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Deleted Scenes – Von Königen und Pferden

Hier habe ich ein kleine Episode für euch aus der Zeit, die Fenia als vermeintlicher Junge in Arvindûras lebte. Ich hoffe ihr mögt es. 🙂

 

Dûrowinn von Arvindûras

 

Dûrowinns Finger krallten sich in die Mähne und mit seinen Waden umklammerte er den schweißnassen Leib des Hengstes. Noch zwei Bocksprünge hielt er sich so im Sattel, bevor er unter dem unbändigen Aufbegehren des Tieres letzten Endes den Kürzeren zog. Ein Schütteln noch und ein abprubter Stopp, dann flog er in hohem Bogen von seinem Rücken, prallte auf den Boden und konnte sich grade noch über die Schulter abrollen, um den wild keilenden Hufen zu entgehen, die in elegantem Sprung über ihn hinweg setzten. Die jungen Damen auf der Tribüne der Arena ringum hielten ängstlich den Atem an. Die Stallburschen im Rund sprangen auf die Füße, griffen nach Stricken und Stöcken, um das tobende Pferd wieder einzufangen. Nur der zweite königliche Stallbursche, ein besonnener Mann mit Namen Aswin, schlenderte gemächlich zu dem Prinzen hinüber und reichte ihm eine Hand, um ihm aus dem Staub aufzuhelfen.

Er schaute dabei absichtlich über die Schulter zurück zu dem anderen Jungen, der konzentriert am Rand der Arena unter den Säulen kauerte und die Augen nicht von dem wundervollen Hengst abwenden konnte. Aswin hoffte dadurch, sein Grinsen vor dem Kronprinzen verbergen zu können.

Der Sturz war vorherzusehen gewesen, gleich als sich der junge Mann forsch und tollkühn in den Sattel geschwungen hatte. Ihm das zu sagen, oder es ihn auch nur spüren zu lassen, würde seine Laune aber kaum verbessern.

„Was gibt es da zu lachen?“, fuhr Dûrowinn Aswin dennoch an.

Er zuckte mit den Schultern, setzte zu einer Antwort an, die dem Prinzen wohl keineswegs schmecken würde, doch ließ der hitzköpfige junge Mann ihn nicht zu Wort kommen.

„Der Befehl meines Vaters lautete, dass Ihr mir das beste Pferd von Eurer Reise zu den Gletschern mitbringt, das Ihr finden könnt, und nicht den erstbesten unzähmbaren braunen Teufel, der mir nach dem Leben trachtet!“

Seine Stimme sollte wohl überlegen und abgklärt klingen, während er ein paar Schritte zum Rand der Arena hinkte. Der hochmütige Tonfall erinnerte Aswin aber eher an einen trozigen Jungen, der mit aufgeschlagenen Armen, Knien und angeknackstem Stolz vor ihm stand. Aswin schüttelte den Kopf. Er war sonst ein guter Junge. Doch manchmal hatte er das dringenden Bedürfnis, ihn für solche Bemerkungen wie einen ungezogenen Bengel noch übers Knie zu legen. Aus dem Alter war er längst entwachsen und so mussten es ein paar wohlbedachte Worte tun.

Sein Blick flog zu den Rängen, von wo die tuschelnden Mädchen ihrem Schwarm sorgenvolle Blicke zuwarfen. Aswin hatte schon gewusst, warum er eigentlich darauf bestanden hatte, dem Prinz das neue Pferd heute erst nur unten in den Ställen allein und in aller Ruhe zu zeigen. Doch Dûrowinn hatte in seinem Übermut mal wieder ein Spektakel daraus machen müüssen. Die Blutergüsse geschahen ihm ganz recht.

„Mein Prinz, lasst es jetzt gut sein. Morgen versuchen wir es noch einmal, aber dann mit weniger Druck und mehr gutem Zureden. Ihr werdet sehen, er ist ein feiner Kerl.“

„Gut zureden?! Seid Ihr von Sinnen? Soll ich mich erschlagen lassen? Der muss gleich lernen, wer der Herr ist, sonst …“

Das Gesicht des Prinze war hochrot, vor Zorn und Scham wie Aswin vermutete, und seine Schimpftirade wäre gewiss auch noch weitergegangen, wenn er nicht aus den Augenwinkel etwas bemerkt hätte, was ihn im nächsten Moment schlohweiß werden ließ.

Der jüngere Freund hatte sich aus dem Kreis der Stallburschen gelöst, die respektvollen Abstand zu dem jungen Hengst haltend um diesen herum standen. Ohne Scheu trat er auf das bebende Tier zu. „Fen, nicht!“, schrie Dûrowinnn und schien sein schmerzendes Bein ganz zu vergessen.

Auch Aswin konnte sehen, wie die schmächtige Gestalt sich dem Pferd näherte. Dabei war jeder Muskel unter dem kastanienbraunen Fell zum Zerreißen gespannt, die Augen weit aufgerissen, dass man das Weiße in ihnen sehen konnte, und die Nüstern bis zum Anschlag gebläht. Das Pferd war misstrauisch und ängstlich und im Zweifelsfall zu allem bereit. Dem Jungen hingegen schien jede Angst und auch jede Vernunft zu fehlen.

Er war noch zwei Armlängen von dem Hengst entfernt und streckte behutsam eine Hand nach vorn, unablässig beruhigende Worte vor sich hinmurmelnd. Er blendete dabei alles andere um sich herum aus, überhörte die furchtsamen Zurufe der übrigen Burschen und auch den lauten Befehl des Prinzen, von dem Pferd wegzubleiben. Er bemühte sich, keine hastigen Bewegungen zu machen und seine noch sehr helle Stimme so tief wie möglich klingen zu lassen.

Am Ohrenspiel erkannte Aswin, dass das Tier tatsächlich auf ihn reagierte. Es zögerte, hielt inne in seiner blinden Panik und begann zu überlegen, ob diese Geste tatsächlich freundlich gemeint sein konnte. Schon im nächsten Moment überwog allerdings die Skepsis und Fen musste sich unter fliegenden Vorderhufen hinweg ducken.

Dûrowinn und Aswin hielten dabei den Atem an, konten aber weiter nichts tun, denn in die Nähe des tobenden Pferdes zu gehen, würde den Jungen nur noch mehr in Gefahr bringen.

Es dauerte gut fünf Minuten, bis der Hengst sich wieder beruhigte. Der Prinz und der Stallbursche waren derweil kreidebleich geworden.

„Komm da endlich weg, Fen!“, rief Dûrowinn, als der Hengst schnaubend und nervös scharrend ein wenig Platz gemacht hatte.

Der junge mit dem dunkelblonden Kriegerzopf aber schüttelte abwesend den Kopf, ohne das Tier aus den Augen zu lassen. Seine Stimme blieb weiterhin ruhig und tief, soweit ihm das zumindest möglich war. Mit seiner ganzen Körperhaltung versuchte er dem Pferd zu vermitteln, dass es sich nicht fürchten musste. Aswin schaute fasziniert zu, und als Dûrowinn Anstalten machte, zwischen die anderen Burschen zu treten und Fen zurückzuholen, hielt er ihn am Ärmel zurück, legte den Finger an die Lippen und deutete auf die Szene, die sich nun vor ihnen abspielte.

Der Junge hatte sich erneut dem Pferd bis auf eine Armlänge genähert. Der Hengst stand wie angewurzelt. Schaum bedeckte noch immer seine Flanken und immer noch waren auch seine Nüstern gebläht. Dennoch wölbte er den kräftigen Hals nun der Hand entgegen, die sich ihm hinstreckte.

Dabei wurde Fen nicht ungeduldig, stellte Aswin fest. Als die Nüstern des Pferdes seine Fingerspitzen berührten, hielt er einfach nur ganz still, statt wie so manch anderer zuzugreifen und den Kontakt einzufordern. Nein. Der schmächtige Junge ließ Augenblicke und Augenblicke verstreichen, in denen das Pferd immer wieder bis auf Millimeter an ihn herankam, dann aber skeptisch die Mähne schüttelte und den Hals wieder zurückzog. Nach einer Ewigkeit, wie es den Umstehenden schien, fasste das Pferd schließlich Vertrauen und presste seine Nüstern in die dargebotene Hand.

Spätestens jetzt, so wusste der Stallbursche, machte jeder den Fehler, zu glauben, dass das Tier ihm willig folgen würde. Nicht so der Junge. Zehn weitere Minuten verstrichen, die er dem Hengst erlaubte ihn überall zu beschnuppern. Das Pferd trat auf ihn zu und um ihn herum und er verharrte still, wie festgenagelt. Erst als der Hals sich vertrauensvoll vor ihm senkte, ein Schauer durch die angespannten Muskeln ging und ein langes Schnauben den Nüstern entfuhr, wagte Fen, sich zu regen.

Ganz langsam und behutsam, ohne übereilte Bewegungen zu machen, schnallte er das Seil von seinem Gürtel. Mit ruhigen Worten erklärte er dem Tier, was er zu tun gedachte, und dass er nichts zu fürchten hatte, weil alles gut werden würde. Die kleinen spitzen Ohren drehten sich dabei in seine Richtung.

Dûrowinn blieb der Mund offen stehen, als sein Freund es tatsächlich schaffte, dem Pferd seinen Strick über die zerissenen Zügel zu legen, den Sattel abzuschnallen und ihn ohne Bocksprümge und Auskeilen neben sich her zu ihnen herüber zu führen. Eine Hand hatte er dabei beständig auf dem Nacken liegen und das Tier ließ den Kopf fallen und kaute wohlig.

„Am besten bringst du ihn für heute in den Stall“, meinte Fen nur schlicht, während er Dûrowinn den Strick in die Hand gab.

Für eine Sekunde ging ein Zucken durch das Tier, doch ein sanftes Tätscheln von Fens Händen versöhnte ihn mit der Situation.

„Wie hast du …?“, wollte Dûrowinn wissen, doch dann fiel sein Blick über seine Schulter auf die Zuschauer. Er hatte sich heute genug Blöße gegeben.

Aswin lächelte nur und ließ den Prinzen vorgehen. Er selbst schloss zu Fen auf, der wie üblich stillchweigend hinter dem älteren Freund herging.

„Das hast du sehr gut gemacht“, lobte der Stallbursche den Jungen. „Die meisten meiner Lehrjungen verstehen bis zum Schluss nicht, dass man Geduld haben muss. Sie sehen Sanftmut als Schwäche und mangelndes Durchsetzungsvermögen.“

Fen nickte nur abwesend. Dann plötzlich sah er Aswin allerings an und die blaugrüngrauen Augen des Jungen erschienen dem Mann für einen Moment ein wenig zu strahlend. Irritiert schüttelte er den Kopf während Fen leise erklärte: „Dieses Pferd ist frei geboren worden. Es kannte keine Hand und keinen Strick, bis Ihr ihm einen umgelegt habt. Ein solches Pferd zu führen, ist wie ein freies Volk zu führen. Man muss erst sein Vertrauen erlangen, bevor man es beherrschen kann und es einem folgt. Aber das sollte Dwinn besser wissen als ich.“

Der Stallbursche zog die schwarzen Augenbrauen zusammen.

„Nunja, du kannst dir sicherlich denken, dass sein Vater mich nicht mit dem Gedanken fortschickte, seinem Sohn nur ein schönes Pferd von den westlichen Bergen zu holen.“

„Nein, gewiss nicht. König Melias hat meist einen Grund für sein Tun. Er wollte sicherlich, dass dieses Geschenk für seinen Sohn gleichsam eine Lektion ist.“

„Du bist ein kluger Junge, Fen“, antwortete Aswin und sah die schmale Gestalt neben sich mit forschendem Blick an.

„Bin ich das?“, fragte der nur zurück und wieder war da etwas in seinen Augen, dass Aswin irritierte.

„Naja, vermutlich schon, denn du hast die Lektion bereits gelernt, die unser zukünftiger König vielleicht gerade erst zu begreifen beginnt.“

Als habe Dûrowinn ihre leisen Unterhaltung gehört, drehte er sich auf einmal zu ihnen um und sah den Stallburschen ein wenig reumütig an. Dann fragte er: „Wie heißt er eigentlich?“

Aswin klopfte Fen auf die Schultern und machte zwei schnelle Schritte, um neben den Kronprinz zu gelangen.

„Er heißt Kijanji, euer Hoheit. Der den Wind unter den Hufen trägt.“

Mit einem Lächeln und einem Augenzwinkern drehte er sich noch einmal zu Fen um und dieser erwiderte beides.

Das Drachenlied – Ein erster Versuch

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen unerwarteten Fund auf meiner Festplatte gemacht, den ich mit euch teilen will.

Mein Stern von Erui war nie eine Geschichte, die von Anfang an einfach da war. Sie hat sich auch mir erst Stück für Stück erzählt und die Welt musste erst wachsen, die Figuren erst reifen, bevor ich sie komplett begreifen konnte.

Ein Stolperstein auf meinem Weg, den Stern zu Ende zu erzählen, waren immer schon die Ewigen Wächter. Gerade die Herrin Gwendolyn, deren Geschick ich grob kannte. Ich wusste ungefähr, warum sie war wie sie war, aber sie war mir fremd. Ich habe lange und viel über sie nachgedacht und versucht zu verstehen, warum sie geworden ist, wie sie Fenia im Stern letzten Endes entgegen tritt. Denn eigentlich hätte sie in einem Zeitalter geboren sein müssen, das golden und voll Zauber war. doch je mehr ich über sie und auch die anderen Wächter nachdachte, umso mehr merkte ich, es war eigentlich ganz anders, und Gwendolyn, magisch begabt und hochgeachtet von Anfang an, wollte selbst nie den Weg einschlagen und die Verantwortung übernehmen, die ihr das Schicksal letzten Endes aufzwang.

Der Anfang ihrer Geschichte, die ich damals einfach nur ‘Drachenlied’ nannte, der klang vor vier Jahren noch ganz anders, als ‘Das Herz des blauen Drachen’, an dem ich nun schreibe. Dennoch hat sich einiges nicht geändert. Zum Beispiel der Unwille, mit dem sie die Hohe Herrin wurde, und damit die fehlende Demut, die sie auf den Pfad führten, den sie letzten Endes für sich und die anderen Wächter wählte.

Weil manche von euch sich ja auch dafür interessieren, wie die Geschichten in unseren Köpfen entstehen, mag ich euch diesen ersten Versuch, über den ich heute nur per Zufall gestolpert bin, nicht vorenthalten. Hier also ein Einblick in dem kreativen Prozess in meinem Kopf ;). (Den neuen Anfang werde ich euch dann Morgen vorstellen. )

 

 

Gwendolyn von Nualschadan
Gwendolyn als Hohepriesterin, von Dorothee Rund

Das Drachenlied

1.

Ich weiß noch, es war kurz nach meinem sechzehnten Geburtstag, als sie mich einweihten. Ich hatte meinen nunmehr zwanzigsten Sommer in Nualschadan verbracht und ich wusste, der Tag meiner Weihe lag nicht mehr fern. Dennoch wollte Ada mich wissen lassen, welcher Weg mir bevorstand, ehe ich mich endgültig für die Gemeinschaft entschied.

Nach diesem Scheideweg würde es kein Zurück mehr für mich geben, dessen war ich mir bewusst.

Ich war mir allerdings auch ganz sicher, dass es kein Geheimnis der Welt gab, welches mich davon abgehalten hätte, Priesterin in der Gemeinschaft des Mondes zu werden.

Ich war als drittälteste von sieben Schwestern in einer kleinen Siedlung in den westlichen Bergen zur Welt gekommen. Als ich zehn war starb meine Mutter bei der Geburt der jüngsten, Ilani. Vater hatte es schwer uns alle durch diesen ersten Winter zu bringen. Wir wurden alle schlimm krank. Solja und Niska, meine älteren Schwestern starben an dem Fieber, Liri im Frühjahr darauf an der Unterernährung.

Ich tat mein Möglichstes, doch ich konnte ihnen nicht helfen. Als Vater im Jahr darauf in den Bergen verunglückte, als er die Ziegen zu ihren Weiden auftrieb und wir in die größere Siedlung am Rand der Berge zogen, hörte ich das erste Mal von den heiligen Schwestern. Die Gabe zu heilen faszinierte mich so sehr, wie die Aussicht darauf, die Elemente zu kontrollieren.

Wieviel einfacher würde es für mich werden, meine drei kleinen Schwestern zu versorgen. Einmal als Priesterin der Gemeinschaft zurückgekehrt, würde ich großes Ansehen genießen und gutes Geld verdienen können mit meinen Fähigkeiten.

Das zumindest war mein Plan. Die altruistische Einstellung der meisten Ordensmitglieder hatte in all den Jahren nicht auf mich abgefärbt und ich sah den Weg einer Priesterin mehr als Beruf, nicht als Berufung.

Somit schockierte mich umso mehr, was die ältere Schwester mir zu sagen hatte:

Du bist ein kluges und fleißiges Mädchen, Gwendolyn. Das brauche ich dir ja sicher nicht sagen.“ Ich nickte stumm. Ich ahnte es nun schon seit einem halben Mond, und da sie es mir tatsächlich verkünden würden, saß ich einfach nur still und hörte, ohne sie zu unterbrechen. „Du weißt sicher auch, warum ich heute mit dir spreche.“ Wieder nickte ich bloß. Sag es, dachte ich ungeduldig. Sag es doch endlich. „Du hast bei uns alles gelernt, was wir dich lehren konnten. Du hast Demut und Genügsamkeit bewiesen und der Lohn soll nun nicht ausbleiben. Wenn der Mond sich das nächste Mal rundet, wirst du in den Kreis der heiligen Schwestern aufgenommen werden.“

Nur kurz flog ein Lächeln über mein Gesicht, denn auch das hatte man mich gelehrt: Man musste sich immer in der Kontrolle haben. Gefühle durften einen nicht regieren.

Ja, die alte Ada hatte mit mir eine der gewissenhaftesten Schülerinnen gehabt. Ich ließ, die Pause die Bergund mir gab, um etwas zu sagen, also ungenutzt verstreichen und atmete nur innerlich erleichtert auf. Ich hatte mich so sehr auf Zuhause gefreut. All die Sommer. Kein anderer Wunsch in mir war so glühend gewesen.

Die Priesterin vor mir, die uns allen nur als rechte Hand Adas und Stimme der Mondmaid bekannt war, sah mich lange prüfend an.

Willst du denn gar nichts weiter dazu sagen, Kind?“, fragte sie und ich sah irritiert in die faltigen, grauen Augen. So fürsorglich kannte ich sie gar nicht.

Was gibt es da zu sagen? Das ist es wofür ich herkam. Ich hatte nie einen Grund daran zu zweifeln, dass ich meinen Weg gehen würde.“

Nein, Gwen, das hattest du gewiss nicht.“

Nachdenklich wanderten ihre Augen zum Tempel, hinter dem eine flammende Sonne sich gerade zur Nachtruhe neigte. „Ich habe mich in all den Sommern, die du bei uns bist nur manches Mal gefragt, warum du zu uns kamst.“

Ich verstand ihre Frage nicht. Hatte ich ihr das nicht gerade gesagt?

Du wolltest Priesterin werden, gewiss. Doch wieso?“

Ich schwieg. Ada hatte das damals nicht wissen wollen und ich hatte nur allzu gern darauf verzichtet, es zu erläutern.

Gwen, auch wenn die Herrin nie fragte, so weiß sie wohl, wie es um dein Herz bestellt ist.“

Komisch, dass sie stets genau meine Gedanke aufgriff. Ich begann zu ahnen, dass Bergund die Kräfte nutzte, die sie innerhalb der Gemeinschaft so besonders machten, und ich wurde wütend. Man hatte mich nie gelehrt, meinen Geist gegen den Zugriff von außen zu verschließen. Doch ich entsann mich meiner Ausbildung. Vielleicht, so dachte ich, war dies ein Test, ob ich mich tatsächlich unter Kontrolle hatte.

Ja, so musste es sein.

Mein Zorn ebbte also ab und ich fragte, ohne eine Miene zu verziehen: „Warum sprecht Ihr nicht offen, wenn Ihr auf etwas bestimmtes hinaus wollt?“

Wieder musterte sie mich mit diesem langen durchdringenden Blick. Fast kam es mir vor, als wäre ich ihr unheimlich.

Nun, ich verstehe dich zwar nicht immer Kind, doch ich verstehe die Wahl meiner Herrin nun immer mehr. Du bist für dein Alter unglaublich diszipliniert. Dein Geist ist stark. Dennoch scheinst du nicht den Ehrgeiz zu besitzen, den ich bei anderen unserer Novizinnen beobachten konnte. Ada hat Recht. Du bist schon fast zu perfekt.“

Ich nahm ihre Worte als Lob und wartete gespannt, was weiter kommen würde, denn offensichtlich war da noch mehr, als nur meine Weihe, die sie mir verkünden wollte.

Ich sehe das wohl anders als die Herrin, denn ich sehe in dir zwar Fleiß und Strebsamkeit, doch keine Hingabe. Du magst alles können, was eine Priesterin kann. Du hast alle Fähigkeiten, die wir fordern. Doch sehe ich dich nicht im Dienst der Allmacht des Himmels.“

Diese harsche Kritik kam unerwartet und ich wollte protestieren, doch sie ließ mich nicht zu Wort kommen.

Lass gut sein Gwen. Du brauchst nicht fürchten, ich stünde deinem Wunsch im Wege. Im Gegenteil. Auch wenn ich in dir das Licht unseres Glaubens nicht brennen spüre, so muss ich mich doch dem Willen der Herrin beugen. Viel mehr noch als das, muss ich mich auch dem Willen der Mondmaid beugen. Deine Weihe Gwen, wird keine normale Weihe werden, denn gestern Nacht offenbarte sich mir dein Weg.“

Ich schluckte. Bergund sah nicht den Weg jeder Priesterin voraus. Denn nicht jede von uns war wichtig. Mir schwante nichts Gutes.

Gwendolyn, was Ada schon lange ahnt, das habe ich im Willen der Mondmaid bestätigt gefunden. Zum nächsten Vollmond soll mit deiner Weihe der Weg der nächsten Hohepriesterin für dich beginnen. So will es die Herrin des Mondtempels, so will es der Himmel höchstselbst. Ich hoffe du weißt, welche Ehre das für dich bedeutet und welch große Aufgabe dir damit anvertraut wird.“

Damit stand Bergund auf und ließ mich allein auf der Bank vor dem Haus der Schülerinnen zurück.

Im ersten Moment waren meine Gedanken viel zu überrumpelt, um fassen zu können, was sie mir da gerade eröffnet hatte. Ich saß einfach da und starrte auf meine Fußspitzen. Dann mit einem Mal kam die Erkenntnis bei mir an. Mein Herz tat einen Sprung.

Ich, die nächste Hohepriesterin? Herrin von Nualschadan?

Aber das ging doch nicht!

Ich wollte aufspringen und ihr hinterherlaufen. Meine jungen, flinken Beine hätten die ältere Frau im Nu einholen können.

Ich tat es aber nicht. Die eiserne Disziplin, die man mir beigebracht hatte, hieß mich stillhalten.

Wenn es Adas Wille war, musste ich mich dem fügen. Ich hatte diesen Weg schließlich eingeschlagen, somit gab es auch kein Zurück.

Außerdem, beruhigte ich mich selbst, konnte ich meinen Blutsschwestern nicht noch besser helfen, wenn ich nicht bloß Priesterin, sondern Hohepriesterin werden würde?

Mit diesen Gedanken zog ich das blaue Tuch um meine nackten Schultern. Der Abendwind war kühl geworden und die dünnen Roben, die wir Schülerinnen trugen wärmten nicht mehr zu dieser Jahreszeit.

Es wurde wirklich Zeit für mich, sie zu wechseln.

“Das Drachenlied”, Sylvia Rieß, 2012 (First Draft)

Von Zombies, Feen und der Partyplanung für einen noch unentdeckten Stern …

Es ist Donnerstag früh. 

Donnerstage tendieren bei mir dazu, ruhig und gelassen anzufangen und bis zum Abend in maximalem Stress zu gipfeln. Warum das so ist? – Keinen Plan. Donnerstage sind vom Ablauf nicht anders als Montage auch. Von der Mini-Fee geweckt werden, mit ihr zusammen Tom von seinen nächtlichen Abenteuern reinlassen. Futter machen,eine große Schüssel für Tom ein kleine für Fee. Am Ende wird sie allerdings aus seiner mitfressen und er es geduldig wie immer zulassen. 

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Tom+Fee beim Frühstück

In der Zeit mache ich ein bisschen Yoga. In der Zeit gibt es für mich ein bisschen Yoga. Ich weiß ja, dass Donnerstag ist und da muss ich echt all meine Nerven beisammen halten. Also einatmen – ausatmen – einatmen – OH NEIN! Gerumpel in der Garage!! Zombie ist wach. Also rüber und meinen alten Pflegefall versorgt. füttern waschen, alles sauber machen, danach läuft er mir sowieso in die Wohnung nach. Wenn wir beide Glück haben, dann ist jetzt grade halb sieben. Damit habe ich noch Zeit für meine Bücher und Zombie kann währenddessen auf meinem Schoß liegen und voll Wohlbehagen seinen Darth-Vader-Sound von sich geben. um halb acht ist dann Schluss und ich muss los zur Praxis. Op’s, Sprechstunde, Außenpraxis und diverse Notfälle sorgen dann schon mal dafür, dass ich vor acht oder neun nicht wieder zu Hause bin. Und selbst dann rufen mich noch einmal meine Geschichten. 

Diese Woche ist allerdings ist alles ein wenig anders. Seit Januar habe ich dieses Druck und Stress im Hinterkopf. Im November schon glaubte ich, die letzte Überarbeitung des Sternenstaubs geschafft zu haben. Nur das Ende. ZEHN letzte Seiten, die hatten noch gefehlt. Viel früher im Jahr wollte ich fertig sein, mich endlich anderen, neuen Projekten widmen, doch meine Muse hatte sich eine Schaffenspause genommen. Aber seit drei Tage ist alles rum. Die endgültige Version ist hochgeladen, der kreative Teil meines Gehirns ist wieder wie von der Kette gelassen. Ideen sprudeln frei und ungezügelt noch in jede Richtung. Und ich lasse sie. Manchmal halte ich ein paar Dinge fest. Aber üblicherweise ist das nicht meine Art zu arbeiten. 

Ich gehöre definitiv nicht zu den ‘Plottern’, die also ein genaues Schema für ihre Geschichte vorab notieren und dann diszipliniert Szene für Szene schreiben. Ich brauche das kreative Chaos. Diese sprudelnde Quelle, in der sich alle meine Figuren gleichzeitig miteinander und untereinander unterhalten. Einzelne Zitate, die mir besonders prägend für einen Charakter scheinen, bleiben dabei im Kopf haften. Szene spielen sich vor meinem inneren Augen ab. Es ist ein wenig wie Tagträumen, mit einer bestimmten Richtung. Und es passiert bei mir ständig nebenbei. Beim Vormichhintippen am Laptop, beim Musikhören, beim Frühstück. 

Mein Mann darf sich sehr oft den Satz anhören ‘Jetzt nicht, Schatz, ich bin grade nicht da.’ Obwohl ich vermeintlich nichtstunend im Wohnzimmer sitze. Da er es aber selbst kennt, das ungezügelte, urwüchsige kreative Chaos, aus dem die besten Ideen entstehen, gibt er mir dann meist nur lächelnd einen Kuss und setzt sich stillschweigend vor den eigenen PC. 

Worum sich das Chaos heute dreht? Mit wem die Muse spielen will? Naja, sie ist noch unentschlossen. Leonie und Fynn aus meinem ‘Axolotlkönig’ findet sie wahnsinnnig spannend, doch muss sie beide erst kennenlernen. Darum zieht sie sich immer wieder zurück um tolle Konzepte für die anstehende Release-Party meines geliebten Sterns zu konzipieren. Denn klar, das Gedankenkind, das sie und ich gemeinsam in den letzten anderthalb Jahrzehnten ausgebrütet haben, will sie natürlich auch in Zukunft noch begleiten, bis der Stern hoffentlich ein weithinsichtbares Licht in dieser Welt wird. 

Oh Schreck … schon fast halb acht! Nun aber Frühstücken und dann los. Liebe Muse, für den Rest des Vormittags musst du schweigen, denn jetzt, habe ich Wichtigeres zu tun. 🙂

 

Einen wundervollen Donnerstag,

 

Eure Sylvia

Sternenfakten Teil 4 – Timeline der Geschichte Eruis

Wenn eine Geschichte irgendwann so außer Kontrolle gerät, wie meine, dann merkt man das spätestens an dem Punkt, wo man sich hinsetzt um eine genaue Timeline zu erstellen, weil man sich immer wieder selbst auf vergangene Ereignisse beziehen muss. Und damit meine ich nicht die ganze Rückblenden. Der Großteil der Leser kommt mit umfangreichen Gesamtwerken wie ‘Das Lied von Eis und Feuer’ klar, dem ich mal unterstelle deutlich komplexer und in noch mehr Handlungsstränge aufgedröselt zu sein, als das Sternenlied. Dennoch war es für mich essentiell neben einer halbwegs korrekten Karte einen groben Abriss der verschiedenen Zeitalter und ihrer wichtigsten Wendepunkte anzufertigen.

Um das Sternenlied zu lesen ist das nicht unbedingt von Nöten, doch ich dachte, vielleicht interessiert es ja die Hardcore-Fans unter euch 🙂

 

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Thoran Blaudrache (von Sylvia Rieß)

 

Anbeginn – Erui wird erschaffen aus dem Traum eines Menschenkindes, Thoran, Teijûn und die Einhörner erwachen.

–> Das Zeitalter der Unsterblichen bricht an.

 

Die Menschen verlieren die Angst vor den Urgewalten, fangen an die Welt zu verstehen. In Erui erwachen Wesen, die den Menschen ähnlicher sind, sterblich und wenig mächtig, wenn auch immer noch mit Magie gesegnet. Die sterblichen Völker erwachen.

–> Das Zeitalter der Hochmagischen beginnt.

In Erui werden die ersten großen Städte und Paläste errichtet. Hochkulturen beginnen sich in allen Ecken der Welt zu entwickeln

Alles endet, als die ersten großen Kriege die Menschenwelt überziehen. In den Einöden jenseits der diamantenen Gletscher erwacht ein Wesen, das anders ist als alle Kinder Erui zuvor. Der Schatten nährt sich von Hass und Bosheit und Niedertracht und beginnt das Land jenseits der Berge mehr und mehr zu vergiften.

–> Die erste dunkle Zeit beginnt.

Auf einer Insel im Norden beginnt sich ein Volk zu sammeln, das mächtig genug scheint dem Schatten  trotzen zu können. Die Völker Eruis erwählen die Eidan zu ihren hohen Königen. Die Drachen und die vier Winde errichten Talveymar in der Mitte der Welt. Die Eidan versuchen Erui zu schützen durch den Zauber der Hohen Krone, doch dadurch trennen sich die Welten auch voneinander und sind fortan durch undurchdringliche Nebelgrenzen entzweit.

–> Die goldene Zeit beginnt.

Die Eidan halten den Schatten gebannt und ihr Volk wächst und gedeiht, wie auch das restliche Erui. Die Träume der Menschen sind ferne Hoffnungen und Elahad fällt von einem Krieg in den nächsten.

Das alte Königsgeschlecht lebt bis zur Geburt ein Prinzessin, die den Namen Laurin trug. Sie fällt in die Hände des Schattens, weil er sie für den prophezeiten Stern hält und entführt sie in sein dunkles Reich.  Aus dieser Verbindung geht ein Kind hervor und Eruis hohe Könige werden ausgelöscht. (Diese Geschichte wird erzählt in “Das Blut der alten Zeit”, noch nicht fertig)

–> Die zweite dunkle Zeit beginnt.

Die Völker verlieren allen Mut und alle Hoffnung. Der Zauber der Hohen Krone ist verloren und Erui wird nicht nur von einem Schattenfürst bedroht, sondern auch von seinem Sohn. Die großen Städte fallen. Es ist der Einhornkönig Ljosalfur der den blauen Drachen schließlich an seinen Schwur erinnert, Erui in den dunkelsten Tagen zu helfen. Doch erst als der Drache das Mädchen Gwendolyn trifft, beginnt er zu begreifen, was er für Erui tun muss.

Durch ihn wird letztendlich der Drachenweg geschaffen und ein neuer König ergreift die Krone. Der junge Thoran Blaudrache ist aber nicht mächtig genug, das Drachenherz zu beherrschen und vernichtet nicht nur Eruis Feinde. Der heilige Rat, der aus der Hohepriesterin Gwendolyn, Mendric, Ariman und Luani besteht, wird vom Himmel dazu ausersehen ewig zu leben und nicht sterben zu können, bis eine neue Zeit in Erui anbricht. (diese Geschichte wird erzählt in der Trilogie “Das Herz des blauen Drachen”, noch nicht beendet)

Die Wächter kämpfen damit jahrelang gleichzeitig gegen den Schatten und den tobenden Drachen, bis dieser schließlich verschwindet und ein neuer König den Drachenweg beschreitet. Aus seinem Geschlecht gehen für viele Jahrhunderte neue Könige hervor, bis auch diese Linie ihr Ende findet und sich keiner mehr traut, den Drachenweg zu gehen.

Dieses Zeitalter ist bekannt als die dritte dunkle Zeit oder auch das Zeitalter der Ewigen Wächter.

 

So das wars für heute von mir. Achja, ich läute die Tage irgendwann den Countdown für den Sternenstaub ein 😉

 

 

Wenn ihr neugierig seid und jetzt erst über meinen Blog fallt, dann geht es hier zu den anderen Artikel über die Entstehung meiner Saga.

Sternenfakten Teil 3: Der Wendepunkt – eine Geschichte wird zum Epos

Melias_Dave
Königsfamilie aus Arvindûras, Dave, D’winn, Melias (von Dorothee Rund)

 

Erst einmal muss ich mich kurz entschuldigen, dass ich so lange nichts geschrieben habe, wollte ich doch eigentlich diesen Monat wirklich nutzen um euch mit mehr Hintergründen vertraut zu machen. Leider kam das Reallife dazwischen.

Über die Anfänge Eruis habe ich euch ja am Beginn des Monats schon etwas erzählt. Auch darüber, wie eine Charaktere sich gewandelt haben. Das Charaktere sich entwickeln, das sollte in jedem guten Roman aus meiner Sicht der Fall sein, doch manchmal ist das nicht genug.

Es war so circa zu meiner Abiturzeit, da hatte ich die erste Version der Geschichte geschrieben. Ich fand sie zum allerersten Mal so gut, dass ich mich getraut habe, sie mit meinen damals besten Freunden zu teilen. Ich weiß noch, dass wir stundenlang bis tief in die Nacht über ICQ Ideen ausgetauscht haben und ich ganz stolz immer ein paar Absätze geschickt habe, wenn sie mir nach der dutzendsten Überarbeitung richtig gut gefielen. Das Feedback hat mich total umgehauen. Und ich bin da gelandet, wo jeder Jungautor meiner Meinung nach einmal durch muss: In der Oh-Mein-Gott-ich-werde-wirklich-der-nächste-Tolkien-Phase!

Heute kann ich darüber lachen. Doch ja, wenn man das erste Mal die Begeisterung entgegen gebracht bekommt und man darum gebeten wird bitte, bitte sofort weiterzuschreiben, dann fühlt sich das großartig an. Wohl einer der vielen Gründe, warum Plattformen und Foren wie Deviant-Art sich so gut etablieren konnten. Sie geben einem ein unglaublich gutes Gefühl. Was sie nicht geben, ist ein realistischer Blick auf das, was man da geschaffen hat. Ich meine, klar die eigenen Freunde finden das gut, weil sie vielleicht die eigenen RPG-Geschichten schon immer gut fanden, weil der Kern des ganzen schon ganz gut getroffen war. Doch was meinen Stern wirklich weitergebracht hat, war das Urteil eines mir sehr wichtigen Freundes.

Seine Worte waren: “Ganz nett, aber zieht sich ein wenig!”

Die einzig mögliche Reaktion eines jungen Schreiberlings auf solch blasphemischen Worte kann immer nur sein: “Du Banause, du hast die Kunst dahinter nicht verstanden. Du siehst das große Ganze nicht und verstehst nicht, wie toll diese Geschichte ist.”

Ich habe danach aufgehört zu schreiben. Es hat mich tatsächlich in eine Sinnkrise geworfen. Das Abi hat dann sein übriges getan, dass ich keine Zeit mehr zum Schreiben fand. Dass ich in dieser Zeit selbst auch ziemlich krank war, und niemand so wirklich wusste warum, hat dann meine Schreiberei den Rest gegeben.

Ich machte die Schule fertig. Ich wurde langsam wieder gesund. Ich ging mit Schulfreundinnen nach Neuseeland. Eine Erfahrung, die mich heute noch gefangen hält. Es waren sechs ganz wundervolle Monate, doch zu Weihnachten kam ich ungeplant wieder nach Hause. Ich wollte wieder bei meiner Familie, bei meinen Pferden, bei meinen Freunden sein. Und: Ich wollte wieder schreiben!

In Neuseeland habe ich, ganz untypisch für mich, begonnen Tagebuch zu schreiben. Jeden Tag in einer kurzen Notiz festzuhalten und zu reflektieren. Das hat mir geholfen, auch das Urteil meines Freundes zu meiner Geschichte noch einmal genauer zu betrachten. Ihm war vermutlich gar nicht bewusst, was er damit angerichtet hatte, doch ich musste letzten Endes eines erkennen: Wenn jemand aus meiner Geschichte nicht das herauslesen kann, was ich in meinem Kopf gesehen habe, er die Gefühle nicht spürt, er die Welt nicht sieht, dann ist das nicht der Fehler des Lesers. Vielmehr habe ich als Autor dann verpasst, es so zu schreiben, dass es bei ihm ankommen kann.

Das soll jetzt um Gottes Willen kein Aufruf dazu sein, unsere Geschichten nur leserorientiert zu schreiben. Ich meine klar, der Großteil der professionellen Buchbranche läuft so: Glitzervampire gehen grade. Wer kann denn einen guten Glitzervampirroman schreiben? Jeder Autor, der damit seine Brötchen verdienen muss, hat schon einmal zu so einer Anfrage etwas geschrieben. Und es ist nichts falsches dran. Auch der Buchmarkt ist ein Business. Doch meiner Meinung nach entstehen die großen und fantastischen Geschichten anders. Es sind die geliebten Gedankenkinder, die wir Jahrzehntelang in unseren Schubladen liegen haben. Die vielleicht schon tausendmal bei einem Verlag vorlagen und abgelehnt wurden, weil noch nicht ausgereift, – was wir erst begreifen müssen -, oder weil die Zeit dafür grade nicht passt, – was abwarten bedeutet -, oder schlicht, weil sie zu groß sind und unsere Namen noch zu unbekannt, als dass ein Verlag ein solches Risiko eingehen könnte.

Nichtsdestotrotz sind wir beim Schreiben blind. Wir sehen die Szene in unserem Kopf, wir hören die Worte, können ihre Aussagen kopieren. Aber gelingt uns das auch mit dem Rest einer Situation? Den leichten Untertönen, den Spannungen zwischen den Charakteren? Und das, ohne dass es endlos ausschweifend wird?

Mit all diesen Gedanken im Kopf begann ich damit eine neue Version des Sterns zu schreiben. Ich kam weg von der chronologischen Erzählweise, verlegte den Beginn der Geschichte an jenen Wendepunkt, der heute ihren Anfang bildet: Eine junge Frau kehrt nach Hause zurück, nachdem sie vor vier Jahren für tot erklärt wurde. Aus einer Auflistung an Ereignissen wurde ein Rätsel.

Mein einziges Problem: Ich habe gefühlt zehntausend Anfänge geschrieben und jeder klang gut. Aber früher oder später liefen alle in eine Sackgasse. Ich kam nicht weiter. Der Übergang nach Erui war irgendwie versperrt. Es dauerte lange, bis ich sah, dass es nicht etwas war, nicht das Wie, das fehlte, sondern ein WER. Eine Figur, durch die Fenia es schaffen konnte ein weiteres Mall den Weg zurück in jenes Reich zu finden, das ihr alles gegeben und noch viel mehr genommen hatte.

Dieser letzte Charakter, der sich mir erst vorstellte, nachdem ich die Geschichte meines Sterns schon in und auswendig kannte, war Dave. Ich weiß nicht mehr genau wie und wann, doch irgendwann schrieb ich eine Szene, in der Fenia versuchte mit Yvonne über das zu reden, was jenseits der Schleier geschehen war. Und plötzlich fiel ihr Blick auf ihn. Danach war alles einfach. Die Worte flossen nur so aus meinen Fingern. Ich konnte ein weiteres Mal von vorn beginnen, und wie bei einem Puzzle, wo ein letztes Teil gefehlt hatte, bevor man das Bild erkennen konnte, fügte sich alles ganz simpel und einfach ineinander.

Wenn also mein damals bester Freund nicht gewesen wäre, hätte ich niemals selbst den verschollenen Prinzen aus Arvindûras kennengelernt und mein Stern wäre eine ganz nette Geschichte mit 400 Seiten geblieben.

 

Sternenstaub – Großer Release-Aktionsmonat!!

Sternenlied 3

Eine Saga findet ihren Abschluss!

Es ist endlich so weit und ich kann euch nach langem Aufschieben für den April endlich das Erscheinen von “Sternenstaub”, dem dritten und abschließenden Band meiner Saga “Der Stern von Erui”, ankündigen.

Da mich selbst diese Reihe nun schon über ein Jahrzehnt begleitet, mir Erui so vertraut wurde, dass ich gedanklich darin fast zu Hause bin, will ich dieses wundervolle Ereignis mit euch feiern. Einen ganzen Monat lang!

Darum ist der April bei mir ganz und gar dem Stern, der Welt Erui und seinen Bewohnern gewidmet. Täglich werdet ihr hier Neues erfahren. Auch die von euch, die glauben, die Reihe bisher zu kennen. Freut euch also jeden Tag auf kleine Highlights und Anekdoten aus der Zeit, als Erui unter meinen Fingern entstand. Neue Details und kleine Macken eurer Helden, die sie schon immer hatten, aber die in der Geschichte vielleicht nur am Rand oder gar nicht zu finden sind.

Der Mittelpunkt für alle, die alten Hasen und die neuen Leser, die vielleicht erst jetzt mit dem Erscheinen des letzten Bandes nach Erui finden, sollen drei große Leserunden sein, die sich über den April hinausziehen werden. Für jeden Teil eine. Wir beginnen mit Band 1 “Heimkehr”.

Klar, meine treuen Fans haben ihn schon verschlungen, manche sogar zwei-, dreimal. Andere haben es noch vor. Also ist hier eure Chance. Als Bord für die Leserunde habe ich Lovelybooks gewählt. Ihr könnt euch hier für die Leserunde anmelden.

Am Ende jeder Leserunde für jeden Band wird anschließend unter allen, die möchten und eine Rezension verfassen, eine Printversion verlost werden.

Und achja, wo wir bei Print sind: Im Laufe dieses Monats wird schließlich auch der zweite Band “Schattenkriege” als Print-Edition erscheinen. Ihr könnt euch auf das neue Cover freuen. Besonders die unter euch, denen meine männlichen Helden das Herz gestohlen haben ;). Den ersten Blick darauf findet ihr hier.

Was gibt es noch zu sagen?

Nun die eine oder andere Gewinnspielaktion wird gestartet werden. Ganz klar. Für mich ist es das Ende meiner bisher liebsten und größten Geschichte, die mich so lange fasziniert. Diese Freude will ich mit euch teilen.

Im übrigen werden einige unter euch sich auf unerwartete Post freuen dürfen. Achtet auf diese Karten zwischen euren anderen Bücherpäckchen. Sie sind sozusagen die VIP-Einladung für die kommenden Events. 🙂

                   Postkarte Fenia2  Postkarte Llewellyn Postkarte Joe Postkarte DwinnPostkarte Dave

Wir sehen uns in Erui. Bis dahin alles Liebe 🙂 .

Kleines Ostergeschenk für Sternenfans

Guten Morgen ihr Lieben und ein wundervolles Osterfest!

 

Ich hoffe ihr habt alle eure Eier schon gefunden. Für mich hat der Osterhase dieses Jahr ein Bienenhotel mitgebracht, dass ich auf meine Blumenwiese stellen kann :). 

Ich habe natürlich auch eine Kleinigkeit für euch, nachdem ich ja leider viel zu lange nichts von mir habe hören lassen. Dafür darf ich euch ganz stolz heute das Cover für die Printausgabe zu ‘Schattenkriege’ vorstellen. Passend zum ersten Teil wurde das Motiv von mir entworfen und umgesetzt wieder von der Künstlerin Dorothee Rund. Einmal mehr hat sie es geschafft, mich in Erstaunen zu versetzen. Ich hoffe, ihr mögt es genauso wie ich. 

Im übrigen ist es nur eine von vielen Überraschungen, die in den nächsten Wochen auf euch warten. 

Jetzt wünsche ich euch einen ruhigen Tag im Kreise eurer Liebsten. 

Printcover Schattenkriege Front
Die Schattenkriege ziehen auf!

Die eine große Frage …

Hey ihr Süßen,

 

einige von euch konnten aus verschiedenen Gründen nicht zur LBM. Manche wollten vielleicht auch gar nicht, so wie ich. Damit euch bei dem trüben Wetter nicht langweilig wird, und weil es mich brennend interessiert, stelle ich euch heute mal eine ganz große Frage, um die sich quasi meine Trilogie “Der Stern von Erui” dreht.

Ein Schattenwesen, geboren aus allem schlechten, was die Menschen je gedacht und je geträumt haben, unsterblich, weil seine Erschaffer niemals aufhören werden, zu hassen, zu neiden, zu streiten, zu töten, wie kann man es besiegen?

Schreibt eure Antwort einfach in die Kommentare. An die tolllsten versende ich eine der neuen ‘Stern von Erui’-Postkarten mit dem jeweiligen Wunschmotiv. (Ihr könnt sie euch unten ansehen 🙂 )

Jetzt bin ich auf eure Antworten gespannt. Ihr habt Zeit bis Sonntag den 20.03.2016 um 24.00 Uhr.

Meine Antwort erhaltet ihr übrigens mit dem Ende von Sternenstaub 😉 .

 

Liebe Grüße,

 

Eure Sylvi

 

Postkarte Fenia2 Postkarte Llewellyn Postkarte Joe Postkarte Dwinn Postkarte Dave

 

Keine Entschuldigung – oder aber, der Unterschied zwischen Indie und Verlagsautor. Ein Friedensappell!!

Im Moment rollt irgendwie mal wieder ein große Welle Hass und gegenseitige Anfeindung durch das Internet. Wo das ganze losgetreten wurde, weiß ich nicht einmal so genau. Aber anscheinend muss man da jetzt Fronten beziehen. Verlagsautor gegen Indie, Lektoratsjünger gegen ‘hab ich mir alles selbst angeeignet’. Dazu mischt sich auch der Buchhandel ein und fordert, dass die Indies aufhören irgendwelchen Werbeplatz zu belegen. Und plötzlich tauchen überall böse, sarkastische und zynische Berichte von Selfpublishern auf, die sich nun selbst-ironisch dafür entschuldigen, was sie sind, meinen, sich rechtfertigen zu müssen, obwohl sie diese Debatte vermutlich so absurd finden, wie ich auch.

Da stellt sich mir jetzt kurz die Frage: Muss ich jetzt auch hingehen, und mich bei den Lesern meiner Bücher entschuldigen, dass ich nur ein kleiner Eigenverleger bin? Dass ich nur ganz allein 13 Jahre meines Lebens in eine Geschichte investiert habe-, immer wieder überarbeitet, verworfen, neu aufgerollt, Charakteren mehr Tiefe gegeben? -Und ja, zum Schluss wurde es Beta-gelesen, wie so viele Bücher von mir bekannten Verlagskollegen auch, und hat natürlich ein Korrektorat über sich ergehen lassen. Und nach all dem habe ich es selbst weitere zweimal auf Herz und Nieren geprüft. Denn als Selfpublisher, das war mir von Anfang an klar, bin ich mehr als nur der Autor.

Ob ich mich dabei jetzt Autor nennen darf, die Frage stellt sich mir gar nicht. Denn ich habe es geschrieben, ich weiß, wie viel Schweiß, Tränen und Herzblut da drin stecken, – nicht anders als bei jedem anderen Autor auch. Ganz gleich, ob noch unveröffentlicht oder schon (hoffentlich glücklich) unter Verlagsvertrag.

Das, was mich allerdings von Verlagskollegen unterscheidet, ist der Wille, das unternehmerische Risiko meiner Geschichte, die ein Buch werden soll, auf mich zu nehmen und eben nicht an einen Verlag abzugeben. Denn das tut ein Verlag schließlich. Er sucht sich aus all den eingesendeten Manuskripten nicht die Besten im Sinne von sprachlich besonders innovativ und herausragend oder storymäßig individuell raus. Nein. Ein Verlag, als Unternehmen, sucht nach der besten Mischung, die hinterher am lukrativsten ist. Es geht um Geld. Punkt.

Damit will ich nicht abwerten, sondern nur eine Tatsache feststellen. Autoren, die das in Vollzeit machen, denen geht es auch ums Geld. Denn mit leerem Magen in einer kalten Wohnung schreibt es sich einfach so verdammt unbequem. Darum Hut ab, vor all denen, die sich das zum Beruf auserkoren haben. Ich wollte das nicht. Das habe ich schon ganz früh in meiner schreiberischen Laufbahn festgestellt. Ich wollte meinen Geschichten so viel Zeit geben, wie sie eben brauchen; wie ich brauche um mit ihnen fertig zu werden. Und danach, auch das war mir klar, seit ich vierzehn bin, danach würde ich einen Verlag finden oder es im Zweifelsfall selbst versuchen.

Denn eine Lektion hatte ich da schon gelernt: Mit dem falschen Verlag bist du schlimmer dran, als es als Selfpublisher jemals sein könnte!

So und nun stehe ich da, bin nicht mehr nur noch der Autor meines Buches, sondern auch ein Stück weit mein Lektor, der mir selbst kritisch auf die Finger gucken muss. Ich bin der Unternehmer, dem das Buch das Risiko wert war, es zu versuchen. Nicht, weil ich einfach mal meinen Namen auf einem Buch sehen wollte (das hab ich wie gesagt schon als Teenager hinter mich gebracht), sondern weil diese Geschichte mich beim Lesen immer wieder neu begeistern kann. Sie wollte geschrieben werden, und jetzt will sie, dass ich sie in die Welt rauslasse.

Natürlich könnte ich das jetzt auch einfach in einem Forum für umsonst machen. Doch dafür ist sie mir zu wertvoll. Reich wird man mit dem Schreiben eh nicht. Aber die Faszination, einer Geschichte ein Gewand zu geben, die ist für mich genauso groß, wie sie zuvor geschrieben zu haben. Damit bin ich auch der Designer, der die Motive für die Cover bestimmt. Anfertigen lasse ich dann von einem Profi, denn das muss man als Unternehmer auch können: wissen, wo die eigenen Grenzen sind.

Zuletzt bin ich dann auch der Herausgeber, der all die einzelnen Teile in ihrer Stimmigkeit noch einmal prüfen muss. Das ist eine Menge Arbeit. Gerade den Satz eines Buches machen, so, dass es nachher ein ansprechendes Werk zum Durchblättern  ist, das ist eine der stupidesten Aufgaben, die ich dabei meistern musste. Die positive Seite ist aber: Ich stehe hinterher nicht da und musste Kompromisse eingehen, zu denen ich nur wegen dem Verlagsvertrag gezwungen wurde.

Zum Beispiel erhielt ich neulich ein tolles Buch von einer Kollegin. Das Cover ist ganz ansprechend. Aber Hochglanz. Hochglanz mag ich nicht. Sie vertraute mir an, sie mag es auch nicht. Und dann kam er wieder, jener Satz, der mich zum Selfpublisher werden ließ: “Man nimmt eben, was man kriegen kann.”

Mit diesen wenigen Worten ist für mich alles gesagt.

In wie vielen Artikeln wurde in der letzten Zeit immer wieder angeführt, dass der Unterschied zwischen Indie- und Verlagsbuch der sei, dass das Indiebuch niemals die bestmögliche Variante des Buches sein kann, die es im Verlag geworden wäre? Wenn ich diese ewig kompromissbereiten Sätze meiner Kollegen höre, weiß ich, dass das einfach nicht stimmt. Womit ich jetzt aber keinem einen Vorwurf machen will. Ich stelle lediglich einen Unterschied fest.

Eine ganz liebe, noch unveröffentlicht Kollegin von mir hat zum Beispiel ein tolles Buch geschrieben. Aber sie sagt immer, wenn kein Verlag es will, dann lässt sie es. Man kann dieser Einstellung mangelndes Vertrauen in das eigenen Geschriebene unterstellen, doch auch das will ich nicht. Es sind zwei verschiedene Ansätze. Zwei verschiedene Wege, aus der eigenen Geschichte das Buch werden zu lassen, dass sie werden soll.

Mich hat die Erfahrung eines Verlagsvertrages gelehrt, dass ich nicht mehr alles unterschreibe, und darum habe ich es auch nicht getan. Doch ermutigt durch einige Verlags-Lektoren, die mein Buch für gut befanden, fiel die Entscheidung, es dann schließlich selbst zu machen. Dieser Mut ist keine Arroganz, keine Selbstverliebtheit oder Selbstüberschätzung. Es ist die Einstellung, die die einen Menschen zu Unternehmern, Praxis- oder Geschäftsinhabern werden lässt und die anderen lieber zu Angestellten. Beides ist gut. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Beides kann mit Liebe, Hingabe und Elan für den Beruf gemacht werden. Und beides kann nur mittelmäßigen Einheitsbrei hervorbringen.

Darum hört doch einfach auf, euch die Köpfe einzuschlagen.  Selbst gute Bücher müssen nicht immer Massenware werden und Massenware bedeutet nicht immer gleich ein gutes Buch. Lebt miteinander und lasst die Leser entscheiden, was sie lesen wollen und von wem.

Vielen Dank fürs Lesen und jetzt höre ich für heute auf, Blogger zu sein, und schlüpfe wieder in meine ‘Autoren’-Rolle! 😉

 

Ein Schönes Wochenende,

Eure Sylvia

Postkartenmotive mit meinen Protagonisten

Schon seit einiger Zeit liebäugel auch ich damit so tolle Postkarten drucken zu lassen, wie es sie von vielen Büchern ja mittlerweile gibt.

Aber ihr kennt mich, einfach nur das Cover draufpacken reicht mir nicht. Darum habe ich mal Postkartenmotive mit Zitaten meiner Protagonisten entworfen. Die Portraits sind natürlich wie immer von Dorothee Rund.

Welches findet ihr am schönsten?

 

Postkarte Fenia     Postkarte Llewellyn

 

Postkarte Dwinn  Postkarte Joe  Postkarte Dave