist nichts falsches dran. Auch der Buchmarkt ist ein Business. Doch meiner Meinung nach entstehen die großen und fantastischen Geschichten anders. Es sind die geliebten Gedankenkinder, die wir Jahrzehntelang in unseren Schubladen liegen haben. Die vielleicht schon tausendmal bei einem Verlag vorlagen und abgelehnt wurden, weil noch nicht ausgereift, – was wir erst begreifen müssen -, oder weil die Zeit dafür grade nicht passt, – was abwarten bedeutet -, oder schlicht, weil sie zu groß sind und unsere Namen noch zu unbekannt, als dass ein Verlag ein solches Risiko eingehen könnte.

Nichtsdestotrotz sind wir beim Schreiben blind. Wir sehen die Szene in unserem Kopf, wir hören die Worte, können ihre Aussagen kopieren. Aber gelingt uns das auch mit dem Rest einer Situation? Den leichten Untertönen, den Spannungen zwischen den Charakteren? Und das, ohne dass es endlos ausschweifend wird?

Mit all diesen Gedanken im Kopf begann ich damit eine neue Version des Sterns zu schreiben. Ich kam weg von der chronologischen Erzählweise, verlegte den Beginn der Geschichte an jenen Wendepunkt, der heute ihren Anfang bildet: Eine junge Frau kehrt nach Hause zurück, nachdem sie vor vier Jahren für tot erklärt wurde. Aus einer Auflistung an Ereignissen wurde ein Rätsel.

Mein einziges Problem: Ich habe gefühlt zehntausend Anfänge geschrieben und jeder klang gut. Aber früher oder später liefen alle in eine Sackgasse. Ich kam nicht weiter. Der Übergang nach Erui war irgendwie versperrt. Es dauerte lange, bis ich sah, dass es nicht etwas war, nicht das Wie, das fehlte, sondern ein WER. Eine Figur, durch die Fenia es schaffen konnte ein weiteres Mall den Weg zurück in jenes Reich zu finden, das ihr alles gegeben und noch viel mehr genommen hatte.

Dieser letzte Charakter, der sich mir erst vorstellte, nachdem ich die Geschichte meines Sterns schon in und auswendig kannte, war Dave. Ich weiß nicht mehr genau wie und wann, doch irgendwann schrieb ich eine Szene, in der Fenia versuchte mit Yvonne über das zu reden, was jenseits der Schleier geschehen war. Und plötzlich fiel ihr Blick auf ihn. Danach war alles einfach. Die Worte flossen nur so aus meinen Fingern. Ich konnte ein weiteres Mal von vorn beginnen, und wie bei einem Puzzle, wo ein letztes Teil gefehlt hatte, bevor man das Bild erkennen konnte, fügte sich alles ganz simpel und einfach ineinander.

Wenn also mein damals bester Freund nicht gewesen wäre, hätte ich niemals selbst den verschollenen Prinzen aus Arvindûras kennengelernt und mein Stern wäre eine ganz nette Geschichte mit 400 Seiten geblieben.

 

Namen bekommen Gesichter – Part 5 Dûrowinn, Prinz der gräsernen Steppe

Er ist der Sohn von König Melias und damit Kronprinz über das Reich der gräsernen Hügel, Arvindûras. Es liegt westlich genau zwischen den Landen der Elfen, welche direkt an die schwarzen Gletscher grenzen, und den Herzlanden, dem Hoheitsgebiet des Hochkönigs.

Die arvindûrische Kultur ist patriarchisch geprägt. Erbe ist immer der älteste männliche Nachfahre. Frauen gehören nicht in den Krieg und dürfen sich damit auch nicht für die Armee des Königs, die legendären Arvindûri, bewerben. Unter den Rekruten gibt es jährlich einen Wettstreit, aus dem nur die Besten als Sieger hervorgehen und das begehrte rote Band erringen, welches sie als wahre Krieger von Arvindûras zu erkennen gibt.

Die Arvindûor gehören außerdem zu den hochmagischen Völkern. Erwacht in einer Zeit, als die Herzen der Menschen noch Träume lebendig machen konnten, wurde ihnen die Magie der Erinnerung zuteil. Ihre Magie erlaubt es ihnen sich zu jeder Zeit in eine früher Phase ihres eigenen Lebens zurückzuversetzen und sich an jedes noch winzige Detail oder auch Gefühl zu erinnern. Manche sehr mächtige Arvindûor beherrschen diese Gabe sogar so perfekt, dass es ihnen möglich ist, anderer Wesen Erinnerung zu besuchen, oder sogar sichtbar werden zu lassen.

In diesem Volk und dieser Kultur, als einer der am höchsten geschätzten von ganz Erui, aufgewachsen, entwickelte der Prinz schon in sehr jungen Jahren ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Manche würden ihn als hochmütig bezeichnen, was ihm allerdings nicht gerecht wird.

Dûrowinn weiß, wer er ist, was für eine Verantwortung eines Tages auf seinen Schultern lasten wird und er nimmt die aufgaben eines Kronprinzen sehr ernst. Doch wirklich nur diese. In allen anderen Belangen lässt er sich von nichts und niemandem reinreden.

Sein Mutter soll im übrigen eine junge Dienstmagd gewesen sein, in die König Melias sich einst Hals über Kopf verliebte. Nach der Geburt des Kindes heiratete er sie, doch sie starb noch bevor ihr Sohn ein Jahr alt war. Somit kennt Dûrowinn seine Mutter nicht und er würde auch im Traum nicht daran denken, dass sein Vater ihn bezüglich seiner Herkunft belogen haben könnte.

Dûrowinn von Arvindûras
Sieht seinem Vater zum verwechseln ähnlich. Wer aber ist seine wahre Mutter?

 

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