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Rasenmähen, Autowaschen, Hausflur putzen – anständige Menschen machen sowas samstags

Heute gibt es mal einen kleinen Schwank aus meinem Leben, abseits des Autorseins, denn wie viele ja wissen, bin ich hauptberuflich (und mit Leidenschaft) Tierärztin. Wie sieht er also aus, so ein typischer Samstag bei mir, wenn alle anderen ihre Wocheneinkäufe erledigen, ihre Autos zur Waschstraße fahren, oder die Straße kehren?

Nun, bei mir beginnt der Samstag eine halbe Stunde später als die Wochentage. Aber nur, wenn vor der Sprechstunde um 9.00 Uhr nicht noch Pferdetermine anstehen. Dach manchmal, ja, manchmal muss ich tatsächlich erst um 8.30 dort sein. Ich lese mich dann schon mal in Blutbefunde ein oder telefoniere mit dem Labor und Patientenbesitzern. Grade kritische Fälle vom Vortag brauchen Extr-Aufmerksamkeit, denn ich muss dem Labor auf den Füßen stehen, um noch rechtzeitig eventuell lebenswichtige Ergebnisse zu bekommen.

Dann geht es los. Manchmal ist es ruhig es kommen nur Junghunde zum Routinecheck, Katzen zum Impfen, oder Wellensittiche zum Krallenschneiden. An anderen Tagen, wie heute, stehen schwerere Fälle auf dem Programm. Da ist der kleine Hund, der gestern mit schwerer Blutarmut und Fieber kam. Ursache zunächst unbekannt. Erste Laborhinweise deuten auf Blutparasiten durch Zecken hin. Doch dem habe ich gestern schon nicht getraut, dafür ging es ihm zu schlecht. Also habe ich auf Verdacht behandelt. Tatsächlich kommt er heute schon wieder auf den eigenen Pfoten herein gelaufen. Gestern hing er nur apathisch im arm des Herrchens. Er kann sogar schon wieder knurren und beißt nach mir, als ich ihm seine Spritze gebe.

Ich lächle und freue mich. Allein sein gesteigerter Appetit und die Tatsache, dass er mir für die Behandlung wieder böse sein kann, sind Lohn genug. Manchmal der einzige, den ich kriege.

So geht es weiter, den ganzen Morgen. Noch eine Katze, die seit Wochen schon immer weiter abnimmt. Die Behandlung auch so ein letzter verzweifelter Versuch. sie kratz und faucht schon wieder.

Noch mehr Patienten, noch mehr Herrchen und Frauchen, mit Fragen, mit Sorgen, mit manchmal nur Kleinigkeiten. Für sie alle hat man ein offenes Ohr. Als um 11.00 Uhr schließlich der letzte geht, hole ich erleichtert Luft und freu mich auf einen ruhigen Mittag. Doch halt, die Telefone klingeln. Es kommt noch ein verletzter Hund. Kein anderer Tierarzt hat Zeit für ihn. Und ein Pony hat wohl eine Blasenentzündung. Da muss ich auch noch hin.

Also schnell ein Kaffee, dann muss der Hund in Narkose gelegt und seine Wunde genäht werden. Dann das Pony. … Doch halt, wieder ein Anruf. Ein Pferd mit Kolik. Das Pony muss warten. Das hier könnte lebensbedrohlich sein.

So geht das in einem fort. Ein Hund mit Verdacht auf Giftaufnahme. Eine Katze, die angefahren wurde. an manchen Wochenende ist es ganz ruhig, aber heute steht das Telefon nicht still.

Die Einladung zum Kaffeetrinken habe ich abgesagt. Als ich nach Hause fahre um noch mein eigenes krankes Pferd zu versorgen, wird es schon wieder dunkel. So ist das eben in dem Job. ein freundliches Lachen, ein gut gemeintes ‘noch nen ruhigen Dienst’ ist meist alles an Entschädigung.

“Es ist ja gut, dass Sie immer da sind.” “Schön, dass man auch am Wochenende kommen kann.”

Irgendwann bin ich so müde, dass ich nur noch lächle und nicke. Smalltalk geht nicht mehr. Aber ich weiß, was die Leute meinen.

Dann komme ich zur Tür rein. Im Hausflur treffe ich meinen Vermieter. Er fragt, ob der Tag angstrengend war. Ich nicke nur erschöpft.

“Aber Frau Rieß, denken sie dran, die Straße ist noch nicht gekehrt, und der Flur ist auch noch nicht geputzt.”

Dazu kann ich nicht mehr als müde lächeln.

 

Ein ganz normaler Samstag

Es ist fast fünf. draußen ist um die Zeit noch alles dunkel. Woher ich dann weiß, dass fast fünf ist? – Mir hängen eineinhalb Kilo pelzbesetzte Zähne und Klauen an den Füßen.

Zeit zum Aufstehen, meint Fee! Draußen vor dem offenen Fenster ruft außerdem Tom. Ich gähne. Eigentlich würde ich gerne noch ein bisschen liegen bleiben. Einfach so gemütlich in den Tag reinschlafen und dann … AU! Nein, die Zahn-Fee lässt mich nicht.

Also schwinge ich die Beine über die Bettkante und gehe ins Bad. Da wartet als erstes Zombie auf mich. Unser alter Pflegefall. Jeden Morgen muss ich fürchten, es könnte der Tag sein, an dem ich ihn erlösen muss. Gestern Abend sah es ganz schlimm aus. Vielleicht habe ich mich auch deswegen vorm Aufstehen gedrückt. Jetzt kommt er mir entgegen getollt. Munter, als wäre nichts gewesen. Drei Tage hat er immer weniger gefressen, jetzt sind alle Schüsseln leer. Schnurrend streicht er mir um die Beine. Wobei Schnurren bei ihm nichts anderes bedeutet, als dass er einen Darth-Vader-Röcheln hören lässt.

Ich freue mich trotzdem. Ich habe das Geräusch ein bisschen vermisst, denn es heißt, es geht ihm gut, und er will doch noch einen Tag bei uns bleiben. Also Bad putzen, Zombie füttern. AU! Attacke von hinten, in die Ferse. Fee will jetzt aber wirklich bespaßt werden. Sie und Tom sind auch fertig mit Frühstück. Tom will raus. Fee will mit. Ich lasse beide.

Fee ist eigentlich eine vorsichtige Katze. Klug und ein bisschen ängstlich. Sie wird sowieso nur drei Schritte vor die Tür laufen. Dann kommt sie wieder. Doch falsch gedacht. Sie schnuffelt auf dem feuchten Asphalt. Der leichte Nieselregen scheint ihr nichts auszumachen. Dann tastet sie sich vorsichtig zum Nachbargrundstück durch. Tom sitzt auf der Mauer und beäugt sie.

‘Da hast du mir ja jetzt was aufgehalst’, scheint sein Blick mir zu sagen. Und damit macht mein Riesenkater einen Satz und ist schon bei der Minifee. Er stupst sie an und ich kann förmlich sehen, wie das erste Mal die Abenteuerlust in den kleinen Schieleaugen blitzt. Damit sehe ich Tom und Fee davonziehen.

Ein wenig habe ich Angst um sie. Aber so eine kleine Katze braucht die Freiheit. Außerdem hat sie ja ihren großen Beschützer dabei. Ich schaue neben mich. Zombie sitzt bei meinen Beinen, schaut den zweien ebenfalls nach. Dann rennt er wie angestochen die Straße runter, dann wieder rauf. Ja, er will noch einen Tag bei mir bleiben.

Als ich ins Haus gehe, folgt er mir wie immer auf dem Fuß. Ich schaue auf den Wecker. 6.18 Uhr. Na toll!! Und ich bin jetzt wach. aber dann kann ich genauso gut auch ein bisschen schreiben.

Ein schönes Wochenende,

Eure Sylvia

Tom und Fee
Tom und Fee